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Israelitische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · p. Seite 336

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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zugänglich zu machen. Offenbar hat die Begeisterung und der Vortrag des Redners die Wirkung wesentlich in günstiger Weise beeinflußt. DaS Thema war: ,Die Volksversammlung, welche immer nach je sieben Jahren im alten Israel stattfand und in welcher die Thora vorgelesen wurde." Der Gegenstand ist so behandelt, wie es für eine so große Gemeinde sich ziemt. Aber das gedruckte Wort ruft doch einige kritische Bemerkungen hervor. Die Volksversammlung wird vom Redner nach den Thsilm des Feststtaußes gegliedert; die Männer das sind die Palme, die Frauen der Esrog, die Jugend die Myrthe, aber für die Bachweide bleibt bleibt dem Dr. Guttmann nichts übrig. Auch einige exegetische Kunststücke, die Dr. G. anwmdet, sind nicht gestattet. Wenn der Talmud אדם (Mensch) sagt, so darf G. es nicht Mann im Gegensatz zum Weibe übersetzen. Wenn der Talmud sagt: Ter Esrog gleicht dem .Herzen", so darf G., so gut es ihm auch paßt, nicht Fra uenherz dafür substttuiren. Auch ist es nicht der geringste Vorzug der von Mose angeordneten Volksansammlung, daß auch der Fremdling dazu gehötte, .dein Fremdling, der in deinen Thoren weilt". Diesen Passus läßt G. ganz außer Acht. Und doch ist er von der größten Wichtigkeit besonders für eine Behandlung des Thema's in heutiger Zeit.*) Rhede (Kr. Borken i. W.), 19. Oktober. Dem Infanteristen Cleffmann, dem Sohne eines hiesigen jüdischen Bürgers, welcher erst im ersten Jahre in Mörckingen dient, wurde bei Gelegenheit des diesjährigen Manövers von Sr. Majestät eine ganz besondere Auszeichnung zu Theil. Es war dem jungen Krieger nämlich von unserm Kaiser persönlich eine goldene Uhr überreicht und erhiehlt er außerdem die Schießschnüre. Mitglieder derselben Familie habm sich schon mehrfach im Heere bewähtt; so hat der Onkel des besagten juugen Mannes, Herr David Cleffmann (Küster der israelitischen Gemeinde zu Wesel) die sämmtlichm Feldzüge mit Oesterreich und Frankreich ebenfalls als tüchtiger Soldat mitgemacht. Aus Lachten. 21. Oltober. (Or.-Corr.) Aus Anlaß der Stadtvervrdnetenergänzungswahl in Dresden hatte sich daselbst laut dem ״Chemn. Tageblatt" auf Anregung aus conservativen Kreisen ein Bürgercomits gebildet. In der dritten Sitzung schieden aber die Reformpatteiler aus, da sie den langjährigen Vorsitzenden des Stadtverordnetencollegiunis, Herrn G-h. Hostath Ackermann, nicht als Candidaten aufftellen wollten. Ich kenne den Herrn Hostath nicht weiter, habe chn aber als bedeutenden Parlamentarier oft genug nennen hören und glaube, daß er als solcher auch dem deutschen Vaterland allgemein bekannt ist. Gerade die Dresdener Resormpattei beweist, welchen Dank die die antisemitische Pattei der conservativen für deren Unterstützung weiß. Bei der letzten Reichstagswahl in Dresden mußten schon zwei hochbedeutende Eonservattve — darunter Eckermann — den Antisemiten weichen und jetzt soll Ackermann auch aus dem Stadtverordnttencollegium verdrängt werden durch die — Reformpattei!! I Westfale«. Eine in New - Jork erscheinende jüdische Zeitung macht den Amerikanern das zweideutige Compliment, daß sie noch nicht die schlechtesten Juden sind, die in Westfalm seien noch viel schlechter, die wollen das ganze Judenthum beseitigen. Darauf erwidett die in Eineinnatt erschtt- «ende .Deborah": ״Tie New-Iorkettn ist das Echo der Mainzer und der Berliner orthodoxen Organe, die den Stab gebrochen über die Jüdengenossen in Westfalen. WaS ist aber in dem verrufenen Westfalen geschehen? Herr Rabbiner Dr. Bogelstein hat das alte Gebetbuch mit einigen Abänderungen nach dem Muster des .Minhag Amerika" neu herausgegeben für die Gemeinden jener Provinz, und mit einigen 1 Ganz im Sinn« des Referenten hat auch der Rabbiner Dr. Ad. Schwarz in einer seiner 1884 (Karlsruhe. I. Bielefeld) ver- Sffenilichte» Feftprediyien, die dasselbe Thema (.Ein jüdisches Bolks» fest") behandelt, den Tex« ausgesührt. Nach