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Israelitische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · p. Seite 360

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
Seite 360 (sequence 6)
Language
German
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für den Mut und die ehrliche Kampsesweise der .teutscheften" aller .Tcutichni", daß ei» Kommentar eher eine Abschwächung bedeuten konnte Wir lassen das Circular hi r wortgetreu folgen: ,Frankfurt a. M, de» 1. November 1894. Streng veriraul ch! Geehrter Herr Gefinnungsgenofsc! Tonnerstag, den 8. November. Abends 8'/« Uhr. wird unser Kandidat bei der letzten Reichstagswahl, Herr ReichstagSabgeordnerer Licbermann von Sonnenberg, im Scheffeljaal einen öffentlichen Vortrag haltru. Durch die Einrichtung, welche wir getroffen haben, daß z» dieicr Versammlung Juden der Eintritt nicht gestattet wird und daß wir uns durch Erheben eines Eintrittsgeldes von 50 P׳. auch die Socialdrniokraten vom Halle halte», hoffen wir. uns für einen nihigen. sachlichen Verlauf dieier Versammlung verbürgen zu können. Anderseits ist durch den Charakter einer öffentlichen Versammlung cs jedem auch noch so von Inden und Judengenossen abhängigen Deutsche» gestattet, die Versammlung zu besuchen, ohne Nachtheile befürchten z» müssen. Unserseits müssen wir aber alles ausbieten, den Saal möglichst mit Gcsinnnngsgenosscir und mit solchen Herren zu füllen, von denen wir eine Stöning absolut nicht zu fürchten haben. Zu diesem Zwecke senden wir Ihnen anbei zum Vorverkauf .Stück Eintrittskarten mit der Bitte, dieselben nur an durchaus vertranenswrrthe Personen abzusctzen. Ihnen aber, und den von ihnen eingeladencn Herren müssen wir es zur unerläßlicher Pflicht machen, sich schon eine Stunde vor Beginn der Versammlung einzufinden. Wir werden, ehe wir die Kasse rröffuen, den Karteninhaber:« durch den besonderen Eingang von der Wirtschaft aus Einlaß gewähren. Ten Betrag für die Karten bitten wir möglichst bald, längstens aber am Vortrags, b>ud unserem Schriftführer, Herrn I. Bergmann, Waldichmidrstr. 56. H. 4, zu behändig-n. Von deniselbe» sind auch noch weitere Karten auf schriftliche Bestellung zu erhalten. Wir hoffen, daß wenn Jeder seine Pflicht thut, diese Versammlung wieder ein großer Schritt vorwärls für die Frankfurter Bewegung sein wird. Mit treu deutschem Gruß Ter Vorstand des deutschen Vereins." (So «vird's gemacht!) Oppeln, 13. Roveniber. (Or.-Corr.) In dieser Zeit des gottverges'enen, verrohrte» Antisemitismus erscheint es mir «vie die Begegnung einer freundlichen Oase in meilenweiter, oder Wüste, wenn ein hochgestellter, christlicher Beamter ein so leuffeliges Schreiben bei der Nachricht von dem Tode eines jüdischen Arztes an die Witiive desselben richtet. Ich bitte Sie darum, um die Veröffentlichung des beifolgenden Briefes. Rabbiner Tr. Wiener. Wir veröffentlichen den Brief schon deshalb, weil gerade in jüngster Zeit antisemitische Hetzer gegen die jüdischen Aerzte agitirten, ivelchen sie ausnahniSloS den niedrigsten Eigennutz und Mangel jedes Idealismus vorwarfen. Tie Hetze ging jedenfalls von brotneidischen, christlichen Collegen aus. — Ter Brief lautet: ,Hochgeehrte Frau Tvktor! Durch Freunde höre« wir von dem Tode Ihres von uns so verehrten Herrn Gemahls. Ta ist es mir ein Herzensbedürfuiß, es Ihnen auszusprechen, wie sehr wir denselben betrauern. Wir sind Ihrem Herrn Gemahl dauernd dankbar für die treue Sorge, mit der er uns in ernsten Stunden au den Krankenbetten unserer Kinder zur Seite gestanden hat. uud ich habe ihn besonders verehrt wegen seines frommen und auf das Ideale gerichteteu Sinnes. Im Verkehr mit ihm und in manchem intereffanten Gespräch habe ich zu der theoretischen Erkenntlich die praktische Erfahrung bekommen,' daß da« Judenthnm de« alten 1 Testamente«, wie e« in ihm lebte, und da« Ehristenthum nahe Z verwandte Religionen sind. Er hat mir i» meinen heiligsteu Interesse» viel näher gestanden als viele Christen, die dies nur dem Namen nach sind. Indem ich Sie, sehr geehrte Frau Doktor, bitte, auch Ihren lieben Kindern de» Ausdruck meiner Theilnahme zu übermitteln, verbleibe ich mit der voll« komineustru Hochachtung Ihr ergebenster.