Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 5 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 18 dunklem duftenden Nadelholz und nur auf der einen Seite, die allmählich sanft absteigt, schaut dar trunkene Luge" hinüber nach den schneebedeckte» Gletschern, vergoldet von der untergehenden Sonne, schaut hinab nach dem tosenden, schäumenden GebirgSstrom, der rastlos dahin braust, Steingerölle und Baumstämme mit sich reißend. „Wie schön ist'S hier," sagte Lrah ihr Köpfchen an die Brust JoelS lehnend, „da» ist wahre GotteSnaturl" Und Aron nnd Sarah saßen Hand in Hand im Moose und schauten glückstrahlend auf ihr Kind, das wieder zum neuen glücklichen Leben erwacht war an der Seite Joels, den sie Me, wie sie hier versammelt waren, liebten und hochhielten. Und dicht daneben saß auch Judith mit ihrem Manne und der kleine dreijährige Joel nebst dem zweijährigen Samuel spielten neben ihnen. Und etwas abseits sta nd Esther, Gabriels Schwester, an einen Baum gelehnt und schaute träumenden Blicke» hinüber' nach den ziehenden Wolken die so selsame Figuren bildeten; und sie wußte eS gar nicht, daß ihre Augen voll Thränen waren, sie fühlte nur das rasche Pochen ihres Herzens. Und sie wußte auch nicht, daß ihreZkleine Hand noch immer in der deS neben ihr stehenven jungen ManneS ruhte, der so liebliche Worte ihr zuflüsterte. Es war Benjamin Picho, der Sevilla verlaffen hatte, um Esther zu folgen, bis er sie endlich hier fand. Und so standen sie einander gegenüber, schweigend, als die fröhliche Stimme Joels sich hinter Beiden vernehmen ließ. „Hört Rabbi!" rief er lustig, „ich glaube, wir werden mit nächstem in unserem Tempel eine große Feierlichkeit haben." „Was wäre die?" ftagte dieser, sei» Gespräch mit Mirjam unterbrechend zu Joel aufschauend. „Ich glaube' die beiden dort — und er zeigte auf Esther und Benjamin — werden gar bald unter der Ehuppe stehen. ES wird die erste Trauung sein in unserem neuen Reiche. - Zu Glück und Segen!" — Und so kam es auch bald. Nicht im^politifchen Weltgetriebe, sondern im innigen Fa «ilieoleben fanden die Israeliten allezeit ei» unbeneideteS Glück In der Familientreue fanden sie reichlichen Ersatz für die wandelbare Laune der Könige und Böller. Die Vorbildung des jüdische» Lehrers im Seminar. Lehrrrcollferrnz.Boetrag von H. Re uh in Reusradt^dodeu». V. Die verbild««, de» jüdische« Lehrer» s»r «edenerwerb. Wenn wir bis jetzt von der Warte des jüdischen Jnterress« auS die Befähigung deS Lehrers, wie sie ist und wie sie sein sollte, einer Beurteilung unterworfen haben, so leite uuS in folgenden beiden Punkten daS persönlich« Jutereffe d«S Lehrers. Sie erwarten nicht, daß wir hier Beschlüsse bezüglich der finanziellen Besserstellung der Lehrer fassen, weil dieses weder zu unsrer Sache gehört, noch irgend Erfolg haben würde. Soviel aber in unser» Kräften steht, solle» wir alle Hebel in Bewegung setzen, unsere materielle Stellung so viel tüte möglich zu verbessern, solange die Selbsthilfe unsre amtliche BerufSthätigkeit nicht schädlich beeinflußt und soweit als sie dem Lehrerberufe entspricht. S» steht außer alle« Zweifel, daß jede Nebenbeschäftigung die Kräfte «nd die Lust zur Erfüllung der Berufspflicht schwächt und ableutt, daß sie die notwendige Fortbildung deS Lehrer» im Amte erschwert. Riemaad kann zweien Herren zugleich diene«. Am geringste» ist »er Schade« bei der de« Lehrer allein anstehenden Neben» beschästigung, näml. der Erteilung voaPrtva t u u t ericht. Der Lehrer bleibt dabei doch in seinem Lernfe. Eine» widerlichen Eindrnck machen dagegen die Lehrer, diealSveficherung»- a p o st e l «ach der Schule de» Klaffeustaub abschütteln nnd als enragierte Geschäftsleute ihre Gemeindemitglieder oder fernstehende BerficheruugSkandidaten mit einem Eifer, der einer