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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 2 (1894) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
2 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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— 6 : — "bte drei Knaben umklammerten schluchzend den Vater. Joel stand daneben und Thräoen entströmten seinen Augen, erleichterten sein schwerbeladener Herz. „Hab' ich Dir gesagt, Du mußt frei werden!" rief er und warf stch an die Brust de» Freunde», der ihn stürmisch an sich preßte. Gar bald erschien anch Don Samuel mit Gabriel in der Wohnung de» Rabbi, um ihm ihre Freude über diese wunderbare Rettung auszusprechen. Noch lauge umstand die Menge da» Hau» ihre» so sehr geliebten Rabbi und nur langsam gingen fie auseinander. Und jetzt erst konnten fie ruhig untereinander sprechen. „Auch mir wurde heute doppelte» Glück zu-Teil," sagte Gabriel, „doch ist die» Alle» allein, nebst Gott, Joel zn danken." Und jetzt erzählte er, wie er mit Erwin Abner» gesprochen. „Ihr seid der Mann mit den Edelsteinen?" fragte mich Abner». „Woher wißt Ihr von dem Vorhandensein derselben?" entgegnete ich erstaunt. „Ich weiß e»," antwottete er mir, „da ich Euch belauschte, al» Ihr Eure Geschichte dem Minister erzähltet." „Und dann wolltet Ihr mir diese Steine mit Gewalt nehmen? Nicht wahr?" „Ich läugne e» nicht. O, wäre ich damal» nicht so feige gewesen. Heute wäre ich weit fott vou hier au» diesem verfluchten Lande. Ich hatte da» Kästchen schon in meinen Händen, da kam da» Gespenst und ich, ich warf Alle» von mir und lief davon." „Und ließet auch da» Meffer zurück, womit Ihr mich tödten wolltet, nicht wahr?" fragte ich ihn. „Ja wohl. Alle», Alle»!" „Gar bald werdet Ihr vor Gotte» Thron stehen, um Rechenschaft abzulegen über Euer ganze» Leben. Thnt noch ein gute» Werk und Gott wird e» Euch, dem Reuigen, hoch anrechnen." ,,Wa» wollt Ihr von mir?" „Eine ruchlose Handlung sollt Ihr wieder gut machen. Ihr habt vor etwa fünfzehn Jahren «in kleine» Mädchen seinen Eltern geraubt au» Rachsucht, trotzdem Euch die Leute Gute» thaten, sagt, wo ist diese» Mädchen?" „Glaubt Ihr wirklich, daß ich sterben muß?" „ES gibt keine Hilfe." „Entsetzlich, sterben, jetzt! Es ist nicht wahr, wa» Ihr sagt, wa» bringt Ihr mir alte Geschichten zu Tage?" heulte Abner». „WaS geschah mit dem Kinde?" „Gut, e» ist ja einerlei, ob ich'» sage oder nicht, und wenn Ihr glaubt, daß Gott mir dafür ein gnädiger Richter sein werde . . . Glaubt Ihr, daß e» einen Gott gibt?" „Unglücklicher! zweifelt Ihr daran?" „ES kann doch möglich sein. O, dann betet für mich und ich will e» Euch gestehen. Ja, ich nahm da» Sind mit mir. Zuerst war ich versucht, e» in irgend einen Straßengraben zu werfen, doch immer hielt mich etwa», ich weiß nicht wa», davon ab. Endlich in Toro angelangt, konnte ich e» nicht länger bei mir behalten und ich legte e» zur Nachtzeit in einen Gatten dottselbst und schlich mich davon. Später erfuhr ich, daß der Gatten zum Hause des Judeu Chaim Abuli gehöre. Wetter weiß ich nicht»." „Esther!" riefen die Zuhörer wie au» einem Munde, „fie ist Eure Schwester, Gabriel?" „Ja wohl, ich weiß e» jetzt genau. Denn noch immer trägt fie den Schmuck, den fie schon al» Kind getragen. Ja Esther ist meine Schwester und ich bin