Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 5 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 5. Jüdisches 1894. l c >) HerauSgegeben von Dr. M. Mch»«r tn Magdeburg. "W Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. - . DoS „Ftidifchr Wnmiltrn-Blutt" erscheint wöchentlich als Bvtttw-Bellsse zur „»»onrlttifchen Sein unbefugte Nachdruck »u» diesem Blatte ist untevsagt. — Die Einzelnummer kostet 10 Pf», bei der Don Pedro und sei« jüdischer Minister. Hist»risch« ft|ittnng «a( de» 14. Iohrhonderl. Bon Ad. v. Zemliadzkv. (Schluß.) Berblichen waren beide Sterne, verschwunden waren ste vom Firmament. Don Samuel ruhte in der kühlen Erde; der Wahnsinn jagte auch den König seinem Grab« rasch entgegen. Immer blutgieriger, grausamer wurde jetzt Don Pedro und nur mit Grauen und Entsetzen nannte da? Volk seinen Namen. Don Heinrich de TraSstamare war während der ganzen Zeit nicht unthätig gewesen. Er sammelte große HeereShaufen und laut jubelte er auf, als er Rachricht von der Ermordung Don Samuels erhielt. Jetzt entbehrte Don Pedro seines klügsten RathgeberS, der allein über ihn noch eine Gewalt besessen! Und als bald darauf Don Pedro auch seine ihm gegen seinen Willen angetraute Gemahlin Bianca von Bourbon, gegen die er einen Widerwille« besaß, durch Gift — wie man fälsch!, verbreitete — au« dem Wege räumen ließ, tobte ein Schrei des Unwillens durch da« ganze Land. Die dem König bis jetzt noch treu Gebliebenen fielen von ihm ab und das Königreich Frankreich rüstete große Truppenmaffrn auS, welch« zum Heere Don Heinrich« stießen. Sogar der Papst in Rom trat gegen Don Pedro ans und sprach den Bannfluch über ihn. Noch einmal zeigte sich Don Pedro, wie er früher gewesen, »»jener Zeit in der sein Volk so sehr ihn liebte. ES war zu M o n t i e l am Tage der Schlacht. ES schien der Wahnsinn von ihm xcschwunden. In goldner Rüstung herrlich schön zu schauen, stand der König an der Spitze seines Heeres gegenüber dem Feinde zur Schlacht bereit. Und die Hörner ertönten zum Angriffe und die Heere setzten sich in Bewegung. Die wilde Schlacht begann. E» war ein blutiges Gemetzel. Bon beiden Seiten fielen die tapfersten Streiter in großer Zahl. Nur noch ein bunter Ehaos war zu schauen. Reiterlose Pferde sprengten dahin, verwundete. Sterbende, Tote deckten da« Schlachtfeld. Don Pedro hatte Blut gesehen, und Raserei hatte sich seiner bemächtiget, sein Schwert mähte rechts und link» Alle« »ieder. Er schien keine Ermüdung zu fühle», immer weiter vorwärts dring er, bi» er endlich vor Don Heinrich, an dessen Sette sich Bertraud du Guefchin aus Frankreich befand. Wüthend drang er auf beide ein, doch plötzlich stürzte sei» Pferd. Schuell war er au» dem Sattel und kämpfte gegen die Beide». Sein Schwert brach. Da uutklammerte er mit einem schreckliche» Schrei die Gestalt Do» Heinrich«. Ein wildes schreckliches Ringen begann. Don Pedro unterlag, die Klinge seines Bruder trennte ihm den Kops vom Rumpfe. Eastilien» Kör.'g war todt, und Heinrich de Trastamar« setzte sich mit den vom Blute seine» von ihm gemordeten Bruder? triefenden Händen die Krone EastilienS auf» Haupt. Und die Scharen, die mit ihm aus Frankreich herübergekommen waren, begannen zu morden und zu plündern nach Herzenslust und Niemand wehrte ihnen. Toledo, Sevilla, diese blühenden Städte, sie wurden verwüstet und von den vielen Tausenden von Juden waren kaum so viele Hunderte zurückgeblieben. In Billadiego und Aquilar wurden die Gemeinden vollständig aufgerieben. 24. Schluß. Die Edelsteine, welche Gabriel sein Eigenthum nannte, sic waren einst dazu bestimmt, das Chazarenreich wieder aufzurichten, aber das konnte doch nicht mehr geschehen. Ein andere» Reich wurde mit ihnen errichtet Ein kleine» Reich in einem von aller Welt abgeschlossenen Winkel der Erde, fern von Spanien, fern von all den Gräueln und Mifsethaten, die Fanatismus und Willkür verübten, in Helvetien» Bergen. In einem wunderbaren Thale, rings eingeschlossen von gewaltigen Gebirgen, hatten Gabriel» Edelsteine neue« Leben geweckt. AuS ihnen waren dort in kurzer Zeit kleine hübsche Häuser, umgeben von blühenden Gärten,.ewporgewachsen. Waldungen, Wiesen und Felder wurden durch sie Gabriels Eigenthum. Eine kleine blühende Stadt erhob sich, wo noch vor wenigen Jahren kaum de« Menschen Fuß den Boden betreten hatte. Fast Alle, die hier wohnten, waren aus Eastilien auSgewandert, hatten sich hier ruhig niedergelassen, und niemals bereuten sie eS. Ein freie jüdische Gemeinde hatte sich gebildet, hatte sich einen kleinen Tempel gebaut, genau nach dem Muster d«S von Don Samuel in Toledo erbauten Prachttempels und sogar die Inschrift, die man dortselbst angebracht, ste fehlte auch hier nicht. Mit goldenen Lettern honnte man auf grünem Grunde den 80. Psalm in hebräischer Schrift lesen. Gleichzeitig waren ans den Außenseiten Inschriften angebracht, welche da» Leben und die Berdienste der Fürsten Samuel Lrvi den Meir verewigten. DaS Oberhaupt dieser Gemeinde war Rabbi Santob Löw. Und hier finden wir sie Me vereint, die wir kennen gelernt, die fich durch die Stürme de» Leben« hierher in eineu sichern Hafen geflüchtet hatten. Wenn de« Tage» Arbeit vorüber, da eilen sie hinaus, klettern hinauf auf den GebirgSpfad und treffen fich allabend. lich dort oben auf dem FelSplateau, riug» umgeben von