Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 40 (5.10.1894)
- Date
- 1894-10-05
- Page
- Seite 317 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ff-' tritng abgehaltm, auf best 70 Orte vertreten waren. Es x fand anf diefcm Tage eia starker Koakurrmzkalnps der antisemitischen Mütter statt, von denen schließlich nur .Staatsbürgnztttung", .Bundschuh" und ״Frei-Deutschland" zu amtlichen Organen erklätt wurden. ES wurde beschlossen, in Eisenach für die Bereinigung aller Antisemiten zu stimmen, ■ aber unter der Bedingung, daß auch Ahlwardt ausgenommen Würde, für den sich Bachler und Förster als einen unentbehrlichen Vorkämpfer ins Zeug legten. Einige Redner, die auch Dr. Bücke! vertheidigten und ausgenommen wissen wollten, stießen auf stacken Widerspruch, und der Borsitzende erklärte, der Patteitag habe keine Veranlassung, für Dr. Böckel einzutrrten. (Es sind also doch nicht .alle" — sie möchte» iben noch nicht alle werden.) Verli». Der Schneidermeister Goldwasser war al« Zeuge vor die 9. Strafkammer de» Landgerichts I geladen und hatte schon einige Tage vor dem Termin an den Borsttzenden da» Gesuch gerichtet, ihn vom Erscheinen zu entbinden, da er am höchsten Mischen Feiettage nicht gern eine eidliche Aussage machen wolle. Trotz dem da« Gesuch abschlägig beschieden war. erschien Gold- Wasser nicht. Das Gericht macht« aber keine Umstände; ein Gerichtsdiener wurde mit dem Befehl abgeschickt, den säumigen Zeugen mittelst Droschke (am hohen jüdischen Feiertage?) abzubolen und vorzuführen. Die» geschah und der Zeuge «klärte dann vor Gettcht, er habe nicht Lust (?) gehabt, am höchsten jüdischen Feintage vor Gettcht zu erscheinen, und da ihm ttn Justizrath erklätt habe, mehr als 26 Mk. Strafe könne er nicht erhalten, so Hab« ei eben diesen Betrag ttskiren wollen. Der Gettchtshof machte dem Zeugen klar, daß der Justizrath sich denn doch in der Taxe aeirtt habe und erkannte auf 46 Mk. Geldstrafe. Außerdem hotte der Zeuge noch die Hin- und Rückfahtt für die Droschke erster Güte zu zahlen. Da« Veste an der Sache war aber, daß dann allseitig auf den Zeugen — verzichtet wurde. BreSlau, 30. September. (Or.-Tott.) Zur Unterstützung der sehr berechtigten Bemerkungen Ihres Bttliner Eorrcspondcnten über die Mischen Litttatur- und GeschichtS» Berttne, sende ich Ihnen zum gefälligen Abdruck in dn geschätzten ,JSr. Wochenschrift" de« nachfolgenden .Aufruf", den ich zufällig heute am letzten Tage unseres religiösen IahreS beim Ordnen meiner Scripturrn gefunden: .Es ist ein charatteristischcs Zeichen unserer Zeit, daß sie, besoudrrS durch Bildung von Vereinen, die Resultate der 'Wissenschaft in polarer Form unter alle Schichten de» Bolle» verbreitet und hierdurch ttn reges Interesse für geistige Brstrebungen schafft. In diesem Sinne hat sich innerhalb der hiesigen Synagogengemeinde der unten genannte Berttn gebildet, welcher durch Verbreitung jüdischer Wissenschaft das Interesse für den gttstigen Gehalt de-Judenthum» unter sttnen Mitgliedern nähren und verbrttten will. Wir hoffen zuversichtlich, sowohl durch wissenschaftlich« Borträge, zu deren Abhaltung anerkannte Gelehrte gewonnen sind, als auch durch den in freierDiScussion herbeigefühtten Gedankenaustausch jene Ziele de» Berttnzu «reichen. Der Verein bittet seineu Mitgliedern: 1) wöchentlich einen Bereinsabend, an welchem ttn wiffenschastsicher Vertrag au» dem Gebiete der jüdischen Literratur und Geschichte, in Verbindung mit freier DiScussion, abgeb allen wird, und soll die Betheiligung an der letzteren durch Errichtung eine» Fragekastengefördett werden. Die Berttn»- abend« werden in den hiesigen Zaitungen jrde-mal bekannt gemacht. Jedem Mitgliede ist eS gestattet, «ine Dame ttn- »»führen. 