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Israelitische Wochenschrift · 1894-10-14 · 41/42 (14.10.1894) · p. Seite 324

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
41/42 (14.10.1894)
Date
1894-10-14
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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Gehen wir einmal aus die ״Judenfrage" im Sinne deS Nationaljudenthums etwas näher ein: Die Anhänger dieser Bewegung erklären die Assimilation der Juden in den westlichen׳ Ländern Europa's für ein Unding; der Jude — und hierin derühren sie sich mit den Antisemiten — bleibt Jude, wenn er auch längst jüdischer Deutsche. Engländer. Franzose, Ungar geworden zu seiu glaubt — wegen der gleichen vieltausendjährigen Geschichte, wegen der gleiäien Raffe, wegen der gleichen socialen Lage, wegen des gleichen Druckes von außen. ״Wenn die Glaubensbrüder in den verschiedensten Ländern für die Erhebung des russischen Juden aus seiner traurigm Lage eintreten, wenn wir alle mit einander wetteffern, dem Gequälten und Verjagten eine sichere Stätte, eine sichere Listen; zu schaffen, so thuen wir nicht mehr, als was die deutschen Protestanten nach 1685 für die Hugenotten oder 1731 für die von dem fanatischen Erzbischof Firmian vertriebenen Salzburger gethan haben; und mit aufrichttgem Jubel vernehmen wir von den großartigen Erfolgen, die Vereine und hochherzige Persönlichkeiten in diesem Bemühen erziett haben. Wenn wir z. B. hören, wie durch die Thatkrast einiger Vereine 5000 Unglückliche in 24 Kolonien untergebracht find, wie diese Kolonien, obwohl sie zum Theil erst vier Jahre bestehen, schon im Stande find,, sich selbst zu erhalten: Welcher wahre Menschenfreund wird diesen Bestrebungen nicht aus vollem Herzen einen immer kräftigeren Erfolg wünschen? Wo diese Kolonien angelegt werden, ist gleichgiltig. Sind die Führer der Bewegung nach der sorgfältigen Prüfung aller in Betracht kommenden Berhältniffe. die man von ihnen erwarten darf und muß, zu der Ueberzeugung gelangt, daß den Unterdrückten in Palästina eine glücklichere und behaglichere Existenz geschaffen werden kann als in einem anderen Lande, so wird Niemand gegen eine Besiedelung des heiligen Landes etwas einzuwenden wagen: Aber hüte» möge «a» sich vor dem Wah», i» Palästina etwa ei« «e»es jüdisches Reich entstehe» zu laste», die Leute, die man aus dem Elend befreit hat. damit sie als fleißige Ackerbauer in redlicher Arbeit die Früchte ihres Schaffens genießen, zu Kämpfern heranbilden zu wollen für ein utopisches Geblld«, das nur neues, womöglich noch gesteigertes Elend über sie oder chre Nachkommen heraufbeschwören hieße! Wo unsere Glaubensbrüder auch wellen — in ehrlichem Bemühen als treue Bürger des Staates mögen sie mü ihren andersgläubigen Nachbarn wetteifern um des Staates Wohlfahrt und die Güter des Lebens und sich als herrlichsten Schmuck ihren reinen Glauben bewahren; sie mögen nicht herbeffehnen ein enges, ängstlich behütetes Sonderreich, wohl aber jene Zell herbeiführen helfen, wo alle Erdenbewohner dem Namen Gottes die Ehr« geben und das wahre Gottesreich begründen! Bleiben wir dieser unserer herrlichen Mission treu, dann können wir getrost in die Zukunst blicken. Unsere Religion wird dann unfern Kindern ein ebenso theureS Kleinod bleiben, wie sie eS uns ist und unseren Vorfahren in trüber Zell gewesen ist, während diejenigen, denen nicht der Glaube, sondern vor allem eine geträumte jüdische Nationalität am Herzen liegt, unzweffelhast beim Schcüern ihrer Idee auch die Fahne des Glaubens im Stich lasten werden." Wir wünschen der Adlerffcheu Broschüre die weiteste Berbreitung in jüdischen Kreisen, sie leuchtet dem Zionismus gründlich heim. Berichte nnö Korrespondenzen. vemtsechland. Magdeburg. Wie die antisemitischen Blätter melden, ist in Eisenach am Sonntag die Einigung der Anttsemitm aller Richtungen vollzogen worden. Als Grundlage des neue» Programms wurde der Satz ausgestellt: ״Die deillsch-soziale