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Israelitische Wochenschrift · 1894-11-16 · 46 (16.11.1894) · p. Seite 357

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
Seite 357 (sequence 3)
Language
German
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g*“ bie ihm gewähtt wird — in d«r Regel 25—40 Mk. jährlich &־ für jede wöchrn tl i che Stunde für die kein christlicher Geist, f sicher zum Schulmeister sich hergäbe, noch garnicht in Erwägung gezogen werden. Wenn trotzdem die Statistik nicht unwesentlich zu Gunsten, der jüdischen studirenden Jugend zeugt, so sollte dies jedem redlich Denkenden Achtung cinflößen. lind so fern es uns ist, in den verallgemeinernden Ton unsere Gegner einzustimnien, können wir es uns doch nicht versagen, es mit gerechtem Stolz zu vermerken, daß die jüdische Moral noch keinen ,Träger der Eivilisation" wie Kanzler Leist, der auch über andere .asrii konische Deutsche" (christliche Missionäre!) vieles aus der Schule schivatzie, gezeitigt hat. - Da also hüben und drüben Gerechte und Ungerechte sind, warum diese Ueberhebung, die bei etwas Selbstprüsung euerr gisch von der Hand gewiesrn werden müssen, zumal die er- | schreckliche Anzahl der Meineide, durchaus nicht auf die Gegen- -- wart eines jüdischen Richterbei Leistung derselben zurück- | »«führen ist! Herr Stöcker selbst, so wenig wählerisch er in f seinen Behauptungen ist, wird es nicht wage», zu erklären, daß j ' meineidige Schurken aus den amtierenden christlichen Richter l mehr Rücksicht genommen hätten, als auf einen jüdischen. t Je höher die Mitglieder der Gcneralsynade ihre eigene Religion stellen, desto weniger durften sie die Rcinl>eit ihrer Abstammung anzwciseln lassen; die .Edelste» der Ration" dulden solche Verunglimpfung ihrer Vorfahren selbst dann nicht, wenn deren Raubrittcrthum unzweifelhaft seststeht, und die Herren, welche gleichzeitig Beamte sind, durften nicht ohne Gewissensbisse an der bestehenden gesetzlich gewährleisteten — wenn auch wenig dnrchgeführten — Gleichberechtigung rütteln lassen, und als vornehme Männer mußten sie, ohne sich selbst herabzusetzen, das banausische Gebühren der pöbelhaften Menge aus ihrer Versammlung, die überdies religiöses Wesen zum Hintergninde hat, stteng fernhalten. Zum Schluß noch eine Frage: Haben die Herren nicht die Erfahrung gemacht, daß bei Mischehe» — in welchem .Punkte wir mit der Generalsynode durchaus sympathisiere» — so sie zwischen Christen und Juden geschlossen wurden, gut .. und gerne 90 Procent der Nachkommenschaft für das Christenthum gewonnen wurde, bei solchen jedoch zwischen Evangelischen «nd Katholiken die Letzteren infolge des bekannten Reserves immer die Gewinnenden sind. Warum wagte die Evang.- i Generalsynode nicht, aus diese Wunde die Finger zu legen? t. Uns kann es ja recht sein, aber mir bemerken die Absicht, daß " die Generalsynode cs nicht verschmäht, gegen den jüdischen Amboß den evangelischen Hammer zu schwingen, und wenn d'uns das nicht verstimmte und zur Abwehr aufreizte, müßten k wir Theewasfer in dm Adern haben. ׳ Aus dem ssrotocoll*) ■ bet zehnten Confercnz des Vereins isr. Lehrer und - EultuSbcamten der LandrabbinatSbezirke Emden und Oldenburg. —) $ Nachdem in der ersten Sitzung der Vorsitzende, Hauptlehrer »Levy-Rorden, die Versammelten und insbrsnndere die beiden »Landrabbiner mit herzlichen Watten begrüßt hatte, giebt er seiner «reude darüber Ausdruck, daß die Oldenburgischen Kollegen sich Mttschlosicn hätten, dem Vereine beizutreten. Darauf giebt der Whorsitzende einen kurzen Uederblick über die Geschichte des Vereins, *) Raummangel nöthigte uni, manche Kürzungen bei de» Begrüßungen nnd geschäfil Mittheilungen zuSeginn der erftenIihung vorzunehme». (Red ) jfc■ **) Auivestnd waren folgende 19 Herren: L. R. Dr. L öb-lkmden, L^L-R. Dr. Mannheimer-Oldenburg, Hanptlehrer Levy - Norden, Whauptlehrer Zelig-Lmdeu, Lehrer «Pt-Lmden, Lehrer Bernheim- Epcit(, Lehrer Frantenstei»-Osnabrück, Lehrer Herzberg-Olden- WMg, Lehrer Llein-Linge», Lehrer LevY-Eögel, Lehrer Levy-Wiu- Mwmd, Lehrer Lolbri in - Dornum, Lehrer Ldwenftein-Jever, Lehrer ^Md»ia-Mq>p,n, Lehrer Meyer-Leer, Lehrer Strauß-Wilhelms- Hm, Lehrer Ttranh-PaprnbMrg, Lehrer