Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 48 (30.11.1894)
- Date
- 1894-11-30
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Sprache verwandt. 3. Die Bibelstunde soll eine Erbauungsstunde sein, in welcher den Kindern die Schönheiten der Bibel klar gemacht werden; doch soll das Lesen nur bei geeigneten Momenten stattfinden, nicht aber als besonderer Unterrichtsgegenständ gelten. Dikse Sö^e gnden säst einstimmige Annähme. Zu Satz 2 beantragt noch College Katz-Gnesen: .Tie Versammlung möge beim D. IG. B. den Antrag stellen: .Der T. I. G. B. wolle unter Zuziehung von Volksschullehrern einen geeigneten Bibelauszug für Volksschulen zu billigem Preise Herstellen lassen." Tie Versammlung beschließt demgemäß. — Punkt 2b, Referat des College» Becker- Wöllstein über die jüdische Geschichte des Tr. Braun wird sehr ausführlich und gründlich vorgetragen und vom Beifall der Versammlung belohnt. — Punkt 2c: .Der Deutsch-Jsr. Lehrerbund" und der .Reichsverband jüd. Religionslehrer" wird durch das Verlescnlassen zweier Briese von Blumenfeld-Adelebsen, der die Sache des geplanten Lehrerbundes vertritt und von Neustadt-Breslau, welcher für den Reichsverband plaidirt, und durch die Erklärung des Vorsitzenden, daß es ihm geziemend erschienen sei, wenn ein Lehrcrvcrein tage, auch ein Wort über den neuerstandenen ,Verband" zu sagen und der Verein sich schlüssig zu machen habe, wem von beiden Vereinigungen er den Vorzug gebe, ob dem .Bund" oder dem .Verband" eingeleitet. Hatte die Verlesung des Blumenfeldschen Schreibens, sowie seiner Entgegnung, welche demnächst in den jüdischen Blättern veröffentlicht werde» sollte, einen sehr günstigen Eindruck hervorgerufen, so brachte der souveräne Ton des Verbandspräsidenten die Gemüter in Hellen Aufruhr. Vergebens suchte der Vorsitzende die erregten Geister zu beschwichtigen mit der Erklärung, daß er den Briefschreiber seit einer Reihe von Jahren persönlich kenne, und wisse,׳daß er es nicht so schlimm meine, wie es den Auschein habe. Der Verein erklärte sich einstimmig für die Bildung des deuffch-israelitischen Lehrerbundes. daß die constituiercnde Versammlung noch in den nächsten Weihnachtsserien in Berlin unter der Aegide des I. G. B. stattfinden solle uni» wählte zu se>nem Delegierten seinen Vorsitzenden, Hauptlehrer Herbst-Lissa und Collegen Becker-Wollstein. Damit war eine der auftegendsten Debatten glücklich beendet. — Tie Rechnungleguug des Collegen Auerbach- Tremesse wurde gutgeheißen. — Wegen Mangels cm Zeit und Uebermüdung der Versammlung wurde Punkt 5, .Unsere Jugendschriften" für die künftige Versammlung, die in den Bcihnachtsferien des kommenden Jahres stattfinden soll, zurückgestellt. — Ein gemeinsames Mittagessen hielt die größere Hälfte der Collegen noch ein Stündchen zusammen. Kkrichlr und AgrrtfponökNjkn. Magdeburg. 26. November. Aus Berlin geht uns die erfreuliche Mittheilung zu, daß sich die Lehrabtheilung des .Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" in der letzten Sitzung, an der auch Angehörige des Lehrerstandes theilnnhmcn, eingehend mit der von verschiedenen Seiten angeregten und theilweise schon verwirllichten Idee eines Verbandes der jüdischen Lehrerbez. Religionslehrervereine befaßt hat. Allgemein wurde dieZersplitterung der Kräfte, die sich in der Gründung mehrerer Verbände zeigt, lebhaft beklagt; nicht geringe Besorgnis erregte namentlich die Begründung nicht existenzfähiger Verbands- resp. Unterstützungskassen, die nothgedrungen nach kürzerer oder längerer Zeit zu einer schweren wirthschaftlichen.Schädigung der Mitglieder führen muß, ebenso wie die bisweilen gradezu utopischen Ziele, die sich einzelne Verbände gesteckt haben, schließlich nur arge Enttäuschungen und Verbitterung ergeben können. Die Lehrabteilung des .Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" glaubte cmgefichts dieser Berhälttnffe selbst (in Uebereinkuyft mit den einzelnen Vereinen) die Begründui eines Verbandes in Erwägung ziehen zu müssen und ' , der Hoffnung hingeben zn dürfen, daß die Lehrer bis zum) Abschluß dieser Erwägunge! in ihrem eigenen.I».׳ teresse die Gründung der verschiedenen geplanten: Verbände aufschieben werden. Mit den Vorarbeiten, die gemäß der hohen- Bedeuttmg'L der Frage für den gesammten Lehrerstand in möglichst ein-? gehender und umfassender Weise vorgenommen und thunlichftI rasch beendet werden sollen, ist bereits begonnen worden. (Bravo!» Vielleicht entschließt sich der D. I. G. B. auch, die ver»( schiedenen Hilsskassen der andern Mischen Cultusbeamte»H zu einer zu vereinen; er würde dadurch einem schreiende»^ Nothstand abhelfen und seinen Bestrebungen auf dem Gebietes des Pensions- und Jnvaliditätswesens die Krone auffetzen. 8t)]‘ *laflOftmrg, 25. November. Man kann uns wahrlich nicht» zumuthe», daß wir die . StaatSbürgazeitung" regelmäßig nur von Zeit zu Zeit werden wir aus den einen oder ander»( besonders auf- oder ausfälligen Attikcl durch Zusendung der: bett. Nr. ausmerksam gemacht. So erhielten wir erst jetzt von '3 Berlin aus Kenntniß von der Abend-Nr. des 17. Rov., die sich nochmals mit dem Uttheil in der Privatklagc de- Abg. Lieberman» v. Sonncnberg gegen den Redakteur dies. Bl. und dem ersten j Bericht darüber in Nr. 38 der ״Mittheilungen" des Abivehv-A Vereins v. 22. Sept., der mit dem vor .9. Sept. in der ״Jsr. ' Wochenschrift" säst gleichlautend ist, beschäftigt. In demselben wurde das Uttheil »ach der mündlichen Molivirung des erkennenden Richters bei welchen der klägettsche Anwalt nicht anwesend war — mitgetheilt, unter besonderer Hervorhebung da müden Strafe unter Zubilligung mildernder Umstände. Daß uns. 3 der Schutz des § 193 zugebilligt worden wäre, war weder in unserem Blatte, noch in den ״Mittheilungen" gesagt, wir hatte» ,nur bemerkt, daß die Mötivirung von prinzipieller Bedeutung'^ sei, und daß wir, sobald wir das schriftliche Erkenntniß in Hände« i haben würden, darauf zurückkommen wollten. Die ״Staatsbürger» j zeitung" konnte die Zeit nicht abwatten und brachte'in voreilig«^ Weise in ihrer Nr. 467 einen Leitartikel über ״Ungleiche Rechtj sprechnng", worin sie ihr Erstaunen über die große Milde des Schöffengerichts zu Magdeburg gegen den Rabbiner Dr. Rahm« j ausspricht und ersterein es vvrhäll, das es dem Angeklagten de» ,j Schutz des § 193 zugebilligt hätte. D« Attikel schließt mft'.I den Watten: ״der Abg. Liebrrmann v. Sonncnberg hat denn 'j auch natürlich gegen dieses Uttheil Berufung eingelegt." 7— Wer hat denn nun die unwahre Thatsache, daß da» hiesige D Schöffengericht dem Red. d. ״JSr. Wochenschrift" den Schutz des. Z 193 zugebilligt hätte,, verbreittt? Niemand andaS als dies .Staatsbürgerzeitung״ selbst, und auf Grund dies« unwahre» z Thaffache hat fie in alle Welt die eingelegte Berufung gegen: dieses Uttheil hinausposaunt. Während wir nun täglich die Bsr-I ladung zum Berufungstcrmin ermatteten, erhielten wir dm 7. Nov.^ vo... hiesigen Königl. AmlSgettcht die Mittheilung von der Rechtst.^ krästigkeit des Schöffengettchtlichen Uttheils. Wie hilft fich nun.^ die ״Staatsbürgerzeitung" aus dieser ihre begreiflicherweise sehr( unliebsamen Bettegenheit, in die sic sich selbst gebracht hat?! Run einfach dadurch, daß fie deu Spieß umkehrt und schrribtrl ״Die Herren Judenschützer haben wieder einmal geflunkett... Dikl .Mittheilungen" und mit ihnen die ״Jsr. Wochenschrift" habe«? wieder einmal einen Richterspruch verdreht".— Wer hat tüchtig4 geflunkett? Wer hat von einn Zubilligung des Schutzes dsss 8193 seinen Lesern bettchtet? Wer hat einen Rjchterspruch: verdreht? Wer hat a» da Spitze des Blattes mit apo-i diktischer Bestimmtheit urbe et orbi verkündet, daß L. v. S., Berufung eingelegt hat? Run, die »Jsr. Wochenschrift" war es'4 nicht, auch die .Mittheiluugen" nicht! Die .Staatsbürgers zeittmg" muß jetzt kleinlaut selbst gestehen: ,Bv dirsrj .