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Israelitische Wochenschrift · 1894-10-14 · 41/42 (14.10.1894) · p. Seite 325

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
41/42 (14.10.1894)
Date
1894-10-14
Page
Seite 325 (sequence 5)
Language
German
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Ilttheile zu verzeichnm, die eine größere Anzahl von deutschen Schöffengerichten anläßlich eines Strafantrages deS Reichstag-» Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg gegen mehrere verant- «örtliche Redakteurs gefällt hat. Eine Reihe von Zeitungen hatte nämlich die erlogene {f. h. irrthümliche, denn bekanntlich liegt eine Verwechselung mit einem gleichnamigen L.V.S. vor, den die Hand des Strafrichters nachträglich auch erreicht hat. Red. d. A W.) Mittheilung gebracht, 'der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenbera habe vor zwanzig Jahren als Lieutenant in Wiesbaden Geschäftsleute um ihr schweres Geld gebracht. Aus die von Herrn Liebermann v. Sonnenberg hiergegen erhobene Privatklage Verurtheilte das Breslauer Schöffengericht dm Redaktmr der ,Breslauer Zeitung", Walter, zu einer Geldstrafe von 100 Mk. indem eS als strafschärfend den. Umstand annahm, daß die Verleumdung gegen eine im Vordergründe des öffmüichm LebmS stehmde Person gerichtet sei. Das Berliner Schöffen» Gericht verurtheilte den veranwortlichen Redaktmr der ,Mit» Heilungen des Vereins zur Abwehr de- Antisemitismus״, Paul Müller, nur zu 50 Mk. Es zog dabei den Umstand, daß die Verleumdung eine im öffentlichen Leben stehende Person treffen sollte, gar nicht in Erwägung, erkannte da» gegm ein strafmildernde- Moment in dem Umstande, daß der Beklagte ein pblitischer Gegner deS Klägers ser. Eine noch größere Milde hat das Schöffmgericht zu Magdeburg gegm den Herausgeber der ,Israelitischen Wochenschrift" Rabbiner Dr. Rahmer, waltm lassen. ES verurtheilte dm Gmanntm nur zu 30 Mk. Geldstrafe und führte aus, daß der Beklagte als Rabbiner und Redakteur eines den jüdischen Interessen gewidmctm Blattes sich im berechtigten Bercheidigungszustande (?) befand und daß ihm deshalb der Schutz des 8 193, Wahmng berechtigter Interessen zugebilligt werden müsse! Man wird sich hierbei verwundert fragen: Worauf in aller Welt gründet sich die Annahme, daß sich der Redakteur eines jüdischen BlattrS von vornherein einem Reichstagsabgeordneten gegenüber im BertheidigungSzustande befindet, auch wenn dieser der deutsch-socialen Richtung angehö«?! Der Abgeordnete Liebermann v. Sonnmberg hat denn auch natürlich gegm dieses Urtheil, sowohl wie gegm das vom Berliner Gericht gefällte, Bemfung eingelegt. Diese UrtheilSverschiedmheit ist aber ein sehr lehrreiches Vorkommuiß bezüglich unserer hmtigen Rechtsprechung." (Da uns bis heute — den 11. Oktober — eine Ab» schüft des erstinstanzlichen Urtheils noch nicht zugegangm ist, so reservirm wir uns unsere Erwiderung bis nach Eingang derselben. Uns — und jedem objektiven Beurtheiler — dürfte die Verschiedenheit des Urtheils wohlbegründet erscheinen. Der Redakteur eines zur Wahmng der Gleichberechtigung der Juden und zur Abwehr aller Angriffe gegm dieselbm bestimmten Blattes, befindet sich selbstverständlich einem Haupt» bekämpfcr dieser Gleichberechtigung gegmüber in einem Vercheidigungszustande; zumal wmn er als Rabbiner damit zu» gleich die schmählichsten Angriffe auf die Lehren seiner Religou a'owehrt. Das hat das hiesige Schöffmgericht ganz richtig erkannt, und wir sehen dem Urtheile in der Berufungsinstanz mit Ruhe und dem Bewußtsein entgegen, daß eine Rechtsgleichheit, die alle Fälle ohne Berücksichtigung der Berschiedmartigkeit der jedesmaligen besonderen Verhältnisse über einm Kamm scheeren würde, die größte Rechtsungleichheit wäre.) Berli», 7. Oktober. Der Geh. Regiemngsrat Professor Dr. Rochanael Pringsheim, der gestern im 71. Lebensjahre hingeschieden ist, hatte sich hervorragende Verdienste um die Botanik erworben. Einzelne seiner Forschungm bildm Gmnd» steine der neuerm Botanik. Pringsheim ist auf dem Umwege über die Medicin zum Studium der Botanik gekommen. 