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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-21 · 51 (21.12.1894) · p. Seite 399

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
51 (21.12.1894)
Date
1894-12-21
Page
Seite 399 (sequence 5)
Language
German
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^Ritgticbcm der Gemeinde für ihr Erscheinen, sowie für di« -freundliche Aufnahme: er gedachte des verstorbenen Mit» «liebe« I. Grodeck-Schievelbein, dessen Andenken die Ber» sammlung durch Erheben von den Plätzen ehrt. Sodann erstattete er Bericht über da« Wirken de« Verein« und verla« ־bic im vorigen Jahre durch die Commission beratenen und vom Vereine genehmigten Resolutionen. — Zum ersten Gegenstände der Tagesordnung: ,Stellungnahnie zu dem Deutsch-Israel. Lehrer-Verband", ergreift der -Referent (Tr. Hahn) da« Wort und empfiehlt nach längerer Auseinandersetzung eine abwartende Stellung, da die Zeit der eigentliche» Konftituirung diese« Verbände« noch nicht und der D. I. G. B. zum Mittelpunkt der bestehenden ^Pehrerverttne am besten geeignet und dazu auch geneigt sci. 'Da der Correferent, (Tr. Goldschmidt) erst am Schluß der Debatte seine Stellung zu diesem Gegenstände äußern will, erhält Tr. Hoffmann das Wo«. Derselbe steht jeder -Zentralisation skeptisch gegenüber undbeanttagt: Uebergang iut Tagesordnung. Saul-Schievelbein dagegen meint, daß stlr die allgemeinen Interessen der Lehrer der,Ällgem. Deutsche Lehrervernn" da sei, der auch jüdische Lehrer aufnehme: dahin- -egen können unsere besonderen Interessen nur in einem all- -aneinen Lrhrerbunde jüd. Lehrer zweckentsprechend vertreten ,Maden. Dr. Joseph so Hn-Lauenburg schließt sich den Aus» hrungen de« Referenten an. (Hier wird, da die Stunde ,Probelektion" herangekommen ist, die Debatte unterochen.) f Die Lehrerprobe hält Dr. Josephsohn im .Gebete-Uebersetzen", er nimmt den Anfang de« ,Tischgebete«" mit den -fhnbtrn durch. An dieselbe knüpft sich eine recht lebhafte Debatte der Haren: Kamerase, Dr. Hoffman», Saul und ^Ainkelstein. Der folgende Gegenstand der Tagesordnung war ein trag des Herrn Dr. Hahn: ,Etwas über Methode und fang im hebr. Unterrichte." Er behandelt in längerer »führung die Fragen: Wie sind wir zu den jetzt üblichen rotten gekommen und wie haben sich dieselben von der >-!testen Zttt bis auf die Gegenwatt entwickelt? Nachdem der stellvertretende Vorsitzende den Dank der Versammlung dem Herrn Dr. Hahn für den mit Fleiß und Sorgfalt auS- «arbeiteten Bottrag ausgesprochen, beantragt Dr. Hoffmann die Kenntnisnahme desselben ohne Debatte, was zum Beschluß erhoben wird. ES wird nun die unterbrochen« Debatte über den ersten Wegmstand wieder ausgenommen. Bauer-KöSlin beantragt Anschluß an dm Breslauer Deutschm RttchSverband. Nach dem Torreferat, welche« vorschlägt, daß z. Z. an kttnen der -Verbände ttn Anschluß des V.rttnS erfolgen solle, die Frage vielmehr behufs Anknüpfung an dm D. I. G. B. im Sinne de« Resermicn - auf die nächste Tagesordnung zu stellm sei udd wird diesem Vottchlage gemäß Beschluß gefaßt. Die ntchfte Versammlung soll im Herbst'1895 in Schievelbein e«finden. Die Feststellung de« läge« wird dem Vorstand« überlassen. « Lehrerprvbe über ein Thema au« der neueren jüdischen Geschichte wir» Kameras« abhalten und «inen Vortrag über ein noch zu de- Smmende« Thema hat Dr. Iosephsohu übernommen, vei der »rp«nd«wahl wird auf Antrag der bi«herige Vorstand per Acclamation »ieberaewühlt. Li» solenne« Abendbrot vereinigte hieraus die ver»in«mitglieder, chenen fich in danken«werter Weis« auch' zahlreiche Gemeindemilglieder Neufiettin» augeschloffen, hatten. , Am' zweiten Conferenztäge wurde vom Vorsitzenden Hietz Frage angeregt, aus welche Wttse die vorjähttge Resolutton bezüglich des Verhältnisses der Gemttndm zu dm Beamten verwirklicht wcrdm solle. Dem Anttage der DDr. Goldschmidt und Hoffmann gemäß wurde beschlossen, daß eine Lommission von drtt BerttuSmitglirdern