Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- Seite 392 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wendigkeit zur Begrüundung einesolche» Bereindargelegt. Tie Versammelten lauschten mit höchster Spannung den trefflichen Ausführungen de- Redners, die dahin führten, daß unter lebhaftesten Beifallsbezeugungen die Frage, ob die Versammelten die Begründung des Vereins wünschten, bejaht wurde. Es erfolgte nunmehr die Berathung der Statuten, die im wesentlichen mit dem Inhalte der Statuten der Bereine gleicher Tendenz übereinstimmt. Der hiesige Verein will seine Wohlthatcn jedoch nicht allein den Lehrlingen zuwcnden, sondern seine Wirksamkeit soll auch den Gesellen und Meistern zu gute kommen. (Bravo! die Red.) Die lebhafte Debatte, die sich bei der Statutenberathung entspann, zeugte so recht von dem großen Interesse, das dieser Angelegenheit entgegengebracht wird. Nach Annahme der Statuten wurde die Wahl des aus sieben Mitgliedern bestehenden Vorstandes vorgenommen. ES wurden gewählt die Herren: Rabbiner Dr. Walter, Stadttath und erster Gemeindevorsteher L Aronsohn, Rechtsanwalt Baerwald, Rechtsanwalt Wolffen, Rentier Tohnfeld, Schlosser, meifter L. Levy und Schlossermeister JSraelowicz. Der Verein zählt bereitmehr als achtig Mitglieder. Hoffen wir, daß der neue Verein zum Heil und Wohl unserer Glaubensgemeinschaft eine segensreiche THSttgkeit entfalten wird. Daß diese Hoffnung verwirklicht wird dafür bürgt die Thatsache, daß die Vereinsleitung in längst bewähtten Händen liegt nnd Männer von Einfluß und Thatkraft, er- Mt von Liebe für die hohen Interessen der Judenheit, an der Spitze stehen. Hamburg. Auf allen Gebieten des Lebens macht sich das Streb« nach Lentralisirung der Kräfte gellend; die ge» wonnenen Erfahrungen veranlaßtm im März 1893 die Eonstttuirung eines Verbandes der israelittschen Wohlthätigkeitsvercine und Stiftungen am hiesigen Otte dem bereits 24 hiesige Vereine angehören, während einige andere sich zwar noch abwattend verhalten, aber dem Verbände bereits ihre Sympathien zum Ausdruck brachten, welche einen baldigen Anschluß derselben erhoffen lassen. Es liegt auf der Hand, daß diese Centtalisirung die im Uebrigen der Thätigknt der einzelnen Vereine freie Hand läßt, segensreich wirken muß, nicht allein durch Ersparnisse an Zeit und Kosten, welche den Bedürftigen zugute kommen, sondern auch weil dadurch verhindert wird, daß unwürdige Elemente, die das Handwerk besser verstehen, von den zusammenhanglosen Vereinen den Rahm für sich abschöpsm und andere würdigere dadurch bcnachtheiligen. Resultate kann der junge Verein natürlich noch nicht ausweisen, allein die Darlegungen in dem soeben erschienenen Constttuttrungsberichte sind so einleuchtend, daß die segensreiche Entwicklung gar nicht ausbleiben kann. Wir können den Verband deshalb nur aufs Wärmste beglückwünschen, einer gedeihlichen Zukunft bei ihm entgegensehen seine Nachahmung empfehlen und ihm ein weiteres Blühen und Erstacken wünschen. Bon der Ruhr. 7. Dez. (Or.Corr.) Wie von verschiedenen Seiten vorausgesagt und auch in einigen Blättern geschrieben wurde, hat die Gebetbuchausgabe des Wests. Gemeindeverbandes Widerspruch in einigen Gemeinden erfahren. ,Jetzt sollte man sich besonders hüten, einen Zankapfel in Gemeinden zu werfen", — ״das bisherige Gebetbuch war bis jetzt für uns gut, wer das Eine oder Andere überschlagen will. Gemeinde oder Einzelner, dem bleibt es unbenommen." ״Wir haben gute Uebersetzungen und die Gebetsprache wird nicht von der künstlichen Feinheit biftirt u. s. w. — In mehreren Gemeinden ist infolge der Einführung eine Trennung bereits entstanden, wie in Hamm a.d. Lippe, — in Unn]a u. a.; andere haben das Buch zurückgewiesen, wie Paderborn, Lippftadtu.s.w., Ob es angemessen war, Stellen, wie das ״Ab harachamim" beim Aushickm der Thora, welches in manchen Gemeinden vom Chore so schön gesungen wird, ist sehr die Frag«. Wenn Mshamcdaner, und alle christlichen Bekenntnisse