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Israelitische Wochenschrift · 1894-11-09 · 45 (9.11.1894) · p. Seite 353

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
45 (9.11.1894)
Date
1894-11-09
Page
Seite 353 (sequence 7)
Language
German
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353 Bvrtrage des Ma towa durch Obercantor Singer, welchem der Psalm .Lobet Gott den Herrn" mit Begleitung des ' Tempelchores folgte. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Jonathan Wolf die wohldurchdochte Festrede, in welcher er die hohe Bedeutung der Feier klarlegte und bemerkte, daß es schon eine Bibclstelle gäbe, welche allen männlichen Unterthanen vom ^zwanzigsten Lebensjahre vorschrcibt, sich dein Militärdienste zu! widmen; namentlich sei es heutzutage höchst ehrenvoll, den Rock des Kaisers zu tragen, der auf seine Fahne das Wörtchen ,Frieden" geschrieben und auch ein Friedcnssiirst in vollstem ■. Sinne ist. Mit dem Gebete für das Wohl des obersten Kriegsherrn endete die schöne Rede mit den Klängen der Bolkhymne, die vor der geöffneten Bundeslade ertönten, unter welchen die Rekruten das Gotteshaus in weihevoller Stimmung »erließen, um in die Casernen einzurücken, woselbst in An- Wesenheit der Brigadiers der Eid geleistet wurde. rr«hlanv. Odessa. Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der ׳ Stadt sind kürzlich großartige Feste in Odessa gefeiert worden. Bei dieser Gelegenheit hat der ״Odeßki Listok" eine Geschichte der Stadt veröffentlicht, in der natürlich die jüdische Bevölkerung einen bedeutenden Raum einnimmt. Wir geben hier einige Auszüge aus den Nummer» vom 10. Augnst und 11. September nach der Urbersetzung des neuesten Monats- Lerichts der Alliance Jsr." Das erste Erscheinen der Juden in Odeffa reich» bis gegen die Mitte des XVIII. Jahrhunderts zurück. Das erwiesenerniaßen älteste Grab auf dem jüdischen Friedhof stammt aus dem Jahre 1748. Im Jahre 1798 hatte das Kollegium der Gemeinde ein BerzeichniS der Großhändler und kleine» Kaufleute anscrtigen lasten; .־ nicht ein einziger jüdischer Name befindet fich unter den Handeltreibenden der erste» oder zweiten Gilde. Unter den Kaufleuten : der dritten Gilde befand sich ein einziger jüdischer, der einen jährliche» Umsatz von 2000 Rubel hatte und els Kinder besaß, sämtlich Knaben. Die ersten »ach Odesta kommende» Juden waren säst samt-!ich Handwerker. Deshalb gehörten auch die ersten Geschäftssührcr des im Jahr« 1797 in Odessa geschaffenen ArbeitS-AmteS fast alle der jüdischen Konsessio» an. Der Obermeister des Amtes, wslcher mit ausgebreiteten Machtvollkommenheiten ausgestattet ( «ar und den Rang eines Staatsbeamten 8. Klaffe hatte, war ein Jude, namens Machka Benimowisch. Andere Juden, die aus cnten derbem Westen gekommen waren, waren die ersten LieserStadt. Die officiellen Urkunden jener fernen Epoche bestätigen, daß die Juden selbst damals nicht gerade ein angenehmes Leben in , Odesta führten. (Schluß folgt.) ^.Nkueste und vermischte Nachrichten. Perlt«. Die Simon, Hermann und Ella Böhm 'sche Stiftung! bezweckt, alleinstehenden, ganz oder theilweise erwerbsunfähigen, 'würdigen Personen weiblichen Geschlechts, für welche Mittel der ^polizeilichen Armenpflege noch nicht ausgewendet find, einmalige ,Unterstützungen zu gewähren. Die Bertheilung erfolgt am 10. Sanuar, 31. Mai, 12. Juni und 5. August k. I. und zwar in aten von 100—4M Mk. derart, daß zwei Drittel des verfüg- Kren Betrages Personen christlichen Glaubens und konsesfions- »losen Personen, ein Drittel Personen jüdischen Glaubens erhalten. ' ' Berlin. Dem Verein zur Ausbildung jüdischer Kranken-!,Negerinnen hat der Stadtverordnete Louis Sachs, der den Ber- «n begründet hat und leitet, ein Grundstück gewidmet, in welchem ' die Pflegerinnen ein Heim finden sollen. Daneben dem jüdischeu Krankenhause gelegene Grundstück ist von Herr» Sachs für 200,000 Mark angekaust worden. Berti«. Wie wir hören, heirathet der in der letzt?., Zeit Vsügenannte Oberarzt Dr. Klemperer, der Asfistent Leyden'« (der bekanntlich eine Jüdin, eine aeb. Simon au» Königsberg, m Krau hat) ein« Christin, di« aber zu» Judenthum ütartritt. kloaperer ist der Sohn de« bekannten früher» Rabbiners in Landsberg und Bromberg und jetzigen Predigers am Reformtempel in Berlin. Tie Dame stamnit aus einer sehr vornehmen Familie. Köln. 26. October. Bor einiger Zeit ttat hicrselbst, wie die ״Gei». Zeit." berichtet, ei» Comitee zusammen, um einen Verein zur Förderung und Errichtung jüdischer Ackerbaukolonie» in Palästina und Syrien zu gründen. Wenn es auch im 8 1 de» Statutenentwnrfcs heiß!: ,Der Verein hat lediglich Humanitärkulturelle Zwecke und ist jede politische oder religiöse Tendenz ausgeschlosten," so weiß man doch, daß sich darunter der ״Zionismus" maskirt. Xr. Tdorn. 