Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 4 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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,,Wa» fehlt Such, Joel?" rief Gabriel, erschrocken a»f ihn z»eil»d. „Dort, dort!" stammelte er, „schaut Hinei, da» Werk elender Mörder." Uud drinnen lag auf den Steiofließ», Sevilla'» allgewaltiger Mnister Don Samuel mit au«ger»kt» Gliedmaßen, da» Haupt vom Rumpfe getreust iu seinem Blute.- Ungeduldig wartet der König auf Joel, eine uagrwöhuliche Augst hatte fich seiner bemächtigt und unverstäudliche Worte flüstert er vor fich hiu. Don Albuquerque stand am offeneu Fenster unruhig auf de» König schauend. Endlich wurde die Thür geöffnet uud Joel trat ein, hoch aufgerichtet mit blaßem ernsten Antlitz«. „Südlich!" rief der König tirfaufathmend, „bringst Du Dou Samuel mit?" ,Lch bringe ihn mit", sagte Joel dumpf uud auf ein Zeichen seiner Hand wurde die Thüre geöffuet uud eine schwarz bedeckte Lahre von Joel» Begleiten» in die Mitte de» Gnuache» gestellt. ,,Wa» soll di«»?" ftagte der König. Joel warf da» schwarze Tuch zurück uud zeigte schweigend auf die blutige Leiche Don Samuel». „Mein König! ich klage den Mnister Dou Juan Alfonso de Albuquerque de» Morde» an diesen Edlen au." Zitternd mit abgewaudten Gesicht« stand Do» Pedro keiue» Wone» mächtig. „Sr hat de» König» Befehl dadurch gefälscht, daß er die Stunde der Hinrichtung Don Saamel» um drei Stund« vorher auordnete, wodurch jede Rettung unmöglich gemacht wurde. Mein König", rief Joel und seine Stimme, dröhnte durch da» Gauach wie da» ferne Grolle« de» Donner», „wirst Du deu Mord rächeu?!" / Don Pedro war zum Fenster getaumelt und hielt fich uttt beiden Häaden an dem Rahm» fest. ,Mrst Du den Mord diese» Edle« rächen?" fragte Joel nochmal». „Min Stern» mein Stern, soeben treunte er fich vom Firurmnentel" schrie der König, „ct siel zur Erd« nieder und erlosch." „Ja wohl. Dein Stern erlosch uttt diesem", sagte Joel, dumpf auf deu Leichnam Do« Samuel« zeigend. „Mein Ster», mein Ster»! wer bringt uttr wieder «eine« Stern?" rief der König klagend und stürzte bewußt» lo« zu Bodeu. .Kommt, mehmt die Leich« wieder auf!" sagt« Joel ,» seinen Ges ährten, „wir wollen würdig sie begraben. Und daun, deu Staub der Schuhe abgeschüttelt, uud nur fort von hier, auit diesem Lande de» Fluche«.- „Gabriel, folgt mir mit Judtth und Esther, Eurer Schurester, verlast« wir die» Reich, verlaffeu wir deu treulose» König. Sine neue Heimat laßt uu« finden, fern vom Getriebe der Welt, wo Glück und Fried« lebt. - — (6*Ufc folgt.) Die Bwrbildumg de» jitdische« LehrrrS tot Se«i«ar. B*fjmtBnfrrt«3*8ortr«8 »o» H. Aenh t» 9cnftabt«9»kat*. (Fortsetzung o« Sh. 33 k« vor. Jahrgang«.) «iHemschmfllich« 0a«»illan| Im Lehrer» 4t 4m Wen» ich uu» zu deu Keuutniffe» de» jüdische» Lehrer» t» Hebräisch« übergehe, so muß ich im voran» bemerke», daß »mch «einer Erfahruog wenigste»» auf «tue» Seminare iu Süddeutschland diesei» Fach uttt Nachdruck betrieb» würbe. B M» ich daher etwa vor v oder fl Jahren iu der „J«r. Wochenschrift" eine Su»laffung de» iuzwifch» verstorbeu» Dr. Rothschild, frühereu Rabbiuer» iu Alzey, geles» hatte, welcher vielen heuttgen Lehren» eine tiefere Keuutui» im HebrLisch» absprach, war ich darob sehr entrüstet. Ich schrieb sofort ein» geharnischten Lrttkel gegen Dr. Rothschild uud sandte ih» au Herr« Rabb. Dr. Rahmer, den Redakteur diese« Blatte», zur