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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · p. Seite 388

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
Seite 388 (sequence 2)
Language
German
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maschioenhandel, ttotzdem bei ungalante Staatsanwalt mit seiner Gesetzsslaterne zuweilen in die dunkelsten Kammern hineinleuchtet und den eidlich«! Betheuerungen des ,Amateurs" keinen unbedingten Glauben schenkt. Mau denke, eS war ein Eid, der nicht in die Hände eines jüdischen Richters abgelegt wurde. Leider findet man die heimlichen Begünstigungen in Kreisen, die sich bis auf Pumpmomente gegen jüdische Einflüsse hermetisch verschlossen und niemals einen jüdischen Genassen in ihren — den höheren — BerwoltungScarrieren gesehen, also die Conturrenz auch nicht zu befürchten haben. Ihnen secundiren wider Willen unvorsichtige Streber im Juden» chume selbst, welche den Zionismus und andern nationalen Schwindel auf ihre F<chne schreiben und dieser goldene Nägel einschlagen, die gleichzeitig Nägel zu unserm Sarge sein sollen. Sie bedenken oder ahnen nicht, daß ihre Borstandsspielerei ein Todtengräberamt ist und daß aus ihrem lächerlichen Ehauvinismus für die Gesammtheit ein Strick gedreht wird, denn kein verderbliches Wort, keine nnselige Thal in unserer Mitte ist albern genug, daß chr nicht von gegnerischer Seite eine unverdiente Bedeutung beigelegt, daß sie nicht thurmhoch geschraubt wird. Selbst wenn wir der Abläugnung einer dem Zionismus innewohnenden nationalen Tendenz Glauben schenkten, wer fragt uns denn nach unserer Meinung. Selbst wenn die vorgebliche Absicht sich «stillte und einige Dutzend fmlnische Glaubensgenossen in Palästina eine behagliche Heimat Süden, würde die Erreichung dieses Zieles wichtig und segensreich genug sein, den unberechenbaren Schaden wett zu machen,- der unS dafür im Innern bettäse?' Solche utopische Gründungen müssen die Zahl der antisemitischm Amateure nur vermehren, und selbst die Toga wich bald keinen sichern Panzer mehr abgchen gegen das Eindringen unwillkürlich« Abneigungen und gegen Begriffs»«- Wirrungen. Es gab eine Zeit, und sie liegt nicht weit hinttt uns, da ein nichtliberaler praktischer Jurist eine weiße Schwalbe war und ein Willmauns wie der weiße Elephant ein« wildstemden Gottheit angestaunt wurde. Und heute? Die Mauem dn Unbefangenheit find durchbrochen, äntisemitische Redakteure genießen oft den Schutz deS § 193, der überall bttämpfte unlautere Wettbewech begegnet wundttbar milden Auffassungen, wenn er nicht dem Kautschukparagraphen vom groben Unfug aus die Hühneraugen tritt. Geschäfttiche Boycottirung jüdischer Geschäfte, so unlauter sie in ihren Motiven auch ist und wenn sie auch geschäftlich völlig intacten Kaufleuten das Brod vom Munde reißt, findet keine geaügcnde Ahndung. Fern sei eS uns, den Richtern einen Borwurf dn fehlenden Unparteilichkeit zu machen; es vollzieht sich eben nur ein vsychologischer Borgtmg und der Richter ist eben auch cm Mensch, dn nicht den Einfluß dn Außenwelt ausziehen kann, ehe n den Mantel dn auSgleichenden Gnrchsigkeit um seine Schultern schlägt. Bon wem sollen wir Schutz erwarten gegen die Bedrohung unsner staatsbürgerlichen Gleichberechtigung? Die Ruhe hat dn Zustimmung glrichgesehen und die Abwehrschriften sind nur dn Stein, an dem die Gegn« ihr stumpfen Waffen wetz« können und bald wnde» ihn Autoren m ihren nutzlosen Bemühungen nlahmen müsseü. Die Gegen- Partei will ja nicht überzeugt wnde», was bis zur lieberstlttiguug nachgewiesen ist; wo die Selbstsucht u»d ihre Helfers- Helfer daS Sceptn führen, da muß die Vernunft ttaunud ihr Tstlitz verhüllen. Helfen kann uns dn Staatsanwalt auch nicht, ab« den Gehorsam gegen die Gesetze muß n «zwingt», dazu ist a סל und wenn Redacteurc wegen Abdrucks irrthümlicher Notizen Lilridigeuden Inhalts gegen Antisemiteuhchchtlmge bestraft üE-den,.weil sie nicht angegriffen wurden, dieMahrnehmung!