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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 6 (1894) · p. Seite 24

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
6 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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So verführerisch e8 nun auch wäre, daS ganze Arbeit»- gebiet zur Anschauung zu bringen, auf de« unsere» Jubilar» reiche Arbeitskraft sich bethätigt, insbesondere auch da» Gebiet der synagogalen Liturgie, auf dem er so Großes, Vortreffliches, Dankenswerte« geleistet, um dadurch auch dem Fernerstehenden eine Ahnung zu geben von dem Aufwand« an Geist, EombinationSgabe, aber auch von Geduld und selbstloser Hingebung, die ein solche» Gelehrtenleben bedingt und voran»setzt, so muß ich mir die» doch allein schon mit Rücksicht auf den Jubilar und die Kürze der Zeit, die mir zur Beifügung steht, leider versagen. Haben doch diese selbstlosen Studien ihm die Freundschaft eine» Maur.es eingebracht» den wir Alle, we» Glaubens wir auch find, hoch verehren, Franz Delitz sch'8, den wir um seiner warmen Liebe zur Mischen Literatur willen den Johann Reuchlin unseres Jahrhundert» nennen mSchten, der aber auch, seinem eignen Geständnisse nach, in seinen letzten Dezennien kein Werk geschrieben, an welchem unseres Jubilars reiches Wiffen nicht einigen Anteil gehabt hätte. Und wie mit diesem, so verband und verbindet ihn auch mit zahlreichen, insbesondere christlichen Gelehrten — ich nenne nur Merx, Strack und den verstorbenen Tischendorf — warme Freundschaft. War doch daS bescheidene Haus des liebreichen Lehrers in manchen Sommer der Sammelplatz deutscher, französischer und englischer Gelehrten, die au» dem reichfließrnden Borne seine» Wiffeu» Belehrung schöpften. Und da drängt sich mich mir unwillkürlich ein Gedanke auf, dem ich, wenn auch zaghaft, Ausdruck gebe. Wie mag doch, sage ich mir, der bescheidene Gelehrte, ohne eS vielleicht selbst nur augestrebk zu haben, auf Gesinnung, Stimmung, ja selbst GristeSrichtuug eines Franz Delitzsch eiugewirkt haben, die ihn bei aller Selbstständigkeit des Denkens und Forschen» gerade diese Stellung zum Judentum und zur jüdischen Literatur hat einnehmen laffen, um derentwillen wir ihn den chasside umotli haolom, den nichtjüdischen Frommen zuzählen! Ja, wer möchte e» so ganz abweisen, daß Straps mannhaftes, mutiges, unerschrockenes Ein- und Auftreten zu unseren Gunsten durch zarte Fäden mit der schlichten Gelehrlehrtenstube unseres würdigen Jubilar» in Verbindung steht! Und ist nicht dies stille, bescheidene Gelehrtenleben an sich eine Ehre, ja ich darf sagen, eine Ehrenrettung für unsere religiöse Gemeinschaft? Denn liegt nicht in solchem der Wissenschaft allein nur geweihten Leben ein stillschweigender Protest gegen die bei unseren Feinden und Gegnern verbreitere Anschauung, daß Jude und materialistisches Streben gleichbedeutend, identisch seien? Hier sehen wir die selbstloseste Hingabe an eine Wissenschaft, die nur in der Erforschung selbst ihren Jüngern Befriedigung gewährt, denen selten nur eine äußerer Anerkennung winkt. In der stillen, abgeschlossenen Klauke, über schwer leserliche Manuskripte gebeugt, mühsam eine Lesrart erforschend, oder in alten Folianten Rat und AufschluS suchend, wer, der noch so gehässig und vorurteilsvoll, könnte solchem Leben seine anerkennend« Verehrung versagen! Berehrte Festsammlung! ES soll, nach einem Worte unserer Alten, deS Mannes Lob niemals ganz und voll in seiner Anwesenheit verkündet werden. Und wahrlich, ich war diese» Worte» eingedenk; denn gar Manche» Hab« ich unterdrückt, waS mein Herz mich noch zu sagen drängte. So laffen Sie mich denn, verehrter Herr Jubilar, eines hohen ehrenvollen Aufträge» zunächst mich noch entledigen. Seine