Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 48 (30.11.1894)
- Date
- 1894-11-30
- Page
- Seite 373 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 381 — :gefügt, und endlich hat es an Bedenken, der neue Bund wnne ohne Ersatz und Garantie zu bieten, daS Fortgü>eihen vorhandener Vereine, die bereits segensreich wirken, schädigen. Die weitere Erörterung dieser und ähnlicher Gesichtspunkte liegt nicht im Rahmen unseres Gegenstandes. Zudem wird noch der Verwirklichung des Planes, wie immer auch hier die Praxis als Richterin über den Werth ihr Urteil fällen. Näher liegt es, über das Geschichtliche zur Klärung einige Stimmen der Presse einzufügen. In Nr. 2s vom 6. Juli 1894, der ״St. Z. d. I." führt Herr Louis Lehmann (Homburg v. d. Höhe) aus: ,Herrn Lehrer Becker gegenüber möchte ich betonenohne ihn aber damit verletzen zu wollen, daß dem edlen Kling enstein die Priorität des Gedankens eines ״Deutschisraelitischen Lehrerbundes" gebührt, und daß die Ausführung nur deshalb, weil der Verewigte seinem Stande zu früh durch den Tod entrissen ward, unterblieb." — Dann heißt es von anderer Seite in eben dem Blatte Rr. 29 vom 20. Juli 1894: ״Als im Jahre 1884 der deutschisraelitische Gemeindebund die Schulmännerversammlung beries, forderte ich die Herren in der ״Israelitische» Wochenschrist" 1884 auf, die vorbereitenden Schritte zur Vereinigungsämmtlicher deutsch-israelitischen Lehr er zu thun." Und weiter: ״Der Gedanke einer Bereinigung aller deutsch-israelitischen Lehrer war schon im Jahre 1863 von Herrn Tr. Rothschild-Alzey ausgesprochen worden.... Gerade Herr Klingenstein war es, der das Letztere in einer langen Correspondenz in der ״Israelitischen Wochenschrift" energisch bekämpfte, inNr.45Jahrgang 1884." — Allerdings — der sei. Herr Klingenstcin hat sich schon 1863 mit der Idee zur Gründung eines großen Lehrerbundes getragen, dieselbe wohl zuerst dem Schreiber dieses brieflich mit der Bitte um Meinungsäußerung mitgetheilt. Die Idee war aber nicht neu, und die ernste Besprechung derselben in zwei aufeinanderfolgenden großen Lehrerversammlungen dntirt eine ziemliche Reihe von Jahren zurück. — Also auch hier: Nichts Neues unter der Sonne?) Die Anregung zur Bildung von Lehrervereinen, resp. zur Abhaltung von Conferenzen dürfte wohl zuerst in Rheinland und Westfalen gegeben worden sein. Hier hatte sich im Laufe von zehn und etlichen Jahren nach der Gründung des Haindorf'schen Seminars zu Münster (1825) ein Stamm strebsamer, staatlich geprüfter, israelitischer Lehrer gebildet.*) **) In einigen Bezirken, wo eine Anzahl von Lehrern in nicht zu großer Entfernung von einander Stellung gefunden hatten, regte sich bald das Bedürfniß zur Abhaltung von Conferenzen, eines der wichtigsten Fortbildungsmittel für Lehrer. — So hielten die Lehrer von Crefeld und Ume schon in den vierziger Jahren unter dem Vorsitze des , torialoberrabbiners, des sei. L. Bodcnheimer, der sich um die Einrichtung von israelittschen Elementarichulen verdient gemacht hat. Conferenzen ab. — Hier muß auch an den edlen, herrlichen I. Kaufmann, s. A. zu Blatzheim, Vorsteher der Gemeinde Kerpen, später in Köln eine lange Reihe von Jahren Vorsteher der Gemeinde, erinnett werden. Derselbe vermittelte Jünglingen den Eintritt in das Seminar zu Münster, und Stellen für dort ausgebildete Lehrer in seiner Umgegend. Sein Haus in Blatzheim stand Gelehtten offen, und versammelte ofl Lchrer des Umkreises zu anregenden Unterhaltungen über Lehre, Lehrer und Schule. In Nordwestfalen hat zu gleichem Zwecke der ttefflichrLehrer Wolff zu Lübbecke Conferenzen ins Leben ge¬ *)8. Blumenau: Denkschrift über die ersten fünfundzwanzig Jahre de» Verein» israelitischer <kle«entarl»hrer sür Westfalen und die «heinprovinz. Bielefeld 1981. **) 8. Wesen und Wirten derselben in einer Felge ״u Artikeln Zt». d. I." 1888: ״Wir Plaudern «M der 8chnle in Scherz rufen.