Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 52 (31.12.1894)
- Date
- 1894-12-31
- Page
- Seite 412 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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"#יי Den größeren österreichisch-» Gemeinden kann jedoch trotz aller Mängel das Lob nicht versagt werden, daß in ihrer Mitte echte Humanität und die Wissenschaft des Judeachums eifrige und wirksamste Förderung finden. In allen diesen Gemeinden bestehen wohldotirte Unterstützungs-Vereine für die mittellose Jugend, für Kranke, für Waisen- und AttcrS- Versorgung u. dgl. Bedenkt man, daß alle diese Institutionen durch,Privatwohlchättgkeit erhalten werden, so erstaunt man förmlich über den Wohlthätigkeitssinn und über das Pflichtbewußtsein der wenigen bemittelten Glaubensgenossen in den verarmten Judengemeinden Oesterreichs. Wir wollen den heutigen Brief mit einer kurzen Bettachtung über die lusttgen Bocksprünge unserer zionistisch angehauchten Jagend schließen. Die österreichischen Ableger der ,deutschen" resp. ,Berliner" zionistischen Bewegung find die harmlosesten und unschädlichsten Verfechter und Anhänger der Zionsidee. Me derattigen Vereine in Wien, Prag, Lemberg, Krakau und Ezernowitz rekrutieren sich aus unerfahrenen und heimatlosen Jünglingen aus Rumänien, Rußlond, Serbien, Bulgarien:c., die von eineutz ähnlichen idealen ״Jundenstaate" in Palästina schwärmen, wie die enterbten Polen von der Wiederherstellung und Aufrichtung ihres zertrümmetteu ,Königreiches Polen." Die stärkste nnd ätteste derattige schwärmerische Bereinigung in Oesterreich ist der Verein »Lackimad« in Wim mit seinm Filialm die »Lasmonäa« in Ezernowitz und »Maccabäa« in Prag. Der ganze Verein Kadimah aber bestcht aus kaum einem Dutzmd von Mitgliedern, — einer Arme; von wmigen Spatzen, die thatsächlich auch ohne Kanoum unschädlich gemacht werdm können! Kifns jir driiiiif niks jüischti Lthmheiis. Vielfach macht sich m unserem deutschen Baterlande das Bestreben gellend, den Invaliden de» Lehramts, die ihre greisen Tage nicht im eigenen Hause oder bei ihren Kindern verbringen können, ein Heim zu gründen, in dem sie ohne Sorge um das Brod und im Verkehr mit einstigm BerusSgenosien die wohlverdiente Muße genießen sollen. Solch ein Lehrerheim kann hohm Segen stiften; weit wichtiger noch als die Bewahrung vor Roth und Mangel ist die seelische Frmde. die aus dem Zusammensein mit Genoffen von verwandten Erfahrungen und Lebensschicksalen entspringt; diese gegenseitige AuSstwach:, der Austausch der Meinungen und der Erlebnisse, kann den Lebensabend dieser in der edelsten Arbeit müd gewordenen Greffe ve»i1Sren und verschönm. Aber alle diese Bestrebungen, denen wir dm bestm Erfolg gönne», werden den jüdischen Lehrern nicht zu Gute kommen, weil diese natürlich in ihren allm Tagen nicht dir Speffevorschrifteu werden übertrete.׳. wollen, die sic so lang« tteu beobachtet hoben. Dazu kommt, daß abgesehen von einigen wenigm Theilm de» Reichs, unser« Rabbiner und Lehrer keinen Anspruch auf staatliche Pension besitzen und zumeist nur Groß-Gemeinden in der Lage sind, Pensionen zu gewährm. Die Zahl der unversorgten Lehrer-Greise, ist dadurch, wie schon eine Umstage ergeben hat, eine vrrhältnißmäßig große. ~ Daraus erwächst für unsere GlaubmSgenoffm die Pflicht, ein jüdisches Lehrerheim zu gründen, wo die im heiligen Berufe ermatteten Greise (Rabbiner und Lehrer) streng nach den Vorschriften der Religion leben, und doch all' die Segnungen genießen können, die ans dem gemüthlichen Zusammenleben gleichgesinnter Genoffen erblühen. Keine allgemeine BersorgungSanstall, und sei sie noch so vortrefflich, kann dem alt gewordmen Lehrer die Vorzüge de» Lebrerheims bietm, denn in einer allgemeinen AllerSvasorgungSanstall fehlt dtm Lehrer, der nach leikren Biffm kein BÄangm Mbttschule um errichtet und i» eiuer Wiener BqirkSgemeiude di« RubblnatSfuutrioneu provisorisch versieht, wurd« »au obeagenaunt« «emriade wahrscheinlich gegen bagatellmäAige Lntschtdiguug noch dws« Fuuvio» ausgehalst, tr «u! «1» nebst der Wiener Last Prvviu^ast« noch waD^I (Frei »ach «»the! l) hat, die eigentlich« Würze, da< ttaute