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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · p. Seite 391

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
Seite 391 (sequence 5)
Language
German
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— n. Verlt», 6. Decbr. Or.*<E0rr.) Versammlung d«S skattralvereinS für die Interessen der jüdischen Gemeinde in Berlin: Punkt 1 der Tagesordnung bildet ein Antcog, welcher aus der gemeinschaftlichen Berathung sämmtlicher BezirkSvor» stünde hervorgegangen ist. ,Der Eentralverein solle beim Gemeinde-Vorstand eine größere Subventionimng aller bestehenden und eine Unter, stützung der noch entstehenden Religions-Vereine beantragen." In der sich «!spinnend«, lebhaften Debatte sprachen die meisten Redner gegen den Antrag. Der Gemeinde-Borstand, so wurde auSgefühtt, würde gern einem solchen Anttage entsprechen, da er dadurch der Verpflichtung, die er zum weiteren Bau von Synagogen habe, entgehe, indem er die Last gewissermaßen auf andre Schultern abwälze. Auch würde hierdurch eine Sectmbildung gefördert. ES solle das Ziel des Eentralvereinnicht aus dem Auge gelassen werden, daraus hinzuwirken, daß soviel Synagogen nach und nach gebaut werden, wie sie das wirkliche Bedürfniß erheischt. Biele der kleinen Privat-Synagogen seien gamicht auS dem thatsächlichm Bedürfniß heraus -entstanden und eS wäre daher ein Luxus zu deren Erhaltung beizutragen. In einer Straße des Nordens lägen drei bis vier.solcher kleinen Synagogen, kaum ja 10 Minuten weit von einander entfernt. Schließlich wurde eine motivirte Tagesordnung, die dem Rothstand der Außenbezirke nach gedachter Richtung wohl anerkennt 2c. rc. eingebracht; der Uebergang zur Tagesordnung murde beschlossen, der Antrag also abgelehnt. Wegen der vorgerückten Zeit wurden die anderen Gegenstünde: ",Bericht über den Etat" rc. und ,Gemcindeangelegenheilen" von der Tagesordnung abgesetzt, um in einer demnächst stattfindenden Versammlung wieder aus diese gebracht zu werden. Marburg 7. Dez. Im August d. I. erzählte der damals noch resormparteiliche ״Reichsherold" eineseiner so beliebten Zudenhistörchen. Waren da nämlich einige jüdische Einjährig- ^freiwillige, di« sich in der Manöerzeit von ihren Quartierwitthen über die Maaßen herrlich dewirlhen ließen, indem sie ihnen vorschwindelten, das Bataillon würde diele Luxusspenden schon dezahle», sie sollten nur hübsch nach Beendigung der Manöver dem Bürgermeister ihre Kostenrechnung präsentiren. Und dieser Schwindel wurde von den arisch« Quartierwirthen geglaubt. Leider aber wacht über diese Lügen-Litteratur der;uristische Geist de- Berliner ,Eenttal Vereins״. Dieser fand in diesem erfund.nen Antisemitenmärlein eine Beleidigung der jüdischen Einjährig. Freiwilligen. Der Krieg-minister gab der Anzeige Folge und so gelangte die Sache, heute an die hiesige Strafkammer. Angeklagt war der frühere verantwortlich« Redakteur des ,Reichs- Herold", MedelSky, der gegenwärtig in Berlin lebt. Er war weder persönlich erschienen, noch hatte er sich durch einen Bertheidiger vertteten lasien. Die behördliche Untersuchung ergab, daß die Geschichte von den jüdischen Zechprellern völlig erfunden war, und die beklagte Seile hat anscheinend nicht den geringsten Bersuch gemacht, den Beweis der Wahrheit anzuketen. Man ließ sich wehrlos verurtheilen. Der Staatsanwalt beanttagte 14 Tage Besängniß. Der Gerichtshof erkannt« auf ISO Mark und sprach zugleich dem Krieg-minister PublikationSbesugniß zu. r». Königsberg, im Dezember. In Folge einer Auf- Forderung des hiesigen russischen TonsulS fand, wie in Wien, Lemberg, Frankfutt a. M. und Paris, auch hier am 2. d. M. die Bereidiguna der hier weilenden russischen Unterthanm israelitischer Konfession statt. Das festlich erleuchtete Gotteshaus war in allen sein« Räumm dicht.gefüllt. Nachdem' der russisch« Eonsul erschienen und von dm Spitzm der russischen Lolonie in das Gotteshaus geleitet wordm, begann die Feier mit dem 49. Psalm. