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Israelitische Wochenschrift · 1894-11-09 · 45 (9.11.1894) · p. Seite 351

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
45 (9.11.1894)
Date
1894-11-09
Page
Seite 351 (sequence 5)
Language
German
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tv S Verbot der 2 Regierungspräsidenten »nach inzwischen angr- ״stellen Erhebungen sofort aushob." Wenn die »Kreuzztg." trotzalledem für ein »allgemeines Schächtverbot" plädirt, so ^eigt sie, daß sie unter Geringschätzung der Wissenschaft bereits bis zu dem verwerflichen Standpunkt religiöser Vnsolgungssucht herabgesuuken ist. Magdeburg. Wir entnehmen der »Krcuzzeitung" noch folgende Notiz: Tie »Christliche Welt" hatte kürzlich einen Anfsatz gebracht, in welchem sie versuchte, »die Werthlosigkeit der biblischen Geschichte des Alten Testaments für den christ- Lichen Religionsunterricht" nachzuweisen; ihre Ausftihrungen liefen daraus hinaus, daß die »alttestamentlichen Sagengestalten lein Umgang für Christenkindn sind".— Dazu bemerkt der bekannte Baseler Professor der alttestamentlichen Theologie, von Örelli: »Wir haben diesen Bankerott schon lange vorausgesagt, seine Tragweite ist eine enorme. Zwar versichert der Per» fassn, Christus soll der Maßstab sein für das, was man aus dem A. T. noch beibehalte. Das heißt man aber vor Jesu «in Knie beugen und ihm gleichzeitig in'S Gesicht schlagen. Wenn Jesus sich über die Göttlichkeit und Heiligkeit des im A. T. Erzählten dermaßen getäuscht hätte, wie könnte er noch Autorität für die Heutigen bleiben! Eine sonderbare Rolle spielen übrigens die Herren Rade und Genossen, welche im christlich.socialen Kongreß darum beten, daß dem Volke der Glaube erhalten bleibe, und dann in ihrem Blatt solches Gift deS Unglaubens dem gebildeten Publikum ausschenken, das «uf die Gebildeten unserer Zeit sicher wirkt, zumal es noch «ine christliche Ettkette trägt, aber eben deshalb viel gefährlicher ist, als die plumpen Geschosse, welche die Sozialdemotraten gegen die Bibel schleudern. Diese Herren würden wir beim nächsten Kongreß jedenfalls zur Kirchenbuße auffordern." Berlin. 7. Nov. Der noch unausgeklätte sensationelle »Fall DreyfuS", über welchen die ganze anttsemitische Emeute wie auf ein gegebenes Commando hergefallen ist, veranlaßt die heuttge »Volkszeitung" zu folgender Aeußnung: »Ueber die Verjudung der Spionage klagen antisemitische Blätter in den beweglichsten Töne», weil der französische Hauptniann DreyfuS in dem Verdacht steht, an Italien sranzösischc Militärgeheimnisse ausgeliesett zu haben. In der That, wenn die Juden den Ariern auch auf diesem Gebiete Konkurrenz zu machen beginnen, was bleibt denn dann schließlich noch den bedrängten Ariern übrig? Wie es zur Zeit um. die Affaire DreyfuS steht, ersehen wir aus einer Pariser Zuschrift der »Sttaßburger Post": »Die mannigfaltigsten, oft widersprechendsten Gerüchte und Muthmaßungen sind in den letzten Tagen in Umlauf gesetzt worden, um die Schleier, welche die Angelegenheit bedecken, zu lüsten und die Wahrheit zu entdecken. Vorläufig muß man jedoch gestehen, daß keine dieser Bermuthungen Stand hält, ja noch wehr, man muß, sofern man gerecht und billig utteilen will, zugcben, daß eiegntlich nichts feststeht, als etwa die Thatsache, daß Hauptman» DreyfuS seit 20 Tagen iia Militärgeiängniffe in Hast fitzt, und daß der Verdacht de- Landesverrats aus ihm lastet. Alles Uebrigc mag mehr oder minder wahrscheinlich oder auch unwahrfcheinlsch sein, bewiesen ist eS jedenfalls nicht. Es fehlt nicht an Stimmen, welche kühn die Unschuld des Angeklagten vertreten, auf seine glänzende Laufbahn verweisen, von seinem bei früheren Gelegenheiten gezeigten Patriotismus sprechen. Sollte «s sich hier etwa um ein Versehen oder gar um bös- Willige Verleumdung handeln. Man spricht von a«tise«i tisch«» Wühlereien, von einer Kalle, die dem Hauptmann gestellt worden sei und in der man daganze französische Judenthum zu sangen beabsichtige." Zwar nennt die »Straßb. Post" diese Vermuthung ungehcuerlich. Aber warum denn? Die stärkste Wahrscheinlich- «it spricht für diese Vermuthung. weil die Snttsemiten nicht zögern, den einen Fall DreyfuS sofort dem gesammten Jtwenchum in die Schuhe zu schieben. V Knuipadt. Ende