Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 43 (26.10.1894)
- Date
- 1894-10-26
- Page
- Seite 337 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 337 Erft, nachdem er dieses zn End« gebracht hatte, begann er unter der Leitung deS Bayern Br6al, eines Schülers von Bopp und Weber, das Studium der orientalischen Sprachen. Bereit» 1875 trat er mit der erste» Arbeit, einer Studie znr Mythologie des Avesta an die Oeffentlichkeit. Bei seiner Promotion gab er zwei Jahre später die Schrift -vrrnurä und Ahriman, leure origines et leur histmre« bekannt, von der Universität Oxford wurde Darmesteter kurze Zeit später der Auftrag ertheilt, für deren Sammlung der heiligen Bücher des Orients eine Uebertragung deS Zendavesta zu liefern. Aeetzland. ׳Odessa, 15. Oktober. Die Juden werden, wie man der ,Times״ schreibt, jetzt aus der jftim auSgetrieben. Aus Tiflis, Kutais und anderen Orten deS Kaukasus wird gemeldet, daß Juden dort nicht zu Stadwerordneten gewählt werden dürfen. Bon 273 Juden, welche in Odessa die öffentlichen Schulm befriedigend absolvirt und um Zulassung zur Universität gebeten haben, ist nur 7 (sieben) dieses Recht gewährt worden. In der Universität Kiew sind von 197 Applikanten 39 als Studenten ausgenommen worden. (Dafür aber werden in Frankreich von den Juden Gebete um Genesung des totkranken Zaren verrichtet. Nun: הקול קול יצקב, wenn auch: ודדים יהי עשו.) Neueste unö vermischte Nachrichten. Magdebur!. Dem energischen Betreiben des Eentral-Berein beulscher Staatsbürger jüd. Glaubens ist eS gelungen, die Vcr- «rtheilung des Redacteurs der ,Tägl. Rundschau" (Dr. Lange), der auch die ,Bolks-Rundschau" redigirt, dafür herbeizuführen, daß derselbe bei Gelegenheit der Besprechung des Hannoverschen SpielerproceßeS in bekannter antisemitischer Verallgemeinerung-- monier .die Ausbeutungssucht aller Juden (ohneAuSnähme) mit der Raubgier jener jüdischen Verbrecher in Vergleich stellt". Durch solche oder ähnliche beleidigend« Sätze könne sich — so erklärte der Gerichtshof — jedes einzelne Mitglied der jüdischen Gemeinschaft beleidigt fühle», und erkannte auf IVO Mark Geldstrafe. Berlin. 21. Oktober. (Or.-Lor.) Ter in dies, gesch. Bl. gegebenen Anregung folgend, hat sich hier em Agitations-Comils von Herren und Damen zur Gewinnung von Mitgliedern für den hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur gebildet, welcheeinen hie-bezüglichen .Aufruf" nebst Beitrittserklärung- - Formularen versendet. Es wäre vielleicht ersprießlicher gewesen, wenn der mit einigen Tropfen .,ijonistische» OeleS" (Hirsch Hildesheimer, Willy Bambus, Albert Katz) gesalbte Vereins-Vorstand den Aufruf nicht mitunterzeichnet, und man nicht immer da- Schreckge- »de- Antisem1ti»muS als Motiv an di« Spitze gestellt hätte. der in diesem Blatte bereit» nachgewiesenen geschichtlichen Unwahrheit, daß die in Deutschland bestehenden jüdischen Grfthicht»- und Literatur-Vereine nur ״der von Berlin gegebenen Anregung gefolgt sind", begnet man in diesem Eirculär. Eine Unwahrheit wird durch noch so dreiste Wiederholung nicht zur Wahrheit. Ltolp i. Pommern. Hier ist Herr Stabsarzt a. D- Dr. med. Juliu- Born, prakt. Arzt, vor Kurzrm zum Stadtverordneten- Vorsteher gewählt worden. Mühlhausen i. LH-, 14. Oktober. (Or.-Lorr.) Heute am Msttage de» Laudhütten-Festewurde hier der 82 Jahre alte Tischler» meister H. Loebenstein zu Grabe getragen. ES dürste wohl auch in weiten Kreisen Jntereffe erregen, zu erfahren, welche Ehre diesem schlichten Handwerker, in dieser Zeit der Verhetznng. erwiesen wurde. Die städtisch« Liedertafel, eine sehr geehrte Körperschast, war mit ihrem Dirigenten in corpore erschienen und hatte um die Erlaubnis gebeten, einige paffende Lieder vor und nach der Beerdigung singen zu dürfen, welch« Erlaubnis ihr gern ertheill wurde; die Bürgerschützencompagnie und andere Vereine waren zahlreich vrrtrrten, ebenso die angesehenste Bürgerschaft. Und doch war der verstorbene nur ein schlichter Mann in klemen Berhtltniffen, der aber durch seine wahrhaft edle Gesinnung, durch «me Mm« HerzenSgüte sich Liebe rmd Achtung in allen Kreisen der Bürgerschaft erworben hatte. Da- Andenken solcher Männer bleibt zum Segen! «auuhetm. 