Gespräch mit Gefährten? Alle dies« Gründe habm den ,Deutschen Reichs verband jüdffcher ReligionSlehrer" veranlaßt, auf seinem konstituirmdm BerbandStage zu BreSlau am 16. Juli 1884 die Errichtung eine» Heimfür invalide Rabbiner und Lehrer und der« Familien zu beschließen. So ergeht denn an alle Israeliten, die sich dankbar der treum Arbeit ihrer ReligionSlehrer erinnern, die innige Bitte R“.. ־ ' ׳ ״ " ' ' zu fördern. Ehrfurcht vor den. Greism, Achtung vor dem Wiffm, da» Mitgefühl für den Dürftigen und nicht z»m wenigsten die Dankbarkeit gegen Diejenigen, die früh unfern Geist und unsem Charakter gebildet haben, mahnm unt, ein solch heilige» Werk rasch fertig zu stellm. Die Unterzeichneten wenden sich mit der Bitte um (einmalige und jährliche) Verträge zum Ausbau , eine» Rabbiner- und Lehrerheim» an alle jüdischen Gemeinden, besonder« aber an unsere begüterten Glaubensgenossen und hoffen zuversichtlich auf ein« raschen und großen Erfolg. Wir bitten um die weiteste Verbreitung und Förderung diese» Aufrufs in jeder Gemeinde. Auch die deutsche Preffe ersuchen wir um Aufnahme desselben iu ihre Spalten. Rach Abschluß der Unterschriften soll ein Eenttal-AuSfchuß au» allen Berufskreisen gebildet nnd der Schatzmeister gewählt werden. Ueber die Beitrage erfolgt in den Zeitungen Quittung. Der geschäft-führende Ausschuß.*) Dr. Louis Neustadt. Max Gras. Dr. Lwpold Wreschner.. Alexander-Beudorf a. Rh., «lexauder-Militsch. Altmauan-ArnSwald«, ' Lr. Vaeck-Lisia, Baehr-Reicheubach, Dr. Baehr-Preuzla», Dr. voer- Araudenz, Bamberg«, DiftrittSrabb-, Bad Sissingen, Dr. Bamberg«- Echildberg, Dr. Bamb«a«-8chrimm, Bau«-LöSl1n, Bornfteia-Lubasttz Broh-Schwersenz. Beer-MLHr.-Friedlaad, Bechhiser-Sulzbürg (Bayer»), Braudeis-Worblinge» (Baden), Laspari-Sam'le«, Dr. Lahn, Provinzialrabb., Fulda, Dr. Lohu-Kattowid, LliaS-Darmstadt, Lllgun«-Pla»e» (Sachsens Feio-Reidenburg, Finkeustein-Aerdauea, Fillo-Begesack (Hanno»«). Finkelarün-Gedern (Hesien), Aerschlowitz Mehlsack, Aöst- Ober-Alogau, Dr. Aoldschmidt, Reaischuldirektor, Hamburg, Aoldstei», Borfidender de» bahr. Lehr«»., Mahd ach, Gottlieb-Lydckuhue», Arst»--> seld-Echwerseuz, Amwirlh-Buk, Heß-Weißensel«, Honoitz-GchmP' Dr. JaraczewSki, BezirkSrabbin«, Möhringen (Wörtemberg), Joseph^-- Echneidemühl, Klempn«-Patschkau, SowalSki-Lrebuitz, Kroll-Flatow,' AsinSki-Kempen, K»ttn«-Gopoyn, Kaufmann-Polen, Dr. LazaruS-RR«, Ledermann-BreSlau, Dr. Löweathal-Tarnowi», Löwenchal-Ar. Warle»« berg, Dr. P. Reufiadt-vreSlau, RischkowSn-Wongrvwitz, Dr. Rorb» Heim«-Sch«etz, Dr. Perlip-Nakel, Peffen-Stallupinen, PitikvwSkilrachenbeia, Dr.Plato. Eeminardirektor, Köln, Dr.Prag«, Landrabbiuer- Lasset, Lr. Rahmer, Rabbin«-Magd«burg, Rawitscher-Schweiduitz, Rose»« blatt-Rauscheub«g, Roseumauu-Züllichau, Dr.Rosenthal-Roaasen, Ealo- »on-Jstrlobn, Dr. Ealoendi, BezirkSrabb., Dürkheim (Pfalz), Dr. Sandle«» Schwedt, Subekstein-Aollnow, Simon-Posen, Lingn-Mozilao, Scharlach, Kröben, Echerbel-Gumbinnen, Dr. Schlesinger-Pinne, Stein«. Ar. Strehli-, Stern-Ehlingen (Wörttomberg), Slrauß-Oetttnae» (Bayern), DranSlatear-Karl-ruhe, WarschtwoSkl-Reutomischel, Weiler- Rördlingen Dr. Weingarten. BezirkSrabb., Bad Em», Weibmann-klntouienhötte, Weißmaun-Kattowih, Dr. Wiener-Oppeln, WÄfgo»g-Eaga»- ׳-i Krrichte unö Aorres-onötNsrn. Magdeburg. Nachträglich ersehm wir aus bau fteno■ graphischen Bericht der ReichStagverhaadlungen, daß der Abgeordutte Zimmermana in seiner ffltbt zum Etat ganz ' wie die anttsemittsche Presse einen Satz auS der Nr. dieses Blattes angefühtt hat, ttotzdem inzwischen unsere ' Währung in Skr. 48 und der Leitartikel in Nr. 49 ersck war. Wenn irgend ein antisemitisches Blatt einen Satz dem Zusammenhang reißt, ihn verdreht und jede Rn stellung und Belehrung grundsätzlich verschweigt, so »1 uns das nicht im mindesten. Diese Presse zieht ihr täs Brot aus der Lüge, und Verlogenheit ist geradezu ihr raktrrmerkmal. Bon einem Abgeordneten aber hätte« wir mehr Gewifienhaftigkeit in der Anführung von ,Person«^ לי Uutrrschriste» fmk «» Herrn Dr. LomS Neustadt Somwustr. 17. m {nüMR, Wr auch ־ trüge »i»mt hs» ■»f.f־ ' d« M&t* «tdiM־