Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 48 (30.11.1894)
- Date
- 1894-11-30
- Page
- Seite 372 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492344-5935089-5962363--2266-5376493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht nach dem Erfolge Haschen und buhlen, sondern einfach seiner Ueberzeugung folgen, ziemt dem Redlichen. Wem war eine schwiege« Aufgabe geworden als dem Abraham, da er in Kanaan das Banner der Gotteserkenntniß entfalten sollte, wo wäre nach der gewöhnlichen Annahme die List mehr am Platze gewesen, als in diesem Ringen eines einzigen Mannes mit einer Welt von Feinden! Aber Golt gab ihm einen ganz anderen Rath. Gott sprach zu Abraham: ״ הוזדלך לפר חדד. חדיםWandele vor mir und ,ei schlicht!"; ein guter Zweck wird entweiht durch UNheilige Mittel; in der Moral, in der Religion, im öffentlichen Leben sind es nur die schönen Wege, die zu schönen Zielen führen. Tie Losung des Hohenpriesters war Urim wetumim: Licht und Grobheit. Je schwächer eine Stellung ist durch die geringe Zahl ihrer Vetheidiger, desto mehr bedarf sie des Haltes durch die innere Wahrheit. Abraham bietet uns das seltsamste uud erhabenste Schauspiel; ein einziger Mann, der nur in seiner Gattin die vcrständnißinnigc Genossin seines hohen Strebens hatte, und der erst später in seinem Sohne sich einen Jünger und Schüler seiner religiösen Ueberzeugungen heranbildete; und nnn kommt er nach Kanaan, das ganz versunken war in Götzendienst und jede Att von Sünde; ftagt nur die klugen Leute unserer Tage, welchen Rath sic ihm gegeben hätten, daß er in dem neuen Wohnsitz vorwätts kommen und etwas erreichen solle; sie hätten ihm sicherlich gesagt: Tu mußt dich dm Sittm und Unsitten des Landes anbequemen, du mußt deine Ueberzeugungen für dich behalten, daß die Bewohner des Landes dich für ihresgleichen halten; wie willst du sonst. Einer gegen Viele, aufkommm! willst du mit dem Kopf durch die Wand rennen? dann, wmn du erst festen Fuß gefaßt hast, magst du recht vorsichtig deinc besonderen Ansichten herausholen und um jede Gefahr zu vermeiden, sie, eingehüllt in lauter Wenn und Aber, zu verbreiten ttachten. Aber Abraham war kein Diplomat svndern ein grader, ehrlicher Mann, er verstand es gar nicht anders, als das, was ihm die Seele erfüllte, laut und freudig zu verkünden. Freilich ließ er es nicht bei schönen Motten bewenden. Sein Leben war die eindringlichste Predigt von Gott. Gegen alle Genossen seines Hauses war er mild und freundlich; selbst seinem Kinde gegenüber schlägt er nie einen Hernschm, befehlenden Ton an; er war ttotz seines weittagmdm Geistes in seinen vier Pfählen kein Tyrann; er hött die Gottesstimme und folgt dieser Stimme, die ihn mahnt: wenn Sara redtt, horch auf ihr Wott; sein Diener war kein willenloses Wettzeug, sondem sein Vrttrauter, sein Freund, er war verträglich und ging jedem Stteit weit aus dem Weg; er spricht zu Lot: Gehst du zur Rechtm, so gehe ich zur Linken, gehst Tu zur Linken, so gehe ich zur Rechtm; aber in der Stunde, da Lot in Gefahr geräth, ist aller Hader vergessen, und Abraham ist ihm zur Seite; Abraham ist uneigennützig und gastfreundlich und ttotzdem oder vielmehr deswegen bcttchter die Schrift von ihm: Abraham war mit Allem gesegnet. Unsere altmWeism sagen*): ״Durch Abraham erwarbm sich die Israeliten all die Güter, die im Pttestersegm verheißm sind: irdisches Glück, Licht der Erkmntniß, Frieden der Seele, d. h. Abraham ist das Vorbild, wer in seinen Wegen wandelt, wer schlicht und grad durch das Lebm schreit«, der dient sich am besten, der dient der Sache am besten, die er vettheidigt. Weil er offen und frei überall seinem Gotte Altäre erttchtet, weil er nicht, wie manche seiner späten Sprosfm, seinen Glauben versteckt, dämm ehrten, ja verehrten ihn auch die sündigen Bewohner