Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 43 (26.10.1894)
- Date
- 1894-10-26
- Page
- Seite 335 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Lulturmisfion, darum scheint e» angemessen, i» Genese nur zu sogen: Du hast un» erwählt — 0M ■üfTprfagta: Du hast ua» erwählt von allen Böllern» den» tarn andere Böller find vor Gott erwählt; die» Denloffen geschieht zu unser« religiösen Befriedigung; wir» davurch dem AnttsemittSmuS «ine Waffe entwunden, s» ifi die» natürlich ׳ kein Schade. Ganz anders liegt da» Berhckltniß unsere» Erachten» bei dem SegenSspruch über die Thora. Hier ist von keiner allgemeinen Erwählung die Rede, sondern hier wird auf eine .bestimmte geschichtliche Tbatsache Bezug genommen, daß Israel allein der Träger der Thora, de» GotteSgedanken» Jahrtausend« hindurch gewesen ist. Wer kann leugnen, daß detteff» der Thora Gott uns erwählt hat von allen Völkern und da» ist eine Thatsache, die auch Bogelstein freudig zugeben wird; .dadurch hat er un» erwählt von allen Völkern, daß er un» seine Thora gegeben hat." Aus diesem Grunde hätte Bogelstein an einer so wichtigen Stelle eine Aenderung ׳ de» Textes vermeiden sollen. — Berliner sagt in seinem Arttkel: .Ihr seid die Feiglinge geworden": er hat eS aber nur mit Vogelstein zu thun;' denn Biele, die sonst ein freisinnige» Judenthum predigen und im Gebetbuche zum Ausdruck bringen, stimmen in dieser Aenderung mit Bogelstein nicht überein.*) L. R. Magdeburg. In Ueberttnstimmuna mit den Aeußerungen unter .Rattbor" in Nr. 38 spricht sich auch Herr Professor Dr. G. Deutsch (am Rabbiuerseminar in Tincinnatt) wie folgt in der .Deborah" aus: .Erzbischof ftofjit ist sehr häufig Gegenstand von Ovattonen , seiten» der jüdischen Bevölkerung seiner Diöcrse. So ist ihm neulich der Rabbiner von Rattbor mit einer förmlichen Huldigungsdeputatton entgegengegangm. Uns will das nicht gefallen. Wenn eine solche Begrüßung auf dem Fuße der Gleichheit, unter Wahrung des Prinzipes der Gegenseitig, keit erfolgen würde, ließe sich dagegen nichts einwenden. Wie aber die Berhältuisse liegen, nehmen die Juden bei solcher: Helegeuheiten die Stellung von Vasallen ein, wie es in den alten reichsunmittelbaren Bisthümern der Fall war. Da» ist eine Selbsterniedrigung. Wir können auch nicht finden, daß die katholische Ktrche der Gegenwatt sich viel Berdienste um die Juden erworben hat. Der Tanten er Prozeß wurde von einem Kaplan angesttfttt, Rohling ist Eanonicu» | der Kirche, Paulu» Meyer wurde von einem katholischm Priester in Sold genommdn, seine Blutlügm wureen in einer katholischen Zeitung veröffentlicht, Pfarrer Deckett ließ an der Kirchmthüre anttsemittsche Plakate vcttheilen, die Kirche heißt überall anttsemittsche BundeSgmossmschaft willkommen und; der Papst, der über alle modernen Fragen, über SocialiSmus,; Bibelktttik und internattouale Schiedsgerichte, Encycliken, y schreibt, scheint von dem Antisemittsmu» noch nie etwa» ge- \ hött zu haben. Selbst Erzbischof Kohn soll, wie Rohling [■ behauptet, in einem seiner Werke für Aufrechthaltung des i kirchlichen Verbotes gegen gesellschaftlichen Verkehr zwischen tz Juden und Ehttsten ttngetreten sttn." (Mehr Selbstachtung r und Selbstwürde thut un» in jetziger Zeit sehr noth: be- - sonder» sollten die Rabbiner, die jüdischen Würdenträger, ■ ' stteng daraus achten und mit gutem Beispiel vorangehen.) Berit«, 2. Oktober. In den anttsemittsche« Blättern und Zeitschriften bildet die .Bctheiligung der Judm am Ber»! brechen" ein beliebtes Thema. Es werden einzelne Ziffern l willkürlich herausgegriffen und derarttg gruppitt, daß natürj lich die Juden im Vrrhältniß zu den Ehttsten da» größere Konttngent der Delinquenten stellen. Demgegenüber erscheint!. «S am Platze, die Feststellungen der offiziellen RttchScttmir _ ף vir würden auch im Gebetstücke 1U1TD אתה da» מכל t: 0העםי nicht «eggelaffe», den» auch hier steht e« i« Zusammenhänge st mit dem solgrnden 1סי״2ת11(יע^התה 21׳ NVW022 רמז־׳עותבי, Israel? Ist dadurch autgemählr »au alle» luatürlich ,heidnischen^) Billern, t dag es geheiligt worden durch di« gdttlichen Gebot« der voral uud K. M Kto nocheil mul, der