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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 4 (1894) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
4 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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— I» — ' «cntiiu Bilbaos an zweckmäßigst» durch V^foloicmg einer wr bestehenden höheren Bilduug«anstalten zu erwerben sei. daß die Semiuarfthr« neben der erforderlichen wiffenschastliche» . DUduug eine dnrch eigene Erfah»ng gewonnene genügende Kenntni» de« Lolk«schul»eftn» befitzen und daß die Seminare Paritätische Anstalten sein sollen, daß t» sich empfehle, Semi» «are nur in größeren Orte« anzuleg», daß da« Internat Licht al» ein« unentbehrliche, sondern nur für bedürftige Zöglinge nützlich« Veranstaltung zu betrachten und endlich daß in der Praxi» erprobten Bolkischullehrern die Befähigung zur Be» Äeidnog eine« Schulanffichtsamt« znzuerkeunen sei." Wenn auch eine jede einzelne Forderung der 8 Leitsätze un« au« der Seele gesprochen ist, weil wir mir uusern christlichen Kollegen deutsch« Lehrer find, Verehrer und Förderer de« wahren deutsche« Lolksgeiste», und deshalb trilnehwen au dem Kampfe der deutschen Lehrer um die gute Sache, so möchte ich al« in unmittelbarer Beziehung zn unser« Dhema stehend vorzüglich Ihr Augenmerk auf Satz 2 lenken: ,Föehuf« einer zweckmäßigen Gestaltung der Lehrerbildung «scheint in erst« Linie eine .solche Organisation der Lehrerbildungsanstalt» notwendig, daß dieselbe« im Wesentlichen nur d« pädagogischen Fachbildung zu dienen haben." Ich «eine, wenn die Seminar« der Zukunft parftätische Fachschulen find, so können die jüdischen Seminare nur Fachschulen für Hebräisch sein, die da« Wissen und Kvnnen ihrer für die Bolkrschule schon vorgrbildeten Zöglinge nur noch nach her jüdischen Seite hi» «gänzrn. Al«dan» wird der jüdische Lehrer in d« allgemeinen und in der Fachbildung auf gleicher Höh« mit seinem christlichen Kollege« stehen, in der jüdischreligiösen und jüdischwtssenschaftltche» Bildung ab« auf der Höh« d« Anforderungen, die di« Neuzeit an ihn stellt. IV. Die »e« Lehrer« für« R«he«««t. t «II v«e»et«e Der jüdisch« Lehrer ist meist auch Kultusbeamt«, Borbeter. ttt wird noch lang« dauern, di» Lehrer- und vorbeteramt von einand« getrennt w«deo wird. Im Gruud« habe ich nicht da» geringste Bedenken gegen ein« Bereinigung beider auf rin« Person, wenn dem Lorbeterdienst d« alte Ehasaniwcharakt« genommen wird. Da« Sorbeten und Vorsingen d« synagogalen Gesänge, da» vorlesrn d« Thora find beide« v«richluugen, die auch nicht den Schein rin« Erniedrigung in fich tragen, wenn der Lehr« den gerechten Forderungen entsprechen kann. D« Sorbet« muß wissen, »a» an seinem Orte an jedem Tage und in jebcr Zeit gebetet wird, welchr Weise« einem jeden Gebete auch in den verschiedene» Zeiten eigen find. Er muß imstande sein, an den Festtagen die altgewohnte», w«ftv«breitettn Sangeswets», fern« die Rezitieruugen in andachterweckendem Vortrag zu Gehör zu bringe». Sr muß dnrch fleißige Uebung fich da» -grammatisch-richtig« vorlesrn der Thora »ach oft« Vortrag»- weis« einlernen. Ab« in der jetzigen Zeit darf man fich mit Hirsen Leistungen de« Lorbeter« nicht begnügen. E» ist zur Erweckung der Andacht und zur Hebung de» vynagogenbesnch« notwendig, daß fich auch in den kleinsten Gemeind» ei» au« faugestüchtigm Mitgliedern bestehend« Ehor bilde, d« daun in erhebender, feierlich« Weift die zum Singen bestimmten Geber« abwechselnd nil dem Vorbeier vortrage. Nur in dies« Weise tritt Ordnung au die Stell« de» lauten Hersageu» »nd wird der Gottesdienst entsprechend gehoben. Dazu gehört »nn vor alle« eine mustkalisch« Vorbildung de» vorbei«», /also be» Lehrer». D« Lehr« muß nicht nur befähigt sein, ^^tchtrre Etüden auf Klavier und Geige korrekt au^oführ», sonder» auch di« Harmonielehre soweit absolviert Hab», daß imsdaub» Ist, Melodien zu tronlponiere« und zu Harm» - m. Dann wird « eine« Ehor «tüncht» und