glücklich, fie gefunden zu haben, und, dadurch gleichzeitig auch dem Willen «eine» seligen Later» nachgekommeu zu sein." „Al» der Unglückliche sei» Geständnis beendigt frug er mich plötzlich, ob der König tod fti?" „Ein seltsamer Verdacht stieg in mir auf." -V- „Ihr habt ihn schlecht getroffen," sagte ich fofott. % . „Verdammt l" rief er, „Don Heinrich wird damit nicht ‘i1 zufrieden sein." - i* „Wa» kümmert Ihr Such um Don Heinttch?" entgegnete ich ihm, „ein höherer Richrer wattet Euer. Ein Anderer soll für Eure That heute mit seiuem Leben büßen. Ihr könntet ihn vielleicht noch retten, wenn Ihr reuig gesteht." Der Unglückliche schwieg und schaute, in Gedanke» versunken, vor fich hin. „Gesteht Ihr Eure That, wird Gott ein milder Richter für Euch sein!" „Nun denn, ja, ich Hab'» gethan. Don Heinrich hat'» gewollt." Mehr brauchte ich nicht und ich lief wa» ich konnte, um noch zur rechten Zeit zu kommen. 23. Zum Tode verurteilt. Mit dröhnenden Schtttteu, finster vor fich hinschauead, ging Don Pedro in seinem Gemache unruhig auf uud nieder, während der Minister Don Juan Alfonso de Albuquerque erwartungsvoll in der Mitte de» Gemache» stand, von Zeit zu Zeit einen lauernden Blick auf den König werfend. „Ich kann e» nicht glauben," sagte plötzlich der König. „Wa» Du mir mitgeteilt, e« kann nicht wahr sein." „Und doch ist e» so, wen» e» Euch auch unwahrscheinlich klingt. Don Samuel hat fich mit Don Heinttch de Trastamare verbündet. Sie trachten meinem König nach dem Leben. Er will Don Heinttch dazu verhelfen, Easttlien» Thron an fich zu reißen." „Wa» redest Du? Don Samuel ist treu, lauter und rein wie Gold!" „Ganz recht, mein König wie Gold. Gieb Auftrag, daß man de» Keller» Tiefen in seinem Palaste durchsuche uud man wird dott Gold finden. Gold genug, aufgehäuft in reichen Schätzen von seinen Freunden, um mit einem Schlag ein Heer zu stellen, Dich zu bekämpfen, durch seine Uebermacht zu besiegen." „Falsch, falsch! da» kann der Samuel nicht thun!" „Ja, und doch, er — Don Samuel! Laß suchen und wird e» nicht gefunden, wa» ich angegeben, dann falle wem Haupt, mein Leben sei verwirkt." „Don Samuel, den ich geliebt, er ein Verräter an mir!," „Laßt suchen!" „Gut denn, und wenn Dttn Wort zur Wahrheit wird dann möge da» Rttch für immer er daun meiden." „Verbannung, hatte Strafe! Doch für den Juden nicht genug. Sttne Arglist kann fern von hier Dir wohl noch mehr gefährlich werden." „Wa» willst Du denn?" „Wa» todt ist, kann »immer Schaden bttnge«, Mt einem Schlag der giftigen Biper den Kopf abgehauen, "und unschädlich wird ihr Gift." „Don Samuel falsch? falsch mir, dem königlichen Freunde? Uud ist er e», dann soll mit ttuem Schlag ihm der Kopf abgehauen werden. Du hast recht. Sofott durchsuchet jeder Winkel seine» Hause», und schnell zurück, mir Bettchl darüben zu erstatten. Schnell eile fort, fott!" Stunde auf Stunde verrann in ttäger, nicht endender Pttn für den König. „Er ist unschuldig, ich weiß e». Er kann mich nicht' täuschen und daun wehe aber dem Lerläumder Albuquerquel" Endlich erschieo Do» Juan wieder. „Nicht» gefunden! nicht wahr?" ttef ihn der König entgegen, Don Samuel ist unschuldig?" „Gefunden, «ttn König, gefunden! Schätze wie man ■' et fich kaum träume» läßt. Nicht weniger wie 170.90V ■>.

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