1823 zu WzieSko in Oberschlesim geboren, begann er seiu Studium als Mediciner an der Universität seiner Heimaths» Provinz. Bon dott ging er nach Leipzig und später nach «erliu. Mittlerwelle war bei chm der Entschluß gereift, sich ganz der Botanik zu widmm. Aus dieser wählte er auch den Vorwurf für seine Dokrorschrist, als er in Berlin zum Doktor der Philosophie promovine. Nach der Promotion wandte er sich nach Paris. Von dort heimgrkehrt, bereitete er sich für dm Eintritt in die akademische Laufbahn vor. Verwirklicht wurde dieser 1851 durch die Habilitation an der Berliner Universität, 1856 erfolgte, im Verhältnisse sehr früh» zeitig, PringSheims Emmnung zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften in Berlin. 1864 wurde er zum Ersatz für Schleiden, der damals noch Dorpat ging, als ordentlicher Professor nach Jma berufen. Dott gründete er ein pflanzmphysiologisches Institut, wie es bis dahin ein solches für die Studirendm nicht gab. Nach dem Muster derseben wurdm an anderm Universitäten und an landwitthschaftlichen Hoch» schulen pflanzenphisiologische Laboratorien eingerichtet. 1868 kehrte er nach Berlin zurück. Er unterließ es, in den Lehrkörper der Universität wieder einzutrtten, ttotzdem er als Akademller das Recht zu lesen hatte. Gleichwohl übte er im Kleinen dabei aber sehr ausgiebig eine Lehtthätigkeit aus. Er begründete aus eigenen Mitteln ein botanisches Labora. torium. . Aus dm Gehilfen an diesem ging eine eigme Schule Pringheims hervor. Dieser gehören Sttaßburger, Tschirch, Voechting, Gießenhagen u. a. an, die sich in der Wissenschaft einm Namm gemacht haben. Er stellte sein Laboratorium auch in den Dienst deS allgemeinen Besten; so machte er dann im Aufträge des preußischen landwitthschäft» lichen Ministenums umfangreiche Studien über die Kartoffel, krankheit. Ein großes Verdienst hat er sich auch durch die ,Jahrbücher für wissmschaftliche Botanik״ die er 1857 ins Leben ries, erworbm. Sie nehmen eine der ersten Stellen in der botanischm Zeitschriften-Literatur ein. Pnngsheim sind reiche Ehrm zu Thril geworden. Er bekleidete die Präsident, schüft der deutschen botanischm Gesellschaft. Wissenschaftlich thätig war Pnngsheim noch in dm letzten Wochen. Er stand davor, Arbeiten, die ihn lange beschäftigt hattni, ab. zuschließen. Berlin, 9. Sept. Die Lrauerfeier für dm verstorbmen Ge» heimrach N. Pnngsheim wurde gestem Nachmittag im Sterbe. Hause abgehaltm. Von der Deutschen Botanischm Gesellschaft, sowie von den Botanischm Instituten und Gärten zu Berlin, Jma, Bonn, Kiel, Hamburg, und Breslau und aus anderm Städtm waren Palmen und Kränze aus den Sarg niedergelegt wordm. Für die Akademie der Wissenschafen erschienen die ständigen Sckrttäre Dubois-Reymond, Auers und Mommsm, für die Universität der Rektor Prof. Weinhold. Anwesend waren femer eine Anzahl der hervorragendsten hiesigen und auswärtigen Gelehtten. Königliche Sänger fühttm die Gesänge aus der Rabbiner Dr» Maybaum hielt die Gedenkrede, Prof. Eohn-Breslau und Prof. Rudolf Virchow würdigtm die wissenschaftlichen Verdienste des Verstorbenen. Die Bestattung erfolgte auf dem jüdischen Begräbnißplatz der Schönhauser Allee. NerS a. Rhein. 8. Ottober. (Juden als Schützen.) Daß auch Juden in den Wettkämpfen des Friedens die Schießwaffen zu handhaben verstehm, zeigten in eklatantester Weise die diesjährigen Schützenfeste im Kreise Borken in Westfalen. In dem Dorfe Klein Reken hatte der Handels, mann Herr Abr. Humberg das Glück, den Königsschuß zu thun. In dem Städtchm Ramsdorf konnte der Regiments» Adjutant Herr Leeser Landau sich dieser Ehre rühmen. Dm nachträglichm Bericht über die Festesfeier in letzterem Otte schließt der Berichterstatter des Borkener Wochenblattes vom 6. d. M. mit folgenden in unserer Zeit besonders wohl» thumden Wottm: ״Es ist ja der Zweck der Volksfeste, daß sie die verschirdenen Klassen und Stäube deS Volkes einander näher bringen und die Gegmsätze mildem sollen. Bei unS und in Weseke (ebmfallS im Kreise BorkM) wo eine Jüdin Königin war, hat man nun diesm Zweck dadurch zu erreichen gesucht." — Welcher Abstand zwischen diesm schlichten und von echter Mmschmliebe dittirtm Wort« eines

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