Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 44 (2.11.1894)
- Date
- 1894-11-02
- Page
- Seite 344 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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3!זג Erläuterung des tendenziös ausgebeutrten Bor. ganges mögen folgende verbürgte Thatsachen dienen: Vor etwa acht Wochen ließ hier ein größeres christliches Manufakturwaaren-Geschäft, die Firma H. Silben, eine Petition an die Polizeibehörde zirkuliren, welche bezweckte, von den gesetzlich freistehenden Sonntagen für zwei aufeinanderfolgende Sonntage im Monat Oktober die Erlaubniß zur Oeffnung der Geschäfte zu erlangen. Diese Petition, welche dem hies. kaufmännischen Vereine vorgelegt und von diesem befürwortet worden ist, trägt die Unterschrift von 34 Firmen. Bon diesen sind 24 in christlichen und nur 10 in jüdischen Händen. Belgard i.P. Auch wir hatten daS zweifelhafte Vergnügen einige Antisemitenhäuptlinge zu hören. Unleugbar haben diese Brandreden der jüdischen Kaufmannschaft geschadet, ohne Zweifel dringt dieses Gift des Hasses und Zwistes immer mehr in die Masse des Volkes ein und dennoch wird und muß diese Giftpflanze verdorren, das deutsche Volk , wird wieder gefunden.. Seit 4 Jahren gehört der jüdische Lehrer. L. Kamerase dem Vorstande des hiesigen Bildungsvereins an. er wurde stets einstimmig von sämmtliche» Nichtjuden gewählt. Dieser Verein ist der größte am hiesigen Platze, es gehören zu diesem der Kaufmanns- und besserer Handwerker- Stand. Bei der diesjährigen Generalversammlung wurde zwar im Süllen gegen dm jüdischen Lehrer und Prediger agitirt, doch ohne Erfolg, der aufgestellte Gegenkandidat brachte es trotz aller Bemühungen nur auf 9 Stimmen. Man ersieht hieraus, daß allerdings der AnttsemittSmus in Pommern blüht, aber es gicbt doch noch viel gesundm Bodm, auf dem diese Giftpflanze nicht gedeiht und die erwattetm Früchte auch nicht trägt. Dieser gesunde Boden ist der gesunde Sinn unseres gebildeten Kaufmanns- und Handwerkerstandes. Speyer im Oktober. Zu der Ausstellungs-Prüfung der Schuldimstexspektantm für das Jahr 1894 war auch diesmal der Bez.-Rabb. Dr. Landsberg aus Kaiserslautrm durch Erlaß der König!. Regierung vom 20. Sept. zum Mitglied der Prüfungskommission emannt und als solcher hierher berufen worden. Tie von der König!. Regierung von Bez.-R. Tr. L. eingefordetten Themata für die schriftliche Prüfung lautete: A. Aus der system. Religionslehre: ,Was versteht man unter Andacht und welches find die Mittel, dieselbm zu erhöhen?" — B. Aus der Kirchengeschichte: ,Moses Mendelssohn und seine Bedeutung für's Judenthum". 6. Aus dem Kirchmdimst: ,Die Gottesdimstordnung für die sogen. Halbfeiettage und kurze Inhaltsangabe der wichttgstm Gebete". Die mündliche Prüfung fand am 12. d. M. statt und zwar auS folgmdm Gegenständen: 1) Religionslchre, 2) Jüdische Geschichte und Literatur, 3) Hebr. Gramattk, 4) Bibelübersetzm und Bibelkunde. — Der Prüfung wohnte die zu diesem Zwecke gewählte Commission für sämmtliche — auch nichtjüdische — Candidaten bei. An der Prüfung nahmen drei amttrmde Volksschullehrer theil. ®«fUnrcidj^Jtitgarn. Wien. 21. Oft. (Or.-Corr.) Ihr Korrespondent Herr E. Sch. hat in Nr. 42 gelegentlich einer Beleuchtung der hiesigm jüd.-bibliothekarischen Verhältnisse auch einm Tadel gegm den Leiter der isr. Gemeinde-Bibliothek ausgesprochm. den ich entschieden zurückiveism muß. Der betreffende Herr — an und für sich schon durch seinen Charakter wie durch seine Gelehrsamkeit allgemein höchst geachtet — kann der Mitbegründer dieser Bibliothek und Schöpfer dessen genannt werden, was im Lause weniger Jahre aus ihr geworden. ״Mit einem Stabe bin ich über den Jordan gegangen und nun zum Doppellager geworden"; diese Wotte des Erzvaters passen auf ihn und sie. Die bei den zugebote stehenden Mitteln überraschende Reichhaltigkeit, wie die einsichttge Berwaltung, haben das Institut auf die Höhe ihrer Aufgabe emporgebracht und zum Gegenstände der Wertschätzung gemacht. Jedem kann man es sittlich nicht recht mache», so mag sich die angegriffene Verwaltung mit der Zufriedenheit ZI und Anerkennung seitens des interessierten Publikums, befc Vorstandes, der vielen Professoren und Lehrer, Studtttte»^ jüd. und auch christl. Literaten begnügen, welche auS diesen».