idealeren Sache würdig wäre, zu Abschlüssen überreden. Die Erfahrung bestätigt, daß jene Lehrer, von de« Erfolge» Gunst emporgetragen, immer höhere Staffeln auf der Raugleiter de» BerficherungSgeschäftS wohl ersteigen, aber dabei ihre eigentlich« Aufgabe vernachläßigen. Da die Bedürfnisse einer mäßigen und bescheidenen Lebenshaltung meistens nicht von dem Stellengehalte gedeckt werden können, li«gt für un» Lehrer die zwingende Veranlassung vor, durch Privatunterricht die Einnahmen zu erhöhen. Dem Lehrer bietet fich nun allenthalbeu^ungesucht Gelegenheit, ohne besondere Anstrengung und ohne seiner Würde etwa» zu vergeben, Geld zu verdienen, wenn er wiederum den Ansprüchen entsprechen kann. Besonder» häufig wird Privatunterricht in fremden Sprachen verlangt. Dieser Unterricht wird auch gut bezahlt. Der jüdische Lehrer steht fich aber häufig außer stände, in Sprache« zu unterrichten, weil er im Seminar keine erlernt hat. _ Er, der sich zu den Gebildete» zählt, steht in diesem Theile D deS Wissen« hinter jede« Knaben, hinter jedem Mädchen, die in der höheren Schule die fremden Sprachen lernen, zu seiner Schande weit zurück. Schon au» dem Grunde, daß zur Bildung Kenntnis einer fremden Sprache gehört, sowie um die Einkünfte der Lehrer günstiger zu gestalten, muß gefordert werden, daß die jüdischen Seminare ihre Zöglinge wenigsten» in einer ftemden Sprache unterrichten. Möchten doch die jüdischen Anstalten tz 30 der Lehrordnung und de» Lehrpläne» für die Kgl. Seminare fich ansehen, der da lautet: „Der ftemdsprachlich« Unterricht wird in drei Kursen erteilt, welche von der übrigen Klasseneinteilung unabhängig zu bilden find und in welche die Seminaristen je nach dem Maße ihre Borbilduug eintrete». Die unterste Abteilung beginnt mit der Elementar-Grammatik der betreffenden Sprache." Die Seminare mögen getrost die Aufnahme der Aspiranten an die Bedingung knüpfen, daß fie in der französischen Spracht beispielsweise da» Slementarbuch von Plötz durchgearbeitet haben. Wenn der Lehrer Französisch gut unterrichten kann, dann ist ihm für den Kampf um» Dasein eine neue kräftige Waffe geliefert und er wird stet» mit Dank auf seine nährende Mutter znrückblicken. — Wenn die Seminare die Forderungen erfüllen, die ich für de» Musikunterricht gestellt habe, dann wird der jüdische Lehrer auch die Kunst der Mufik sowohl als hohe, himmlisch« Göttin, wie auch al» melkende Kuh verehren. Den Lehrer auf eigne Füße stellen, ihn unabhängig machen von der Zeiten und Leute Gunst, heißt der jüdischen Schule einen Dienst leisten, heißt dem Lehrer zur Lharakterstärke zu vrrhelfen. VI Dte StzaraktertilAimg a«f de« Seminare. Damit bin ich »un auch zu der letzten Anforderung au unsre Anstalten gekommen. Ich rufe denselben zu: Erziehet und bildet Eharakterel Wenn schon ein jeder Jude nicht nur in der Zeft de».Judenhasses, sonder» immer ein Eharatter sein sollte, daun ist Charakterstärke und -festigkett vom jüdischen jLe h rer umso mehr zu fordern. Der jüdssche Lehrer muß in seiner Schul« geliebt und verehn, in seiner Gemeinde geachtet sein. Sine große Liebe muß ihn erfüllen: Lieb« zu den Kindern, Liebe zur Religio», Lieb« zu den Juden und dem Judentum, Lieb« zum Vaterland «nd der Menschheit. Wissen soll ihn erheben über di« Menge seiner Gemeinde, Tugend soll einem Lehrer den Weg zum Herze» und zum verstände der Gemeindemitglieder bahnen. Sr soll der aüderSgläubigm Bevölkerung geg««über «tu würdiger Vertreter der Gemeinde in ihre« Glauben nnd Handelu fei». Wohl werde« diese großen Vorzüge «nd Tugenden der ' Lrhrrrpersöulichkett erst im reiferen Alter erworben, wohl bildet sich et» Charakter im Strom der Wett, aber mit eine» Male wird «n» kein Charakter. Die Egtwickelmig da. zu beginnt «tt dem Aagenblickr de» Bewußtsein». „Der Er