Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 3 (1894) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
3 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492351-8722849-5962372--2329-5376541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Nicht«, mein König! Bin ich der lluthaten, deren ich hier geziehen werde, schuldig, glaubst Du fie — so nimm mein Haupt zur Sühne." > Ein wildes Lachen drang jetzt ans dem Munde d«S Königs. „Du kannst Dich nicht vertheidigen —" rief er, „bist Deiner Schuld überwiesen. Ja, Du hast Recht. Dein Haupt eS falle. — Ich Hab' gesprochen!" Ton Samuel richtete sich stolz auf. .Grausamer König." rief er, »meinst Du, ich habe Furcht vor dem mir nahen Tod. Rein! Doch Wehe, grenzenloses Wehe bedrückt mein Herz, denk' ich daran, daß meines Königs Undank mir diesen Tod bereitet. Hab' ich Dir nicht treu gedient! Sieh dieses Haar, frühzeitig weiß gebleicht, von Sorgen, schlummerloseu Nächten, die Deinetwegen ich verbracht, um Dich zu schützen und mit Dir mein Volk; den Spitzen der Dir drohenden Waffen bot ich meine Brust, um Dir Tein Leben zu erhalten. Fürwahr Dein Dank ist groß! Ich Hab' gelitten, nur um Schmach zu ernten! Don Pedro, ich geh« freudig in den Tod, i ch Hab' genug gelebt, ich will Dir drüben auch nicht fluchen, doch bitt' ich Dich, sei fernerhin auch meinem Lotte ein gnädiger, gütiger König, und segnen will ich Dich in meiner letzten Stunde!" ' Nicht ein Wort mehr sprach Don Samuel. Stolz verbeugte er sich vor dem Könige und verließ hocherhobenen Hauptes den Saal. Joel hatte die Erzählung Gabriels ohne Unterbrechung angehört. .Ton Samuel znm Tode vcrurtheilt!- sagte er mit unheimlicher Ruhe. Kommt mit mir, Gabriel» ich gehe zum König. " Tann trat er an das Bett der Kranken und reichte ihr liebevoll die Hand. .Leb' wohl Leah! ‘ sagte er traurig, .ich glaub« wir sehen uns bald wiedrr, und wenn nicht —" und er eilte aus dem Gemache.--- ,WaS führt Dich zu mir?- fragte der König den eintretenden Joel, scheu zur Seite blickend. .Ein seltsam ungeheuerlich Gerücht hört' ich soeben, doch nimmer glauben kann ich dran, wenn eS mein König selbst nicht wiederholt. - »Was meinst Du?- .Don Samuel ist gefangen, zum Tode verurtheilt?- »Ia wohl und dies mit Recht! Gar reiche Schätze fand man aufgespeichert in seines Hause- Räumen, bestimmt den Feind hereinzuführen in dieses Land!- .Und Du, pieiu König, der Du Don Samuel kennst, Don Samuels Tod ist ein Triumpf für Dein« Feind«, doch für Dich mein König mehr als eine verlorene Schlacht. Gedenken wir Du noch des TageS, verfluchen einst die Stunde, in der lein Urtheil ausgesprochen ward, doch zu spät. Das Schiff, dem Du das Steuer nahmst, es wird hineingezozen in d ie Brandung, der Föhn, braust darüber, und zerschellen wird'? am zackigen Felsenriff, eS wird untergeben im Wellengrab und Du mit ihm mein König. Ein großes Reich hast Du regiert, gabst Freiheit meiueu GlaubeuSbrüderu, Don Samuels Tod vernichtet, was geschaffen Seist und Wissen, und rettungslos stehst Du dann vor dem Abgrund!