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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · p. Seite 393

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
Seite 393 (sequence 7)
Language
German
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Mmtstt und vermischte Nachrichten. Magded««. In Ausführung de» deutsch-russischen Handel«öertrag» hat die russische Regierung >etzt die nähere« Bestimmungen über ««»ländische Handlunasreifende veröffentlicht. Diese haben beim Betreten de» Gebiet» de« Russischen Reich» in einem Grenzzollamt einen kommisschein 1. klaffe zu lösen und dasür die vorgeschriebene Steuer zu bezahlen. Pässe ausländischer Juden, welche al» -Handlung«reisende protokollarisch verzeichnter und überhaupt registrirter Handelsfirmen funajren, werden seiten» der russischen Konsulate visirt, nachdem die kommt« eine bezügliche Bescheinigung ihrer Firma eingereicht haben. Ein au»ländischer Jude darf »ährend der Frist, auf welche der Paß vifirt worden ist, und der -tbum fristlosen Paffe im Laufe von sech» Monaten unter Be- »bachtung der für Au»länder zur Reffe nach Rußland bestehenden allgemeinen Borschristen die Grenz« mehrfach passiren. 6. Berit», 7. Detbr. (Or.^lorr.) Herr Gustav Löwenberg, der Rrpräsentanten-Bersammluma der hirs. Ud. Gemeind«, vielen Wawattungs-Commffsionrn der Corporation, fowie den Borständ, zahlreicher jüd. Wohltätigkeits-Institute al» Mitglied anaehörendn stierte heute, in vallster günstiger und körperlicher Arische, seinen 7V. Geburt»tag. Mehr al« die Hälfte seine« Leben« hat der .Jubilar gemeinnützigem Wirken gewidmet. Weit über den Kreis der hiesigen Gemeinde hinaus durch seinen Wohllhätigkeitsfinn, Kine.Gnffachheit und Biederkeit bekannt, ist Herr Löwenberg Jude de» Worte» schönster Bedeutung. -Zahlreiche Deputationen, die Glückwunsch-Adressen rc. überleichten, waren von Rah und Fern zur Feier erschienen. Möge dem Manne, der überall wo es gilt für die Interessen . de» Judenthum» einzatreten, aUf dem Platze ist, noch rin lange», segensreiche« Leben beschieden sein! 8»»ks«rt ». M. Herr Magisttat»-Assessor Dr. Lrwin hat tellung al» Sekretär der jüdisch-argentinischen Kolonisation«- teftrebunaen de» Baron» Hirsch in Pari» angenommen. Dr. Lmvin. erhielt zu diesem Behuf einen halbjährigen Urlaub fetten« da ftidtffchen Behörden; rraliSrt sich seine Pariser Stellung nicht dauernd, so bleibt ihm aus diese Weise die Rückkehr aus Kren hiesigen Posten gesichert. Da» Gehalt, de» Baron Hirsch da» Sekretariat autgesetzt hat, detrigt 24,000 Franc». — -nuiksurt a. «.. 12. Dezember. Freifrau von Rothschild. Wittwe von Maya Karl Rothschild, ist heute gestorben. Au» der Provinz Pose». Eine« Tage» im Monat Mai -aing in dem im Wahlrreffe Meseritz-Bomst gelegenen Städtchen % ein« achtbare Dame auf der Straße, als ihr von einem Aeinru drrnährigen Knaben mehraemale die Worte nachgerufrn «urdLi; ,Juden rau«!" Durch srühere derartig« Borkommniffe und durch da» Gebühren der Antisemiten schon erregt, trat die betreffende Dame auf da« Kind zu und sagte zu ihm. indem sie •fbm einen leichten Backenstreich versetzte: .Wenn Du da» noch «mmal thust, so schneide ich Dir die Ohren ab!- Der Bater de« Fkiudr« lud die Dame vor den Schiedsrichter, und da diese nicht «schien, kam die Sache vor dem Schöffengericht zur Berhandlnng. welche» sie zu 30 Mark Geldstrafe verurtheilte. Bon der Stmiflammee zu M. wurde die Strafe aus 2 Mark ermäßigt. Dlpch -egen diese» Uriheil legte die Dame Revision ein. Da- Od«rlande«grricht in Posen hob die früheren Uriheile aus. sprach die Dam« kostenlos frei und legte die kosten, auch die nochsandigen der Berklagten. im ganzen fast 300 Mark, dem aus. Utseuach. An der Beisetzungsfeier unsere« leider so früh da. hinaeschi^enen Erbgroßherzog« Carl August hat sich auch der LaÄrabbiner, Herr Dr. Salier in StadtlengSfeld, betheiligt und im Namen der israelitischen Gemeinden de» Lande» eine prächtige Kranzspende am Sarge de» Berblichenen niedergelegt. Der Landrabbiner ging aus höheren Wunsch im Trauerzugr im Ornate, sich der Geistlichkit anschließend, die vor dem Leichen- «Mgen eiuherschritt, und begab sich mit dieser in die GraSkapelle, wo in Movesenheit der Fürsten und der höchsten Chargen de« Hose« und der, Staattregieruna. sowie der Abgesandten fremder Regier»»-« nach Gesang und Trauerrede der Sarg sich in die unter der Kapelle sich befindende Sürstengruft senkte. Tilg» vorhatte der Landraobiner die erwähnte herrliche Kranzspende am de» Berrwigtrn uiedergelcgt. . 