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Israelitische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · p. Seite 380

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
Seite 380 (sequence 2)
Language
German
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י״ל׳ 39.1 — -erjenigm Deutlichkeit und Offenheit, welche uns bisweilen sogar das Lob der Antisemiten eingetragen hat. Das Judenthum ist, das werden wohl selbst die Antisemiten nicht streiten, zu allererst eine Religion, wir behaupten sogar, daß es nur das und nichts weiter sei. Diese Religion ist eine positive, die älteste in Europa, die Muster des Christenthums und mit diesem in den Grundlagen, in dem Glauben an Gott und seine Vorsehung, in den Geboten der Sittlichkeit identisch. In diesem Punkte kann also gewiß kein Zusammenhang zwischen Judenthum und Sozialdemokratie bestehen, vielmehr der denkbar schärfste Gegensatz. Alles, was den Juden und Christen in gleicher Weste heilig ist, Gott, König, Vaterland, Familie, ist der Sozialdemokratte Luge und tödtlich verhaßt. In dieser Hinsicht kann nur ein W ahnsinniger dem Judenthum zu einem Bündniß mit der Sozialdemokatie rachen. Das Judenthum soll ferner nach der Behauptung der Anttsemiten eine Rasse sein. Nur der judenthums- und christenthumsfeindliche Anttsemit kann das behaupten. Judenchum und Christenthum kennen keine Menschenrassen von verschiedenem Werthe. Das Judenthum ist die erste Religion auf der Welt gewesen, welche die Schöpfung deS Menschen im Ebenbilde Gottes und die Abstammung aller Menschen von einem Paar gelehtt hat. Aber gesetzt die Anttsemiten hätten recht, so sind sie die ersten, welche den Zusammenhang zwischen einer besttmmtm Rasse und ttner politischen Partei behaupten. Rasse und Polittk haben mit ttnander soviel zu thun, wie Mathemattk und Politik. Nur dann, wenn eine Rasse, als solche polittsch in ttne bestimmte Lage versetzt wird, könnte ste ttne politttche Patttt bilden, die aber dann nur eben für diese Rasse Sinn hätte. Aber, so werden die Anttsemiten sagen, die Juden (nicht das abstrakte Judenthum) haben wirthschaftlich und politisch Verhältnisse und Ziele, welche sie in ttnen nochwendigen Zusammenhang-mit der Sozialdemokratie bttngen, in der sie deshalb ttne Bundesgenossin zu sehen haben, von der man Unterstützung erwatten dürfe und der man sie gewähren müsset Demgegenüber erklären wir also — und nicht zum ersten Mal: Politisch haben wir als Juden positive Ziele überhaupt nicht. Kttn Jude gehört als solcher irgend ttner Parttt an und thatsächlich giebt eS jüdische Frttsinnige, Volkspartttler, Natwnalliberale, Frttconservative, aber natürlich keine Anttsemiten oder antisemitische Confervative. Wir haben als Juden mir das eine, negative Ziel: unsere wohlerworbene verbürgte und beschworene Gleich, berechtigung zu bewahren. Darum kämpfen wir, und das ist überhaupt der einzige Grund, warum sich dieses jüdische Blatt mit Polittk beichäfttgt, wie eS auch den ttnzigen GesichtSpunkt in unserer Beurthttlung der Politik abgiebt. Dieser Glttchberechttgu.ig erklärte Feinde sind die Antisemiten und wenn wir unter diesem GesichtSpuntt die politischen Partttenmustern, so finden wir, daß unter ihnen die Sozial» demokratie gegenwärtig btt der momentanen Schwäche deS Liberalismus die stärkste ist, welche sich den ungerechten Bestrebungen der Antisemiten ohne allen Vorbehalt entgegensetzt und zwar nicht auS Dankbarkttt für gewährte Unterstützung oder in Erwattung solcher vom Judenthum, mit dem sie nicht das geringste!;einem hat, sondern vermöge ihrer eigenen politischen Grundätze. Aus demselben Grunde war sie auch, vom Zentrum abgesehen, die stärkste Patttt, welche für Rückberufung der Jesuiten stimmte. Oder war sie etwa auch von den Jesuiten bestochen? Bettachten wir aber noch das wirthsch aftliche Moment, die wirrhschaftlichen Verhältnisse