Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 47 (23.11.1894)
- Date
- 1894-11-23
- Page
- Seite 365 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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״Um Iriiit" 11) ..inkitMls Srfdift9|r)1|rn". . Bruchstück, au» einer Predigt zu Cbaje Sarah. ■ I. Es ist eine Familiengruft, die Abraham erwirbt. Jetzt -fetzt er sein Weib dort bei, einst werden seine Söhne ihn selbst dort begraben, und Kind und Kindeskind sollen dort ihre letzte Ruhestätte finden. Also nicht in ein beliebiges Land zieht Israel später ein, sondem zu den Gräbern seiner Ahnen zieht ein verstoßenes heimatloses Volk. Wo ist denn die Heimat eines Menschen? Man erklärt eiöbnlich: Wo seine Wiege stand. Das ist gewiß nicht ch, aber »och mit mehr Recht kann man sagen: Die Heimat Menschen ist die Stätte, das Land, wo er ein teures -Grab hat, vor allem das Grab seiner Eltern. Tenn die Wiege zerfällt, die Gespielen zerstreuen sich und die Stätten )der Jugendzeit muß, wenn wir sie Wiedersehen, erst die Phantasie wieder beleben. Aber ewig teuer bleibt mir die Stelle, wo das Grab des Vaters oder der Mutter liegt; nach dem stillen Ort, wohin ich einst den traurigen Gang antrat, zieht es jedes Menschenherz immer wieder. Hier ist seine Heimat, hierhin lenkt der Mensch, der in die Ferne zieht noch einmal den Schritt zum thränenden Abschied und hierhin eilt er wieder zurück über Länder und Meere, mit Schauern der Andacht betritt der schonende Fuß die heilige >Srde und mit Inbrunst kniet er in den geweihten Staub. Aber wohlgemeckt, nur wo unsere nächsten Lieben . ruhe», ist unsere Heimat und nicht jedes Land, wo uns über- Haupt Vorfahren begraben liegen. Denn wie viel Heimaten müßten wir sonst haben! Dann müßten wir auch heimzulehren trachten nach Aegypten und Babylonien, nach Spanien und Arabien, fast nach allen Ländern der Welt und es bliebe im Ganzen bei der heutigen Zerstreuung. Darum aber kann auch Palästina nicht unsere Heimat sein, trotzdem Sarah und alle Erzväter dort begraben sind. Wir werden das Hand zwar immer ein heiliges nennen, weil es für uns oll der erhabensten, teuersten Erinnerungen ist, aber wir Hinen es nicht unser Vaterland nennen. Wenn es dennoch Schwärmer unter nns giebt, so jst das zu begreifen als eine wenn auch irrende Pietät. Es ist aber eine gefährliche Schwärmerei, weil sie uns unserm gegenwärtigen Vaterland entfremde» und für seine Forderungen lässig und gleichgiltig machen kann. Israel brauchte eine Heimat, denn es hatte keine als es aus Aegypten zog. Wir brauche» keine ferne Heimat, denn wir haben eine Heimat ein, Vaterland. TI. Aber es liegt in dem Grabkauf Abrahams nicht blos diese Lehre verborgen, sondern in dem Verlauf dieser unscheinbaren Handlung ein nützliches Beispiel sehr klar am Tage. Es ist der Abschluß eines Geschäfts, dem wir beiwohnen. Aus der einen Seite die Hettiter, die eingeborenen Grundbesitzer, auf der andern der Nomade Abraham, der reiche Herden besitzer. Beide Parteien sind zweifellos Semite», Orientalen. Wenn wir aber mit dem Vorurtheil herantreten, welches dieser Menschenart gerade beim Geschäft die häßlichsten Gewohnheiten andichtet, so würden wir sehr enttäuscht werden. Wir hören keineswegs feilschen und schachern, keinen Ver» such zu übervortheilen oder abzuhandeln, wir bemerken weder eine entwürdigende Unterwürfigkeit des Verkäufers noch eine heuchlerische Mäkelei des Käufers. Der ganze Handel vollsieht sich vielmehr in den höflichsten aber dennoch solidesten, bestimmtesten Formen und es ist eine Freude, diese patriarchalischen Geschäftsleute zu beobachten. ES ist nicht wahr, daß dem Geschäft, dem