* .Don Samuel selbst har eS gestanden!" rief der König. »Nicht seine Schuld! Wohl wahr ist'», daß man Schätze aufgehänst bei ihm fand, doch nur für Dich hat er fie gesammelt, er wollte Reich und Thron Di netten, da er die drohenden Stürme voraus schon sah, die über Eastilien» Land« hereiabr echen werden — doch genug davon. Du gabst mir -inst, mein «öuig, diese» Riag. »Wa« auch meiue Bitt« fei. Du würdest fie mir erfüllen" sprachst Du. Ich könnte heute um dav Lebt« Don Samuel» bitte», doch, ich thue es nicht. Ehe Don Samuel sein Leben der Gnade dankt, lieber soll er sterben. — Nimm Deinen Ring zurück, mein König, ich werde keine Bttte mehr auszusprechen haben, denn ich veklaffe Lastilieu, will dieses Land fliehen, wo man dev edelsten, besten, tteuesten ' Diener de» König« für seine Anhänglichkeit und Aofopferung morde t." Und Joel machte eine tiefe Verbeugung und schritt dem Ausgang zu. „Joel, komm zurück!" rief plötzlich der König, „komm zurück! Schau, dort am Firmamcnte siehst Du die beiden Sterne, flehst Du, die beiden nebeneinander, so laiige die dort beieinander stehen, so lauge Hab' ich nicht» zu fürchten." Joel schaute scharf nach dem Firmamente, dann sagte er ruhig: „Glaubst Du mein König daran V‘ „Ich glaube daran, wie an Gott selbst!" „So schau hinauf und suche Derne Sterne!" rief Joel. Erschrocken blickte Don Pedro nach jener Stelle, wo er fie allabendlich zu schauen pflegte. Der eine war verschwunden, der andere flimmerte malt und glanzlos. „War ist das?" schrie der König, „mein Stern erbleicht, i der andere ist verschwunden, und wenn er doch recht hätte! Vielleicht, — nein, gewiß, gewiß — Don Samuel ist unschuldig!" „Joel", schrie er, „Joel, eile, befreie Don Samuel, bring' ihn hierher. Mein Stern erbleicht, schnell fott. Man hat ihn nach Toro gebracht. Morgen früh schon soll dcks Urteil vollstreckt werden, eile, und wenn Du ihn bringst — sei meine» i Tankes sicher." — „Mein Stern erbleicht", flüsterte er unheimlich vor sich schauend. „Dank Dir, mein König, ein edle» Leben rettest Du —" sagte Joel, „doch rettest Du auch Deine eigene Ehre, Dein Reich und auch D.in Leben." Joel eilte fort. Gabriel erwattete ihn bereits ungeduldig. „Ist Hoffnung vorhanden?" rief er ihm entgegen. „Wir retten ihn, wir retten ihn! triumphitte Joel. „Schnell" zu Pferde. Beg'eitet mich, e» ist vielleicht nötig und noch vier Bewaffnete nehmen wir mit, eS gilt einen scharfen Ritt." Kaüm eine Stunde war vorübergegangcn, da sprengten sech* Reiter, an der Spitze Joel und Gabriel, zum Toledothor«» Dasselbe war geschloffen, „Orffnet!" rief Joel, „Befehl des König»." „Darf nicht!' versetzte der wachhabend« Offizier» „habe, schriftlichen Auftrag, nur Jene pasfiren zu lassen, die eine« Schein vorzuweisen vermögen " Die Reiter begaben sich zum nächstgelegenen Thore und erhielten dieselbe Auskunft. _ « „Ist es ein Verhängnis»?" sagte Joel düster, ,^>drr rft t. dieS ein Streich von Don Samuel» Feinden. Vorwärts rasch, wir gehen wieder zu de» König» Palast." . 9 Joel eilte, während die Andern im Hofe watteten. die fJ Stufen des Palaste» hinauf. . M Der wachhabend« Offizier stellte fich Joel entgegege«. J „Niemand darf vorüber!" rief er. « „Ich muß zum König, er erwattet mich." « „Ich habe Befehl, Niemanden durchzulaffen." W „Oh", sagte Joel plötzlich ruhig werdend, „ist e» so. J dann wollen wir einmal sehen, wer recht hat von un» Beide«!" .a und mit einem Ruck zog er sein Schwert au» der Scheid«.. ja Ein erbitterter Kampf entspann fich, der nur kurze Zeit dauert«, denn die Wache sank gar bald tödtlich getroffen zu Boden. «fl Mit blankem Schwerte eilte jetzt Joel in da» Gemach, -^ de» König», der ihm berett» «utgegengeeilt war. Ja ..Wa» soll der Lärm, die blutige Waffe, Joel? ..3ch,M glaubte Dich schon weit von Sevilla." . „Man weigert mir den Austritt au» der Stadt, dle^W Thore fiud geschlossen!" rief Joel. JH (Schluß folgt ) Jü

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.