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Israelitische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · p. Seite 359

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
Seite 359 (sequence 5)
Language
German
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(Das Erkenntniß mit der Rechtsbegründnng werden wir in einer späteren Nr. bringen. Die von der .Staatsbürgerzcitung" gebrachte Mittheilung, daß gegen dasselbe vom Kläger Berufung eingelegt worden sei, hat sich sonach nicht bestätigt.) Magdeburg. 12. November. Auf die Schmähartikcl, die die ״Ltaatsbürgcr-Ztg." im Anschluß an de» .Fall Trcyfiiö" über die gesammtc Judenheit tagtäglich losläßt, e»tgegnct die ״Volks-Ztg " eben so scharf wie wahr: .Ter Ahlwardt-Mvniteur nimmt es u»S krumm, daß wir der nur zu begründeten Ansicht Ausdruck gegeben, dem französischen Hauptmann Treysus sei von den srauzösischen Antisemiten eine Halle gestellt worden, damit sie alsda: 1! den ,Fall Treysus" i» beliebter Manier gegen alle Juden ohne Ansnahnie ״vcrncrtheu״ könnten. Tic eilfertige Schnelligkeit, mit welcher der Ahlwardt Moniteur für die sianzösilchen Antisenn'tcn cintrilt, um sic als die rciustc» Tugcndengel erscheinen zu lasien, läßt aus die Inter- Nationalität der antisemilischcn Gesiniiuugsgeuvsirnschaft interesiante Schlüsse zu, denn wie brauchte sich sonst der Berliner Antisemitismus des Pariser Antisemitismus so hitzig anznnehme»? Im Uebngen wird es anch der Ahlwardt.Mvn'tcur nicht bestreiten wollen, daß es bisher nur Arier gewesen sind, die in Europa das saubere Geschäft der Spionage betrieben haben, und wenn wir vollends von der Landesverräthcrei sprechen, so wird cs dem Ahlwardt Moniteur nicht schwer sei», wenigstens für Teutschland, zu erfahren, welcher Konfession diejenigen Subjekte angchörcn, die wegen dieses Telikts bei uns zu Lande im Lause der Zeit vernrtheilt worden sind. Wäre ein Jude dabei gewesen, derselbe würde von den gedankenarmen Rasscnhetzern gewiß tagtäglich durch die antisemitische Presse und durch antisemilische Bersannnlungr» geschleift werden, um Zeugnis! abznlcge» für die ״Gemeinsährlichkeit" ״aller Inden ohne Ausnahme"." — Nach den neuesten Mitthcilungcn hat der Verthcidigcr des Hauptmanns Trevius eine Erklärung veröffentlicht, in welcher alle bisherigen Zeitungsberichte widerlegt weiden. Es läge gegen Treysus keinerlei Bcwc's vor, wohl aber hätte die Berthcidigung Aktenstücke, welche die Unschuld des Angcklagten bewiesen. Der angebliche Brief von Treysus an eine fremde Regierung fei eine Fälschung, wie Sachverständige bestätigen würden. So wäre denn alle Aussicht vorhanden, daß der Plan der Pariser Antisemiten, den Hauptmann Trehfus als Opfer antisemitischer Verfohzzingswuth ״hinrinzulegen", vereitelt wird. Inzwischen freilich wird es diese Gesellschaft wohl nicht an Versuchen fehlen lassen, doch »och eine Bcrurtheilung Drey- . fus' herbeizuführen. Der Fanatismus der Rassenhetze macht gewissenlos. f>. Unser Standpunkt in dieser Frage ist: es giebt nur eine » Solidarität: diejenige aller ehrenhaften Leute gegen alle Ehrlosen. Wenn Treyfuß schuldig ist, sa wird seine Bes strasung von Juden ebenso wie von Christen gut geheißen ( werden, nnd ist er unschuldig, so wird alle Welt das anti- I semitische Denunziantenthum verachten. Jedes Hincinzerrcn des religiösen Bekenntnisses trübt das Urtheil. Tie Ge rech. U tigkeit steht uns höher als die Konfession! t Berlin, 12. November. Der antisemitische ״General, st Anzeiger" reproduzirt folgende, der Düsseldorfer .Deutschk Rat.-Ztg." aus Coesfeld zugegangene Notiz: ״Sicherem Ver- |e nehmen nach hat sich hier ein Fall ereignet, der lebhaft an | die Manipulationen erinnert, die durch den Burgwaldnieler Fleischverunreinigungsprozeß an den Tag gekommen sind. Ein hiesiger jüdischer Schlachter hat. so verlautet, vor einigen Wochen ein bereits verendetes Kalb heimlich i» das hiefige Schlachthaus geschmuggelt und dann geschlachtet. Zum .Glück für die deutsche Kundschaft dieses Inden entdeckte der :Schlachthausmeister die Sache und beschlagnahmte das Thier. LLer hiesigen Polizeibehörde soll dieser Fall angczeigt sein." t Der ,Central. Verein deutscher Staatsbürger jüdischen MlaubenS" zog genaue Erkundigungen ein und nun stellte Ach Folgendes heraus. Nach Angabe des christlichen Schlacht- »auSvenvalters in Coesfeld ist das Kalb nicht heimlich und Mcht todt, sondern öffentlich und lebend in das Schlacht- *־־* gebracht worden. Die dem ״Ccntral-Berein daitscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" vorgelegte, mit dem Stempel der ״Städt. Schlachthaus-Verwaltung i» Coesfeld" versehene Erklärung lautet »örtlich: ״Der Metzger David .Herz hat an, 28. August 1804 im hiesigen Schlachthaus (Coesfeld) ei» Kalb geschlachtet, welches von mir beanstandet wurde; es brachte den Erlös von 14 Mark. Das Kalb ist vom Kreisthierarzt Tr. Klosterken jun. untersucht nnd als mindenverthig erklärt worden. Hochgrcve, Schlachthaus-Berivalter."