Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 49 (7.12.1894)
- Date
- 1894-12-07
- Page
- Seite 385 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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v'OfÄRtWanbt (Russ.-Polm) bekannt, ist am 13. v. M. im 'Alter von 77 Jahren aus den Reihen der Lebenden geschieden. v Der Verblichene gehörte zu jener alten Generation von jüdischen Gelehrten, die das Wort unserer Weisen: .Die Thora bavährt sich nur bei demjenigen, der seine Liebe zu ihr mit seinem Leben besiegelt", praktisch zu bethLtigen pflegten. Nicht - Ruhm- und Ehrsucht, nicht das Streben nach materiellem -Gewinn und klingender Münze waren bei ihnen die Beweg- 1 gründe für ihr geistiges Schaffen, sondern einzig und allein fc. .das in ihnen lodernde heilige Feuer der Begeisterung und Liebe für daS überlieferte Vermächtniß der Väter, für dessen v- ׳ Erforschung und wissenschaftliche Beleuchtung sie all' ihre -Kräfte, ja oft ihr Leben eingesetzt haben.?* Jacob Reifmann, geboren in Lagow (Gouv. Radom), -am 1. Nissan 5578 (April 1817), erhielt den ersten Unterricht in Bibel und Talmud von seinem alten, kranken Vater, den er ober schon im zarten Knabenalter von 8 Jahren verlassen muhte, um die Talmudschule in Apta zu beziehen, if >00 er bis zu seinem 1b. Lebensjahre verblieb. Von den An- I schaumigen der Chassidim, in deren Mitte er aufwuchs, be- -einflußt, sehen wir ihn schon als 18 jährigen Jüngling in y Szebrzeszin (Gouv. Lublin) an den Traualtar tteten, wo er, im Hause seiner Schwiegereltern aller Sorgen um das tägk lich« Brod enthoben, sich mit noch größerem Eifer als zuvor ton Talmudstudium widmete. Doch sein reger, vorwätts- •. strebender Geist fand nicht in dem Talmudstudium allein 1 volle Befriedigung. Er fing auch an, fleißig jüdische religionS- »hilosophische Schriften zu studiren, verwendete viel Zeit auf oaS Erlernen der hebräischen und deutschen Sprache, und schon nach wenigen Jahren war es ihm gelungen, sich auch; in der GeifteSwelt deutscher Dichter und Denker zurechtzufinden. י- -Beseelt von dem Wunsche, unter seinen in Nacht und Finster- \ niß lebendeu StammeSgefiosscn Licht und Wissen zu verbreiten, £• stlhlte er sich muthig genug den Kampf gegen die ihn umtz gebenden Finsterlinge aufzunehmen und suchte durch Wort h und Schrift, seine Landsleute für seine Ideen zu gewinnen. Bald aber kam er zur Einsicht, daß gegen Dummheit selbst Götter vergebens kämpfen, und widmete von nun an seine außerordentliche Begabung ernstem Forschen und Schaffen. Die von ihm in dieser Periode herausgegebenen Schriften, von welchen wir folgende besonders erwähnen: öetk Jacob, (Salkowa 1843). Die Geschichte des Labbsuu Lsracdia, <Prag 1853), 8rää ^rom, (Berlin 1874) lenkten bald auf ihn die Aufmerksamkeit der hervorragendsten deutschen Gelehrten, wir Zunz, Sachs, Geiger, Rappaport, Stein- -schntider u. a., mit denen er einen regen Briefwechsel unterhielt. DaS Leben dieses jüdischen Gelehrten bestand aus einer -Kette von Entbehrungen,. Sorgen und Leiden, aber eS legt auch Zeugniß ab für das ewig Wahre, daS in dem Worte unserer Weisen enthalten ist: .Gebet acht auf die Kinder der Armen, denn von ihnen Peht die Lehre aus." — Der arme Jacob Reifmann, der nicht selten das tägliche Brod entbehren mußte, hat die jüdische Literatur, wie nur wenige von Gott Auserkorene, mit werthvollen wissenschaftlichen Arbeiten bereichen, die dauerhafter als Denkmäler von Erz und Stein die Unsterblichkeit seines Namens der Nachwelt verkünden werden:!תד* מנוחתו כבוד Heueste und vermischte Nachrichten. Berlin. Am 4. December fand die sehr zahlreich besuchte ord. General-Gersammlung deS ,Lentral-Berein« d. St. j. Gl." i». Saale der ״Ressource" statt. Herr Dr. jur. M. Horwitz }liclt einen Vortrag über das erfolgreich« Wirken d«S Verein«. Bericht in nächster Nr.) Berit». Der kürzlich hier verstorbene Stadtverordnete Echönflie» hat seiner Vaterstadt a. W. zu wohlthätigen Zwecken «in Legat von 10,000 Mark, der dortigen jüdischen Gemeind« ein solche« von 5000 Mark, der Stadt Berlin 30,000 Mark vermacht. Magdeburg. Am 24. v. M. fand ein liter. Bereinsabend - statt, in welchen Herr Rabbiner Dr. Rahmer einen Borttag über dir geschichtliche Entwickelung d-r Thoravorlesungen und der Hastara hielt, an welch« fich ein« rege DiScussion knüpfte. Die Mittheilung, daß man in den ältesten Zeiten den 7 Ausgernsenen uur je 3—ö vorlas und dah man nach R. Meir'S Ansicht,. da wo man am Sabbathmorgen die Sidra abgebrochen am Nachmittag Montag und Donnerstag sortsetzen sollte, war von besonderem lokalem Jnterefie, weil diese Einrichtung nebst Vorttag der Haftara in der Landessprache jüngst in der hiesigen Synagoge getroffen wurde. — Morgen Abend hält Frau Nahida Remy hier im Verein sür jüd. Geschichte und Literatur einen Vorttag. im Januar Herr Rabbiner Dr. Rippner-Glogau. J. Lchuetbemühl, 2. December. (Or.