Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 49 (7.12.1894)
- Date
- 1894-12-07
- Page
- Seite 382 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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392;י. Ref." Nr. 141 heißt — in den von mir herauSgcgebenen ״Ist. Wochenschrift" für die Unterstützung der Socialdemokrati« ringetreten bin. 2. Der aus der 34״t. Wochenschrift" citirte Satz ist aus dem Zusammenhang gerissen und mit Hinweglassung eines Zwischensatzes verdreht wiedergegeben und darum der Sinn (daß die liberale Partei gegenwärtig im Reichstage todt d. h. machtlos sei) vollständig entstellt. 3. Die Schlußfolgerung, daß der betr. Artikel der ״Ist. Wochenschrift״ ׳״die Meinung der hiesigen Juden kundgiebt, ist falsch. — Tie ״Ist. Wochenschrift" ist kein Lrgan der Magd«- bürget Gemeinde, am allerwenigsten in jenem Leitartikel, den ein aus den Initialen leicht erkennbarer auswärtiger Mitarbeiter geschrieben hat, der die hiesigen Verhältnisse gar nicht kennt. 4. Ter Satz: ״Tr. Rahmet war bis zur Wahl 1893 national-liberal," enthält ebenfalls eiue Unwahrheit. Ich gehöre bis zur Stunde derjenigen politischen Partei, die für die durch die Versasiung verbürgte, unbeschränkte Gleichberechtigung der Juden unentwegt eintritt. 5. Es ist nicht wahr, daß ein Rabbinerblatt die in der ״Magdeburger Res." angefiihrten rohen Aeußerungeu über mich gethan hat. Bezüglich der Punkte 1 und 5 behalte ich mir die Berleumdnngsklage vor. Wir ersuchen diejenigen Blätter, welche die eine oder die andere der hier aufgesührten Unwahrheiten gebracht haben, nunmehr auch die Berichttgung zu bttngen. C. Berlin, den 30. Novbr. (Or.-Corr.) In ihrer Nr. vom 24. d. M. brachte die ״Staatsb.-Zcitung" an leitender Stelle einen Arttkel: ״Vom jüdischen Zukunftsstaat", worin sie Herrn Dr. Adler, Rector der Mädchenschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wegen seiner Schrift ״Assimilatton oder Nattoualjudenthum?", welche in det Nr. 41/42 der ״Isr. Wochenschrift" gebührende Würdigung gefunden, in echt antisemittscher Weise — d. h. ohne jede Grundlage für ihre Behauptung zu haben — angreift, indem sie sagt, ״Rabbiner" Dr. S. Adler hätte mit der Spitzfindigkeit eines ״Talmudgelehtten" seine Glaubensgenossen hinsichtlich der Einführung des Nattonaljudenthums auf später, aus den Messias, verttöstet. Wie aus dem Arttkel der ״Staatsb.-Ztg." weiter hervorgeht, hat dieses Blatt, die Weisheit, die es auSkramt sich nicht etwa durch die Lectüre der Dr. Adler'schen Schttft, sondern aus der Broschüre ״Contta-Adler" eines Herrn Leopold Landau erworben. Das ist eben echt anttsemittsche Kampseswttse. Es wird ״unerfroren" etwas behauptet, es wird den Juden ein Hieb versetzt, ob die Sache wahr, ob die Waffe, mit der gekämpft wird, blank und rein, das ist diesen Blättern einerlei. Die Hauptsache ist: Tausende lesen und glauben es. Die Bekanntschaft mit Herrn Leopold Landau in Pforzheim hat Schreiber dieses, wie wohl viele andere Leser dieser Wochenschrift durch ein Inserat gemacht, in welchem derselbe seine Schttft ״Contra-Adler" gratis anbietet. Alle Diejenigen, welche 5 Pfg. für die Postkatte ttsttctten empfingen nicht nur ״Contta-Adler" gratts, sondern auch die Gedichts-Sammlung des Herrn Landau ״Drauf" als Zugabe. Nach der Lectüre der Broichüre ״Contta-Adler" und der Turchblätterung des ״Drauf" muß man sich zunächst darüber wundern, daß dieser Herr es nicht einmal für nüthig gesunden hat, die Broschüre des Dr. Adler zu lesen; er bezieht sich in seiner Gegenbroschüre lediglich auf ein ״ungenaues" Referat des ״Israelit"!! Auf Grund dieses Bettchtes erklätt er kurzweg die Ausführungen des Verfassers der qu. Broschüre für Blödsinn und macht dann am Schluffe der Schttft selbst ttfttg für den Zionismus als dem ״Allhttlmittel" der Judenbewegung Propaganda. Er drückt damft wohl unbewußt Anttsemiteu Waffm gegen das Judeuthum in die Hand und giebt sich aus der andern Sttte doch für einen Verfechte des Judenthums auS?) Wir wollen auf Einzelheiten des Schttftchens nicht ttngehen. Erwähnt stt nur. daß Herr Landau, deshalb nicht die russischen Juden nach Argenttnien bttngen will, wttl er fürchtet, daß fie dem Expotthandel gefährlich werden könnten. Northeim (Hannover) 3. Dezember. (Or.