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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · p. Seite 384

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
Seite 384 (sequence 6)
Language
German
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«nter den Geisteswerken der Menschheit nicht bloS eben» bürtig ist, daß diese vielmehr nur einzelne Seiten des in der Bibel sich kundgebenden Geistes ausmachen׳ — Die große Zuhörerschaft lohnte dem Redner am Schlüße des Vortrags mit lebhaftem Beifall. München, 2. December. Die hiesigen ,Neuesten Nachrichten brachten folgenden Bericht über d«l Vorgang in Traunstein: ״Das antisemitische Attentat in Traunstein liefert wieder einmal den Beweis, welch' traurige Früchte gewerbsmäßige Volks- Verhetzung, wie sie von den antisemitischen Aaitatoren getrieben wird, selbst in Gegenden zeitigt, in denen die einzelurn Bevölkerungsklaffrn bisher ruhig neben einander lebten. Gegen den israelitische» Kaufmann Georg Barasch in Traunstein wurden infolge von antisemitischen Versammlungen bereits 2 Attentate verübt; eines wurde durch den wachsamen Hund des Barasch vereitelt, das zweite erreichte den beabsichtigten Zweck nicht, weil die mit Pulver gefüllte Röhr« wirkungslos verpuffte; das dritte Mal erreichten die Buben leider ihren Zweck. Am 28. November war in Traunstein antisemitische Versammlung mit der bezeichnenden Tagesordnung: ״Wie erreichen wir am schnellsten und sichersten unsere Ziele?" Schon wenige Stunden nach der Versammlung übersetzten einige Banditen die Worte in die That: Um 1 Uhr Nachts erdröhnte in Traunstein ein furchtbarer Knall, der die ganze Einwohnerschaft aus dem Schlaf riß. Herr Barasch, der fünf Minuten von seinem Laden entfernt wohnt und der gleichfalls aus der Ruhe aufgeweckt wurde, beachtete die Sache nicht weiter, weil dem Knall kein weiteres Geräusch folgte. Gestern Früh 7 Uhr wurde Herr Barasch durch den Nachtwächter benachrichttgt, daß sein Laden offen sei; er begab sich sofort a» Ort und Stelle und es zeigte sich Folgendes: Der Rollladen der Eingangsthüre, sowie die Thürpfosten lagen auf der Straße zerstreut und hingen theilweise im gegenüberliegenden Garten auf den Bäumen! Von der Thüre selbst waren nur noch Nein« Holz- und Glassplitter zu finden! Das Schaufenster rechts von dem Eingang ist vollständig zertrümmert, die Waaren vom Glas zerschnitten und durcheinander geworfen. Im Laden befindliche Scheiben find zerbrochen und die im anderen Schaufenster liegenden Glaswaaren durcheinander g«chürzt. Der Schaden wird auf 600 Mk. geschätzt und ihn hat die Stadtgemeinde, also die Steuerzahler von Traunstein, zu tragen. Dem Geschädigten find schon zahlreiche Kundgebungen der Theilnahme geworden. Was haben nun die. welche das feige Bubenstück verübten, erreicht? Nichts! Sind das deutsche und christlich: Waffen im politischen Kampfe? Rein! Das find Banditenstreiche: Bei der That scheint Tynamit angewendet worden zu sein, denn Pulver hat kaum eine solche Kraft, wie sie hier zu Tage getreten ist. Anzeige bei Staatsanwaltschaft und Regierung ist erstattet." Darauf erhielt die Redaction folgende ,Berichtigung", die sie mit einer kurzen Nachbemerkung beleuchtet und abfertigt: ,Traunstein, 30. November. Berehrltche Schriftleitung der »Neuesten Nachrichten", München. Auf ihre Mittheilung, Antisemitisches Attentat, ersuchen wir Sie um Aufnahme des Folgenden: Seit mindestens zwölf Jahren besteht hier ein Bazar von Broumann und Günzburger in Augsburg unter dem Namen Feigl's Bazar, also einer israelitischen Firma, ohne jemals im Geringsten belästigt worden zu sein. Herr Barasch hat demnach die für ihn unliebsamen Vorkommnisse nicht auf Rechnung seiner Konfession, sondern feiner Handlungsweise zu setzen. Wer kann einen Beweis dafür bringen, daß rn unserer Versammlung ein aufteizendes Wort gegen die Juden gefallen ist? Auf diese Kombination hin könnte man beispielsweise jeden Sozialdemokraten für anarchistische Attentate verantwortlich machen. Was unser Verein unternimmt, dafür giebt er auch seinen Namen, Unwahres läßt sich Niemand in die Schuhe schieben. Verein zum Schutze gegeu unlautere Wettbewerb im Handel und Gewerbe. E. Rappolt jun., I. Trauner." Wir haben hiezu nur zu bewegen, daß dieser Verein in seinen Statuten die Bestimmung hat, wonach ״kein Mitglied einen Juden in sein Haus aufnehmen, noch an einen Juden ein