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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · p. Seite 390

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
Seite 390 (sequence 4)
Language
German
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erworben, weit auch über den Krti* Ihrer engeren BernfschLtigkeit hinaus haben Sie an allen da» Iudrnchurn der Gegenwart bewegenden Fragen den wärmsten Anteil genommen. L» gereicht darum den vertretern des deutschen Rabbinerverband«» zur. besondern Genugchuung, Ihnen am heutigen Tage innigste« Dank au»zusprechen für die umfassend« und segensreich« Tbätigkeit, die Sie in unserer Mitte, entfaltet haben. An der Gründung unseres Verbandes in hervorragendem betheiligt, haben Sie als Mitglied des Vorstands und seit einigen Iahreu als deffrn Vorsitzender durch Ihr« umsichtige Geschäftsführung zur gedeihlichen Entwicklung unseres Verbandes wesentlich beigetragen und sich durch die kieberwürdigkeit Ihres Wesens undurch Ihr koliegialisches Lmgegentomme» die Liebe und Verehrung aller seiner Mitglieder erworben. Mögen Sie durch Gottes Gnade noch viele Iahre Ihrem Wirkung»- kreise zum Heile der Gemeinde und des Iudenthums in ungeschwächter Arast und Frisch« erhalten bleiben. Möge Ihnen an der Seite Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin noch eine lange Zeit glücklichen Familienlebens beschieden sein. Vas walte Gottl Der Lentralausschuß des Rabbinerverbandes in Deutschland. III. Dem verehrungswürdigen Senior des hiesigen Rabbinat», dem Ranzelredner, der mit heiliger Begeisterung göttlich« kehre verkündete und durch eine fromme Lebensführung zeigt, wie Ueberlieferungstreue, modernes Denken und Vaterlandsliebe wohlchuend zusammen stimmen, dem treuen Seelsorger, der das Leid zu mildern und di« Freude weihevoll zu erhöhen weisi, sendet zum Beginn des zweiten Bierteljahrhuuderts seines segensreichen Wirkens innigsten Dank und ruft ein freudige» Heil zu der deutsch-israelitisch« Gemeindebund. Rristeller. A. P. Berlin. 10. Dezember. (Or.-Cor.) ES war vorauszusehen, daß die antisemitischen Blätter das unqualificirbare Auftreten des Abgeordneten Singer in der ersten Reichstagsfitzung vom 6. Dezember für ihre Zwecke ausschlachten werden. Welch' reicher, ausgiebiger Stoff bot sich da wieder für eine frisch-fromm-frei-fröhliche Judenhetze! Wie ttefflich ließen sich, hieran anknüpfend, in fuluminanten Leitartikeln all die bis zum Ekel wiederholten Verleumdungen und Beschimpfungen des JudenthumS von Neuem den gedankenlosen Lesern austischen, und wie schön konnte man da wieder einmal seinen eigenen Patriotismus, seine unent» wegte Königstreue — trotz .Handelsvertrag und Nothlage der Landwitthschaft — in hellstem Brillantfeuer leuchten lassen. Nun, jeder Einsichtsvolle weiß zur Genüge, was er von derartigen Tiradm zu haltm hat. Ist es doch noch gar nicht so lange her, daß einer der wüthendsten Agrarier und Antisemiten in einer Versammlung des Bundes der Landwitthc unter dem johlenden Beifall sämmtlicher Anwesenden den Ausspruch that: ״Wenn uns von Staatswegen nicht geholfen wird, gehen wir unter die Sozialdemokraten!" der Jude aber hat — das lehrt die Geschichte — ohne Eigennutz, ohne Rücksicht auf irgend welche- Sonderinteresse allüberall, wo man ihm seine Menschenpad Bürgerrechte nicht verkümmerte, wo man ihm Raum ließ zur Bechätigung seiner Kräfte und zur Erhaltung seiner Existenz — ja selbst da, wo man chn unterdrückte und verfolgte — seine wahre, aufrichtige Liebe zum Vaterlande und zum KönigShause stets freu bttvährt. Daß einzelne sich zu den Grundsätze» und Anschauung« der sozialdemokratischen Pattei bekennen, hat für die Gesammtheit gar keine Bedeutung. Hieraus in bttannter Manier einen Zusammenhang zwischm Judenthum und Sozialdttookratic zu konstruireu und die Juden im allgemein« für daS verantwortlich zu mache», wis der jetzige Dissident Singer auS politischen Gründen thut und sagt, oder gar das Judenthum — daS hieße soviel als die Katholik« oder gar de» Papst für die Mordthat Cesario'S verantwortlich mache». 