-Con.) Gestern am Sonntag Nachmittag fand hier ttne sehr zahlrttch besuchte anttsemittsche Versammlung statt, die für die Taktik der Anttsemiten so bezeichnend ist, daß es sich verlohnt, sie zu weiterer Kenntniß zu bttngen. Redner war der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg. Die Vettammlung begann um 4 Uhr Nachmittags. Der Vorsitzende erklärte, daß freie Diskussion stattfinden würde. Darauf ftagte der anwesende Rabbiner Dr. Jacob aus Göttingen, ob die fttte Discussion so zu verstehen sei, daß ttnem Gegenredner auch genügende Zeit zur Verfügung gestellt werden würde. Er stelle diese Anftage für den Fall, daß der Saal ttwa zu einer besttmmten Stunde geräumt werden müsse. In diesem Falle bitte er den Redner darauf Rücksicht zu nehmen. Ter Vorsitzende crllätte, daß sich der Fragesteller bei sttner ersten Erklärung vollständig beruhigen könne. Darauf begann Hm L. v. S. Er redtte eine Stnnde, zwei Stunden, drtt Stunden — es war bereits einviertel acht, da erhob sich plötzlich der Vorsitzende und flüstme dem Hm L. v. S. etwas ins Ohr. Dieser erstaunt, blickt bestürzt auf sttne Uhr und erklätt nun ganz traurig, daß, wie er soeben erfahre, der Saal noch vor 8 Uhr ttnes ConcMes wegen, geräumt sttn müsse, er sei daher genöthigt sich kurz zu fassen (!!), damit auch der Gegenredner zu Worte könne. Endlich kam Tr. Jacob zu Wott. Seine Ausführungen waren den Anttsemiten namentlich dem Comit6 offenbar sehr unbequem, da ihn der Vorsitzende beständig zur Sache ttef, obgleich er durchaus btt der Sache blieb, was btt Herrn L. v. S. allerdings schwer war. Er widettegte die Anschuldigungen gegen die Juden in der Schule, die Phrase von der Judenpresse und die lächerliche Forderung, daß die Juden den Sabbath auf den Sonntag und die jüdischen FttMage aus die chttstlichen legen sollten. Wohin sollten sie denn den Versöhnungstag legen? Etwa auf den 7. Oktober, an welchem Tage die große Einigung der Antisemiten in Eisenach stattgesunden hätte? Dieser Tag würde sich eher für einen Versöhnungstag der Anttsemiten ttgnen, die ttnen solchen sehr gut brauchen können. Er drückte sttne Freude aus, daß L. v. S. sttt sttner Niederlage in Göttin gen sich so vorsichtig über den Talmud ausdrückte. Er ettnnette ihn nachdrücklich an sttn Versprechen, wiederzukommen und ihn (Dr. I.) zu widerlegen, worauf sich L. v. S. ausrcdete, er habe keine Zttt und könne nicht allen Rabbinern nachrttsen. Die Ettnnerung an jene Vettammlung in Götttngen war Hmn L. v. S. und den Anttsemiten offenbar sehr unangenehm und als Dr. I. das Benehmen ttnes Anttsemiten, der ihn stören wolltt, läppisch nannte, ergttff der Vorsitzende begierig diese Gelegenheit, ihm nach 7 Minuten Redezttt das Wort zu entziehen. Titte ganze Takttk, einen unbequemen Gegner fortzumachen, war zu plump und offenkundig, als daß die Rede Liebermanns btt der anständigen Bevölkerung unserer Stadt den geringsten Eindmck gemacht hätte. E. A. Danzig, 30. November. (Or.-Corr.) Unser Gemeinderabbiner Herr Dr. Werner, gedenk im März sttne neue Stellung in München anzutttten, für die er unlängst von der königlichen bayttschen Regierung beftätigt worden ist.' Mit schwerem Herzen ttennt er sich von der Gemeinde, die sich in *) Herr L ist, wie wir auS (einen an uns gerichteten Bnesen und seinen sonstigen Schriften ersehen, von flammender 'Begeisterung für da- Judenthu«. In ttne« seiner letzten Brief« ist er auch bereut vom ״ZionitmuS" geheilt. —׳ Aut mehreren jüdische» BlüNer« m Salizien ersehen wir ebensallt, daß «an. sich da energisch gegen fett zionistisch« Bewegung ausrafft, (tziefe.)