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Bamberger eine -Gedüchtnißrede auf dm verstorbmm Kaiser Nikolaus HI-, dessen ttagischeS Geschick er schildette, und dm er vor Allem als einm Hott de» mropüischm FriedmS bezrichotte. Gleich jenem römischen Sbgesaudtm habe auch Alexander HL Krieg und Frieden in seiner Toga getragm, aber er Hab« nicht, wie Erster« dm Krieg, sondern der Welt den Friede» gegeben. — Redner hob besonder» hervor, daß die Vaterluudsliebc dm JSraclit» auch Reli-ion-gesetz sei. Deshalb schon allein erweise der Jsraclstm Patriotismus sich al» statt und selbstlos, ganz unabhängig von dem Grade der ihm entgegengebrachtm Liebe und Menschlichkeit und unab» hängig von dem in größerem oder geringerm Maße ihm eingeräumtm politischen Rechte und Freiheiten. Dankbar und ergebm einem Lande, in welches das Schicksal sie verschlagen, haben die Juden doch stets unwandelbare Treue dem Lande ihrer Geburt, ihrem alten Vaterlande bewahtt, selbst wmn diesesich nicht wmiger als väterlich gegen sie benommen. Dies führte der Redner an Hand des diesmaligm (Gm. 32) und der midraschischen Dmtung dcS WotteS: ,.Illsvkrmsjim- (Doppellager) treffend auS. So befinde auch eine beträchtliche Zahl der Judm Königsberg'- sich gewissermaßm in einem ,Doppellager", die Engel der Fremde, wie nicht minder die Engel ihrer Heimath, umschweben sie in dem Sinne, daß sie, die unter unS weilmdm ausländisch« Brüder, gute Bürger DmtschlandS und auch tteue Söhne ihres russischen Vaterlandes sind und bleiben. — Hierauf erfolgte die Todtmfeier nach der synagogalm Liturgie mit einem LI mol« rucksmim auf den todtm Kaiser. — Dm zweitm Theil der Feier, die eigmtliche Vereidigung, eröffnet« wiederum Herr Dr. Bamberger, indem er aus die Bedeutung dieses ActeS hinwcismd, zugleich die Hoffnung aussprach, daß Nikolaus II., dem dieser HuldiguugSatt gilt, die von der ganzm civilisirten Welt in ihn gesetzt« Erwartungm rechtfertigen, der Welt den Friedm erhalt« und all« sein« Unterthanm, ohne Unterschied des GlaubmSbekenntnisseS, ein liebevoller und gerechter Regmt sein möge! Nunmehr erfolgte die Verlesung der langen Eidesforme! durch den Kaiserlich mssischm Consul. Dieselbe wurde von den anwejmd« mssischm Staatsangehörigen Wott für Mott nachgesprochm und dann unterzeichnet. Nach dieser feierlich« Handlung, welche auf alle Anwesenden tief« Eindruck machte, wurde das ,הנותן רמועד für Nikolaus II. vorgetrag«, worauf Herr Dr. Bamberger, etwa Folgmde» noch ausfühtte: ,Wir könnten wir von Fürstentugend reden und für Fürstenglück beten, ohne in Dankbatteit, Verehrung und Gebet unsere« . — . — Herrscheramt berufe», dessen Er in treuester Pflichterfüllung und voller Einsicht so segensreich waltet. O, segne Gott, der Allgütige, ihn für und für, chn, wie unsere erhabme Landesmutter und unser geliebte« deutsche- Vaterland! Und wie Bande de- Blute« und der Freundschaft beide Fürsten verbinden, so möge auch ein dauemdeS Band der Freundschaft beide Nachbarländer immer inniger mit einander verknüpf« zu ihrem Heile, zum Segen der Gesammtmenschheit als Hott und Bürgschaft deallgemeiuen BölkerfttedenS und der Bölkerbeglückung! — Dm gesanglichen und liturgisch« Theil der Feier leitete bezw. executirte unser erster Lantor, Herr Eantor Ed. Birnbäum mit bewähtter Meisterschaft. Unmittelbar nach dieser weihmollen Feier wurde ein Huldigungstelegramm von dm vereidigt« mssischm Judm an das Saiserpaar nach Pttersburg abgesandt. H. Bromberg. 7. Dezember. (Or.-Lor.) Eine hochbedeutsame Institution ist am gestrigm Abend in hiesiger Gemeinde ins Leb« gemfm wordm, nämlich ein ,Verein zur Förderung und Unterstützung des Handwerkunter dm Judm." Schon im April d. IS. war die Begründung eine» solchen Vereins anläßlich einer allgemeinen Gemeinde- Versammlung angeregt worden. Dieser Anregung gemäß wurde damals ein Eomitee gewählt, damit dm ttnleitmdm Schritt«, namentlich dem Entwürfe der Statutm beauftragt wurde. Diese» Eomitee hat dmn auch unter Vorsitz deS Her« LandgerichtSrathS und RepräsmtantenvorsteherS Peltaso hu m zahlreiche« Sitzungm der Lösung dieser Ausgabe sich unterzogen. In der am 6. d. MtS. einberufmm Bersammsnug, in welcher der Herr Rechtsanwalt Baerwald dm Vorsitz führte, wurd« die Statutm vorgelegt. Zuvor hatte der Herr Vorsitz«de in begeistetten Wott« die Roch- ^MD»i«ls!,k'WWimMfrMl i Ti'11

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