Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 47 (23.11.1894)
- Date
- 1894-11-23
- Page
- Seite 366 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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.Lehrerverein", ,Lehrerbund" und derglttchen mehr stecken kann, bereits eine Geschichte, da das Kind das Licht der Welt kaum erst erblickt? Und ist es nicht gleichviel, unter welcher Benamung es sich durch's Leben schlügt und den Kampf um's Tasein durchfechten muß? Die Namen werden schwerlich die Sache ändern, denn sie liegen unter ein und derselben Decke der Sinnverwandtschaft; sie sind, wenn auch nicht der Wurzelabstammung nach, so doch inhaltlich einerlei Geschlechtes und Geblütes. Denn abgesehen davon, daß der ״Verband" ein Mirtes zur Verbindung, zum Zwecke der Heilung von Wunden und verletzter Körpertheile ist, stimmt das Wort doch mit seinen Genossen darin überein, daß es eine Vereinigung, ein Zusammenfassen von Einzelwesen im Kampfe gegen Üebelstände gegen feindliche Elemente, zur Beförderung des Guten und zur Herbeiführung besserer und zeitgemäßer Zustände den Namen zur That hergiebt. Daß aber die Lehrer im Allgemeinen und ganz besonders die israelitischen Lehrer zur Würdigung ihres Standes und zur Aufbesserung ihrer Lage hinzustreben alle Ursache und Berechtigung haben, wird kein billig Denkender, der es mit der Volksbildung und deren Träger ernstlich und wohl meint, in Abrede stellen. Diese, allem Volke gemeinsame Angelegenheit ist so ernster Natur, daß sie des Versuchs eines Beitrags zur Prüfung und Klärung werth und würdig erscheint. Zugleich ist es gewiß auch interessant zu erfahren, ob eine Idee alt oder neu, wie und von wem sie ausgegangen ist; die Hauptsache bleibt immer, ob sie gut, zweckentsprechend und ausführbar erwiesen hat oder erweist. Wiederum ist doch auch manches, was sich ähnlich sieht wie ein Ei dem andern, dem Wesen nach doch grundverschieden. — Wenn beispielsweise mit leerer Jagdtasche heimkehrende Jäger in der Dämmerung ein Gehöft passften, in dessen naher Wiese ein Esel angebunden ist, und sie sehen den Graurock für ein Reh an und sie knallen im Uebereifer den Langohr todt, so ist das kein Unglück — aber es kann ein Prozeß mit Ersatz- und Strafgeld die eifrigen Nimrode entnüchtern. — Passirt es aber einem Jäger, daß er bei Hellem Tage von der Jagdlust geblendet eine auf einem Acker Kartoffeln auflesende Frau für ein jagdbares Wild ansieht, losknallt und dann den Schmerzensschrei der zu Tode Getroffenen hört, so ist dieses ernsterer Natur, es ist ein Unglück und kann für den Schützen sehr schlimme Folgen haben, daß er sein ganzes Leben daran denkt und nimmer wieder eine Flinte in die Hand nehmen mag. Alles schon mal da gewesen. — Diese Jagdstücke dürsten sich indeß trotz des weiten Reiches aller Möglichkeiten schwerlich in die bescheidene Reihe schlichter Bilder im einfachen Lehrerstübchen anbringen lassen, zumal das Jagdvergnügen zu den gesetzlich verbotenen Früchten der jüdischen Lehrer zählt. Daher rücken wir im Interesse der logischen Zusammengehörigkeit ein drittes Bild der Möglichkeit näher. Gesetzt den Fall, ein thatendurstiger Menschenbeglücker ttage sich mit hochfligenden Ideen der Menschenbeglückung und habe Muße gehabt, sich in der Rederei vor dem Volke zu üben. — ״Im Anfänge war das Wort." Die Wahrheit dieses Ausspruches vorausgesetzt, stehen wir nach den Begriffen unseres Helden am Anfänge aller Zeiten. Des Wottes Zauber macht Carriere, zertrümmett das Vorhandene und läßt aus dem Schutte neues Leben keimen. Je leichter und seichter das Schlagwott, desto sicherer das Bravo, wenn es die Schwere des gründlichen Wissens und die Wahrhafttgkeit des Charakters als drückende Last bei Seite liegen läßt. Hierzu liefern die Deutschen Reform- resp. Antisemiten-Vereine den Beweis. Zur künstlichen Vollendung des Bildes stelle sich der Zukunftsmann in das Licht der Bescheidenheit, in