6. Berlin. 4. Dezember. (Or.-CorI Die 2. ordent-' liche Gencral-Bersammlung des ,Central-Vereins der Staat»- kürzer jüdisch« Glaubens״, welche h«te im Saale der Berliner Ressource stattgefundrn hat, war außerord«ttich stattbesulht. Der zündende Vorfrag des Her« Dr. jur. MH o r w itz: ,Ist das Wirk« des Central-VereinS von Erfolg?" wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Redner fühtte aus, daß die GlaubenSgmossen d« Anfeindungm seitms der Antisemit« leider allzulang unthätig zugeschaut Hab«; daS wuchernde Unkraut wäre nicht zeitig genug niedergetretm Word«. Jetzt, nachdem der Lmtral- Verein erst verhältnißmäßig kurze Zeit bestehe, habe sich bereits vielfach die Ueberzeugung durchgerungm, daß die Gründung des Vereins eine Nothwendigkeit gewesm sei. Redner fühtte drei Fälle an, in den« durch daS mergische Eingreifen des Vereins Berurtheilung« antisemitischer Redatteure weg« verleumderischer Angriffe der Judm erfolgt sei«. Wmn sich auch leider noch nicht viele Staatsanwälte zur Erhebung von Anklagen bei Verleumdung« mtschlöß«. so ist eS doch ein gewiß nicht zu unterschätzmder Erfolg, daß n«erdingS der Redatteur der ,Hannov. Post", in Folge seiner bekannt« Verdächtigung« der Juden weg« des Kol Nidre-Gebttes, zu!-tägiger Gefängnißstrafe veruttheilt wordm sei. DerTalmud biete den Antisemiten dmHauptangsiffS- Punkt für ihre Verleumdung der Judm. Wmn auch wmige von uns — so führt Redner etwa auS — d« Talmud aus eigener Anschauung kmnen, so sind die Lehr« desselbm, doch von so viel« hochangesehen« Männe« der Wissenschaft des Judenthums, die wir schätzt« und verrhtt«, als gut anettannt worden, daß auch wir die Pflicht Hab«, dm Talmud hochzuhaltm und ihn nicht, wie dies vielfach geschieht, von d« Rockschößm abzuschütteln versuch« dürfen. Man dürfe — um ein« vulgären Ausdruck zu gebrauch« — nicht das eigene Nest besudeln. Aus mannigfach« Notiz« ansisemitischcr Blätter, so auS solch« des ,Badisch« Bolksbotm" und aus dm« des ,Volk" geh« hervor, daß sie — die Blätter — dm Central-Verein, den sie Dmunciations-Bureau nmn«, weg« der Ueberwachung, d« ihre Besicht« durch dmselbm erfahr«, zu fürchten beginnen und dies sei eptschiedm ein großer Erfolg! Jeder Jude sollte es sich angelegen sein lass«, da wo die Juden zu Unrecht angegriffen werdm, Besichtigung« zu verlang«; der Bern» bitte Jedermann bereitwilligst seine Hülfe dazu an. Eine Ablegung der Sch«. Hebung de» Selbstvertrauens und Erwach« des SelbstbewußtssinS seien unbedingt nothwendig. Man müsse den Borwurf dn Furchtsamkeit mtkräftm und dem Gegner dadurch Achtung einflößm. Gegm die ,Abtrünnig«" wandte sich Rednn in besonders scharf« Weise. ES zeuge von wenig Charatt«, seinem Glaub« untreu zu werdeu und außerdem sei es auch zwecklos, da die Getauft« mit dm«, welche ihrer Religion unverbrüchlich« Tr«e bewahr«, schließlich doch in einen Topf geworfm werden. AuS dem nach dem Vorfrage erstatttteu Geschäftsbesicht geht hervor, daß dn Kassenbestand ksin sehr günstig« ist; der Bersin zählt z. Z. ca. 4000 Mitglitt»«, wovon ca. - 2700 auswärts; ca. 1300 in Bnlin wohn«. Die auSscheidenden 8 Vorstandsmitglied« wurdm durch Acclamasion wiedergewählt. ES «tspan» sich zum Schlüsse «ne sehr lebhäfte Discussion. Bnanstaltung von Wanderversammlung« wurdm' als geeignttes Mittel zur Wnbung neu« Mitglitt»« in Borschlag gebracht; auch die Gründung eines eigenen Organ» würde dm Qwtdea des BnnuS sehr dien«. Erst gegm Mittemacht wurde die lebhafte Sitzung geschlosse». Möge d« Central-Berein innn«. mehr u»achs« und - auch fnn« «ne erspsießliche Thäti^eit entwickeln; « werde f dm Aitüsemitm imm« mehr ei» Dom im Auge. Da» ist! d« beste Erfolg! *

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