Weinberg-Delmenhorst, «»lss-Anttch. sowie über die behändest« BorttSg« und hebt dabri »jt druck hervor, daß die augmblicklich zur brenn«d« Frage' aewordene .Gründung eine- D. I. L. B." im Jahre 1887 in diesen Räumen angeregt wurde?) Er giebt darauf den geschäftlich« Jahresbericht, indem er zunächst ein Schreib« dv» Vorsitzenden d«S D. I. G. B. zur Verlesung bringt, in welchem sich dieser anettennend über tue im Vorjahre gehaltenen Vorträge ausspricht und der Maßnahme unsere« Vereine-, noch welcher alle iSr. Lehrervereine Deutschland« aufgesordett wurd«, da« .Bidetlesen" aus die Tagesordnung zu setz«, seinen Beifall zollt. Der Vorsitzende geht dann zur Lesebuchstage über, die nach seinem Berichte trotz der gepflogenen Verhandlungen ungelöst geblieben ist und für« erste ungelöst bleiben wird. Nach den DankeSerwidcrungen der beiden Landeirabbiner für die herzliche Begrüßung und einigen vom Vorsitzenden beantragt«, durch den Eintritt der Oldenburgischen Kollegen nochwendig gewordenen Abänderung« der Bereinssatznngen folgt die Wahl des Vorstandes. Auf Bnttag Frankensteiu« findet ein« Wiederwahl statt. Die Sollegen Levy - Norden, Selig- Emden und Wolfs-Aurich nehmen dieselbe mit Dank an. Der Vorsitzende stellt nun in den ״freien Besprechung«" die Thätigkeit der nächstjährigen Conferenz zur DiSeussion. Ei wird dabei Folgendes bestimmt : Die nächste Versammlung findet im Jahre 1896 wieder in Emden statt und zwar in der Zeit zwisch« den Sv», menerie» »nd den Herbstfeiettagen. Weinberg - D«lm«h»oft übernimmt eine Lehrprode, Bern heim- Barel rin« Bvttrag über da« Thema: ״Die Pflege de« liturgisch« Gesänge« in der jüdischen Volksschule". Ludwig-Meppen erhält da« Referat: ״lieber die Fibelstage", Strauß-Papenburg de« Correferat. In der zweiten Sitzung erfolgt zunächst die einstimmige Genehmigung der Zusätze zum Vereinsstatut und die Ertheilung der Entlastung nach vorangegangener Prüfung der Rechnung. — Selig-Emdm erhält daraus das Wott zu seinem Vortrage: .Concentration im jüdischen Religion-« unterrichte". Nach einig« einleit«den Wott« über die Entstehung der jüdischen Religionsschulen eröttett der Refermt die Aufgabe berfetben j diese bestehe in der Unterweisung der Sinder in den religiösen Lehrgegenständen und Erziehung derselben zu lebendigen Mitgliedern der Gemeinde. Die h«tige Religionsschule habe aber ihr Ziel nicht erreich« könnm. D«e Gründe hierfür sei« in der Gleichgiltigkeit vieler Eltern gegm alles Jüdische, sowie in dem Mangel an der Zeit und der Menge der Unterrichtsfächer zu such«. Um aber dem Ziele näher zu kominm, empfehle cs sich, die einzelnen Gegmstände zu concentriren. Nachdem dann der Begriff Concmtration entwickelt und festgelegt worden, wird bewiesen: 1. Die Conc«tration sei ein geeignetes Mittel geg« Ueberbürdung, denn sie betrachte das Kind als Mittelpunkt der Schule und ordne die Stoffe nach dem AuffaffungSvermögen desselb« an. Darum sei vor all« Ding« nöthig, den Stoff vorher richtig auSzuwählm und auf die einzeln« Schulwochen zu vetthcilen. Res. geht nun die gesammten Religionsfächer durch und zeigt, wie dieselben unteinander in Verbindung zu bring« seien. 2. Die Concentration sei ein Mittel gegen Zersplitterung der Geisteskräfte. Unterricht und Erziehung sei« a uch in der Religionsschule nicht zu tr«nm, die Hauptsache bleibe immerhin, religiös-sittliche Charaktere zu bildm. In die einzelnen Disciplinen sei Enheit zu bringen, so daß audem einen Gezmstand der andere sich ergebe, dies« ergänze und belebe. Doch sei der Einschachtelung der Unterricht-- zweige, wie sie Curtmann und Schnell woll«, da- Wort nicht zu reden, ebensowenig sei die Methode der Verschmclzung, wie sie vor etwa 8Jahr« durch Rabb. Dr. Goldschmidt im .Littcraturblott" der ,Isr. Wochenschrift" angeregt wurde, zu mipsehlen, da es nicht durchführbar sei, dm gesammten Religionsunterricht in bloßen Bibel unterricht zu verwandeln. 3. Die Eonc«tration sei ein Mittel gegen Oberflächlichkeil, dmn sie mache die Bettiefung zur Hauptsache. Der *) Uri« die allerersteu Anreger eine« iSr. Lehrerbundei «erden wir in eii-rr längeren Abhandlung bei Herrn Geminarlehrrr« A. Treu denmächft die historische Wahrheit bringe». (Red.)

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