den Schatten hinter einen Vorhang. Von hier aus dirigire er seine Bewunderer und es wird ein Programm aufgespielt als Verheißung alles Möglichen und Unmöglichen; da aber alles deutsch sein muß, dürfte das ,Programm" sich später in ,Vorschrift" um ändern, falls um den Vorort sich hinreiä weite Kreise gezogen haben. Bekanntlich werden bei düngen von Vereinen oder Verbindungen die Lehrer gelobt oder gelockt und deshalb darf in der Liste des Pro»f jettes eine in Aussicht gestellte reiche Versorgung für ihrr j (der Lehrer) alten Tage "nicht fehlen. Unstreitig wäre der' ernste Wille mit der darauf folgenden That unter Ausschluß; des Unmöglichen trostreich und des Schweißes der Edlen ז werth. Da aber steckt der Angelhaken: der Sirenengesang könnte! Gemeinden und Lehrer in der Pflege und Förderung der sich« entwickelnden vorhandenen Institute lässig und abwrndsA,I machen. Das wäre sehr ernster Natur und zur Zeit wobt 1 zu bedenken, da unsere Gemeinden nach so vielen Seiten hin zu Opfcrdiensten heranqezogen werden So weit die Borfabel. Um indeß Mißverständnissen auf! das Bestimmteste zu begegnen, muß bemerkt iverden, daß; dieselbe auch nicht mit der leisesten Gedankenrcgung auf den! ״Reichsvcrband und Lehrerbund" zielen soll. Der Gegenstand ist zu wichtig, um ihn zu einem lächerlichen Kampfes gegen Windmühlen herabzuziehen. Kerichle nnö Aorresponöenzkn. Magdeburg. Die im Jnseratentheil der vorigen Rr. bereits mitgetheilte ,Warnung" vor weiteren EinwanderuugtWi nach Palästina und Shrim lautet nach dem in Jerusalems erscheinenden Blatte ,Habazelet" vollständig wie folgt: ,Herr Scheidt bittet Herrn Samuel Pinries in Galotz, seine rumänischen Brüder vor der Auswandrrnng nach dem hell.י Lande nachdrücklichst zu warnen, daß sie sich nicht wieder vo« gewiffenlosenAgrMen irreführen lassen, die ihnen Vorreden: Der edle Wohlthäter (Herr Edmound von Rothschild) habe zu diesen^j Zwecke ungeheure Landstrccken jenseits des Jordans angekauft,; um sie an die Neuankommendrn zu vettheilen. Für 3000 Frank, so wird den Emigranten vorgeschwindelt, könne Jeder daseltft! sich niederlaffen und er sei zeitlebens versorgt, ohne jemals Noch leiden zu müssen. Wie Herr Scheidt weiter berichtet, war in! Paris ein Comits gegründet worden, an dessen Spitze die Her«»^ Braun, Zadock, Kahn und er selbst (Herr Scheidt) stehen. Dieses Eomits hat auch zur Zeit einige Landstr.cke« jenseits des Jordans erworben, um sie an solche Gesellschaft«^ zu verkaufen, deren Mitglieder wohlhabend und im Stand« sind, auf den neuen Besitzungen Häuser zu erbauen, das nöthige. Vieh selbst anzuschaffen, den jungftäulicheu Boden zu bearbeiten und zu bepflanzen. Aber der ״Edle" (Rothschild) w ill keinen Pfennig! mehr zu diesen Uuternehmungen hergeben! — ,Arbeiter", heißt es zum Schluß, ״habe» wir in der Kolonie mehr als genug.' und wir köunen keine mehr gebrauchen, auch Künstler und, Handwerker sind bereits zahlreich vorhanden. Wer daher nack dem heiligen Lande gehen will, um dott Arbeit zu suchen, setzt; sich der Gefahr aus. Hungers zu sterben." (Herr Scheidt ersucht schließlich, diese ״Warnung" überallhin^ zu verbreiten.) Berlin, Ein ״jüdisches Blatt" hat daran erinnctt, daß i der jetzige Reichskanzler Fürst Hohenlohe gelegentlich des; Berliner Kongresses 1878, an dem als Bettreter des Reichs s teilnahm, eine bedeutende Thättgkeit im Sinne der Gleich«( stellung der Juden, die denn auch in dem Berliner Bcttr») sowohl für die Türkei, wie für Serbien, Rumänien und 9nUl gatten stipulitt worden ist, entfalttt habe. Fürst Hohenlohes habe nach dem Schluß des Kongresses zu nncr Deputation? gesagt, er blicke mit Genugthuung auf diesen Tttl sei« Thättgkeit. Sttne polittsche Thättgkeit habe er in Baie mit Unterzeichnung eines Gesetzes begonnen, daß dott Israeliten emanzipirte; er hoffe, sie zu beschließen, indem, zu der allgemeinen Emanzipation der Bekenner des mosa ' Glaubens beitrage.