Mb» und 'Werke nvftrer bedeutendst» »nd da» Maß und die An»wahl noch viel zu wüsch» übrig. In den meist» Seminare» ab« findet die Theorie und die im Mufikunterricht gewonnene Fertigkeit keine praktische Anwendung ans da» Bordeten. Die Seminarist» betracht» au« Mangel au Erfahrung da« Sorbet» al« Nebensache od« vielleicht al« Last Die Praxi» wird fit belehren, daß ihre Befähigung al« Kantor ihre Carrier«, zum Vorteil oder Nachteil, mehr bestimmen wird, al« ihr Lehrerwisse» und -Können. <B muß gefordert wrrden, daß in den jüdischen Seminaren die in d» allgemeinen Bestimmungen bezeichnet» Pensen bewältigt werden, daß außerdem die Äminariste» abwechselnd den täglichen, sabbathliche« und festtäglichen Gottesdienst al« Vorbeter verricht», daß sie von geübten Meistern mit dm Melodien bekannt gemacht und zum würdigen Gebet«vortrag befähigt w«dru. „Da» Chasonns muß in dem Lehr« br»uen; ein gute» Horn muß der innen, Stimmung fähig sein," urteilt ei» Kollege. Die Seminaristen müffen bekannt gemacht werden, „mit d» auf den öffentlichen Gottesdi»st sich bezieh«drn Nitnalvorschriften, um jedm verstoß bei Abhaltung de« Gottesdienste» zu vermeiden." d. «1» ftiMm, Ein wesentlicher Bestandteil de« sabbathlichen und festtäglichen Gottr«dieuste« ist in größeren Gemeinden die Predigt. Sie trägt ungemein viel zur Erweckung der religiösen, andächtigen Stimmung bei, wa« unverstandene Gebete in einer viel» fremd» Sprache augenscheinlich nicht thun. Die deutsch« Predigt in d« Synagoge ist für «inen Richtjuden oft nur der einzige Bewei«, daß deutsch« Juden fich im Gebete zum All-Vat« wenden. Sie ist beliebt bet Mann und Weib, alt und jung. Sie lockt manchen Israelit» in» Heiligtum, d« nun doch für sein im Glauben schwache» Herz einige Sam«nkö»lein auffängt, die bei steter Anregung Frucht trag» und späteren Ernten gute ««»ficht rröffueu. In Zeit», wie die unsrigr, ist die Predigt da» alleinige Mittel, die Herz» d« Gemeinde mir religiösen Gedanken und Sorrguu-eu zu «füllen» zu gemeinsamen großen Taten zu »tslammen, zu geduldigem Ertrag» und au«daue»dem Kampfe zu ermuntern. Wenn di« Predigt auch kein» «eiteren Nutzen verspräche, so wäre» die angegebenen Wirkungen Srund genug zu der Forderung, daß in jeder, auch der kleinsten Gemeinde wenigsten» monatlich eine Predigt oder — seien wir bescheiden — «in religiös« Vortrag in deutsch« Sprache gehalten werde. Die Predigt soll ab« nicht allein erbauen und Andacht errege«, sonde» auch belehren. Die aufStundm wirkende» Stimmungen erfahr» durch den Lehrinhalt der Predigt, der immerhin zum Nachdenken veraulaffen wird, eine Verlängerung, ein« Umwandlung in Strebung», viele Teile der Rrligion»- lehre, die dem kindlichen verstand« und Gemüt« gemäße nur kurz od« gar nicht behandelt »«den konnten, vieft Kapitel, Personen und Ereignisse d« jüdische» Geschichte mit ihren Lehr» und Beispielen köno» von der Kanzel an» Gemeingut d« Juden »«tat. — Wenn vor Jahrzehnt» io den großen Städte» da» religiöse Leb» fast «losch» war» auf dem Land« ab« fich noch ei» rege» Gemetndeleben bemerkbar machte, so scheint fich da» nun ändern zu wollen. In de» Städt» besinnt man fich auf die jüdische Pflicht, auf dem Lande dagegen geht «» in d» alten Geleisen, ohne Reformen, znm religiös» Winterschlaf. Dah« ist gerade auf dem Lande die belehrende und erbauend« Predigt vonnöten. Aber w« soll nun diese heilige Aufgabe, di« Gemeinde von der Kanzel h«ab zu «ziehen, auf sich nehmen? lleberall hat man iün einzig richtig» Su«weg gewählt, in Ermangelung de« bernfeneu Rabbi»«» d» Erzieh« der Kleinen mit diesem Amte zu betrauen. Ich bezweifle nicht, daß meine Kolleg», sobald dteft ehr»de Ford«»»» au st« herautrat, willig dem Rufe gefolgt find, dich fle ohu« Zaudern die Stuft» bettet» Hab», dft zur Kanzel führe«, obwohl dftftr Schritt ihre große LaDen um eiue mn« vermehrt. War» aber all« und find bt» sich In d« «tust der «na» Sach« gestellt Hab»

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