״ (3i>ir lagen den Namen weg, damit dem edeln, Wahrheitsliebenden. im Staatsdienst stehenden Manne durch die!Veröffentlichung keine Uiiaunchinlichkeite» erwachse». Die Red.) Gefterrsiech'Ungari». Wien, 8. November. (Wiener Briefe von L. Sch) Mein letzter Brief, lieber Leser, hat hier nicht wenig Ver- 3 wirrung uud Kopfzerbrechen angerichtet! In gewohnter Ver- ■d dächtigungsiuaiiicr beschuldigte man Herrn E. Sch., der be» \ kanntlich nur wissenschaftliche Arbeiten publicirt und sich uin - Gemeindeangelegenheiten gar nicht kümmert, des Verbrechens, der Inspirator resp. Verfass« dieses Briefes zu sein. Herr E. Sch. weiß vom Bibliothekswesen der Wiener CultuSgein.inde genau so viel, wie der Rabbi von Kuttenplan, der alles von Krasscls ledernen Nabel herstammen ließ. Der Herr \ Correspondcut I. M(authner) hat sich daher vergebens bemüht, den Mohren iveiß zu wasche». Der in dieser Correspondenz ׳ so -hoch belobte Gelehrte und ,Mitbegründer" (?) der -י Wiener Cultusgcineindebibliothek ist weder .Schöpfer" noch .Förderer" dieses Institutes. Er versteht vom Bibliotl»ekS» < wesen gerade so viel, wie sein derzeitiger Adlatns, der iveder -s in St. Pölten »och in einer sonstigen Dorfgemeinde Böhmens -i Gelegenheit hatte, sich mit der Verwaltung einer Genirindc- ד] bibliothck zu befassen und auf bibliographischem Gelnete gar i keine Routine besitzt. Tie höchst mangelhafte Katalogisirung » der Büchersammlung der Wiener Jsr. CultnSgrmeinde ist auch 1 nicht einm.1l das Werk des gelehrten .Mitbegründers" und ,Schöpfers" dieses Institutes. Der zukünftige Biblio- 'j thekar Herr Dr. Münz wird da nicht wenig Zeit »nd Mühe j brauchen, um alles so einzurichten, wie es in einer von fach. 1 kundiger Hand geleiteten Bibliothek beansprucht iverden. darf. » Nun brauchte ich die Uebergangsroutine einer Tänzerin, um fl von diesem Thema zum Referate über andere Cultusangclegeufl Heiken zu gelangen. Tie Tanzsaifon steht vor der Thür und fl bei uns hat sie schon sehr früh angefangen. Tenn schon am fl ersten Tage Rosch haschono nach dem Gottesdienste ivurd« fl in Wien dieser Göttin gehuldigt und zwar in einem Locale, fl das sonst stets von Antisemiten und Socialdemokraten benutzt fl wird, aber auch Heuer zur Abhaltung eines jüdischen Gottesfl dienstes gemiethet wurde. Herr Krasse!, der pfiffige Eigen»fl thümer des großen Brigittasaales in der Wintergasse, hat de» W Herren .BethauSvorstehern" seinen Brigittasaal nurW unter der Bedingung vermiethet, wenn nach abgehaltennH^ Gottesdienste Betpulte und alles Zubehör des jüdischen Gottes^fl dienstes der leichtgeschürzten Muse Trrpsichorr't Platz macht^fl Die Herren .BethanSvorsteher" haben diese Bedingung ange-^fl nommen in der Erwartung, daß die Bethausplatzmiether vm^fl diesem unerhörte» Vorgehen keine Kenutniß erlangen ivcrdenlf^fl aber nichts ist so fein gesponnen, eS kommt doch zu OhrcnW der Seitenstettengasscr Sonnen. Tableau! — Die Herra^W .Talmi-Bethausvorsteher" wurden von den ersten Wiene^fl Bethausvorstehren in der Seitenstettengasse zur Berantwortuack^fl eingeladen und nachdem dieselben nicht erschienen waren, u^fl eootrunaeia des Amtes verlustig erklärt. Nun schmolle« Herren in ihren verschiedenen Greißler» und Handwerkers und sinnen auf Rache! Wir aber fragen die sechs Repräsentanten der Wi Jsr. Cnltnsgemeinde, tjavangas tandem? Wie lange 1 soll in Wien das BethauSverejuswesen vegctirrn? Rasche ist von Nöthen und eine baldige Auflösung dieser .Beth, vorstcherspielereien" wäre doch drmgend zu empfehle».

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