^?chtigtn Interessen deshalb nicht als vorlisgend auerkaunt sä dann muß ein nichtprovocirtn Angriff geae» Juden WMallr geahndet wndnr, und jede׳ gezatchältge Ansicht -tzUD»«/ bedrüklichr« Kopffchüttel». I« Ramm d« göttliche» und menschlichen Gnechttgkeit müssen wir verlangen-, daß wenigstens auS den GerichtSsälen dn antisemitische Amateur wider . Willen, stteng ferngehalten wird. Lis Smiuiitiit lf§ $nf. k f. Lijms. In einem Begrüßungsschreiben, welches Prof. LazaruS von Schönfeld bei aus Leipzig, den 14. Octob« 1894, an den ,American Hebrew" in New Jork zum 1b jährigen Bestehen dies« gerichtet hat, enthüllt UnS der H«r Professor daS nachfolgende hochinteressante Gehcimniß üb« sein literarisches Bermächtniß. Er schreibt: ^eute schon will ich Ihnen eine Thaffache mittheilen, welche ich bis jetzt vor aller Welt geheim gehalten; von dn ich ab«, nachdem ich mein 70Lebe,!Sjahr zurückgelegt, ungescheut sprechen darf. Seit etwa 10 Jahren nämlich arbeite ich in den besten Stunden, die mir kommen, an ein« Schrift, die bei meinen Lebzeitrn nicht erscheinen, nach meinem Tode ׳aber den Glaubensgenoffen als mein ,Bermächtniß" übergeben werden soll.- Diese Schrift handelt von d« ,Erneuerung" odn ,Verjüngung" de« Judenthums. ES kommt auf das Wort nicht viel an, nur auf die Sache; dagegegen ab« Wiednbelebung (revival) darf sie gewiß nicht heiße«. Denn da- Judrnthum lebt. ES lebt, beiläufig gesagt, in beiden Parteien (so weft sie mit Ernst, mit Eff« und unper« sönlich vertreten werden), welch« beide zu behaupten pflegen, daß in der ond«en.da» wahre Judenthum erstorben sei. Wenn man.' etwa im Februar einen der Fruchtbäume, etwa einen Apfelbaum, d« mittleren Zone anfieht, und d« Eine behauptet: der Baum ist ja tobt; er ist ja völlig «rstartt und ohne alle inn«e B»x wegung: « irrt sich! « kennt die LebenStzesetze deS Baumes'nicht, deren Triebkraft sich ihm, er soll nur ein wenig Watten, deutlich offenbaren wird. Wenn d« Andere ab« behaupttt: diesei ja di« wirkliche Gestalt, affo auch dawirkliche Leben d«S Baumes: « irtt sich! er kennt die Lebenszwecke des Baumenicht; « soll ein wenig Watten; erst wenn der Stamm seine Laubkrvne «hält — vom LebenSbanme der Religion ist ja die Red« — wenn die frischen Sproffen religiös« Gefühle, wenn die Blüthen religiös« Gedanken und Wahrheiten, wenn die Frücht« edl« Handlungen erscheinen, dann offenbatt sich davolle, dawahre Leben des Baume-. ES kann nicht meine Absicht sein, hier von, dem Inhalt de« ,BermächtniffrS" Bettcht zu erstatten; wa» ich Ihnen als Quinteffenz d« Antwott auf Ihre Frage aus der Einleitung in dieselb« mitthellen wollte, ist nur Ein Satz, d« etwa so lauttt: Ich fürchte, daß meine Gedanken über Erneuerung oder Berjüngung de- JudenthumS erst in fern« Zeit, ja, ich glaube, daß sie zuerst in firnen Räumen zur Erwägung, und will e« Gott, auch zur Geltung kommen w«den. Dean nur drüben in Amerika scheinen mir für die Juden die Bedingungen gegeben und auch die wachsenden Kräfte bereit» in Bewegung, um einen gewalttgen und tiefgreifenden Prozeß zu vollziehen zur Erfüllung de« Lebenmü religiösen Mächten. Seit dritthalb-tausend Jahren hat man die Thaffache beobachttt, daß d« Gang d« Eultur imm« von Osten nach Westen ging, daß ab« dann die im Westen euffalttte Blüthe sich zurück nach dem Osten wandte. So wird eS, denke ich, auch de« Judrnthum mtt seinen Stationen: Asten, Europa und Amerika, gehen. . ' - Wanun inzwischen an Ereignissen auf dem Gebiete d« Religion sich begeben hat, hübnmuud drüben, hat «ich in dies« Erwartung nur bestärkt. Erst na Bertzleich mü den ausführlich geschilderten Amerikanische» Berhältniffe» würde ich auch die Europäischen genau« bespreche«, »m zu ׳zeige», wie hi« tz» letzten Menschenalt« «ץ[ mügiöfim Gahmßff

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