der Juden, so ergiebt sich das zur Beurthttlung des AnttsemittSmuS geradezu Tragi» komische, daß die Juden in ihrer ungeheuren Mehrzahl «ade dem Stande angehören, als dessen Retter und er sich die Anttsemiten aufspielen, nämlich dem Mittel» stand. Die Anttsemiten gehen zwar beständig mit Rothschild und Blttchröder hausieren, aber von den in Wahrheit wenigen reichen Juden abgesehen, gehören die Juden' fast ausschließ, lich zum Mittelstand, sind Klttnkaufleute, niedere und mittlere Beamte, Aerzte, RechtSanwätte, Lehrer, Culturbe» amte und vielfach auch Handwerker. ׳ - 'So blttbt den armen Anttsemiten nur noch ein Argument: ttnige Führer der Sozialdemokratte, Singer Stadt- Hagen u. a., stten Juden. Wir erklären zum tausendsten Mal, daß bitte Herren, deswegen weil sie zufällig von jüdischen Eltern abstammen, sowenig mit dem Judenthum zu thun haben und vermuchlich auch zu thun haben wollen, wie die vermuthlich regelrecht getauften Herren Liebknecht und Bebel mit dem Christen, chum. Wir rttumiren uns: Judenthum und Sozialdynokratte gehören genau so zusammen wie Christenthum und Sozialdemokratte Es kann Sozialdemokraten geben, die als Juden geboren sind, so wie eS mehr als zwei Millionen Sozialdemokraten giebt, die als Christen geboren sind.- Aber niemals kann ttn denkender, überzeugter Jude ttn zielbewußter Sozialdemokat sein, so wenig es ttn denkender überzeugter Chttst sttn kann. Da wir das sittliche Niveau der Antisemiten kennen, so wissen wir von vornherttn, daß sie diese unsere Erklärungen. unterschlagen werden. (Sauch unter ״Magdeburg".) B. J. Sritii! jir Geschichte >es 8mi1s>ese»s isnelitischer Lehm ii TeitschlM. Bon A. Treu-Münsteri.88. III.*) ״Das Wort hatte gezündet," sagt Hm Blumenau in sttner obenangeführten Tenkschttft. Nicht nur auS.RHttnland und Westtalen, sondern aus allen Gegenden Deutschlandliefen Zuschriften von Lehrern an Herrn Kronenberg und den Schreiber bitter Zttlen ttn (welcher inzwischen die Lehrerstelle in Ahlen, Rg. Bez. Münster, angenommen hatte). Mit Be» gttsterung begrüßten die Herren das Unternehmen und knüpften an dasselbe die schönsten Hoffnungen auf ttne besjm, dem Lehrerstande würdigm Lage. Mehrere bitter Bttefe, darunter die ttnes College» Lrvi-Zerbst, haben wir als wetthvolle Erinnerung bewahtt; sie erwecken nach so vielen Jahren noch da- Gefühl der Wehmuth darüber, daß so manche hmliche Blüte schöner Ideen in den Stürmen deS kalten, prakttschen Lebens verblassen, und so manche berechttgte Hoffnung uner» füllt binsterben muß.'— Es muß wohl so sein; der holde Lenz überschüttet Fruchtbäume mit ttnem überreichen Blüten-' schmucke, der zum größten Thttle zwecklos auf den Staub niederfällt; gediehen alle zur reifenden Frucht, der Baum würde unter der Last erliegen; die Erfüllung aller Hoffnungen würden das Menschenkind unersättlich und üppig machen. >so interessant und auch in vielen Punkten noch heute nutzbare Vorlage zu der nach Hamm ttnberufenen Eonferenz jedem Lehrer- und Schulfteunde sttn könnte, so sollen hier doch nur die Hauptpunste andeutend ttngefügt werden, um zu zttgen, welche Zwecke der zu gründende ,Lehrerbund" zu erstreben sich vorgezttchnet hatte. Die Vorlage wurde — nach eingehender Besprechung von K. in Soest und Schreiber dieses — in Ahlen abge» faßt, und bitte Doppelarbttt in Verbindung mit mehreren nach Lippstadt geladenen Lehrern verglichen und durchberathen. Es wurde besttmmt der Verein solle den Namen ״Israelitischer Volkslehrerbund" führen und er hat zum Zwecke: ») die Hebung und Bttörderung des materiellen wie *) In Nr. 47 wolle man berichtigen: 6. 880 d Z. 1 v. u. da» ftomma nicht nach ״Punkte", fand, nach ״Programms", S. 881 » Z. S ». o. statt ״noch" l. ״nach", S. 881 » Z. 81 statt 88 l. 82, S. 881* 8• 48 statt ״hatten" l. ״hatte", S. 881 d Z. 28 statt 48 l. dü. ,,5.״;

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