auch in seinem Gottesdienste frühzeü zu« Aul- ' druck« gelengte. (Ged.) nalstattsttk über diesen Punkt ttnmal näher zu betrachten und dazu bitttt sich «ne besonder» günsttge Gelegmhttt, da der kürzlich erschienene Jahrgang 1891 der Ettmininalstattstik verglnchende Bttcachinngen für die 10 Jahn von 1882—1891 anstellt. Diese Berechnungen haben daS Ergebniß, daß im Durchschnitt der genanntm zehn Jahre von 100,000 straf» mündigen Pttsonen der Zivilbevölkerung derselben Kategotte 1153 Berutthejlte Katholiken, 963 Evangelische und 784 Juden sind. Hiernach ist nicht zu leugnen, daß die Kttminalität btt den Juden im allgemeinen eine geringere ist, als btt den Bekennen« der anderen Religionen. Die RttchSstattstik hat sich dann noch die Mühe gemacht, die Kttminalität für ttnzelne deu siche Bezirke festzustellen, in denen mindesten» 1 pEt, der jüdischen Religion angehört. Es sind die» die Bezirkr: Mattenwerder. Berlin, Posen, Bromberg, BreSlau, Oppeln, Eassel, Wiesbaden, Köln, Pfalz, Unterftankcn, Hamburg und Unter-Elsaß. Fast überall ist das Resultat das glttche, z. B. ensiallen in Berlin auf 100,000 strafmündige Personen derselben Kategotte 994 Ehttsten und 612 Juden, in Wiesbaden 649 Ehttsten und 414 Judm, in Hamburg 949 Ehttsten und 565 Juden. (Einzig und allein rm Bezirk Oppeln ist die jüdische Kriminalitätsziffer ttne etwas höhere als die chttftliche; dott msiallm nämlich 1214 Judm auf 1181 Ehttsten.) Dabtt warnten naturgemäß die Herausgeber der RttchSstattstik davor, aus diesen Zahlm weitgehendere Schlüsse auf die kttminelle Belastung nach den vesichiedmm Relionm zu ziehm. Dmn ttnmal giebt die Statistik nur Aufschluß, ob ttn Berurtheilter sich äußerlich zur christlichen oder zur jüdischm Religion hinzuZerechnet hat, nicht aber über da» Maß der inneren Religiosität, und diese wäre es doch, die je nach ihrer Besichiedmhttt in verschiedmem Maße vor Verbrechen und Vergehen bewahren sollte. Dieser Umstand läßt sich nicht besttttgm, da die Statisttk überhaupt nur an äußerlich erfaßbare Erscheinungen anknüpfen kann. Dann aber müßtm glttchzttttg alle andern Faktoren der Kttminalität, Beruf, Alter, Geschlecht genau berücksichttgt werden, um etwaige Verschiedenheiten in den Kriminalitätsziffern auf das Glaubmsbekmntniß als solches zurückzuführen. Zur Anstellung derarttger Untersuchungen fehlt eS aber bisher an dem genügenden Matettal. Jeoenfalls wird man in der Zugehöttgkeit zu ttner religiösen oder konfessionellen Gemttnschaft die Erklärung kttmineller Verschiedenheiten nur mit der größtm Vorsicht und Umsicht suchm dürfen und mit dem Instrument der Statisttk wohl kaum findm könnm, denn die btt uns verbreitetm Religion», und Konfession»- Gemeinschaften untesicheiden sich in ihren Moralvorschriften doch nicht dermaßm, daß ihre Angehöttgen dadurch zu ttnem vcsichicdenen Verhalten gegenüber den gesetzlichen Bosichttftm über Eigmthum, Prsion und öffentliche Ordnung bewogm werdm könnten. Berlin. Bor etwa drei Monaten brachte die .Staatsbürg. Zeit." ausführliche Mittttlungen über .einen jüdischen Lüstling Dr. Kammer". Wie nun der Rechtsbttstand deS Dr. Kammer erklärt, ist an der ganzen Gsichichte auch nicht ttn wahre» Wort. Sieben Wochm hindurch saß der ttner angsiehen russischen Familie msitanmende Dr. Kammer, der für seine aufopfemde Thättgkttt während der Eholcra-Epidemie die russische goldene Anerkennungs-Medaille erhaltm, im UntersuchungSgesängniß zn Moabit, ehe sich sttne Unschuld herausstellte und das Berfahrm gegen ihn ttngestellt wurde. Der in so unerhötter Wttse Verdächtigte hat sttne Vertttdigung in die Hände de» Recht-anwaltS Dr. Ftttz Fttedmann gelegt; nunmehr ist der Spieß umgedreht und die ehemaligno Anklüger werdm sich für ihre Handlungswttse (Erpressungm) zu verantwottm habm. — Auch ttne anttsemittsche Unwahrheit über die jüdische Schule in Kuruik (Posm) und deren Lehrer mußte das Blatt als ,völlig unwahk" widerrufen. BreSltM. 24. Oktober. (Or.-Lorr.) Die Synagogeacom- Mission hat die Rede, welche Herr Rabbiner Dr. G u t tm a u n am erstm Tage Sukoth gekäst»» hat, dem Dr«cke übergebm, um die .überaus werthvolle L»WlMe" allm Mtgliedem der Gemeinde