Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 45 (9.11.1894)
- Date
- 1894-11-09
- Page
- Seite 352 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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beitrug. Damals wurde indeffen schon darauf hingewiescn, daß die durch den Umbau gewonnenen Plätze kaum den dringendsten Bedürfnissen genügen würden und daß in absehbarer Zeit die Frage einer abermaligen Erweiterung beziehungsweise der Erbauung eine» neue» Synagogengebäudes an das Consistorium und an die Stadt herantreten werde. Diese Frage ist seither, infolge der Vermehrung der Bevölkerung, eine immer dringlichere geworden, und cs läßt sich heute deren Lösung nicht länger mehr hinausschieben. Seitens des Gemeiuderats wurde auch bereit; in der Sitzung vom 28. October 1881 ans eine Eingabe des israelitischen Consistoriums hin die dringende Notwendigkeit der Erbauung einer neuen Synagoge anerkannt und die Uebcrlassung des von den Vorbauten der Zollhalle beim Kleberstaden eingenomnicne» Platzes als Baustelle grundsätzlich zugesagt. Aus Grund dieses Gemeinderatsbeschlusies fand inzwischen die AuSar- Heilung des Bauprojectes statt, wobei sich aber schließlich die Notwendigkeit ergab, noch einen Teil der Zollhalle in den Bauplatz einzubeziehen. Die zu überbauende Fläch« beträgt 1760qm, und es sollen in dem Neubau 723 Plätze für Männer, 630 Plätze für Frauen, 100 für Knaben und Mädchen und 40 für die Sänger vorgesehen werden: die Gesamtbaukosten find auf 750,000 Mark veranschlagt. Daß iie Stadt außer der Hergabe des Bauplatzes auch zu de» Baukosten noch beitragen muffe, war bereits in der Gemeindcratsfitzuna vom 1. Februar 1893 nicht unerwähnt geblieben. Von denselben will die israelitische Gemeinde 350,000 Mark mittelst einer Anleihe und 100,000 Mark durch eigene freiwillig: Beiträge aufbringen; für den noch zu deckenden Betrag von 300,000 Mark sucht die Gemeinde die Bewilligung eines städtischen Zuschusses in gleicher Höhe nach. Der Wert des für das jetzige Prvject erforderlichen Geländes einschließlich der ausstehenden und abzubrechenden Gebäulichkeiten ist zu 300,000 Mark anzurechnen. Tie Commission spricht fich für die Hergabe dieses Geländes und die Bewilligung eines baren Zuschußes von 200,000 Mark ä fonds perdu aus und empfiehlt die weiter verlangten 100,OM Mark als Darlehen zu gewähren unter der Beding»: g, daß das alte Synagogengebäude an die Stadt abgetreten, wogegen dessen Wert auf das Darlehen in Anrechnung gebracht wird. Die Commiffion ging bei dieser Entschließung von der Erwägung aus, daß bei der Lage des Bauplatzes eine monumentale Gestaltung des Gebäudes erwünscht sei und daß ohne Gefährdung dieses Zweckes eine Ermäßigung der Baukosten nicht durchführbar erscheine, daß ferner durch die Aufbringung des von der israelitischen Gemeinde selbst zu tragenden Teiles der Baukosten diese immerhin voch sehr erheblich belastet werde und daß die Stadt, abgesehen von der Beteiligung an den Kosten der Synagogenerwei»»ruug in den Jahren 1863—64, von der Israelitischen CultuSgcmeinde zu deren Cultusbaulasten bisher nicht in Anspruch genommen worden ist und nach Herstellung des Neubaues auch, in absehbarer Zeit, nicht wohl in Anspruch genommen werden wird und daß ferner auch die israelitische Bevölkerung bisher in nicht unerheblichem Maße zu dm Cultusbaulasten der übrigen Confesfionen beigetragen hat. Der Gemeind erat beschloß einstimmig, der israelitischm Cultusgemeinde das fragliche Gebäude — das Abdruchsmaterial der aufftehcuden Gebäude verbleibt jedoch der Stadt — unentzeitlich zu überlaffen und ihr außerdem einen Baarzuschuß von 2M,0M Mark 5 fonds perdu zu geben, unter der Voraussetzung, daß die israelitische Gemeinde sich verpflichtet, der Stadt aus deren Verlangen das alte Synagogengebäude und gewisse anstoßende, ebenfalls der C ltusgemeinde gehörige Gebäude zu einem noch abzuschätzcndc» Abbruchswerte zu überlassen; dieser Voraussetzung schwebt der Gedanke vor, an Stelle dieser Gebäude einen össentlichen Platz anzulegen. — Der Vorschlag der Commiffion bezüglich der Darlehensgewährung wird hiernach einstimmig abgelehnt. Züllichau, 7. November. (Or.-Corr.) Wie wenig Pflege in manchen kleinen Gemeinden des Ostens das religiöse Leben findet, mag u. A. der Umstand beweism, daß am vorigm Sabbath nach einer Zeit von neunundzwanzig Jahren wieder einmal eine recht erbauliche Predigt im jüdischen Gotteshause gehalten worden ist.