Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 1 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 — „3a wohl, Unglück. Mein Mann liegt mit Kette» belade» im Gefängnisse und morgen schon soll er sterbe»", jammerte Mirjam nnd sank erschöpft za Bode». „O, habt Erbarme», Do« Samuel, helft, helft ih» reiten l" Don Samuel blickte Mirjam gar eigenthümlich an. Sollte diese Frau nicht etwa plötzlich krank geworden sei» und i« Fieber sprechen. Rabbi Sautob Löw im Gefängnisse? Unmöglich — er müßte doch davon wissen. „Beruhigt <£»4" sagte er zu Mrjam. „$ttt setzt Euch ruhig nieder, erholet Euch und erzählet mir daun." ' „Oh! Don Samuel, nicht wahr, 3hr glaubt mir nicht. Ihr haltet mich für wahnfinuig, nicht wahr! und doch, ich wiederhole eö Euch: Mein Mann befindet sich im Gefängni sse und soll morgen hingerichtet werde ul" „Sagt, warum? Welche» Verbrechen soll er denn begangen habend" „Er wollte den König mit einem Pfeil tödtenl — so sprechen die Leute." „3a wohl, so svrechen die Statt", ließ sich plötzlich eine männliche Stimme vernehmen und 3oel trat in da« Gemach, „so sprechen die Leute, aber wahr ist t» nicht. Ich selbst stand mit ihn zusammen und der Pfeil schwirrte über unsere Köpfe. Gehet ruhig nach Hause", wendete er sich au Mrjam, ,chabt keine zu große Angst, Ihr könnt darauf bauen, daß Don Samuel nicht müßig sein wird." „Noch kann ich e« nicht fassen", sagte Don Samuel, al» er mit Joel allein war, „wie ist die« doch gekommen?" „Ganz einfach", polterte Joel, „er ging selbst hin und zeigte sich an al« Mörder, damit nicht morgen die Juden Castilien verlassen müßten. E« ist doch ganz klar!" „Ihr habt recht, Joel, so muß e« sein, doch wie jetzt helfen?" „Wie? Ihr ftagt?" sagte Joel erstaunt. „Der König muß ihn sofort fteilafsen, wenn Ihr zu ihm geht." „34 fyibt vor einer Stunde Do» Pedro mein Wort geben müssen, für den Berurtheilten um keine Gnade zu bitten." „Wie? und Ihr wußtet, wer e« sei und dennoch —' „Ich wußte e« nicht. Der König verschwieg mir den Namen." „34 glaub« immer, wir hätten besser gethan den König in Toro zu lassen", sagte Joel unwillig. „Er ist ja reiner Wahnfinn, Jemanden zu verurteilen, der nicht die geringste Ursache hat zu solch' einer That. O! wenn wir nur den Thäter finden könnten, ich selbst würde ihn an Stricken gebunden zum König führen, um ihm zu zeigen, wie eigenlich der richtige Mörder ausfieht." „Morgen schon soll er auf dem Scheiterhaufen sterben l' „O! so weit halten wir noch lange nicht," rief Joel »ud müßte ich ihn ganz allein mit diesem Arm, mit diesem Schwert befreien. Nein, so weit hatten wir noch lange nicht. Und dann Hab' ich nicht de« König« Ring, sein Versprechen?" „Wird der König die« Versprechen haltend fragte Don Samuel zweifelnd. „Er wird e» hatten, dafür bürge ich und müßte ich ihm die Spitze meine» Schwerte« an seine Kehl« halte«. Heute ist e» zu spät schon, doch morgen früh eitt zum König «ud trachtet ihn zu bewegen, daß er Euch für die Hinrichtung «inen Aufschub gewährt, da» Andere überlaßet getrost mir." ,Er wird e« nicht thuu." »Versucht e«, Don Samuel, versucht e», »ud daun erst wenn Ihr seht, daß Me« au seinem wahufiunigen Starrst»» scheitert, dann gehe ich zu Do» Pedro und ich schwör« e» Euch. t«. wird helfen oder ich besteige mit dem Rabbi de» Scheiterhaufen und rufe dem Volke von oben herab zu, wa« «i mit solch einem König beginnen soll. Jetzt lebt wohl, Don Samuel, und möge unser Bestrebe» von gutem Ersätze