pietätvoll nach Jerusalem blicken, so' sollte man meinen, daß Isräel sich zu schäme» braucht, die Verherrlichung Jerusalemzu wünsch«^ de- Ortes, von wo die Thora da- Wort Gottes auSgegange»^ ist. Der Wunsch im Aufblicke zum Vater der Barm- Herzigkeit vereint sich im Herzen recht wohl mit der Liebe-/ '■־"־'■ ~ ” " ־ ־* ' י ’ heißt es besonders: Was nicht deine» Amtes da laß deinen Vorwitz. — Ein Werda? sollte den unberufenen Stteber zur Mäßigung mahnen. Der Frieden in den Gemeinden ist dochein hohes unantastbares Gut, und man sollte eS sich sehr. überlegen, ob man ihn durch solche radikale Reform« gesährden darf. ' Würzburg. Die iSraelittsche Lehrerbildung-- Anstalb versendet den Rechenschaftsbericht des dreißigsten Jahre» ihre» Bestehens. Aus ihm entnehmen wir, daß bereit- 2SS- Zöglinge der Anstalt in Deutschland und im AuSlande segensreich wirken, nnd auch im letzten Jahre haben neun. Zöglinge nach bestandener Austrittsprüfung am Kgl. Schullehrer-Seminar in die Praxis entlassen werden können, ' Die Anstalt erfteut sich zahlreicher Gönner, und ei» günstiger Kassenbestand versetzte sie in die Lage, 5 Schüler» Unterricht״ Wohnung, Beköstigung und ärztliche Behanolung, vieren die Beköstigung ganz und 21 theilweise gewähren z» können, während auch noch ein Externer der Anstalt angehürte.. Der bewältigte Lehrstoff ist ein sehr reicher und befähigt dieabgehenden jungen Leute, den weitgehendsten Wünschen der- Gemeinden -an ihre Lehrer und Eantoren zu genügen. In dem harmonischen Ganzen deS Rechenschaftsberichtes befriedigt auch der Schluß, der so wohlthättg von gewissen ander« Gepflogenheiten durch den kundgegebenen Ordnungssinn absttcht. Die Einnahmen und Ausgaben wurdm nämlich auf — wie hervorgehoben wird — ausdrücklichen Wunsch des Vorstandes, des gewiß über jede Verdächttgung erhaben« DistrictSrabbiners Bamberger, von einer Rechnungskommiffio» geprüft und natürlich in gewissenhafter Ordnung und Pünkt» lichkeit befunden. Möge die tteffliche Anstalt wie bisher weiter wachsen, blühen und gedeihen! Frankfurt a. M. Der Verein, der die Beschränkung des Wander» bettcls bezweckt, erhielt im Jahre 1893 — 94 an Geschenken M. 13.285, wovon M. 9180 dem Kapitalfonds zusloffen, sowie 1000 Kronen 4prozcntiger ungarischer Staatsrente, deren Zinsen am 31. Juli zu vertheilen find. Die Miigliederdeiträge find um rund M. 300 zurück gegangen. An Zinsen gingen M. 789 ein. Für besondere Fälle erhielt der Berein außerdem von Privaten M. 5338 und von anderen Vereinen 2088. Verausgabt wurden für Wanderbettler M. 7513. für russische Juden M. 1405 (wozu das hiesige ״HilfScomits" M. 1000 beisteuente), für andere Fälle baar M. 8217, für Mieihen M. 2090. Beförderungen M. 1900, für Badekuren, Unterhalt im Seminar, Mhmaschinen zum Ge- Werbebetrieb, für Unterrichtszwecke u. s. w. M. 2451. Zur sosättigen Bettheilung wurden M. 1170 gespendet, M. 122 Dm:- lehen wurden zurückgezahlt. Im Ganzen ergab sich ein Fehlbetrag von M. 1674, der dem Reservefond entnommen werde,» mußte. Die Zahl der unterstützten Wanderbettler war 2273 (gegen 2191 im Vorjahr); davon waren Deutsch« 782, Oesterreicher 749, Ruffen643; 1903 Männer, 370 Frauen; 787 Handwerker, 308 Kaufleute, 643 Händler. 79 Lehrer und Beamte u.s.w., 418 bis 20 Jahre alt und 13 über 80 Jahre. Im Herbst wurden infolge einer Aufforderung M. $630 Sonderspenden für die Feiertage dem Berein übergeben, woraus 500 Parteien hier und in den kleineren Gemeinden -der Umgegend bedacht wurden. Der Bettcht erwähyt noch die Bemühungen um eine Eentralisation der deutschen israelitischen Unterstützung-Vereine. Am 18. März tagte hier eine Lelegittenversammlung. bei der Frankfutt, Wiesbaden, Mainz, Mannheim, Heidelberg. Worm», . Gießen, Marburg, Afchaffenburg, Schlüchtern, Darmstadt und- Offenbach vertreten waren; da» Resultat der den ganzen Tag an-, dauernden Beratungen war die Gründung eines Verbandes und die Annahme eine» Status. Wiesbaden zog sich dann hingegen ist Weilburg beigetrcjvu-