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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 1 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
1 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1894. Jüdisches ff W TOR»- 302200 Herau»gegeb«n von vr. M. Nach« er ,n Magdeburg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. Da« „USdlfchr erscheint wöchemlich alS Vv«tt»»«eU»yr »ur ,,»»v»rMif«dra Mochrnflh »»rv unbrfuotr «achdmu» au» diesem »lattr ist unlrrl'ast. — D!e Einzelnummer rostet 10 Vs» bei der Srvedition. RARY Do« Pedro und fei« jüdi Historisch« fnülui «al km Bon »d. k 3 c m I < ■ « 11 q. 392200 AST00. LCMOX ANO 20, Rabbi Sa ntob! SVE" .De« König» Mörder ist gefangeii!" fUVMi« M'IM froh auf. 7 Und da» Gerücht hatte nicht gelogen. Mit schweren Ketten gefesselt wartete er der über ihn verhängten Tode», strafe, die schon de» andern Tage» an ihm vollstreckt werden sollte. Trotzdem e» bereit» Abend geworden, eilte doch Don Samuel sofort zum König. »Wer hat jetzt recht Don Samuel?" fragte der König lächelnd, ,e» war doch ein Jude, der mich mit dem Pfeile »erwnudete, mir nach dem Leben trachtete." t »Sin Jude? Ich kann» nicht glauben. - Doch ist e» so, dann treffe ihn die härteste Strafe, ohne Nachsicht." »So lieb' ich e», Don Samuel. Ja» es ist ein Jude »nd »och dazu einer, den Dn gar gut kennen mußt", lachte der König abermal». »Da» soll mit ihm? Den Kopf abgehauen?* »Wie Du bestimmst, mein König", sagte Don Samuel fest. »Ei nun so mag er brennen, brennen bi» ihn die verruchte Mörderseele entflieht." »Wann soll da» llrtheil vollstreckt werden?" »Morgen schon! Doch höre warum erkundigest Dn Dich nicht darum, wer denn der Thäter sei?!" »Wer es auch sei, sein llrtheil ist gesprochen. Und wäre e» «ei« Bruder selbst, ich würde für ihn um keine Gnade bitten, sobald er sich so wett vergeffen konnte." »Nicht wahr, nicht wahr, Don Samuel, er verdient keine Gnade?" »Keine l" »Gib mir Dein Wort, Du wirst für ihn nicht bitten." »Mein König hat gesprochen, und au»geführt wird sein »«fehl." »So recht, ja wohl so recht, Gerechtigkeit muß sein und auch Vergeltung." »Und jetzt mein König Hab' ich noch eine Bitte." »Sprich sie ans!" »Die Sorge» meine» Amte» drücke» schwer, so schwer, daß ich sie länger nicht mehr zu tragen vermag. Entlaste «ich mein König! Ich will ein treuer Unterthan Dir sein, so lang ich lebe." »Sonett sind wir »och lauge nicht, Don Samuel, ich' brauche Dich und Deine Dienste. Gerade jetzt «ehr denn je. -Sett jene» unglücksrlige» Tag«, an de« in Tor» wir pun gewesen, seit2«m» Tage, ich sa,' «» Dir, Do» Samnel, ich ei» Ml«, jpmchch v»»rtn«. Zwei Personen find in mir vereint, und wa» die Jrine thut, will wiederum die andere zerstören. Und gar oft hämmert und glüht e». im Gehirn Lj» König» und will ich helfen, dann läßt er e» nicht zu. Verstehst Du die»? Nein, nein, Du bleibt bei mir, ich kann Dich jetzt nicht lasten. Und sieh" begann er jetzt zu flüstern, „ich bin ein wenig abergläubisch, sogar sehr und ich will Dir erzählen, daß ich Dich von mir nicht lasten darf/' „Du riethest mir ab von der Reise nach Toro und ich befolgte nicht Deinen Rath; ich befragte aber darüber noch einen anderen nnd dieser Andere war Abraham Jbn Zarzal. In finsterer Rächt kam ich zu ihm, er solle di« Gestirne fragen, ob sie für meine Reise günstig stehen?" „Er zeigte mir am Himmel oben zwei Sterne leuchtend hell; ich Hab' sie mir gemerkt nnd weiß die Stell«, wo sie steh'n und seh' allnächtlich nach den Sternen, ob sie noch dort, ob »nverrücket von der Stelle. Siehst Du?" und der König zog Don Samuel zum Fenster hin, „siehst Du die beiden Sterne dort?" Abraham Jbn Zarzal deutete mir diese Beiden. „Dein Stern steht recht»", faate er zu mir, „er leuchtet hell und freundlich. Der and're Ster«, er bleibt dem Deinen fest zur Seite und kreiset unverrückt die Bahn, die auch der Deine schreitet. Und wer ist der and're Stern? fragte ich. „Don Samuel! So lange Du von ihm Dich nicht trennst", antwortete er mir, „so lange ist Dein Leben, Dein Thron gesichert, und nicht» hast Du zu befürchten. Siehst Du, deshalb ging ich nach Toro, deshalb laß ich Dich nicht von mir. Du bleibst!"- Nachdenklich kehrte Don Samnel heim. „Ich fühl« e», mein Geschick ist besiegelt, ich falle durch de» König» Wahnsinn", sagte er. „Doch früher will ich für mein Kind besorgt sein, daß nicht die Ereignifle mich später dran verhindern. Ich wollt' mich selbst betrügen, täuschen. Darf ich denn jetzt diesen unglückseligen König sich selbst überlasten. Würde er denn nicht sofort auf Rath Albuqnerque'» über meine GlaubenSgenoffrn wie ein Raubthta herfallen und ihnen Hab und Gut nnd Leben rauben! Abraham hat recht! Ich stehe und falle mit Don Pedro. — Gabriel hat mich vor wenigen Tagen gebeten, ich möge ihm Judith zur Frau geben, ich Hab' sie ihm rugefagt, und schon in wenigen Tagen soll die Vermählung sei« und dann fort von hier, daß nicht» den Frieden ihrer Seele neuerdiug» trübe." Mirjam, die Frau 'de» Rabbi Santob Löw, unterbrach da» Selbstgespräch de» Minister» durch ihren Eintritt. Bleich, mtt ger»thet«n Auge», zerrütteten Haaren und wankenden Knieen kam sie auf Don Samuel zu. ,,Wa» ist geschehen?" rief Don Samuel erschrocken auf. springend und der Fra» entgegeneilend. ,Mie? Ihr wißt «» nicht, Don Samuel?" „Nein! Wa» ist'»? Welch Unglück habt Ihr mir zu berWen?" ■*

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