^ Borne zu schöpfen immer aufs neue sich angeregt fühlen und>. hier jederzeit freundliches Entgegenkommen und gute BerathnngF^ finden. 3. M. T. Wien, 21. Oktober. (Or.-Corr.) Unter außerordält^-1 lich reg« Betheiligung fand heute Nachmittag das Leichen-»^-- begängniß des so Plötzlich verschiedenen Prof. Dr. LudwigA!, Mauthner statt. Im Trauerhause, woselbst die Ceremoni»^ durch den Borttag der rituellen Gebete durch Ofaxantor^' Singer unter Assistenz des Tempelchores eingeleitet wurde^j bemerkte man den General-Intendanten Baron Bereczny^A) F. Z. M. Baron Till«, Baron Liliena, Hosiath Baron i'■ Westermayer, Graf Dubsky, Bürgermeister Dr. Grübl mit^ 1 zahlreich« Gemeindrräthcn, sämmtliche Profeisorm dn versität, sowie die zahlreichen ärztlichen Tollegen des 830*^1 storbenen. In ein« unabsehbaren Wagenreihe ׳gaben ihm bie־/) Meisten das letzte Geleite zum Tenttalfriedhofe, woselbst Herr/ Ober-Rabbinn Dr. Güdemann die folgende, Allen zu Herze»? gehende Traunrede hielt:. f ,Wenn man da- Leben wechselvoll und mannigfaltig nennt, L so spricht man damit ein kaum begründetes Urtheil aut. Div^H Mannigfaltigkeit ist nur scheinbar, in Wirklichkeit ist da- Leben.׳) für die meisten Menschen einförmig, eine stete Wiederholung. ) Dagegen muß Derjenige, den sein Beruf oft an diese Stätte führte -|! bekennen, daß der Tod eS mit dem Leben an Mannigfaltigkeit-, aufnimmt. Er ist ein Dichter, an desien Phantasie kein andererheranreicht. Er schreibt Romane, deren Kürze im umgekehrten.^ Berhälwiß zu ihrer Erschütterung steht und mit kalter Hand ent- )? wirst er Schauergemälde, wie sie der größte Künstler nicht auf? die Leinwand zu zaubern vermag. Hier an dies« Bahre hat er ■j al- Tragiker gewaltet. Man erzählt von jenem orientalischen׳^ Dichter, d« den Namen de» paradiesischen fühtt, daß er nach einem entbehrung-reichen Leben als Leiche auS einem Xffott il] der Stadt hinausgetragen wurde in demselben Augenblicke, in welchem in daand«e die Boten de- Chalisen einzogen, beladen es mit reichen Geschenken, womit er den Dicht« ehren und au»- - ׳) zeichnen wollte. Dir Geschenke kamen zu spät, denn der Tod war zu früh gekommen. Er hatte eine Tragödie entworfen, deren.) Gegenstand der Dichter selb« war, und « ist, wie immer, in de».;' künstlerischen Wettbewerb Sieger geblieben, ' i Ebenso wie jenem Dichter, ist rS dem vorzüglichen Manne /j ergangen, an desien Bahre wir stehen. Siebzehn Jahre hat er,'/-) wie er selber eingestand, nach dem Lorbe« gerungen, den er als heißbegehrten Lohn seineunermüdlichen Stteben- und seiner-, hervo«agenden Tüchtigkeit bekachtete, nach d« Berufung auf -: eine ordentliche Lehrkanzel seine- Fachean d« hiesigen Hoch--׳) schule. Ab« d« Tod hat dafür gesorgt, daß dieser redlich erfiegte- Lorbeer ihm nur noch um daentseelte Haupt gewunden werden ״ kann, und der Mann, der sein ganze- Leben der Erkenntniß bc*s Augegewidmet hat, dn diese Erkenntniß durch geniale Forschungen ך bereicherte und der als ausübender Arzt so Manchem da» lang» Z entbehrte Augenlicht wiedngab, « mußte seiue Augen für immer) schließen, in dem Augenblicke, in welchem « wie Mosedage» lobte Land sein« Sehnsucht vor sich liegen sah, da» « ab« wie Moses nicht betteten sollte. So wollte e» jen« Dicht«, der mit rauher Hand die besten Entwürfe de» Menschengeistes zerstört, um seine eigenen an ihre I Stelle zu setzen, so wollte ejen« Tragik«, der keine fünf Akte;1 braucht, um un» zu erschüttern, sondern dem ein Augenblick 0e»j nügt, um die größte Freude in ttefste Trau« zu yerwandckn, sol wollte eder Tod. D« Tod? Rein, da» soll nicht unser letzte»^ Wott sein. Ueb« dem Tod« steht »och ein größer« Dicht« und) ein ttostreich«, daist d« Glaube.