Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- Seite 400 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Dir vertrauensseligen Firmen find um ca. 12,000 M. geschädigt. Würden die Zöllnrr'schen Bestellungen sämmtlich ausgefühtt worden sein, so würde das Defizit wohl über 50,000 M. betragen; es sollten die Geschäftsleute ordentlich ,hineingelegtwerden. Das Urteil lautete nach dem die Schuldftage bejahenden Ausspruche der Geschworenen auf 21/* Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Tie Staatsanwaltschaft hatte 4 Jahre Zuchthaus beanttagt. In dem Plaidoyer des Staatsanwalts kam folgende Stelle vor: ,Unter dem Schutze des Schildes reinen Deutschtums und der Devise der Bekämpfung der Korruption wurden von dem Angeklagten Schurkereien verübt, wie sie ähnlich groß mir in meiner Praxis noch nicht oorgekommen sind.- (Cosi fan tuttil) Knnrkfurt a. M.. 13. Dezember. Zn demselben Hause am Mainkai, wo am 22. März 1892 ihre Tochter Hannah- Luise so frühzeitig vom Tode ereilt wurde, starb in der vergangenen Nacht unerwartet an einer Herzlähmung Frau Baronin Luise von Rothschild, die Wittwe des Freiherr!! Mayer Carl v. Rothschild, der ihr vor neun Jahren im Tode vorausging. Sie befand sich gestern noch vollkommen wohl, machte Mittags eine Ausfahrt, empfing dann verschiedene Besuche, speiste wohlauf zuNacht und;ging dann zur Ruhe, die sie in die letzte Ruhe hinüberleiten sollte. Gegen drei Uhr klingelte sie ihrer Kammcrftau, der sie nur noch das eine Wott ,Schrecklich!- zuflüftern konnte. Gleich darauf war sie erschienen. - Freiftau Luise war 1820 als Tochter des cnglischm Zweiges der Familie v. Rothschild in London geboren. Sie heirathete im Jahre 1842 ihren Vetter, den Baron Mayer Carl v. Rothschild. Der Ehe sind sechs Töchter entsprossen. Tie erste ist die Baronin Nathaniel (Lord) Rothschild, die zweite und dritte heiratheten Vettern in Paris, die viette ist die Fürstin von Wagram, die fünfte die Herzogin von Grammont, die sechste war Freiftäulein Hannah-Luise. Eine hohe Bildung und ein feiner Kunstsinn setzten Freiftau Luise in den Stand, ihrem Gemahl bei der Anlage seiner berühmten Sammlungen mit Rath und That unterstützen zur Seite zu stehen. Von schlichtem, liebenswürdigem Benehmen, war sie in weiten Kreisen gleich geschätzt. Die verstorbene Kaiserin Augusta verfehlte nie, wenn sie in der Nähe von Frankfurt weilte, die Baronin an ihr Hoflager zu ziehen. Die Armen verlieren in Freiftau Luise eine große Wohlthäterin. Sie hat u. A. im Jahre 1875 zum Andenken an ihre zu Ende der 60cr Jahre verstorbene Tochter Elementine das segensreich wirkende Elementinen-Mädchenhospital gegründet und durch reiche Dotattonen es ermöglicht, daß die Stiftungen ihrer Tochter Hannah-Luise, das Karolineum und die Freibibliothtt in der Bethmannsttaße, für alle Zeiten in ihrem Bestehen gesichett sind. Wie jetzt nach ihrem Tode bekannt wird, war sie auch die anonyme Spenderin der 100,000 Mk. (für das städtische Schwimmbad. — Am Sonntag den 16. fand ihre Beerdigung statt, bei der Herr Rabbiner Tr. Plaut die Grabrede hielt; mehrere Redner sprachen noch im Namen der verschiedenen von ihr gefördctten Stiftungen. Ratibor, 18. Dez. Auch hier hat sich gestern Abend ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur konstituirt. Zu diesem Zwecke waren im Bruchschen Saale etwa 130 Herren erschienen. Herr Stadtrath Grunwald leitete die Versammlung Ueber die Zwecke und Ziele: des Vereins sprach Herr Rabbiner Dr. Blumenthal. Ter Verein habe die Aufgabe, durch belehrende Vorttäge hiesiger und auswättiger Redner die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur zu verbreiten. Redner betonte, daß die Unkeuntniß der eigenen Geistesschätzr die Ursache jener religiösen Gleichgiltigkeit und feigen Scham sei, die dem Juden mit Recht nicht selten die Achtung Andersgläubiger raube. Der Verein werde auf dem Bodeu der breitesten Oeffentlichkeft arbrften. Jeder, der sich über Wesen, Inhalt uud Geschichte d«S Juden- .8 belehren lassen wolle, werde jederzeit als Mitglied und Zuhörer herzlich willkommen sein. Derartige Vereine bestehiU.