Kanaans. Wenn wir nun unser Verhalten nach dem Maaßstabe messen, den das Leben Abraham uns bietet, so müssm wir sagm: Tas Judenthum der Gegenwatt wird nicht seltm schlecht vettheidigt. Unsere altm Dichter habm Israel ״Jeschurun" d. i. רסדדק 121 ישראל לברכת בד־ג־ש? מאברדע. das Volk die Grobheit genannt, aber diese Gradhrit wird oft vermißt, und ein überfeines Diplomatisieren ist an die Stelle ל getreten. Wenn religiöse Vertreter unseres Glaubens den Würdmttägem anderer Ettmntnisse sie übertriebmer Weise huldigen, so ist dies vielleicht sehr geschickt und für den Augenblick vortheilhaft, aber würdig ist es nicht, und es wäre sonderbar, wmn die Absicht nicht ettannt würde. Wmn irgend ein Genosse uns unbequem wird, so sollm wir ihn nicht sogleich verleugnen und verstoßen; das ist nicht nur unrecht, sondem auch thöricht; dmn wir werden durch solche Opfer unsere böswilligen Gegner nie versöhnen; ein Jttmder ist noch kein Böser; nur mit den Schlechten sollen wir keine Gemeinschaft pflegen. Wir düttm überhaupt nicht zuviel ftagen, welchen Eindmck unser Verhalten bei Andersgläubigen inacht; wer bei jedem Schritte, den er thut, nach allen Seitm ausschaut, wird sicher stürzen. Besonders wenn wir in die Oeffmtlichkeit hinausttetm, gilt es gerade und überzeugungstreu sich zu zeigm; besser wahr sein und unterliegen, als lügen und siegen. Ter Dichter giebt uns dm Trost: Gott hat die Geradheit selbst ans Herz genommm, auf geradem Wege ist noch Niemand umgekommen. Debora, die Richten» und Prophetin sagt: als Spaltung herrschte in Israels Stämmen, da standm die Klügler und Grübler groß da. Es wäre eine Erlösung, wenn unsere Führer in großm und geringen Bezitten, da wo es das Recht und die Ehre und den Schutz des Judmthums gilt, einen Theil ihrer Klugheit verlörm und vor Allem das jüdische Herz befragtm und dessen Stimme folgten. Dieses jüdische Herz will keine Förderung von Sonderinteressen; in ihm ist ein breiter Raum für Stadt und Staat und menschliche Gesellschaft; durch jede jüdische Seele tönt das Wort, das einst dem Abraham als Verheißung und als Mahnung verkündet worden ist: ״Du sollst ein Segen werden!" Wir werden ein Segen, wenn wir dem Abraham gleich vor Gott wandeln und schlicht und gerade sind. _ B. R. Stitri! jir 8lWtt tö LkttiisSkstis isr. Llhltt ii Mdilii). Bon A. Treu-Münster i. W. II. Hat der Hinweis auf den neuesten ״Verband isr. Lehrer" am Schlüsse der Vorsabel (in vor. Num.) den Uebergang zum Tharsächlichm, oder zur Geschichte abgegeben, so soll damst keinesweges der Methode des sich rückwärtsconzentrierenden Geschichtsunterrichtes der Beifall gespmdet sein. Diese Methode pflanzt die Bäume um, steckt die Krone sammt Blüthen, Blättern und Früchten ick die Erde, stteckt die Wurzeln :n ן die Luft gen Himmel, daß das Herz im Stamme sich um- I dreht und der Baum austtocknet. Zudeni ist die Idee zu einem so umfassenden Lehrerbunde weder neuesten noch überhaupt neuen Datums. Der Aufruf zur Gründung des Bundes israelitischer׳ Lehrer Deutschlandes hat allgemein in Lehrerkreisen und bei allen Schul- und Lehrerfreunden die gebührende Aufmerksam, feit auf sich gezogen. Dieses beweist hinlänglich, daß der Plan volle Beachtung verdient und daß es sich um ein Schmerzenskind, um ein Kind wctth der Sorge, handelt, und daß somit eine Stelle berühtt wird, wo der Schuh noch schwer drückt. Begreiflicher Weise hat sich daher auch die zuständige Presse mit dem Plan ernstlich beschäftigt und sämmtliche israelitische Lehrerconferenzen des laufenden Jahres haben zur Besprechung den Gegenstand in ihr Programm gebracht. Hier hat man ihn mit steudiger Zustimmung begrüßt, da hat man den Rat zum Abwatten ettheilt, dort mit Rücksicht aus die Ausdehnung des Institutes und Dchnbatteit der alli gemeine Punkte, des Programms Zweifel an positiv« Leistung«» i