16. Oktober. Der Inhaber der Firma Mayer- Dinkel, der Kaufmann Salomo» Mayer, erhielt vom Großherzog anläßlich deS 50jährigen Geschäftsjubiläums da- Ritterkreuz II, Klasse des Ordenvom Zähringer Löwen. Ltrakburg t. Elsaß. Den hiesigen israelitischen Gerberei, besitzern Gebrüder Dreyfuß ist auf der Ausstellung zu Lyon eine goldene Medaille zuerkannt worden. J Wien. (Or.-Lor.) Die vor Kurzem hier verstorbene Frau Emilie Singer vermachte den größten Theil ihres Vermögen» wohlthätiger Zwecke» und erhielten nach dem 210,000 Guld. detragenden Legate folgende Vereine namhaftere Beträge: Einem zu gründenden Kiuderhospitale 60,000 Guld. —, dem israelitischen Mädchen-Waisenhause 25,000 Guld. —, dem israelitischen Alterversorgungshause wurden 30,000 Guld. zuerkannv; ferner erhielten die jüdischen Anstalten, und zwar: da- Blinden-Jnstitut 20.000 Guld. —, da- Taudstummen-Jnstitut 20,000 Guld. —, das Spital 10,000 Guld. —, das Knaben-Waisenhaus 5000 Guld. —, der Theresicn-Kreuzerverein 5000 Guld. —, die Suppen- und Thee-Anstalt 1000 Guld. —. der ungarische Handwerkerverein in Budapest 10,000 Guld. —, endlich die Wiener freiwillige Rettungsgesellschaft 20,0lX1 Guld. — und noch mehrere Vereine kleinere Spenden. — Wann hört man derartige Wohlthätigkeitsakte von Antiseniiten? London. 20. Oktober. Der hebräische Gelehrte Dr. Ginsburg stattete gestern Gladstone in Hawarden einen Besuch ab, um dem greisen Staatsmann, welcher bekanntlich »eben zahllosen anderen Gegenständen allen theologischen Fragen das tiefste Interesse entaegenbringt, die soeben vollendete neue Ausgabe demassoretischen Textes der hebräischen Bibel vorzulegen. Dem Berfaffer zufolge ist diedie dritte große Ausgabe der ganzen hebräischen Bibel. Die erste wurde 1488 in Soncino, die?weite 1524 in Venedig gedruckt. Rußland. Das Berhältniß zwischen dem so schwer kranken Zar und dem Thronfolger ist kein besonderzärtliches. Noch vor der großen Reise des Thronsolgers hatte der Letztere, wie man der ״N. fr. Pr." schreibt, seinem Vater unter Anderem Vorstellungen gemacht wegen der drakonischen Verfolgung der Juden und auch darüber, daß der Zar oft ihm vorgelegte Sachen ohne vorherige genaue Prüfung unterschreibe. Jerusalem. Der englische Archäologe Dr. Bliß der im Auftrage des ״Palestinc Exploration Fonds" Ausgrabungen im heil. Land« vornimmt, meldet, daß er in einer Tiefe von wenigen Fuß in Jerusalen, auf die alte Stadtmauer gestoßen sei. Er will die Fundamente von 3 großen Thürmen entdeckt haben. Ebenso hat er ein Thor aufgefuuden, dessen Schwelle noch zu sehen ist. Dies« Schwelle findet sich vier Fuß über der alten gepflasterten Straße, die an diesem Puntte durch die Mauer führte. Als Dr. B. tiefer grub, fand er die Schwelle eines noch älteren Thores. «merika. Das Waisenhaus in Lleveland versendet soeben einen 26. Jahresbericht, der ein erhebendes Bild der Wohlthätigkeit innerhalb de» amerikanischen Judenthnm» bietet. Das Institut, welches unter der Leitung deS bewährten Superintendenten Dr. Wolfenstein steht, beherbergte während deS abgelaufenen Jahres 560 Zöglinge, von denen am Schluffe de» Jahre» 479 verblieben, um 40 mehr als im Vorjahr. Die Einnahmen betrugen in runder Summe 65,000 Dollar-, di« Ausgaben 59,000 Dollars: der eiserne Fond, der im abgelausenen Jahre sich um 16,600 Dollars vermehrte, ist auf 207.662 Dollar« angewachsen. Die Großartigkeit der Leistung, welche alljährlich Hunderte von verlassenen Kindern zu tüchtigen und brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft heranzieht, kann nicht genügend gewürdigt werden. An der Spitze des Verwaltungsraths steht Herr Abraham Hart au- Chicago. Re« Psrk. Nach dem Jahresbericht der ״jüdischen AlterversorgungSanstalt' beliefen sich die Einnahmen im verfloffenen Jahre aus 82,000, die Auslagen ׳ aus 59,000 Dollars, der Baarüberschuß aus 22,000 Dollars. 163 Pfleglinge verblieben in der Anstalt mit End« d«S Jahres, während am End« deS vorigen Jahres die Anstalt 150 Jnsaffen beherbergte. Daist ein Bild der steten Steigerung der Ansprüche, welche an unsere Wohlthätigkeitsanstalten gestellt werden und, welche bei der steten Steigerung unserer armen Bevölkerung durch die Einwanderung wahrend deletzten Jahrzehnt« noch nicht ihr End« erreicht hat. Da« Durchschnittsalter der Jnsaffen diese» Altenheims stellt sich auf 72 Jahre, während da» DurckschnittSalter der im abgelaufenen Jahre verstorienen sich aus nahezu 78 Jahre stellte; gewiß ein günstiges Zeugaiß für da» Heim uud ferne Verwaltung.