^ in Deutschland bereits 49, in Oberschlefien erst einer (at•? Reisse, dessen Vorsitzender, Herr Landgerichtsrath Dr. BorchamA j die herzlichsten Glückwünsche zur Gründung deS Vereins ur£ Ratibor eingesandt hat). Sodann wurde die Begründung b<EH[ Vereins beschlossen. Es zeichneten sich sofott 85 Herren als Mitglieder ein. Zur Vorberathung der Statuten wurde enijf Komitee gewählt, dem die Herren Dr. Blumenthal, StadtrachA^ Grundwald, Dr. Arnstein, Dr. Eisner, Apothekenbesitzer Eck stein, Kaufmann Hamburger und Kaufmann Pinczower a gehören. Die Statutenberathung und Vorstandswahl soll einer zweiten Versammlung am 27. d. M. Üattfinden. Elberfeld, 16. Dez. (Orgbr.) Das seltene Fest d goldenen Hochzeit feierte am 12. d. das Ehepaar SamuelI Strilberger Hierselbst. Bei der großen Beliebtheit, dere»^ sich das Jubelpaar erfreut, war vorauszusehen, daß die Feier?! eine sehr würdige sein werde. Zahlreiche briefliche uud tele?^ graphische Glückwünsche kamen aus der Nähe und auS der,/ Ferne; während des ganzen Vormittags war die von lieben«? den Händen geschmückte Wohnung von Gratulanten ange^ Mt, die mit freundlichen Wotten und sinnigen Gaben ihm» Anhänglichkett und Verehrung den Gefeinten darthuo wolltryH Eine besondne Freude und Auszeichnung abn war eS de»^ Letzinen, als dn Vorstand und eine Abordnung dn Repttl^ sentanten dn Synagogen-Gemeinde, in deren Dienst Herr׳^ Steilbngn viele Jahre treu und hingebrnd gewirtt hat, nrit&j ihren Glückwünschen einen prachtvollen sünfarmigen silbnuä^^ Leuchtn als Zeichen dn Anerkennung übnreichte. An diesr ׳ Festgabe knüpfte auch Herr Rabbinn Dr. Auerbach bei? dn religiösen Fein, die Mittags im ,Hotel Centtalstatt»^ fand, an, indem er hervorhob, daß dn Jubilar ihm stetS iuW Freundlichkeit und Freudigkeit zur Seite gestanden und vorbildlich gezeigt habe, wie man die Aufgabeu seine- Bv-' rufes niemals als eine Last bettachten dürfe, sondnn mit- Lust und Liebe seines Amtes wallen müsse. Dn übnreiä Leuchtn möge symbolisch den Wunsch auSdrücken, daß s an dem Gefeinten bis zum höchsten Lebensältn da- Psal«-^ wott nMe: ,Licht ist gesät für den Gerechten, und für di«/ : die gnaden Herzens find, Freude.- Die höchste Freude aber, wurde dem Jubelpaare bneittt, als dn Herr Rabbiun ihm ' die von Sr. Majestät dem Kaiser und König vnliehene TheH, , jubiläums-Medaille mit einem glückwünschenden Schreibe» aus dem Geheimen Civilkabinett Sr. Majestät in feierlicher^ Ansprache übnreichte. Nachmittags fand ein großes FestmaM statt, das durch schöne Reden und Festgedichte, untn wir die unsnes heimischen, dn Familie Stnlbnger be beten Dichtns Friedrich Storck, besondns zu nenneu nid unterlassen wollen, sehr gehoben wurde. Möge dem greift»,^ Jubelpaare noch ein langn, glücklichn Lebensabend be«? schieden sein! Geßterreich-Ungar«. X. AuS Ungarn, 16. Decembn. (Or.-Ton.) In der Gruppe dn kirchenpolitischen Gesetze hat für die J-raelitm ü die Gleichstellung dn Religionsgemeinschaft derselben das-/ meiste Jntnesse. Es soll mit diesem Gesetze nicht die Ver-sJ staatlichung dn jüdischen Kircke, sondern lediglich die gesetz«^ licheAnerkennung dn consessionellen Körperschaft in ihrenAtttonen r vor dem Staate ausgesprochen werden. Als erste Bediugm dn Reception erscheint dn Uebnttitt von einn Confessu zur andnen. An diesem Punkte vorzugsweise nahm Opposition des Magnatenhauses Anstoß, als das Gesetz einn verschwindend kleinen Majorität jüngst abgelehnt ward war. Dieser Punkt aber ist dn Mittel- und Zielpunll ' ganzen Gesetzes. Wiederum sprach das Haus dn Abgeordneten sich < schieden für die Receptions-Borlage aus, und ist wohl Aussicht für die Annahme derselben auch im Magnaten-H vorhanden. Denn Wochen hindurch sah die Nation Hangen uud Bangeu dn allnhöchsten Sanktion polittschen Gesetze m *־