Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 49 (7.12.1894)
- Date
- 1894-12-07
- Page
- Seite 381 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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des geistigen Wohles der israelitischen Bolkslchrer in jeder Beziehung. d) Hebung und fortschreitende Verbesserung des Eultus- und des Schulwesens. c) Versorgung der wegen Alters und Krankheit amtSunfähig gewordenen Lehrer, der Lehrrr-Wittwen und Waisen. <i) Nach Kräften auf gute Ausbildung derjenigen hinzuwirken, welche sich dem Lehrerstande widmen, sowie Berathnng über genügende Mittel zur Hebung der Lehrerbildungsanftalto!! Jeder dieser Hauptpunkte fand seine Erledigung in einem besonder« Statutenentwurfe. Ferner sollte durch Wort und Schrift unablässig für die definitive Anstellung gekämpft und dahin gewirkt werden, daß nur mit Genehmigung der Regierung gekündigt werden könne. — ES sollte ein Organ des Bundes ins Leben gerufen werden. — In jeder Gemeinde, bei welcher ein Mitglied des Bundes sich befindet, solle ein Leseverein gebildet werden. — (Hiermit sollte die Unterstützung der jüdischen Literatur, Leitung der jüdischen Presse, Zeitungen und Belletristik rc, in die Bolkskreise bezweckt werden.) Zu den Gesichtspunkten, die zwar nicht paragraphitt, aber doch zur Besprechung vorbereitet waren, gehörte beispielSweise unter ״Pflege der Eollrgialität", daß kein Mitglied deS Bundes eine Stelle Übernehmen dürfe, deren Lehrer durch Ehikane oder ohne zureichende Gründe von seinem Posten verdrängt sei. Die am 12. Mai zu Hamm abgehaltene Eonferenz war sehr stark besucht; Begeisterung, Ernst und Einigkeit waren dagemeinsame, schöne Band. Die Tafel war zu reich besetzt, und obgleich man sehr bald der Nothwendigkeit gehorchend, vielevon der Tagesordnung absetzte, konnte auch das Restmaterial nicht bewältigt werden. Zur Fortsetzung der Arbeit wurde eine Eonferenz auf drei Monate später nach Lrefeld zum 12. und 13. Mai onberaumt. Dadurch war auch jedem Theilnehmer Zeit gegeben, über manche zu Tage gettetene Frage sich ins Klare zu bringen. Auf dieser ebenfalls sehr stark besuchten Eonferenz wurde dem Herrn Eonsistorial-Oberrabbiner, dem sel. Bodenein, er, neben dem Vorsitzenden, dem um das Gedeihen rS Vereines so hochverdienten Blumenau-Bielefeld der Ehrenvorsitz übertragen. DaS war unter der würdevollen Leitung eine Musterversammlung. DaS Ergebniß der zweitägigen, angestrengten Berathungen war die Gründung: ״DeSVereinS iSraelitischerLehrer für Rheinland und Westfalen". Hatten die Anreger schon in Hamm den allgemeinen deutschen Lehrerbund als unausführbar vom Programm absetzen müssen, so mußten wir, wenn auch mit schwerem Herzen, auch den für ,Preußen" preisgeben, und uns aus praktischen Gründen zu der Beschränkung entschließen, um zunächst einen sichern Boden zu gewinnen. ES würde hier zu weit führen, die Nothwendigkeit der Beschränkung auSeinanderzusetzen. Gegenüber einer, auf der diesjährigen Eonferenz wirklich im Ernste gemachte Behauptung ,eS existire gar kein israelitischer Lehrerverein für Rheinland und Westfalen, sondern nur eine Unterstützungskasse", muß also betont werden, daß ein solcher Verein sich 1856 in Ereseld gebildet und diese- Faktum sich durch den Titel ״Verein rc." selbstredend erweist. Somit besteht der Verein als solcher seit 1858, 1) zur der geistigen Interessen des Standes. Zu diesem wecke wird allzährlich eine Generalversammlung abgehalten, in welcher pädagogische Fragen unter besonderer Berücksichttgung de« Religionsunterrichtes und der Funktion d«< EultuSbeamten zur Diskussion gebracht werden. Hierüber legm die Eonfereozberichte