Handelsstande an sich irgend etwas eigen wäre, das nicht mit den strengsten Begriffen von Ehre zu vereinigen wäre. Es ist nicht wahr, daß mit dem Handel, nothwendig die Neigung oder gar die Schiguug zn Unaufrichtigkeit und Unredlichkeit, zu lügen und zu betrügen verbunden wäre, aber das ist wahr, daß sie leider vielfältig damit verbunden sind, weil die Gelegenheit so leicht und verlockend ist. Ta nun wir Juden durch die geschichtliche Entwicklung und durch die Schuld von Verhältnissen, die wir nicht gemacht haben, zum größten Theil beim Geschäft betheiligt sind, so sind wir am ehesten in Gefahr, in Bausch und Bogen mit den Untugenden belegt zu werden, zu welchen der Handel einzelne verführt. Darum hat ein jeder von uns, welcher dem Handel in irgend einem Zweige angehört, die dreifache Pflicht aller, strengster Rechtlichkeit, die Pflicht des redlichen Menschen, die Pflicht des Israeliten gegen das Gebot seiner Religion und die Pflicht des Juden, der mit jeder bekannt werdenden Unredlichkeit der ganzen Gemeinschaft unsäglichen Schaden bereitet. Es giebt da so manches, worüber zu unfern Glaubensgenossen — beim nur mit ihnen haben wir es hier zu thun — ein ernstes Wort zu reden wohl am Platze wäre. Das Geschäft ist nur eine besondere Art des menschlichen Verkehrs. Die Seele jedes gedeihlichen Veckehrs ist die Aufrichtigkeit; da ich dem Andern nicht ins Herz sehen kann, so muß ich seinen Worten glauben dürfen. Wenn mir Jemand wider besseres Wissen von einer Waare sagt, daß sie diese und diese Beschaffenheit und diesen und diesen Werth hat, so mag es dafür eine Menge gefälliger Fremdwörter geben, ich für mein Theil nenne ihn am einfachsten einen Lügner und einen Betrüger. Ich brauche wohl nicht Stellen anzuführen, daß alle Lehrer Israels stets so gedacht haben. Sollte er es aber so anfangen können, daß das Gesetz des Landes ihn nicht bestrafen kann, so wird ihn die Stimme aller Redlichen nichtsdestoweniger verdammen. Für das erbarmungslose Auspressen der Arbeitskräfte, für die schonungslose Vernichtung des Mitstrebenden, indem man jedes Geschäft an sich reißt, giebt es auch wieder ein beschönigendes Wort Concurrenz, wir wollen es mit dem wahren Worte ״Blutsauger" brandmarken. Seine Waare anznkündigen und der Wahrheit gemäß anzupreisen, ist das gute Recht des Kaufmanns, wenn aber die niedrigsten Mittel der Anlockung nicht verschmäht werden, so mag es immerhin dafür das Fremdwort ״Reclame" geben, wir nennen es ״Marktschreierei". Nicht minder widerwärtig ist vft die kriechende Art, die unermüdlich bittet und bettelt, tänzelt und schwänzelt, jede Demütigung, jede Erniedrigung in den Kauf nimmt, nur um das Geschäft zu machen. Wie gerade und austichtig stehen die Ehrenmänner unserer Erzählung da, selbst ihre Höflichkeit ist keineswegs sklavisch, sondern die gemessene und würdevolle Gleichberechtigter. Möchten wir uns stets erinnern, daß wir Juden Nachkommen des Semiten Abrahams sind und auch im Geschäftsleben seinen redlichen Sinn und seine feste aufrechte Art zu bewahren haben. B. J. Mir jir .. H Stlriisitfkis isliriilischn Ltjm ii LkiWiir. Bon «. Treu. I. Vorfabel. Der geneigte Leser oder Lehrer wolle beim Anblicke dieses langathmigen Titels das Haupt nicht zweifelhaft oder verwundert schütteln, er ist wirklich nicht von adliger Geb»rt. Der Titel hat nichts gemein mit der Benennung Hoch- und Höhergeborener, die bekanntlich dem ״Von" und Geschlechtsnamen eine stattliche Gesellschaft von Vornamen als Quartiermacher vorausschicken, daß man in großer Spannung erwartet, was hinter dem ״Von" steckt. Und zweiten-, hat denn das Vereinswesen israelitischer Lehrer, worin: ״Verband" A$A