10. Dezember. (Om-Sarr.) .Oester» er- Nachdem unser erster kultu«beamter, Herr Prediger Saul, die zahlreich erschienen Damen und Herren herzlichst begrüßt halte, erteilte er Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann au» Neustettin, drr bei den Berein«mitgliedern noch vom vorigen Jahr her im best« Andenken steht, da» Wort zu seinem Bortrage: »lieber da» jüd. Familienleben.- Mit beredten Worten schilderte der Bortragend« da» Familienleben nnserer Altvordern und beleuchtete besonder» da» Verhältnis der Ehegatten zu einander und dader Kinder zu den Ätrrn mit zahlreichen Beispielen au« Geschichte und Sage. Anhalte.:der Beifall dankte dem Redner für seinen überaus intereffanten Portrag. Ein kleine» Tänzchen hielt die Bereinsmttglieder noch lange zusammen. H. Bromberg, 9. Dezember. (Or.-Cor.) Der hiesige antisemitische, vulgo »deutsch-soziale Vereinhat in diesen Tagen einen »Führer durch BromderaS christliche Geschäfte-, wir versichert wird, in 4000 Exemplaren, zur Bertheilung gelangen lasten. Ein Blick auf da« Berzeichniß der Firmen belehrt uns, daß dieselben zu den »unbekannten Größengehören. Daß eine wirklich solide Firma derartiger Kunstgriffe, um sich Kundschaft zu verschaffen, nicht bedarf, ja, eine Kundgebung unter antlsemitischer Flagge verachtet, beweist eine geharnischte Erklärung die eine im »Führerverzeichnet« Firma heute in der »Ostdevffchen Presseerläßt und die zeigt, welche Mittel feiten» jener Retter de» deutschen BolkSthumS angewandt werden, um Befolgschaff zu ergattern und Annoncen zu erhaschen. Die Erklärung lautet: »Durch Herrn Bnchdruckereibefltzer Ballhausen wurde ich veronloßt, »ine Auuonc» für den »Führer durch Browberg» Geschäft«- aufzugeben, wenn ich gewußt hätte, daß da« Buch vom antisemitische» Verein herau«aeaebe» «erden würde, hätte ich keine Annonce bestell», und ist da« Inserat von mir daher irrthümlich aufgegeben worden. Ich gehöre keinem antisemitischen Verein« an, und bin auch kein Antisemit. Ernst Schmidt.- Wie manch Anderer wird ebenso wie der Veröffentlich« obiger Erklärung durch die Vorspiegelung einer falschen Thatsache zum Annonciren veranlaßt worden sei. Im Uebrigen muß bemerkt werden, daß nur ein verhältnißmäßig Nein« Theil drr Bromberger Firmen im »Führerverzeichnet steht, ein Beweis, daß hie Bestrebungen jener Männer wenig Anklang sind«». Selbst den Namen de« Mitbegründer» de« antisemitischen Berein», de» Herrn Kaufmann» Kuß, der. wie auch zur Zeit in diesem Blatte berichtet wurde, wegen öffentlicher Ausstellung der bekannten politischen Bilderbogen zu einer Geldstrafe von 50 MI. verurtheilt wurde, und der sein Geschäft aufgrgebrn und eine »dentsche Reichskneipeangelegt hat, suchen wir vergeben». K. verlangte, daß der Verein ihm die SO Mk. ersetze. Da die» abgelrhnt wurde, trat k. au» dem Verein au». »attowttz, 5. Dezember. Die jüdische Gemeinde trägt sich mit der Absicht, dir Synagoge zu verkaufen und in drr Nähe der neuen Mädchen-BolkSschule ein größere« Gotteshaus zu erbauen. Au» Eietdmar (Bez. Forchheim) wird berichtet: Beim Schlachlen eine» Stiere« hielt «in Knecht dem Thier rin Tuch über die Augen. Der Metzger hotte au» und schlug zu. In demselben Augenblick sprang der Etter zur Seite, und da» niedersausende Bett traf den Knecht, der mtt zerschmettertem Schädel todt am Boden lag. Der Stier, dadurch wild gemacht, riß sich lo» nnd stieß der Magd de« Bauern die Hörner in den Unterleib, so daß auch diese schwer verletzt darniederliegt. Der Stier wurde hierauf vom Jagdpächter erscyoffen. (Da» kam beim vielgepriesenen »kopffchlagvor!) Warschau, 6. Dezember. Wie verlautet, soll da» Gesetz, welckte« den Juden verbietet, sich innerhalb der Enfferung von SO Werst von der Grenze anzufiedeln, aufgehoben werden. Odessa. 4. Dezember. Die Polizei hat den Befehl erhalten, mtt aller Strenge gegen die Iud«n vorzugehen. Berrtt« wurden au» Grodno 400, au» Aalta 90 jüdfflye Familien auSgewirsen. Au» Waa «hatten wir die .Entwickelungsgeschichteder dartigen Jsr. GeweindesÄule, welche der Dirigeut derselben, Herr Dr. Adolf Ehrlich «1» Beitrag zur Lulturgeschichte versaßt und herautgearben hat (Petersburg 1894). Wir entuehwen der inter« effanten Schrift, daß die Knabenschule 266, die Mädchenschule 144 Zöglinge im voriaen Jahre hatte. De« Letter beider Schule», dem von Beru» 1877 m diese« Amt berufenen Herrn Dr. Ehrlich ist vor einigeo Jahren fßr die treue Erfüllung der '!> die׳ »Mildem WchtzMs.wL.der «uffchrfft .Kür Nus al» Nab-

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