30. Lclober. Für den Schemini-azercs Abend hatte der Borstand und die Repräsentanten die Sänger de» Synagogen-Chors zu einem gemüthliche» Beisammensein eingeladen. Nach einer vou dem Vorsteher Herrn T. Wo Iss cröffnete» Begrüßungsrede und nach einer längeren Ansprache des Rabbiners Herr» Dr. Rosenberg wurde» die junge» Sänger, die noch die hiesigen Schulen besuche», mit werthvollen Büchern beschenkt und dann entlaste», die älteren Sänger blieben mit den Mitgliedern der Gemeindevertretung vereint noch einige Stunden beisammen. Bei Toasten und Gesängen verflosten die Stunden gar schnell und erst a... stützen Morgen trennte man sich. München, 2. November. Im israelitischen Friedhöfe fand gestern Nachniittag 3 Uhr die Beerdigung de» im Alter von 57 Jahren verstorbenen Privatiers Herrn Felix Hoeseld, von hier statt. Dem Verstorbenen erwies außer den nächsten Verwandten eine große Zahl Leidtragender die letzte Ehre. Eiu an guten Thatcn reiches Leben hat mit dem Dahingeschiedeue» ein schnelles Ende erreich». Herr Hoeseld war ein stets hilfsbereiter Wohlthäter, der ohne Unterschied der Konfession jedem Arme» seine Unterstützung gewährte. Sein Hinscheiden rief bei Allen, die ihn kannten, die schmerzlichste Theilnahme hervor. Das Mitglied der hiesigen Loge ,zur Kette", Herr Binder, legte unter einer ergreifenden Ansvrache Namens der Loge, der Vorstand der Gesellschast ״Konkordia" Namens dieser einen prächligen Kran; am Grade nieder. Mühlhausen i. Elsaß. 22. October. (Or. Corr.) Vorige Woche Abend hielt Missionar Laub von Straßbnrg, Angehöriger der ״Basler Gesellschaft oer Freunde Israels״, hier einen Vortrag über die Evangelisation der Juden. Missionar Laub hat diesem Werke schon eine Reihe von Jahren gedient, zuerst für die eng. lisch« Gesellschaft in Nordastika, nameutlich in Tripolis, wo. nach seiner Angabe, ein sehr segensreiches Feld war, dann in Pari», unter den zahlreichen dort ansäffigen russischen Juden. Jetzt ist er von der Basler Gesellschaft angeworben worden für Elsaß, Württemberg und Schweiz, wo er sehr schlechte Geschäfte macht und sehr bald sich gewungen sehen wird ein andere» Feld auszusuchen. Wien. Die Wittwe nachdem vor einigen Tagen verstorbenen Victor Ritter von Boschan, Frau Julie von Boschan, sendete aus Anlaß des Hinschcidens ihres Gatten an den Bürgermeister 1000 Gulden zur Bertheilung, an die Chewra Kadischa 300 Gulden, an den Verein für Krankenpflege und Unterstützunghandlnngsangehöriger Israeliten 3M Gulden, an die Armen- Anstalt 10M Gulden österreichischer Währung. Soli«. Eine eigenthümliche Grabschrist wurde auf dem hiesigen Friedhöfe aufgesunden. Im Jahre 1893 war in dieser Staat, wie seiner Zeit berichtet wurde, das Dienstmädchen Marie Havlina, welches daselbst bei einer jüdischen Familie bedienstet gewesen war, als Leiche aus der Elbe gezogen worden. Ta von gewistenlosen Agitatoren da» Gerücht verbreitet war, daß die Magd das Opfer eines rituellen Morde» geworden sei, kam es damals Hierselbst zu großen Excesten gegen die Juden. Dieser Tage fand man nun aus dem Grabhügel des Mädchens ein Holzkreuz aufgestellt, welches auf einer Messingtasel folgende Injchrist trug: ״Hier ruht Marie Havlina. Sie starb in fügend» ljchem Alter nach furchtbaren Schmerzen vor den jüdische» Feiertagen." Der Vorsteher der jüdischen EultuSgemeinde ries nun die Intervention der Bezirkshauptmaunschast an, welche das Kreuz mit der austeizenden Inschrift entfernen ließ. Zugleich wurde Untersuchung gegen biefenigen eingeleilet, welche da- Kreuz ausstllen ließe». Amerika. Miß Meredith, die berühmte amerikanische Traaöbin, tritt zu« Judenthn« über, um, wie an« Lleveland, Ohio, mitgecheitt »ird, den d«ktig«a Milliardär Lipmann zu heiraten.

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