-Corrr.) Am verflossenen Dienstag, den 27. November, wurde di« irdische Hülle einer frommen und braven Frau, der Rentiere Rieke Schweriner von einem sehr zahlreichen Trauergefolge zur ewigen Ruhe begleitet. Vom Geiste wahrer Liebe und Wohlthätigkeit durchdrungen, und von seltener Herzensgute geleitet, hielt die Verstorbene ihr Hau« stet« den Armen offen. Im Besondern wirkte sie aber im Stillen für verschämte Anne; ausgiebige Gelegenheit diese Tugend zu üben, bot der Verstorbenen der hiesig« Israelitische Frauen-Berein. in welchem sie al« Vorsteherin 18 Jahre hindurch di« zu ihrem Tod« segen-reich thätig war. Ihr Andenken wird gesegnet bleiben. J. rchneldemühl. In hiesiger Gemeind« ist in voriger Woche ein Verein, für jüdische Geschichte und Literatur gebildet worden. 80 Mitglieder gehören demselben a». In den Vorstand de« Verein« wurden folgende Herren gewählt: Bankier H. Berliner, Kausinann I. Asch. Rabbiner Brann, Lehrer Joseph u.id Buchhändler Mottek. — Im Anschluß an den Jubiläumsbericht in vor. Nummer theilen wir noch init, daß unser Gemcindevorstand den ihn und den Jubilar ehrenden Beschluß gefaßt hat, dem Herrn Rabbiner al« einstiges Ruhegehalt sein volle« Dienstgehalt zu belaffen. «us Pommern. In dem Berliner Anttsem. Ge».-Anzeiger vom 25. v. Mt«, war folgend« Mittheilung enthalten: ״Stargard. Der in einer Streitsache al« Zeuge erschienene jüdische Doktor med. Gott schall aus Gollnow wurde wegen dringenden Verdachtde« Doppelmeineides aus Antrag der königlichen Staat«, auwaltschaft in Untersuchungshaft abgeführt." Thatsächlich ist aber, wie dem ״Tagetnatt" au« Gollnow geschrieben, der betreffende Dr. Gottschalk evangelisch und der Sohn eine» königlichen Förster». An sich hat natürlich weder die christliche noch die jüdisch« Religion etloas mit dem Verbrechen de» Meineide« zu thun, da-, ob von Christen oder Juden begangen, gleich verabscheuenSwcrth bleibt; wir wollten nur aus die antisemitische Lügenmethode Hinweisen. Danzig. Bor einiger Zeit verschied hier im Alter von 76 Jahren der durch seine Frömmigkeit ausgezeichnete Herr M. G. Aschen heim. Derselbe hinterließ ein Hau« und einen großen Theil seine« ansehnlichen Vermögen« zu einem jüdischen Altersheim. Daffelbe befindet sich aus dem Heumartt und hat schon jetzt seine Thätigkeit mit der Ausnahme einer Anzahl alter, erwerbunsähiger Männer und Frauen begonnen. Manchen. Die Nr. 31 de« antisemitischen .Deutschen Volk«- blatte«" vom 19. April 1894 enthielt einen Attikel, in welchem ohne Nennung de« Namens ein in einer kleinen Garnisonstadt zu Uedungen der Reserve eingezogener Premierlieutenant jüdischer Konfession verhöhnt, mit Worten wie .Schmulchen", .Jtzig", .Jüdlein" re. beleg» wnrde. Außerdem war noch beigesügt, daß seine Kameraden ihn schon längst zum T.wünschen, aber da« genire einen ordentlichen ״Makkabäer" nicht, der takelt einfach mit seiner Sarahleben und im Bewußtsein de« zukünftigen Hauptmann« ruhig seiner Wege rc., kurz, es wurde der Offizier in einer Weise charakterisirt, daß er in der Achtung seine Kameraden verlieren mu^e. Der damals in Ingolstadt zu Hebungen der Reserve al« Premierlieutenant beim 10. Regiment eingezogene Kaufmann Moritz Süß-Schülein betrachtete den Attikel aus seine Person bemüiitzt und stellte gegen den Redatteur Gustav Geißler Klage wegen Beleidigung. Geißler erklätte, daß ihm jede Absicht, den Privatkläger zu beleidigen, gefehlt habe, da er diesen gar nicht kenne. Da« Gericht kam aber zu der Ueberzeugung, daß kein anderer al« Süß-Schülein in dem Artikel gemeint sein konnte. In Anbettacht der schweren Kränkungen, welch« einem zur Uebung eingezoaenrn Offizier an den Kops geschleudett wurden, um ihn bei seinen Kameraden zu, diskreditiren, glaubte da« Gericht, von einer Geldstrafe abgesehen zu müffen und verunhcilte den Redatteur Geister zu einer Grfängnißprafe von drei Wochen und Beröffentuchung de« UttheilS in zwei dortigen Blättern.