den Ansprachen der einzelnen Festsymbol« an die Männer, Frauen und Kinder, läßt er auch die .Bach, weide" den .Fremden" ein beberzigenswenhes Wott zurusen, ,denn — heißt es daselbst — Israel darf niemals vergesse«, daß sei«« Aufgab« darin besteh», all« Menschen zu «ine« Buude zu vereinigen." Zusätzen versehen. DaS ist freilich im Sinne der stayrw Orthodoxie ein Kapitalverbrechen, über doch nicht so schlimm wie jme Organe eS machen. So lange man für Gemeinde« ein Gebetbuch herauSgiebt, daS die erhabenen Lehren deS Judenthums, wenn auch nach den Aufstellungen eines Maimonides, eines Joseph Aldo oder eines Steinheim, zum Ausdrucke bringt, ist das Judenthum lebendig und kräftig im Brwußttcin der jüdischen Massen; denn wäre das nicht der Fall, brauchte man gar kein Gebetbuch für jüdische Gemeinden. München. 21. Oktober. Gestern, Sonnabend, starb hier Dr. med. Max Perles, der ältere Sohn unseres im vorigen Jahre verstorbenen Rabbiners s. A. Derselbe hatte mit einer experimentellen Studie über das Solanin einen Preis der medicinischm Facultät gewonnen und gelangte 1890 zur Promotton an der hiesigen Universität. In Berlin hatte er zuerst im hygienischen Universitätsinstttut gewirkt. Sodann ttat er bei der Hirschberg'schen Augenklinik als Assistent ein. Er veröffentlichte außer mehreren Beobachtungm über Krankheiten der Netzhaut, über Pigment-Staar bei Zucker-Harnruhr und über Allzemein-Jnfectton vom Augeninnern aus mikro» skopische Untersuchungen über die sogenannte perniziöse Anaemie. Er stand erst im 28. LebmSjahre. — Sein ebenfalls begabter jüngerer Bruder Felix studitt am Breslauer Rabbinerscminar. Straszburg, den 17. Oktober. (Or. Cor.) Ich beehre mich, den gefl. Leser Ihres hier im Elsaß gerne gelesenen Blattes, den Besicht der 1 u. 3 Commission über die außerordentliche Sitzung des hiesigen Gemsinderats vom 17 Oktober, bettest des Anttages des israelittschen ConsistosiumS des Unter-Elsaß auf Gewährung eines Zuschusses ssitens der hiesigen Stadt zu den Kosten des Neubaues sinn Synagoge für die hiesige israelittsche Gemsinde. (Wir müssen Raummangels wegen den ausführlichen Besicht für nächste Nummn zurücklassen und thsilm heute nur das erfreuliche Resultat mit, daß dn Gemsindnath den gewünschten Bauplatz unentgeltlich zu übnlassm und 200,000M. Baarzuschuß ä fonds perdu zu geben einstimmig beschlossen hat.) Oefterreich»Nngarn. Wien, 20. Osiobn. Profsisor Dr. Ludwig Mauthner., dessen Berufung auf die Lehrkanzel dn nsten Wiener Augenklinik gestern amtlich gemeldet wurde, ist heute NachtS, 54 Jahre alt, plötzlich einem Herzschlag erlegen. Er war 1840 in Prag geboren und machte ssine medisinifchen Studien in Prag und Wien. Bnsits als Student ttat n mit wissenschaftlichen Arbsiten hervor. ES erschienen von ihm 1859 in den Besihrten dn Wienn Akademie dn Wissenschaften Untnsuchungm übn dn den Bau des Rückenmarks dn Fische. In ssinn Sonderwissenschaft, dn Augenhsilkunde, bildsie « sich untn dn Leitung von E. Jüan auS. Nachdqn n 1861 zum Doctor promovirt hatte, war n längne Zeit Assistmt Jägers. 1864 habilisie n sich als Psivatdocent an d« Universität Wien. 1869 wurde er zum ordentlichen Profsisor an dn Universität Innsbruck berufen. 1877 gab n dir Professur auf und nahm ssine Lehsihättgksit in Wim al» Psivatdocent wiedn auf. Krankr«t«h. Paris. 20. Ocktobn. Profsisor James Darmesteter ist gsitnn, 45 Jahre alt, gsitorbm. Er stand untn den Osimtalistm dn Gegenwatt mit in dn nstm Rsihe, und war als orscher ungemein vielseitig. Am schärfsten ttetm in deckt ilde ssines Schaffms die vnglsichend-rrligionSwissmschaft^ lichm Fosichungm hervor. Den Untngrund diesn bildm dir« sprachvnglsichmbm Studim. Am msisten pflegte Darmsitetn von dm sinzelnm orientalischen Sprachen das Persische. Ssine Arbsit hierin war sehr breit angelegt. Nicht uur die Sprache, sondnn nicht wenign' Litnatur und Kultur fsiselten ihn. 1849 zu EHSteau SalinS im Mmtthe-Depasiemmt geborm, wandte sich JameS Darmsitsier, sin jüngnn Bruder. deS Romanistm AsiSne Darmsitetn, zunst dem RechtSstudium zu.

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