Haus oder Grundstuck verkaufen darf." Das genügt zur Charakteristik de« Vereins. D. R. d. N. R.» Das ,Traunsteiner Wochenblatt" schreibt: ״Ein großes Glück war es, daß kein Menschenleben zu beklagen ist, was sehr .cicht hätte der Fall sein können, da einige Minuten vorher die isthabenden Postboten vorüber gingen. Es wäre sthr zu wünschen, daß der Thqter namhaft gemacht werden könnte, sonst '-H ist es weit gefehlt um de» guten Ruf unserer Stadt, denn, wenn eine Wiederholung im Mai stattfinden würde, dann können wir- ■41 sicher annehmen, daß unsere Sommergäste Traunstein als Auf» H enthaltsort meiden. Wolle jeder Bürger sein Möglichste« bei» tragen, damit der Attentäter eruirt werden kann." J Die ״Staatsbürger Ztg." behauptete, eS sei ihr auf An» Z frage von amtlicher Seite in Traunstein mitgeteilt worden, J daß die antisemitische Partei an dem Attentat auf eine» Ä jüdischen Kaufmann nicht beteiligt sei. — Der Staatsanwalt,■ i dem die betreffende Nummer der ,Staatsbürger-Ztg." vor» ך gelegt wurde, erklärte (wie man der ,Franks. Ztg." au» ׳/ Traunstein schreibt), es sei an ihm weder eine Anfrage ge» ף kommen, noch habe er eine Mitteilung gemacht. Das warvorauSzusehen. Von welcher ,amtlichen" Seite hat nun die , ״ Staatsbürger-Ztg." ihre Mitteilung? Gaßter-alech-Ui-«»»«. J J. Wim, 2. December (Or-Con.) Das israelitische i ״Taubstummen-Institut" feinte heute, Vormittagbei $ Anwesenheit zahlreicher Festgäste das Jubiläum seines fünf» i zigjährigen Bestandes. Vor '/,II Uhr versammelte«. J sich in dem aus diesem Anlaß mit dem Bildniß des KaisnS- ' sowie exotischen Pflanzen geschmückten großen Festsaale unter ■י’ Anderen: Vice-Bürgermcister Matzenauer, Bezirks-Vorsteher Schober, Polizei-Bezirks-Leiter Boog, Landesschul-Jnspector Riegn, die verwittwete Baronin Charlotte Königswarter mit ihren beiden Söhnen (Barone Wilhelm und Heinrich), und Tochter Frau Josephine Paul-Schiff, die Delegittcn dn türkisch-jüdischen Gemeinde Buss» und Ephrussi, der Vice- Präses Gustav Simon mit den Vorstandsmitglieder«. , Dr. Gustav Kohn, Baurath Wilhelm Stiaßny und - Lein kauf, sowie viele Freunde und Gönner der Anstalt..! Mit einem eigens zu diesem Zwecke vom Obercantor Singerneu komponitten überaus weihevollem Chorgesang eingeleitet,. - begann die Frier mit einer Begrüßung durch den Präses des jubilirenden Institutes, Josef Hieldburghäusser, worauf , der frühere langjährige Dircstor, kais. Rath Joel Deutsch,.' der in dieser Eigenschaft mehr als vier Decennien wickte, die Festrede hielt, nach deren Schluß ein abgthender Schüler dem Lehrkörper dankte, um dem derzeitigen Direktor Moritz Brünner Platz zu machen, welcher ebenfalls eine kurze Ansprache hielt. Im Namm der Schulbehörden betrat Landesschul-Jnspektor- - Ri eg er die Tribüne, und mit dem von einem Zöglinge ge» sprochenen Gebete endete die Feier, worauf noch der Chor die Volkshymne executitte. Der Herr Vice-Oberbürgermeister drückte seine außerordentliche Befriedigung, namentlich auch unserem Herrn -Obercantor Singer, in überaus schmeichelhafte» Watten aus. J. Wien, 30. Novbr. (Or.-Corr.) Vor dem Geschwornengerichte in Kornenburg bei Wien fand gestern die Verhandlung ' gegen den Pater Leopold Scherzer, statt. Derselbe war ' angeklagt, seiner Pfarre Bcneficicngelder sowie aus den Eia» 5 lagen bei der dortigen Sparkasse im Gesammtbttrage von .! 5573 Gulden verunttent zu haben und hat der geistliche Hitte,. ך der die Kanzel zu Hetzreden gegen die Juden mißbrauchte, j seinerzeit das Weite gesucht, wurde aber nach Erlassung eines;1 Steckbriefes im Juli d. I. hier verhaftet. Wenngleich die Ver- ■ij Handlung mit dem Freispruche des sauberen Pfarrers endete, entrollte die Verhandlung doch ein gar trauriges Bild von dem Wesen des Antisemitismus und seiner Vorkämpfer. Wir sehen die .! ärgsten Judenhasser den Gettchtssaal in unchrenvollster Weise ' betreten, sie werden theils abgestraft oder erttngen höchsten- .! einen schimpflichen Pyrrhussieg. Die. beiden Pfarrer Deckett 1 und Scherzer sind den Antisemiten zu gönnen, sie werden wohl j nicht die Letzten sein, welche Bekanntschaft mit den Gerichts- J schranken machen müssen. 3 U«tzla«d. <| Warschau, 2. December. (Or.-Corr.) Die iüdisck-literattsche Welt hat einen schmerzlichen Verlust zu beklagen,! M JacobReikmann, im Auslände nicht minder alSiaseiWWW

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