begleitet sein.' „Lebt wohl, Joell" . -,, ■ ■ -- Noch verließ Joel nicht de« Minister« Palast. Er begab sich hinüber in jenen Teil de» Hause», woselbst Gabriel wohnte. »glommt morgen Früh hinan» vor da« Toledothor," sagte er bei Gabriel eintretend, „dort findet Ihr etwa hundert Schritte von demselben entfernt ein kleine» Häu»ch«n, t» gehört dem Aron Eormo,' e« ist leicht zu finden. Dort liegt ei» Kranker dem da« Sterbe« näher ist wie da« Leben, er heißt Erwin Abuer« und ich glaube, de» sucht Ihr." „Abner»?" rief Gabriel,„und wenn er heute stürbet „Beruhigt Euch, heute nicht» ob er noch morgen um diese Zeit am Lebe», ist etwa» Andere« und jetzt Gott befohlen, ich wollte Euch nur diese« Mitteilen," «ud Joel eilte fort, um wieder zu de« Rabbi Frau zu eilen und fie zu trösten so gut e» eben ging. 31. Ein flammender Scheiterhaufen. Wenig hatte Gabriel diese Nacht geschlafen und kau» daß die ersten Strahlen der Sonne sichtbar wurden, sprang er rasch vom Lager und bald darauf befand er fich auch auf dem Wege nach dem Toledothore. Trotzdem der Tag kaum angebrochen war, war e« doch schon sehr lebhaft auf den Straßen und Me« drängte hinüber nach dem großen Ptztze, woselbst de« Henker« Kaechre eben daran waren, einen riefige» Scheiterhaufen aufzubauen. Sinnend blieb Gabriel stehen. „Sollte e» doch möglich sein," daß man den Rabbi eine« martervolleu Tode» sterben lasse? Und er ist unschuldig, t» ist klckr, er opfert fich für die Andern. Ich muß mich beeilen, um rasch zurückzukehren, wer weiß wa« geschieht." Und er ging rasch weiter. Auch Joel war heute schon frühzeittz auf der Straße. Er besuchte die Häuser der Juden uud überall wo er gewesen, konnte man bald darauf Männer auf die Straße eilen sehen, die wieder in andere Häuser eintraten, wo Joel noch nicht gewesen. I Und hätte man einen Blick in die Wohnungen der Juden gethan, würde man erstaunt beobachtet haben, wie di« Männer ihre Helme, ihre Panzer und Schwerter io Stand setzten, al» beabsichtigten fie dem Feinde entaegeuzuziehen. Außerhalb de« Toledothore» beeilte sich Gabriel noch mehr, um bald au'« Ziel zu gelangen. Doch plötzlich blieb er stehen und horchte. E« war ih«, al» ob er eine Fraueagestall an einem Baumstamme zusammeugesuuke« erblickte. Schnell sprang er hinzu, um vielleicht helfen zu können, doch gar falb überzeugte er fich, daß fie da» Bewußtsein verloren hatte. Um fich blickend gewahrte er nicht weit von dieser Stelle ein Häuschen, welche« wahrscheinlich da« ihm von Joel angedeutet war. Rasch entschlossen hob er die Fra« vom Bode« auf uud trug fie mit kräftigen Armen bi« zu Aron Eormo'» Han», woselbst er tzut au die Thür pocht«. Gar bald erschien auch Aron selbst und öffnete. „Wollt Ihr Euch wohl einer Unglückliche» erbarme», ftagte er, „die ich unwett von hier, bewußt!»» auf der Straß«. fand?" „Tretet ei« tu unser Hau«," sagte Aron bereitwillig» ,,e« ist zwar so ziemlich klein und ich fürchte, daß wir dieser Fra» nicht genügende Unterkunft gewähre«, umsomehr al« fich ein zu Tod verwundeter Mau» hier befindet." „Ich weiß «»," sagte Gabriel, „ich wurde deshalb von Joel hierher gesandt." ^Lon Joel? Ol kommt unr herein, wa» möglich ist soll geschehe». Fern sei e» von mir, eine» Hilfesuchenden von meiner Schwell« zu weise». Ich möchte Euch gerne helfen dies« Frau »» tragen, doch ist'» erst kurze Zeit, daß ich selbst vom Krankenlager aufgestaude» und mein« Arme ftnfe uoch> schwach." Schnell hatte man die Lager gebracht und;