*) Das liegt nicht an der Gemeinde- Verwaltung, sondern an der traurigen Zersplitterung, die in Altprmßm in jüdischm Dingen herrscht. Züllichau hat eine *)Bon dem zufällig hier einer »ligiöseo Function wegen anwesenden Rabbiner Dr. Ri ppner--Slogan. stattliche Synagoge, di« in der Mitte des vorigen Jahrhundert» erbau! worden ist; sie war ursprünglich ein Reitstall und der alte Fritz verkaufte dieses Gebäude, daS natürlich mit große» Kosten zu einer Synagoge eingerichtet werden konnte, für zwei. Tausend Thaler an die Judm; der Preis war sehr hoch״ aber die Juden mußten wohl kaufen, wenn der Staat ihnen das Haus anbot. Crailsheim, 28. October. Heute versammelten sich im Cafö Joos dahier die israel. Lehrer und Vorsänger Württem-- bergs. Seit vielen Jahren war keine Plenarversammlung israel. Lehrer so gut besucht. Es wurde über verschiedene Staudesfragen berathen. Zur Leitung der Verhandlungen׳ und Ausführung der Beschlüsse wurde ein Ausschuß gewählt, bestehend aus den Herren Königsberger-Erailsheim, Bor», sitzender, Spatz-Affaltrach, Schriftsührer, Frank-WeikerS» heim und Preß bürg er-Creglingen, Beisitzer. Herr Spatz, sprach über ״Lage und Ziele". An der Debatte betheiligten sich lebhaft Königsberger, Preßburger, Pappenheimer-Mergent» heim, Ullmann - Lauchheim, Strauß-Nordstetten, Friedman«- Freudenthal, Eichberg-Sontheim. Beschlossen wurde: 1) ESsollen bei der kgl. israel. Oberkirchenbehörde noch einmal energische Vorstellungen gemacht werden, daß mit definitiver Besetzung der ohne gesetzlichen Grund (finanzielle Unfähigkeit der Gemeinde) bisher provisorisch besetzten Vorsängrrstellen (z. B. Heilbrona, Orhringen) einmal Ernst gemacht werde; 2) die Oberkirchenbehörde soll gebeten werden, die versprochene Aufbesserung der Vorsängergehalte der Schullehrer-Vorsänger vorzunehmen; 3) der Oberkirchenbehörde soll mitgetheilt wer» den, daß die Gemeinde Stuttgart bei Besetzung einer Religionslehrerstelle den Bewerbern eine Prüfung vor dem Kirchen» vorsteheramte Stuttgart zugemuthet, also den durch zwei z Bolksschullehrerexamen und zwei Vorsängerexamen erworbenen Befähigungsnachweis nicht anerkannt habe. Tie Behörde soll gebeten werden, diesem in Wüttemberg unerhörten Ge» bahren und durchaus ungesetzlichen Zumuthen im Interesse der Ehre ües Lehrerstandes und des Ansehens der bett. Prüfungscommissionen und Behörden energisch entgegcnzu» treten; 4) es soll in der nächsten Plenarversammlung darüber Beschluß gefaßt werden, ob nicht die Gründung eines Reli» gionslehrerverbandes (ohne Beeinflußung der Mitgliedschaft qer israelitischen Volksschullehrer bei dem Volksschnllehrer» verein) zur Wahrung der Standesinteressen der Vorsänger ins Auge gefaßt werden müsse. GestrrreichUngarn. J. Wien, 1. November lOr.-Cor.) Seit 1cm AmtS- Antritte unseres Kriegsministers, Edlen von Krieghammer, ist eine Einführung reactivitt worden, die stets des größten moralischen Erfolges sich erfreute, während der letzten Deren» nien jedoch nicht mehr abgehalten wurde. Die Rekruten, die alljährlich assentitt werden, haben bekanntlich den Fahneneid zu leisten, welcher aber unmittelbar nach der Stellung zu ge» schehcn pflegt; nun sind aber die als ״tauglich" Befundenen gewöhnlich durch den allzustarken Alkoholgenuß in einer nichtweniger als feierlichen Stimmung, für diesen feierlichen Akt. Der Kriegsminister, in Erkenntnis dieses Uebelstandes, hat deshalb angeordnet, daß die Eidesleistung nach Ablauf der ersten vier Wochen (vom Tage des Einrückens an) stattzufinde» habe und wurde diese heute, Vormittags begangen, nachdem in den Gotteshäusern der verschiedenen Religionsgenosseuschäften diesbezügliche Andacht« verrichtet wurden. Die isra» elitischen Mannschaften hatten sich um 8 Uhr früh unter dem Commando ihrer Vorgesetzten in Parade-Anzug in der festlich beleuchteten Synagoge Seitenstettengasse eingefunden, woselbst^ als Delegirte des Kriegsministeriums mehrere Ordonnanz» Officiere fich versammelten,, während der Bethausvorstand | durch seine Mitglieder Leopold Langer, Jacob Moor, Heime. Feltschcr und Adolph Stiaßny sich repräsentiren ließ. Weniges Minuten, nachdem die jungen Krieger dir - augewies««» Plätzr) besetzt hatte», begann die Saamynr Mit bau