Leröffentlichung ei». Er wurde aber wegen derForm abgelchut. Ich freue mich heute, daß meine Erwidern»» die Druckschwärze nicht erlebt hat. Ich hätte sonst de« verstorbene» Rabbiuer, der fich bekanntlich um unsere „Schawa" iu Frankfutt so große Verdienste erworben, der ttu warme» Herz für da» Lrhrerwohl t« Buse» «trag» hat, der al» Rabbiner jedenfalls Erfahrungen gemacht hatte, die ihu zu feine» abspreckendeu Urteil berechtigt», bittere« Unrecht gethau. De"« bald hatte ich mehrfach erfahren, daß die K«ntuiff« aaucher, ja vieler Lehrer im Hebräischen stauueuerr«g»d gering find. Ein Kollege, der seine Aukbildung iu einem uorddeutscheu Seminarr geuoffrn hat, gestand mir klagend» daß er nicht imstande sei, Abhandlungen iu leichtem HebrLisch mit quadratischeu Typen ohue Pnuttation zu lese». Bon de» Raschiletteru hatte er keine blaffe Ahnung! Da« hatten er und seine Scholgenoffeu eben auf dem .jüdischen Seminare" nicht gelernt. Wenn auch auf den andern Anstalten etwa» mehr geleistet wird, so darf doch gettost behauptet werden: In den meisten jüdische» Seminaren wird nicht genug Hebräisch gelehrt. Wie mau von einem Lehrer verlangt, daß er im allgemeinen einen Einblick in die Geschichte de» Erziehung»« und UnterrichtSweseu» gewann», außerdem aber eine» Hero» der Pädagogik genau , studiett habe, so verlange ich von jedem jüdischen Lehrer, daß er über die grundlegenden Werke unsere» Glauben» ein durch uumittelbar« Anschauung geschöpfte» Urteil fich bilde. Er darf nicht einzig «ad allein auf Uebersetzungen angewiesen sein, er muß da» Original au» einzelnen Prob« keuueu lerne». Mau zeigt jetzt so große» Juterrff« für jüdische Litteratur. So lange man fich bloß mit allgemeinen Redensarten begnügt, mit Urteilen über Mischna, Talmud, Saadja, Juda Halewi, Jbn E«ra, Abarbaael, Maimuni und dem dürftig« Material ihrer Leben»verhältaiffe romantisch«, aber sehr zweifelhafte Erzählungen beimischt» um da» Ganz« anziehend zu machen, wird der Nutzen der Litteraturvereine unbedeutend sein. Mau gebe Prob« ihre» Stil», Resultate ihre» D«ken», womöglich in der Originalsprach«, damit Herz und verstand etwa» Greifbare» erhalten. Dazu gehütt Studium uud Fortbildung im?lmt« auf Gruud genügender Lorbereituug und Einführung im Seminar. Da» Seminar «erd« fich deffeu bewußt» daß wir jüdische Lehrer der Aschenbrödel-Stellung überdrüsfig find, daß wir nicht zufrieden sein können mit eben derselben Bildung, die von einem Lolk»schnll«hrer andern Glauben» verlangt wird uud die auch de» Siustchttgcn unter dies» nicht mehr genügt. Wir sollen an kleiner» Orten den Gesetze»lehier vertreten köuuev. Dazu gehött Wisse», K»»tui« de» Geiste», der deu Quell» entströmt. Wir find ,« der Eiustcht gekommen, daß wir für unser Amt und unsere Stellung »icht geuüg«d wiffeuschaftllch vorgebildet find. Darum erheb» wir im Namen de» Lehrerstaudr» und de» Judentum» d» Ruf au die Lehranstalt»: Erweitert uud vertieft unser Wissen, d»n Wissen ist Macht! ( Ich glaub« bei dieser Gelegeuhnt in aller jüdische» Lehrer Namen zu sprechen, weu» ich feststell«, daß dt« jüdisch» Lehrer deutscher Zunge sich gem» auf d» Bad» der Beschlüsse stell», dir der 9. deutsche Lehrertag in seiner heurig» 8. Hanptverfammlung tu HaLle gefaßt chat: ^vaß - dir gegenwärtige Vorbild»»» btt Boll»sch»ll«hrer gegenüber d» heutigen »nfardernnfl«» »icht al« genügend anerkannt »erd» ttou, die Semimn» m - btt »ädaaoatfL» {MMIbm r***J’TrlW**