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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · p. Seite 389

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
Seite 389 (sequence 3)
Language
German
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durch den Mangel an Energie erlahmt, auf halbem Wege — wo# sage ich? halbem — auf dem Zehntel de» Wege« stehen geblieben find. Bei den Evangelischen: die Lichtsreundc, der PrMestantmverein, die Freien Genirindc»; bei den Katholiken: die Deutfchkatholifchen, die Altkalhoiischcn; bei den Inden 7 die Rabbiner-Berfammlungcn, die Synode». — Die meiste Kraft aufgevendet hat noch in Europa in allen Lagem — die Orthodoxie; aber auch ohne wesentlichen Ersolg; fie will Me« thun, um die Menschen für die Religion zu gewinnen, aber fie thut meist Alles, um fie von ihr zu scheuchen. Innerhalb de« Judenthums aber fehlt e« in Deutschland mit Oesterreich — und leider kommt nur Deutschland in Frage, denn Frankreich, England, Italic» zeigen von einer religiöse» Bcweguug nur geringe Spuren — an einer energischen, productiven Vertretung und an eine weitere Ausbreitung der Gegensätze; von einer Bestimmtheit de« Gedankengehalte«, einer Klarheit des Programmeist weder in Pest noch in Brr«lau, weder in Wien noch in Berlin die Rede. Da« aber begrüß« ich mit wahrer Wonne an den Borgingen unter den Juden in Amerika: Schärfe und Bestimmtheit der Gegensätze der Parteien und enger Anschluß aneinander innerhalb einer jedcu, sind die beiden Eentren in der Ekliptik der Bewegung am Sternenhimmel der Ideale. Und dort wo der große Bersöhnungsgcdanke unter allen Religionen in dem großen Congreß eine Stätte gesunden — eine Thatsache allerhöchsten Range«, die Tage von Chicago werden ak« Datum und Denkmal am Throne Gotte« eingegraden sein דל בם יה T — dort find zugleich die verschiedenen Richtungen innerhalb de« Judenthäms mit Kraft nnd Klarheit, mit Ernst und Würde vertreten. Schon der Kamps ist Sieg. Sieg gegen den JndifstrentiSmu«. Man soll nicht verlangen, daß allen Bäumen Eine Rinde wachse; eine Rinde aber muß jedem Baume wachsen, wenn er der Unbill der Gewalten trotzen und am Leben bleiben soll. Und innerhalb der einen Partei hat neuerdings eine Rabbiner-Bersammlung für etwa 120 Gemeinden ein gemeinsame«, auf dem Boden der Pietät und de« Fortschritte« zugleich stehende- Gebetbuch geschaffen. Gott segne die Versammlung und ihr ferneres Wirken! In derselben Versammlung hat Köhler — Gott segne ihn uud sein ferneres Wirken! — die gewaltige Rede über die spiritual force* de- JudenthumS gehalten. Angesichts solcher Thatsachen erheb« ich meine Hände dankend zu Gott und preffe ihn: כי לא אלמז יקוי־אל Die Deutschen haben ein naives innige- Sprichwort: Der alle Gott lebt noch! Ja, Er lebt noch, der Gott J-raelin den Herzen der Kinder J-rael. כני יעקב orwiTPltf כי אני לא ד לא כליחס (Maleachi 3, 6.) Berichte und Aorresponöenjen. Demtschla«-. Berlin, b. Dezember. In würdigster und der Bescheiden, heit des Jubilars angemessenster Weise wurde gestern das 2b jährige Berliner Rabbinatsjubiläum de« Herrn Rabb. Dr. Ungerleider — der schon seit 1862 als Rabbiner sungirt, zu. erst in GünS und dann in Rawitsch — begangen. Von Anbeginn de« Morgens bis zum späten Abend drängten sich Korporationen, Deputattonen, Vertreter hervorragender Vereine in die in der Oranienburgerstraße gelegene Wohnung, um. Glück, wünsche darzubttngen. Vorstand und Repräsentanten der hiesigen großen Synagogen-Gemcinde erschien«, vollzählig, um dem Jubilar und seiner «n Wohlchättgkeit waltenden Gattin die Gefühle der Anerkennung - uud Verehrung zu rollen. Herr Jnsttzrath Meyer, als Sprecher, hob hervor, daß der Jubilar durch sei» concUiaMe- Wese» eS stet» verstanden Hab«, die .. ,< ־ •י•-,*•. Gegensätze der Annäherung zuzuführm und daß der Beruf veS Geistlichen in der Liebe zum rein Menschlichen vorbildlich