—Dieser Fall beweist aus's Neue, wie jetzt die harmlosesten Vorgänge ans Grund leichtfertiger oder böswillig gefälschter Berichte zum Zweck der in ihren Mitteln wenig wählerischen antisetnitischcn Agitation ausgebeutet werden. Berlin,'11. November. ״Mit großer Genngthung erfüllt uns — schreibt die heutige ״Kreuzzeitung" — der Beschluß der Generals»,node. der kurz und gut die Wiederherstellung der christlichen Eidesform verlangt. Wenn ein Synodale auS Breslau dem mit der Begründung widersprach, daß der jüdische Richter damit grundsätzlich ausgeschlossen sei, so versteht es sich von selbst, daß »vir »ns dessen freuen. Das »vollen 1»>ir ja gerade, und die ungeheure Mehrheit des deutschen Volkes will cs niit uns. Die ״Kölnische Zeitung" freilich mochte in» ׳Namen deS ״gebildeten nnd besitzenden Bürgerthunis" »och imnirr widersprechen, und »vir wissen »vohl, daß sie den Buchstaben des Gesetzes für sich hat und »vohl »och lange für sich haben wird. Wenn der Jude aber das Recht hat, Richter zu »vrrden. so bedeutet daß noch teineslvegs die Pflicht des Staates, ihn im gegebene» Falle zu ernennen In der Thal »vird eine solche Pflicht von vielen deutschen Staaten bis zum heutigen Tagr praktisch nicht anerkannt, und »vir sehen nicht ei», »viruin gerade mir in Preußen die zwei» felhaste ״Ehre" behalten sollen, hier eine Ausnahme zu machen. Wenn der Sy». Prof Kahl seine Abstiinmung zu Gunsten des Bntrages als ein ״Opfer des Intellekts" bezeichnet hat, so müssen-wir uns dagegen ans das entschiedenste verwahren. Auch van» Standpunkte des ״Intellekts" bezeichnet hat, so müssen wir uns dagegen aus das entschiedenste verwahren. Auch vom Standpunkte des ״Intellekts" ist es richtig, die Juden von» Richtcruint auszuschließen." (Man sieht hieraus, »vohi» »vir steuern.) B. Königsberg, 11. November. Dem durch den Sturz Caprivi's mitgerisfeiieu und zum Nirderlegen seines Amtes veranlaßte» Justizministcr v. Schelling »vidmet die hiesige ״Hartungsche Zeitung" einen längern ״Nachruf", dem wir uns, so weit er das Verhalten des Ministers bei Anstellung jüdischer Richter betrifft, vollständig anschließen können: ״Herr v. Schelling hat einen schivcre» Stand inmitten widerspruchsvollcr Bewegungen gehabt. Er war eine vornehme Natur und konnte handgreifliche Ungerechtigkeiten nicht ertragen, auch wenn sie sich in den feinsten Formen an ihn drängten. Man hat Herrn v. Schilling norgewvrsen, daß er übermäßig viel Juden zu Richtern mache. Das Gesetz schreibt vor, daß die Anstellung von Beamten unabhängig vom religiösen Bekenntnis sein solle. Folglich hat der Justizminister v. Schelling, wenn er Juden anstcllte, nur seinem Versafsungseide gemäß gehandelt. Von einer besonderen Bevorzugung kann um so »vcnigcr die Rede sei», als vielmehr der Justizminister an dem Grundsätze sesthiclt, beispiels.ocisc in Berlin nicht mehr Juden zu Richten» machen, als es der Vcrhältniszahl der jüdischen zu der christlichen Bevölkerung entsprich«. Tabei ist aber Herr v. Schilling nicht dafür zu haben gewesen, diesen Grundsatz, wenn er einmal für die Richter der unteren Instanz gelten soll, auch in den oberen Instanzen durchzuführen. Alle >ene Angriffe sind daher völlig unhaltbar. Aber Herr v. Schilling hat unter ihnen viel zu leiden gehabt, und sie haben sich zuweilen zu den gröblichsten, widenvärtigstni persönlichen Verleumdungen zugespjtzt." (Möge es unter dein neuen Jnstizminister Schoenfeld zuin mindesten nicht schlimmer werden.) Frankfurt a. M.. 9. Novbr. Was die Antisemiten unter einer ״öffentlichen" Bcrsaminlung verstehen, geht auS einem Circular hervor, daß der ״Deutsche (antis.) Verein," Frankfurt a. M., anläßlich der am 8. November hier stattgehabten Versammlung versandt hat. ES spricht so drastisch ■'■;A

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