***) — Diese Conferenzen waren aber nur Zusammenfünfte behufs gemütlichen, collcgialischen Gedankenaustauscheüber Schulangelegenheiten, über Erfahrungen in dem Doppelamte des jüdischen Lehrers, die Schule und daS Cultusamt betreffend. Ter damals noch häufige Stellenwechsel ließ indeß eine Festigung und Stätigkeit nicht auflommen, diese Confcrcnzen schliefen »ach und nach ein, aber sie können als Borfrucht betrachtet werden. Ein Lehrer, ivelcher 1854 aus Gesundheitsrücksichten sein Amt in einem Städtchen des Belgischen niederlegen mußte, zog nach Soest, wo sein Seminarbruder und Freund Lehrer und Prediger ivar. Beide sprachen oft über die ttostlosc Lage der Lchrer, deren allen gesetzliche Schutzes entbehrenden Stellung, das traurige Loos dienstunfähig gewordener Lehrer, Lehrer- Wittwen und Waisen und erwogen Mittel zur Wendung dieser ttanrigen Zustände. Diese Mittel schienen einzig und allein in der ״Selbsthülfe" zu liegen — in der Gründung eines großen Lehrervereins. Nachdem über Ausdehnung, Zweck, Satzungen rc. eine Vorarbeit entmorsen war, wurde ein dritter College zugczogen und diese drei: Schreiber dieses, Kronenberg-Soest (jetzt Dr. med. Höhscheid-Solingen). Lchrer Leffmann-Lippstadt (jetzt Professor-Heidelberg), traten mit einem Aufrufe in Presse und Circular an die Öeffentlichkeit: dieses Circular mit dem Motto ״Einigkeit macht stark" datiert vom 1. Januar 1846 und ladet zu einer Conferenz auf den 12. März nach H a m m in Westfalen ein. Wir heben zwei Sätze aus diesem Zirkular aus: ״Ein jeder israelitischer Bolkslchrer hat sicherlich schon oft bangen Herzens an die mißlichm und verworrenen Verhältnisse seines Standes gedacht und seufzt auch heute noch oft und viel über die trüben Aussichten, welche sich für die Zukunft ihm, so wie den meisten seiner College» darbieten", (u. weiter:) ״Somit ganz und gar auf uns selbst hingewiesen, bleibt uns nur eins E i n s übrig zur Heilung der mannigfachen liebet unserer Lage, zur Kräftigung und Befestigung unserer Stellung, zur Förderung ei»es gedeihlichen Handelns nach allen Richtungen; das ist die Hebung und Belebung des Ge» meingeistes, die Bereinigung der Gesammtkräfte in unfein Stande durch die Begründung eines dauernd, kräftig und segensreich wirkenden ״Israelitischen BolkSlehrerbundeS". Nach Absicht der Gründer sollte dieser Verein sich nicht auf eine Provinz, sondern auf ganzDeutschland ersttecken. $ir lirrlr Z1hkks1kks»«»lnß tö Smiis jNWr Lkhm ta Sljniiiifi. Posen, 21. November 1894. 40 Volksschullchrer waren heute im Vereinslocal des hiesigen interconfessionellen Lehrervercins versammelt. Nach >0 Uhr Vormittags erbrausten aus 40 Kehlen unter Klavierbegleitung die ersten beiden Sttophen des herrlichen Liedes: .Bruder, reicht die Hand zum Bunde", worauf College Herbst die Bcrsaminlung mit einer kurzen Ansprache und einem Hoch auf den Kaiser, wie auf die Kaiserin Friedrich, die heute ihren Geburtstag feierte, eröffnet?. Das Einlaufen einiger Zuschriften wird mitgeteilt, deren Verlesung aber sür die gelegenen Zeitpunkte Vorbehalten. — Punkt 1a der Tagesordnuug:TasBibcllesenindcr israelitischen Volksschule, die Aucrbach'sche ״Schul- und Hausbibel" von Behle-Lissa findet seine Erledigung, eine sehr rege Debatte knüpft sich da» ran und zeitigt folgende Leitsätze: l. Das Bibellesen ist in der Volksschule zu pflegen. 2. Zum Lesen werde ein geeigneter Auszug in deutscher ***) Wolfs erhielt splter einen NirknngSkrei» an der weltberühm'en Handelsschule zu vtnabrück. Lr war, wie stin Nachfolger in Lübbecke, Leefer, »er Verfasser de» auch in Gymnasium eingrführten «rrNchr» Lehrbuche» kt» Hebräische», i» Dülmen ycharen.