Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 3 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1894. Jüdisches Herau»gegrden von vr. «. »dch»«- in Magdeburg. 3«r Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. Da« „Iüdifi Jeden unbefugte «» I* Ma«Utrn-»ü»tt" erscheint. wöchentlich al« »vntt» - »eilagr zur kl drmck> »u» diesem Vlaüe i« untrvfngt. — Die Einzelnummer ,.I»v»rlttifchen loftet 10 Gf». bei der »achenfch Srveditton. rtf*‘ Do« Pedro und fei« jüdischer Minister. Historisch« «rzsttlo», „« »e« 14. IehrH,,»er1. vonL d. v. Zemlintzkv. (Fortsetzung.) Im Hause de« Ahron dormo saß Joel am Krankenbette Leah». welche da« Bewußtsein wieder erlangt hatte, und hielt Heren beide Hände fest in den seinen, während ein fast überirdischer Au»druck sein Gesicht verklärte. \ „Kannst Du mir wirklich vergeben Joel? kannst Du?" fragt« die Kranke. Sieh', ich war damal« doch noch eia Kind, al» ich Deine Frau wurde. Ich wußte e« nicht, wie so sehr ich Dich liebte» erst später nach jenem schrecklichen Tage, an dem ich Dich todt glaubte, da ich Dich in Deinem Bücke am Loden liegen sah, erst später kam ich zur Ueberßrugung, daß Du mein Alle» seiest. Man schmeichelte mir überall und mein Herz war dafür empfänglich und auch Don Heinrich li»pelte, so oft er mir begegnete, Worte zu, die mich ^stucken, mich stolz machten. Und dann gingst Du fort von «Ir und ich war so allein, fühlte mich so einsam. Ich »«artete schon mit Ungeduld auf Dein Kommen. Da vernahm sch vor meiner Thüre männliche Tritte. Ja der Annahme Du seiest zurückgekehrt, eilte ich der Thüre zu. Diese äffncte sich und ich schloß Don Heinrich in meine Arme. Sofort erkannte ich meinen Irrthum und zog mich beschämt zurück. Don ^Heinrich folgte mir lachend. Und dann setzte er sich an meine Seite und wenngleich ich einsah, daß dieser Besuch in Deinem Hause doch nicht passend sei, wagte ich e« nicht ",« meiner Uuerfahrenheit, den TttntaL Prinzen darauf aufmerksam zu machen. Die» schien er auch günstig zu deute», denn jetzt flüstert« er mir Wotte der Liebe zu. Al» ich überrascht und empört darüber, noch ungewiß war, auf welche Weise ich solch ein Benehmen zurückisen sollte, macht« ihn diese« Zögern kühn. Mit seinen steäen Armen umfing er mich und drückt« mich an sich. Da ..nett sich die Thüre und Du tratest ein. . . . Wa» weiter Geschehen — ich weiß e» nicht. ^fll» ich wieder zu mir kam, sah ich Dich in Deinem' ute am Boden liege» und gleich einer Wahnsinnigen floh da» Hau» meine» Glücke». Ich irrte auf der Straße um» — Wohin fallt» ich?- .Zu «einen Eltern? nein, ich durste ihr Hau» nicht betteten, so stand «» fest in mir. Mein Leichtsinn i jetzt riesengroß al« Bttbreche« vor mtt und ich beschloß, o zu verlasse» für immer. Und al» sch so, fast stumpfbahlnwandelte, da hörte ich e» plötzlich neben mir so rausche», und e» war mir» al» riese» viel» Stimme» an. Jtomm zu «n», komm zu w»" hörte ich immer sich erkannt« die spiegelglatten Flute» eine» Flusse». Jetzt erst wußte ich wa« die Stimme mir zugerufen, und ohne weiter nachzudenken, zu überlegen, eilte ich die steile Uferböschung hinab. »Ich komme zu Dir, Joel!" rief ich, und dann schlugen die Flgten über mir zusammen. Und plötzlich hörte ich ein gewalttge» Brausen, und dann flimmerten und zuckten ringsum Lichter auf und ich fühlte mich so wohl, so seelig, und ich sank, sank immer tiefer und viele Stunden mochten schon verflossen sein und ich sank noch immer. «Al» ich wieder mein Bewußtsein erlangte, lag ich auf einem ärmlichen Bette in der Hütte von alten FischerSleuten, die mich in jener Nacht au» den Fluten gezogen." .Ich blieb bei ihnen, half ihnen in allem wobei zu helfen war und al» ich endlich gehen wollte, da ich befürchtete, den alten Leuten zur Last zu fallen, da ließen sie mich nicht sott. Ich mußte bleiben und so blieb ich bi» vor einigen Tagen. Da konnte ich nicht länger bleiben. Es trieb mich gewaltsam hierher, um nochmal» meine armen Eltern zu sehen und dann zu sterben, denn ohne Dich, Joel, ich fühlte e» durch die Jahre hindurch, konnre ich nimmer leben. Und so wandert« ich denn zu Euch hierher; doch meine Kräfte verließen mich - — „Meine arme Leah! Mein süße» Weib!" rief Joel, »wa» mußtest Du leiden, wa» Alle» ttagen» durch die Schuld diese» Elenden." .Ich bringe Euch eine schrecklich«Nachricht," rief Gabriel plötzlich zur Thüre rintretend und auf Joel zueilend .Don» Samuel ist gefangen!" „Was sagt Ihr? rief Joel von seinem Sitze aufspringend. „Don Samuel gefangen? Ihr irrt!" „Gefangen und zum Tode veru rt heilt!" sagte Gabriel düster. „Ich komm« soeben au» dem GerichtShause, woselbst ich wir Zutritt zu vttschaffen wußte." „Der König war ebenfall« anwesend und führte zu östern da» Wort. „Don Samuel wurde hereingeführt und sofort stand der König von seinem Sitze auf und näherte sich ihm einige Schritte. . „Du bist angeklagt, ein geheime» Einverständniß mit den Feinden Eastilien» zu unterhalten, ein Bündniß abgeschlossen zu hoben mit Don Heinrich, um mir nach dem Leben zu ttachten und die Krone an Don Heinrich auszu'.iefern." „Und wer klagt mich dessen an?" fragte Don Samuel mit einem ttaorigen Lächeln. „Der König selbst" — fiel schnell Do» Albuquerque ei«. „Der König selbst", entgegnete Don Samuel hoheitövoll, „dann ist di« Anklage richtig, denn wa» mein ftfint, spricht muß doch wohl wahr sein." „Lertheidige Dich, Do« Samuel! Hast Du nicht» zu Dein« Bertheidtgnng x> saß»»?" rief der König.