Reformpattei steht auf deutschnattonalem, christlichem und monarchischem Boden." (Wie vetträgt sich damit die von einer Grupp« Berliner Antisemiten erhobene Forderung deS Wahl-KaiserthumS?) Ahlwardt wird nur als Hospitant der Fraktion des Reichstages zugelassen werden. (Warum denn? WaS ist der Anttsemittsmus ohne seine höchste Zier, den Rektor aller Deuttchen? Und wie steht'S mit Böckel, der auch antyesend war?) Die ״Franks. Ztg." schreibt über diese Bereinigung, wie folgt: ״So wäre also das große Werk vollbracht, Alldeutsch», lands ״Deutsche", deren Thättgkeit bisher hauptsächlich dann bestanden, daß ihre Führ« sich in unlauterem Wettbewerb um die best« Stellen an der Krippe bissen, haben sich in Lieb« und Eintracht gefunden und werden fürderhin als ״Deutschsoziale Reformpattei" festgeschlossen den Kampf für die ״heilige Sache* führen. Die Wett hött von dem erschütternden Ereigniß und wird voraussichtlich außerordentlich glttchmüthig daran vorübergehen, schon deshalb, weil Niemand, der die Anttsemitm und chre führenden Lmte auch nur ttnigermaßm kennt, einen Augenblick daran zweifeln kann, daß der in Eismach geschlossme Fttede bei der erstm besten Gelegenheit wieder jämmerlich in die Brüche gehm wird. Es sind ihrer ebm zu viele, die auS der Schüssel effm wollm, da kann es nicht ausblttbm, daß die frisch-fröhliche Rauferei bald wieder von Neuem losgeht. Dafür bürgen schon die Vorgänge, die dem. Einigungwerk vorausgegangm, und die Schwierigkeiten, die offmbar in Eismach überwundm werden mußten, um die formale Einigung zu Stande zu bringen. Der Hauptkampf hat sich anscheinmd um die Person des Rektors aller Dmtschm gedreht, der bttanntlich durch die Verbüßung ttner Ge-' füngnißstrafe abgehaltm war, die Berhandlungm durch fein Eingreifen noch lebendiger zu gestalten, als sie schon gewesm sttn müssen. Es ist ein halber Sieg, dm die Anhänger deS Herm Ahlwardt erfochten habm, indem sie wmigstms durchsetztm, daß er als ״Hospitant" der Fraktion zugelassm werde. Und doch auch Witter eine ganze Niederlage. Er, der nach jeder Richtung, nicht am wenigsten im wichtigen Punkte der Entrsegelder weitaus erfolgreichste von all' dm bravm Männern, die das deutsche Volk aus dm Klaum des JudmthumS befreien wollm, er ״Hospitant", d. h. als Führer zweiter Klasse zur Noth gebutbet! Welche Gefühle mögm bttm Empfang dieser Nachricht dm tapferm Heldm bestürmm, der noch vor verhältnißmäßig kurzer Zell die deutschen Rechte manches Edelstm der Natton drückm und sich von dm Trägem ״stolzester" Namen als eine der Zierden deS deutschen Volkes anhochen lassm durfte. Eine verstäudnißvolle Seele wird er für seinen Schmerz findm, dm abgesetzten hessischen Bauernkönig Dr. Böckel, den feine besten Freunde von ehemals wirklich ganz gründlich matt gesetzt zu habm schttnm. Die ״Norddeutschen Anttsemitm", die bekanntlich der Vereinigung nur bttNeten wolltm, wenn Herr Ahlwardt als vol lberechttgtes Mitglied, nicht nur als ״Hospitant" aufgmommm würde, schttnm in Eismach ihrem Helden die deutsche Treue gebrochen zu habm — wahrscheinlich hat wieder das Judenthum dabtt die Hände im Spittel —, andemfalls wäre eS ja nichtmöglich, daß überhaupt ttne Berttnigung aller Fraktionen und Frcckttönchm zu Stande gekommm wäre. Immerhin bleibt es noch fraglich, ob das Gros der ״Norddeutschm" das Botum der Delegieren rattfizirm wird, das anschttnmd mit dem auf der Berliner Borversammlung gttaßtm Beschluß in. dirtttem Widerspruch steht." (Neuestm Nachrichten zufolge wollen die ״Norddeutschen" heldenmüthig zurückwttchm, schon um es mit der ״Kreuzztttung" nicht ganz zu verderbm, die andemfalls die ״Bündnißfähigkttt" in Frage gestllt hatte.) Magdeburg. Wie die ״StaatSbürgerztttung" gettchtliche Utthttle krittfirt und Richter anspornt, ersieht mau aus ttnem Ltttartiktt in Rr. 467: ״Uuglttche Rechtsprechung", dem wir folgende Sätze entnehmen: ״Eine mettwürdig Berschiedmhttt ist in Bezug auf die

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