October. (Ot-Corr.) Die jüdische ijAemeinde in Fraustadt, die stet» eine friedliche und vetträggewesen ist, i» der schon voc einem halben Jahrhundert " PvSigt GWstegt wort«» ist, ist -< Patteiungen zerklüftet. Ein Harmonium stött die Harmonie. Ter Vorstand und die Repräsentanten haben den Beschluß gefaßt, das Harmonium, das schon vor vielen Jahren gestifttt worden war, auch an Sabbaten und Festen spielen zu lassen und geregeltem Lhorgesaug einzusühren. Ter Rabbiner. Herr Groß, ein hcrvottagender Talniudist, und streng religiöser Mann, wurde angefragt, ob rituelle Bedenken dieser Neuerung: gegcnübnstehen, und er konnte natürlich als ehrlicher Mann nur seine Ueberzeugung aussprechen, die dahin ging, daß unser RituS die Einführung des Jnstrumentalgeianges beim Gottesdienst« nicht verbitte. Ueber die Opportunität der Nennung hat er sich nicht geäußett, da der vnständigc aber durch körperliche Leiden nirdergebeugte Mann übn die Grenzen seines Amtes nicht gnn hinausgeht. Tie Freunde der Neuerung sind friedlich gesinnte Männn und hätten sich vielleicht die Sache überlegt, wenn sie geahnt hätte», daß daraus eine Spaltung entstehen könnte. Abn einige conservativr Henen fühlten sich verletzt, mehrere andere Mitglieder, die persönlich auf einem durchaus srttsinnigen Standpunkt stehen, schlossen sich den Conservativen an, und ein vielgenannter Hen, der von Geburt ein Pole jetzt in Deutschland naturalisitt ist, und seit Kurzem in Franstadt wohnt, half mit sttnem organisatorlschen Geschick, so daß die Gegner des Harmoniums einen eigenen Gottesdienst errichteten. Tn Rabbiner, der seit achtundzwanzig Jahren in Fraustadt wirkt und dein dn Friede dn Gemeinde über alles theun ist, hat in diesen Minen einen schweren Stand. Es ziemt sich offenbar für einen Rabbinn nicht, gegen die officielle Vertretung zu revoltiren und der Bettretn einn Minderheit zu wnden, obendrein wenn die Gemnnde- Vertretung ganz konekt vorgegangcn sind. Es werden durchaus falsche ׳Gerüchte verbreitet, um die Orgelsreunde bloßzustellen. Am Feste spielten zufällig vor dem Betlokale, das in dn Nähe des Polizeihauses liegt, eine große Anzahl von Leinmännern, die von dn Polizei zu diesn Stunde bestellt waren, um ihre Kunst zu zeigen; so heischt es die Ordnung des Landes. Die Konservativen abn sahen in diesem unglücklichen Zufalle, als so viele Leinkisten mitten im Gebete ihre bösen Künste offenbattcn, eine Chikane dn Freisinnigen; diese abn waren an diesn musikalischen Störung durchaus unschuldig. Auch wurden sie verdächtigt, die Intervention den BürgermeistnS gegen die Konservattven anzurusen und die Polizeiliche Schließung des konservativen Bttlokals beantragt zu haben. Auch diesn Vndacht ist ganz grundlos. Das religiöse und gesellige Leben untn den Juden Fraustadts leidet durch diesen Streit. (Tie Freisinnigen könnten, ohne - ihren prinzipiellen Standpunkt aufzugeben, doch den Konservativen entgegenkommen und vorläufig die Instrumentalmusik für Sabbath und Festtage ausheben. Vielleicht daß in einigen Jahren diese Neuerung ganz friedlich und ohne jedes Widerjttebcn durchgesetzt wird; religiöse Neformcn sollen nicht gewaltsam, nicht durch Unlerdttickung der Minderheit eingesühtt werden. Auf beiden Seiten ist offenbar die Neigung zum Frieden vor- Hunden und der Herr Rabbinn hat den lebhaften Wunsch, den Streit zu schlichten. Wir wiederholen hin einen Satz deS wahrhaft freisinnigen Zunz, einen Satz, der jüngst in diesen Blättern cititt worden ist, und dn, ttotzdem er schon zweiundsechzig Jahre alt ist, an seinem Wetthe nichts verloren hat Zunz. dn Freund der Orgelklänge und deS Chorgesanges, sagt in seinen »gottesdienstlichen Vorträgen," S. 491: »Äntracht ist indeß die wohllautendste Harmonie. Mögen daher Orgel nnd Chorgesänge immnhin wegbleiben, wenn sie allein in dn Gemnnde nnstlichen Zwiespalt er» regen.") Stratzburg 1. E. (Schluß von Nr. 43.) Dn Bericht über den Antrag des isr. Eonsistoriums an den Gemnnderath um Gewährung eines Zuschusses seitens dn Stadt zu den Kosten des Neubaus einer Synagoge lauttt: In den Jahren 1883 und 1864 mußte bereits eine Erwrterung de« GynogogengebSude« vorgenommen »erden, zu deren ״ " ‘ ge »!•» 71)000 -»nie» die Stadt ein Drittel

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