gewählt werde, lche persönlich mit dm Organm der sttmmführmdm Gr» judm de« Bezirks in Verbindung zu tram habe: 1. »egm Bildung eine« Smieiudeverbaude» unsere« 2. behufs Bildung eineauS der Mitte diese« Gemeindeverbände- und au« der Mitte unserer VerttnSmitglieder be» stehmden Ehren- und SchiedSrateS mit der Aufgabe: a. die Religionsschulen des Bezirks zu beaufsichtigen; d. Sttttttgkeiten zwischen Gemttnde und Beamten zu schlichten. Die Tommission, in die Dr. Dr. Hahn, Hoffmann und Goldschmidt gewählt sind, hat ihre Aufgabe baldmöglichst zu erledigm Nachdem auf Anttag der Kassmrevisoren Tr. Goldschmidt und Roberg dem Rmdanten Meyer-Bütow Decharge erteilt wurde und noch innere Angelegenheitm de- Vereinbesprochen worden sind, ist auch dem D. I. G. B. für die güttge Unterstützung der Versammlung der Dank volitt worden, waS auch an dieser Stelle nochmals auSdrücklich geschieht. Der Echrislführer: L. Meyer-Bütow. Dresden, 6. Dezember. (Or.-Eor.) DaS ,Nur GeschäftSblatt" wie rS sich selbst in ttnem Prozesse bezttchntt hat, die anttsemittschen ,DreSdmer Nachttchten", welche selbst in ttner L'tichwabl zum RttchStage zwischm Professor Dr. Mayhof (nationalliberal) und Bebel, für den Sozialdemokratm in ,überzeugmdster" Wttse ttntraten und selbst Flugblätter für Bebel in Druck nahmen, sie, die früher fortschrittlich ,gesinnt" waren und jetzt anttsemittsch-conservative Gesinnungen lntartikeln, sie habm die .gemüthliche" Unverfrorenheit, Sätze auS jüdischm Bltttem auS dem Zusammmhange zu reißen und zu verdrehen. Es ist bekannt, daß die jüdische Religion dem Judm Treue und Gehorsam gegen das Staatsoberhaupt und die LandeSgttetze gebietet. Wir könnten zahlreiche Eitate auS Bibel und talmudischm Werkm ansühren, in welchen dem Judm Patriotismus und Gerechttgkttt, Menschenliebe befohlm wird. Ein wahrhafter Jude kann sonach kttn Sozialdemokrat sttn; wenn in der sozialdemokratischen Pattei Judm sind, so sind sie nur dem Ramm nach Juden. Sind dmn die christlichen Sozialdemokratm wahre Christen? — So klar und wahr dies aber auch ist, suchen doch die ״Nach, ttchten" ihr Müthchm an der,Israelitischen Wochenschrift" zu kühlen. (Wir verschonen unsere Leser mit dem Abdruck der betreffenden Stelle die von der Solidatttät der Juden mit der Sozialdemokratie faselt. Eine gründliche widerlegende Klarstellung brachte der Ltttattikel in unserer Nr. 49.) Würzburg. 16. Dez. Gegen den hiesigm anttsemittschen Agitator, Landesproduktmhändler Karl Zöllner, wurde am letztm Mittwoch vor dem Schwurgericht wegen betrügettschm Bankerottverhandelt.- Der Fall ist insofern bttonderS charakteristisch, als eS sich um ttne deHenigen Sttafthatm handelt, welche die Anttsemitm mit Vorliebe den Juden zur Last zu legen pflegen, und andererstttS dadurch, daß die von dem antisemitischen Agitator Geschädigten —- Juden waren. Zöllner betrieb, wie wir dem Bericht des ,Fränk. Kur." entnehmen, sttt dem Jahre 1892 in Würzburg ein Lande«. Produkten, und GettttdekommissionSgeschäft, daS er später mit ttner Mehl- und Hülsefrüchtehandlung verband. DaS Ge» schäft des Zöllner, der fast vermögenslos war, prospcrirte indessen nicht. Im Apttl und Mai d. I. nun machte Z. btt ttner großm Anzahl auSwärttger (israelittscher) Getrttdefirmen BezugSoffettm für Wehen, Hafer re., wovon acht zur Rmlisiru>:z gelangtm und zwar gegen Netto-Kassa.׳ Un» mittelbar nach Bezug der Littemngen setzte Zöllner die Waarm erheblich unter dem Selbstbezugspreisc ab, setzte aber in dm Büchem höher« Prttse ttn, ohne die auf dm Leim gegangmm Lieferantm zu bezahlen. Am 21. Mai stellte er seine Zahlungen ttn, da er einige Tage zuvor auf dem Wege zur Stadtpost ttn Packt mit ca. 17,000 M. in Baargeld und Werth» papierm verloren habm wollte, da« natürlich Niemand fand. Nachdem.ttn sttne.i Gläubigem angebotmeS Anangemmt mit 20 pCt. keine Anuahmr -efuvdewÄohte AnZttgr wegm br. trügettschm Lerbastuna.

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