Majestä! der Kaiser und König haben geruht. Ihnen aus Anlaß Ihre» fünfzigjährigen Dienstjubiläum» den Königlichen Kronenerden vierter Klaffe zu gewähren, dessen Insignien ich, hohem Aufträge gemäß, Ihnen hiermit überreich«. Möchten Sie Sich diese» Zeichen» kaiserlicher Huld und Gnade noch viel«? ahr« erfreuen dürfen. Mt diesem Zeichen hoher Gnade Hab« ch Ihnen die Glückwünsche de» Königlichen Landrate», de» Herrn Grafen Matuschka, auszusprechen^ um deren Uebermitteluug mich derselbe ersucht hat. E» liegt mir noch ob. Ihnen ein« Ehrengabe zu überreichen, die die Alliance iSraelite universelle Ihnen al« em schwache» Zeichen ihrer Sympathie für Ihre wissenschaftlichen Leistungen darbietet. Ebenso habe ich dieangenehme Pflicht, Ihnen vom Deutsch- JSraelitischen Gemeindebund, der sich noch vorbehält. Sie zn beglückwünschen, eine Ehrengabe zu übermitteln. (Der Redner überreichte dem Jubilar die ihm für denselben zugekommeneu Ehrengaben an» London (Oberrabbiner Dr. H. Adler), Wien (Oberrabbiner Dr. Güdemann), Kopenhagen (Oberrabbiner Dr. Simousen), Müuchen (Oberrabbiner Dr. Perles),*) brachte deren warme Glückwünsche zum Ausdruck und fuhr fort:) Und nun empfangen Sie, verehrter Herr Jubilar, der Sie ein halbes Jahrhundert in Schule und Synagoge Ihre» heiligen Amtes gewaltet, auch meine aufrichtige Anerkennung^ meinen Dank für Ihr treues Wirken, meinen herzinnigen Glückwunsch zu diesem Tage und zu den hohen, aber wohlverdienten Ehren, die er Ihnen gebracht. Möge Ihnen dit Zukunft, die sich weit vor Ihnen auSdehne, nur Glück und Ehre bringen. Mögen Ihnen noch viele Freuden erblühen im Schoost« Ihrer Familie, inmitten Ihrer Gemeinde! Möge der himmlische Vater Ihre Kraft stärken, auf daß wir noch mancher Furcht Ihres Geiste« uns erfreuen dürfen! Ja, mögen. Ihnen noch reiche Früchte erwachsen auf dem Felde, dem Sit die Kraft Ihre« Geistes stets unermüdet geweihet haben! Da»- walte Gott! Allerlei. Sine Ccinuernng a« Dr. Jellinek Herr Dr. G. Deutsch, Professor am Hebe. Union College in Eincinnati, erzählt von einem Besuch«, den er al» Student im Jahre 1870 dem Wiener Prediger machte, und teilt folgendes interessante und charakteristische EiugangSgespräch mit: »Also, Sie find Herr Deutsch," fuhr er mich au. Ich nickte, um anzuzeigen, daß ich mich schuldig bekenne, der genannte Bösewicht zu sein. »Sie wissen, daß ich Ihnen da» Königswart'sche Stipendium verschafft habe." Ich ' bekannte, daß ich die» wohl wisse und mich auch schriftlich dafür bedankt habe, was ich mündlich wiederholte. »Sic find aber trotzdem", fuhr Jellinek fort, „schon vierzehn Tage in Wien, ohne sich bei mir vorgestellt zu haben." Ich stammelte eine ungeschickte Entschuldigung, die Jellinek bei seiner Schwerhörigkeit nicht hören konnte. „Wiffen Sie, wie ich eine solche Handlungsweise nenne? DaS ist jüdisch!" Ich schwieg, da ich meiner Natur nach immer am dümmsten bin, wenn ich eine geistreiche Antwort brauchen könnte. „Nun will ich Ihnen etwa» sagen. Bawerben Sie sich um da» Jette leS'sch« Stipendium und berufen Sie sich in Ihrem Gesuche auf mich, Sie werden e» erhalten. Sehen Sie, so handelt Dr. Jellinek. Run kommen Sie weiter." *) Nachrrtglch ging noch ein« ansehnliche Ehrengabe von Breslau durch Rabbiner Dr. gtuttumnn et». 3 A I Inhalt: Die auktm Krankheit. Lustspiel iu vier Akten. Bon S. R. Margulie«. — Festrede bei der Feier de« SOjähriaea Amtsjubtlämn» des R« liaionslehrers Dr. E. Bsr in Biebrich, von Bezirks» rabbtner Dr. M. Alberst «in in viesbaden. — Molti Ein« Erinnerung an Dr. Jellinek. (Nachdruck aus diese« Blatte ist »erboteu.) Verantwort. Redakte in Dr. Rahmer Magdeburg. Druck: Friedrich Rasche sc Le., Magdeburg. Verlag: Robert Frie se Leipzig-

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