Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 2 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches 1894 Herausgegeben von Dr. M. «»hmer tn Magdeburg. 'E, Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Kamille. Da» „Jüdische Pnmilien-«latt" erscheint wöchentlich Jedes unbekUglr »nchdeuch «u» diesem Platte ist umrrfnK. al» »v«ti»-«ell»or zur - „Jovaelttifchrn «ocheaschvtsi- — Die Einzelnummer kostet 10 Pf», bei der Expedition. Don Pedro und sei» jüdischer Minister. Historisch» lr)i)Ini nl km 14. 3t)»ntnt. Bon SV. ». ZemliaSzkv. (Fortsetzung.) Eine ungeheure BolkSmengc umstand den Holzstoß auf «eichen der Rabbi Santob Lüw sein Leben auShauchen sollte. Der grüßte Theil dieser Zuschauer bestand au» Juden, die mit Helm und Panzer bekleidet, da» Schwert an der Seite in kleinen Gruppen zusammen in der nächsten Näh« de» Holzstöße« standen. Und angrlehnt an den Holzstoß erblickte man da» todtenbleiche doch ernste energische Gesicht Joel«. Derselbe trug keine Kopfbedeckung, wild flatterten die Haare im Winde »ud krampfhaft fest hatte er mit seiner Hand den Knauf seine» Schwerte» umschlungeu. Ein Mann drängte sich jetzt bi» an Joel vor, kräftig mit den Armen nm sich stoßend, wo er Widerstand fand. .Hast Du Don Samuel gesprochen?" fragte ihn Joel. .Jawohl, doch läßt er Euch sagen, daß alle seine Bor» strlluugen vergeblich waren. Der Künig beharrt auf seinen Willen und bewilliget nicht eine Viertelstunde Aufschub." .Gut denn," sagte Joel. ,Hür« mich. Sobald der Rabbi hier am Platze erscheint, ziehe ich mein Schwert. In demselben Augenblicke thut ihr Alle da» Gleich« und umringt den Rabbi. Wer sich widersetzt, wird uiedergehauen ohne Erbarmen. Wir müssen den Rabbi frei machen. Sind wir draußen vor dem Thorr, so ist er gerettet. Dort erwarten nn» kräftige Pferde und Niemand wird un» einholen. Ber- , ständige sofort die Uebrigen. Doch nicht früher, eh« ich da» Zeichen gebe."; Und der Manu entfernte fich wieder, rasch verlor er fich in der Menge. Ein Zug bewegte fich jetzt nach der Richtstätt«, in dessen j*. Mitte fich der Rabbi Santob Lüw, mit schweren Ketten ge- : fesselt, befand. Beim Holzstoß« angelangt hielt er stille. r Man erwartete die Ankunst de« Künig», der da» Schauspiel f mitansehen wollte. f Der Rabbi war furchtbar bleich, doch gefaßt und still j? blickte er vor fich hin. ,Wa» ist «ein Opfer', sagte er, .wo Taufend« von Mensche» dadurch gerettet sein werden?" Plötzlich rrblime er Joel, der fich an ihn heran gedrängt hatte. ,Wa» machst Du hier?" fragte er überrascht, .willst Du «ich sterbe» sehn?' .Du wirst nicht sterben, ich hob'» geschworen.' .Was willst Du chu», Joel?' .Schau »m Dich. Sie all» find gerüstet, bewaffnet um Ach» fl Lrch«kM>ld« e» nicht.' heute Rächt mit dem Leben bereit» abgeschlossen. Sieh' dott. der Künig kommt, zieh' Dich zurück!' .Und ich sage Dir, Du wirst nicht sterben, Du sprichst umsonst zu mir. Ein Zeichen von meiner Hand und Du bist frei und ich werde diese« Zeichen geben." Jetzt war der Künig auf dem Platze erschienen. Nur wenige Minuten noch und da« schreckliche Schauspiel sollte beginnen. Plötzlich ertönte wirre« Geschrei in der Volksmenge. Ein junger Mann keuchend und schweißtriefend durchbrach mit einem an Raserei grenzenden Ungestüm die Menge und eilte auf deu Künig zu. .Der Rabbi ist unschuldig!' rief er, .ich kenne den wirklichen Mürber." EL war Gabriel. Sofort stellte sich Joel an seine Seite und schaute drohend auf deu Künig. .Der Rabbi ist unschuldig!" rief auch er, „mein König verzögere dir Hinrichtung!" „Beweiset wa« ihr sprecht!" sagte der König finster. „Draußen vor dem Toledothore liegt ein Schwerverwondetec in einem kleinen Häuschen, woselbst man ihn aufgrnommeu," berichtete jetzt Gabriel. „Ich komme soeben von dott. ES ist der Spion Don Heinrich'», der ihn gedungen. Euch mein König zu tüdten. Al« er den Pfeil nach Euch geschleudert hatte, bestieg er eilig sein Pferd und verließ Sevilla, um sich zu seinem Herrn zu begeben. Auf der Landstraße angelangt, scheute sein Pferd, warf ihn ab und zertrat ihn mit sttnen Hufen den Kopf. Sendet hinaus und Ihr werdet ihn dort finden, doch bald, denn der Mann ist im Sterben." Ein tausendstimmiger Jubelruf durchdrang jetzt die Lüfte und ehe noch der König eine Entscheidung getroffen, wurde der Rabbi umdrängt, e» wurden ihm die Ketten abgenommen und man küßte ihm die Hände und sein Gewand. Beamte des Königs wurden jetzt entsandt, um fich die Wahrheit der Angaben Gabriels bestätigen zu lassen und krhtten auch bald zurück, auf einer Tragbahre Erwin Abner» mit fich bringend. „Ich wollte Dich tüdten," schrie der Unglückliche beim Anblicke de» König», „sei verflucht^" und seine Hand riß de« verband vom Kopfe ab, und schleuderte ihn weit von fich. Der König schaute auf da» schrecklich verstümmelte Haupt de» Spion» und eine Blutwelle zog über Don Pedro'» Augen. .Hinauf mit ihm auf den Holzstoß! Er soll brennen!' schrie er. Gar bald schlugen hell« Flammen zum Himmel auf, doch nur ein Leichnam war e», den str verzehrten. Abner» hatte sei» Leben bereit» auSgehaucht. Im Triumpfe wurde jetzt der RaW von den zahlrttch