eia beredtes Zeugniß ab. Wer dm Lehrern Westfalens, selbstredend auch RheinlandS, dm Fleckm ״Gleichgültigkeit oder trostlos« Willkür" inbetreff d«S Religionsunterrichtes in dm iSraelittschm Schulm anlastren wollte, der kennt weder die Geschichte des Vereins, noch dessen Leistungm in seinen Conserenzen im Interesse deS Religionsunterrichtes. Die Mitglieder der Unterstützungs-(Pensions-)Kasse bildm eine Sektion deS Vereins, es ist die Verwirklichung eines Punktes im Programme. ES wurde allerdings vorausgesetzt, daß sämmtliche Mitglieder deS Vereins — die Besucher der Gmcral-Eonfermz — auch Eassenmitglieder würden. Erfüllte sich diese Voraussetzung nicht in ihtem ganzen Umfange, so ist das nicht nur eine Schädigung der Gesommtheit, sondern auch gegm das persönliche Interesse der Rückständigen. Im Jahre 1868 glaubte die Leitung des Vereins auf das ursprüngliche Projekt in etwas zurückgreifen zu könnm, nämlich das ganze Gebiet des Norddeutschen Bundes in die Grmzen seiner Wirksamkeit einzuschließm resp. den Anschluß zu erstrebm. Die dahin zielmden Bemühungen — Aufforderungen in der geeigneten Presse, Correspondenz des Vorsitzenden im Vorstande mit Lehrern und maßgebenden Persönlichkeiten — warm erfolglos. Der Herr Landrabbiner 'Dr. Meyer in Hannover s. A. erwidette auf eine desfallsige Zuschrift, es sei eine Pensionskasse für die Lehrer Hannovers in der Bildung begriffm und bereits ein Fond vorhanden. (S, Blumenau, Denkschrift S. 8) Der D. I. G. B. ha sich ein großes Verdienst dadurch erworbm, daß er dm Conferenz-Besuch durch Unterstützung fördert, und auch das Bersicherungsverhältniß für Lehrer er» leichten. (Schluß folgt.) Berichte und Korres-onöenren. Deutschland. Magdeburg, 5. Deccmber. Das hiesige Anttsemitmblatt ,Magdeburger Reform" bringt in der Nummer vom 1. December einen LeitaNikel unter der Spitzmarkc: ״Das Judmthum, die Vorfrucht der Socialdemokratie", in welchem esich, gestützt auf ein unrichtig wiedergegebenes und falsch verstandeneS Citat aus der ״Wochenschrift abmüht, den Judenschützen, — das ist bekanntlich die geschmacklose antisemitische Bezeichnung für die Männer, die einzig und allein von ihrem Rechtsbewußtsein getrieben, in so anerkennenSwetther Weise, ihre Stimme gegen die ״Schmach des Jahrhunderts" erhebm — und ganz besonders dem hiesigen Leiter der Filiale des Berliner Abwehrvereins, dem königl. Archivar Herrn Doctor G. Winter, über dessen unermüdliche, aufopferungsvolle Thätigkeit zur Bekämpfung des AnttsemittSmuS durch Wort und Schrift es nur eine Stimme dankbarer Anerkennung nicht nur in der hiesigen Gemeinde, sondem weit darüber hinaus, bei allen wahrhaft liberalen Männern giebt, etwa» am Zeuge zu sticken, insbesondere seine Thättgkeit als im Widerspruch mit deu hiesigm Gemeindemitgliedern hinzustellen. ״Armer Tr. Winter — so schließt der betr. Theil deS weitschweifigen LeitarttkelS — ja das ist der Dank vom Hause Israel!" ES ist ein bekannter Kunstgriff der Antisemitenblätter, durch dergleichen Redensatten die sogen. ״Judenschützer" in ihrer Thättgkeit zu lähmen: eS wird ihnen aber hier nicht voll dankbarer Anerkennung für die selbstlose Hingebung de» errn Winrer ist, kennt jenes Blatt diesen echt liberal gesinnten errn schlecht, wenn sie glaubt, daß er ״um de- Tankes willen," eine solche Thätigkeit enffaltet. Hr. Rabbiner Dr. Rahmer sah sich deshalb und wegen der Bcrdächttgungen seiner eigenen Person in jenem Leitattikel veranlaßt, auf Grund des §11 de» PreßgesetzeL eiue Bettchttgung von dem Anttsemitenblatt zu fordern, in der er fünf Punkte httauShebt und als unwahr hinstellt: 1. Es ist nicht wahr, daß ich — wie es in der ״Magd.