durch den Jubilar zum AuSoruck gekommen sei. Feind aller uldigungen und äußeren Ehre, habe Herr Dr. Ungerleider lles darauf hinaus Laufende sich verbeten. Selbst die vom Vorstand geplante große Feier in der Haupt-Synagoge habe er in seiner Bescheidenheit abgelehnt. Es bliebe demnach nichts übttg als in einer Urkunde, in einer Adresse die Gefühle niederzulegen, die Vorstand und Repräsentanten als Ausgruck für hervorragende Verdienste in solcher Form gewählt haben. Der Jubilar dankte recht bewegt, bezog alle Ehrungen nicht aus sich, sondern lediglich nur auf seinen Stand. Er freut sich, wenn es ihm gelungen sei, durch die Verkündigung von Gottes Wott Trost, Hoffnung und Liebe gespendet zu haben. Was alle Menschen gemeinsam verbinde — dies sei die Menschenliebe, und jeder Geistliche habe als Endzweck seines Wickcns dieser Liebe Rechnung zu tragen. Er freue sich, wenn seine Wirksamkeit btt so bedeutendem Abschluß so vielseitige Anerkennung gefunden habe. — Verschiedene Städte, die Humanitären Richtungen ganz besonders nachgehrn und denen Dr. Ungerleider nahe steht, ließen es sich nicht nehmm, besondere Vn.reter für ihre philanthropischen Institute zu entsenden. Für Stettin sprach Dr. Bogelstttn, für Eolberg Dr. Goldschmidt, für den ,HilsSverttn für Rawitscher zu Berlin" erschien eine Deputation; der Führer derselben, Herr Dr. B l a s ch k o, überreichte ttne Adrttse, die die großen Verdienste des Jubilars um den Vcrttn zum Ausdruck bringt. Aus der großen Zahl von Adressen bringen wir die nachfolgenden drei als die bedeutendsten hier zum Abdruck: I. hochverehrter Herr Rabbiner! Gottes Gnade läßt heut auf ei» fünfundzwanzigjahrige» wirken in dem Amte eines Seelsorgers unserer Gemeinde zurückblicken und da» erhabene Bewußtsein allzeit getteuer Pflichterfüllung gestaltet diesen Tag für Sie zu einem Feste der Ehre, wer wollte fie zählen all' die Herzen, denen Ihr lebendiges Wort fromme Erbauung und lindernden Trost gespendet, alle die Seelen, in denen Sie die reine Flamme de» Gottesglaubenr entzündet und gewährt haben I Lin Priester der Milde waren Sie inmitten kämpfender Gegensätze stet» bemüht, den Seist der Versöhnlichkeit, die Friedserttgkeit der Gesinnung zu lehren und zu pflegen. Sie gleichen den Jüngern Aharons, von denen es heißt«, daß fie den Frieden lieben nnd ihm nachstreben und wohlwollend die Menschen zum göttliche» Gesetze hinleiten. Darum Begrüßen wir Sie, hochverehrter Herr Rabbiner, am heutigen Tage als einen erfolgreichen Mttarbriter an dem Werke friedlichen Aufbau» zum heil« unserer Gemeinden, darum beglückwünschen wir Sie im Namen dieser Gemeinden auf herzlichste und richte» an den Vater dr» Alls die Bitte, daß er Ihnen noch lange die Fülle seiner Gnade spenden und Ihnen a.r der Seite Ihrer Gattin ein freudenreiches Alter erblühen laffe. Berlin, am «. vecember;89*. Der Vorstand und die Repräsentanten-Versammlung der jüdischen Gemeinde. (Folgen die Unterschriften.) II. hochverehrter Herr Jubilar! Sehr geehrter Freund und Kollege I Mtt inniger Genugthuung dürfen Sie am hruttgen Tage aus «in viertrljahrhundcrt gottgesegneter Thätigkrit zurückblicken, di« Sie als einer der religiösen Führer der größten Gemeind« nnsere» deutsch«» Vaterlandes vollbracht haben, von heiligem Ernst erfüllt, habe« Sie sich während dieser langen Jett mtt nie versagender Kraft der hohen Aufgabe Ihre» Beruft, gewidmet, uns mit rastlosem Effer zur Belebung und Kräftigung de» religiösen Sinne, in ihrer Gemeinde beige, ttagen. Und was Sie an geweihter Stätte im Namen unserer Religion gekündet hoben, deffen find Sie selber urch Ihren ftomme» und friedfertigen Wandel, -urch Ihr« charaktervoll« kebensführung, durch spftrfteudige Bethätigung 'an allen Werken der lieb« stet, ein edle» Vorbild gewesen nnd habe« sich dadurch di« Achtung Ihrer ganzen Gemeinde a

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