2) Im Winter jeden Sonnabend von 6—7 Uhr Abendeinen rrligivn-wiflenschastlichen Bottrag, welcher im Gemttnde- Hause (Graupenstr. Nr. 11, im zweiten Stock) stattfindet und Herrn Rabbiner Dr. I. Levy übertragen worden ist. Der jährliche Btttrag ist auf mindesten» 1'/, Thlr. festgesetzt; «» bleibt jedoch laut Statuten dem Ermessen jede» einzelnen Mitgliede» überlasten, im Jnterrfle de- Berttneinen Mehrbetrag ru zeichnen. Indem wir hoffen, daß Sie nicht blo« selbst dem Berttn« btttreten, sondem ihm auch noch andere Mitglieder im Kreis« Ihrer Bekannten zu gewinnen bemüht sttn werden, «suchen wir Sie, »ntenstehend« Sckläruug gefälligst mü Ihrer Namens- Unterschrift versehen und an eineder Unterzeichneten Borstand»» Mitglieder gelaneen lasten zu wollen. Brrtlau, im Januar 1862. D« Borstand des .Vereins zur Verbreitung der Wissenschaft de- JudenthumS." Salomo» Oelsner. Dr. Paulq. M. D. Bernhard. Dr.Bamberger. Robert May. L Gradenwitz. Dr. Joseph." Also schon vor 32 Jahrm blühte hi« schon ttn jüdisch« Literaturverein. Wie sagt Rabbi Ben Akiba? Alles schon dagewesen! Weimar, 30. Septembn. In ttn« Versammlung des hiesigen GewerbeverttnS hatte ttn Herr v. Hagen, Major z. D.» gehässige Seußerungen üb« die Juden gethan. Er sagte nach sttn« ttgenen Angabe wörtlich Folgendes: Ich »erstehe zwar kein Hebräisch, ab« ich solge den Darlegungen d« zw« Belehrten Rohling und Delitzsch. Während Erster« den Juden alle möglichen Scheußlichkeiten, wie Gebrauch von Lhriftenblnt zu ihren Opsnn, Schändung von Lhristensrauen und and«e Schandthaien al« durch die Vorschriften der jüdischen Gesetzbücher und Sittenlehr« erlaubt nachweist, bemüht sich Professor Delitzsch, alle diese schw«en «nNagni ohne «»«nähme zu widerlegen: « kann ab« »ich umhiu, ausdrücklich al« wahr zu konftatiren. daß in jenen Gesetzbüchern den Juden die roaarrario mentalii, da» ist d« Meineid, gestattet wird. Wenn ab« diese jüdischen Sesetzbüch« solche Borschrist thatsächlich enchallen, tvat doch all richtig angenommen werden muß, wenn ttn eifriger Lertheidig« de« Judenthum», wie Prosestor Franz Delitzsch, solche! in sein« vertheidigung«schrist zugegeben sich genöthigt steht, dann kann man mit Recht einen Schluß ziehen auf die unser Geiverb«leben schädigende Lag« und verwerflich« ,üdische Wirchschaft«. moral, welch« mit uns«en christlich-deutschen Anschauungen von Dreu »nd Redlich im Wirthschasttleben in schroffem Gegensatz steht u. s. w. Nun sagt ab« Professor Delitzsch in sttn« Widnlegung d« Rohling'schen Verleumdungen, in dn Schrift: .Falsche Wa^e ist nicht gut", 7. Aufl. S. 50, das gerade Gegentheil von dem, waZ d« H«r Major z. D. ihn sagen läßt, n nennt Rohlings Angabe ttne ״übelwollende Jnsinuasion" und tttitt mehrne Stellen aus dem Talmud und Midrasch, in dmcn eS httßt, daß d« nicht ungestraft bleiben wird, dn mit dem Munde etwas Anderes bttchwört, als er im Hnzen denkt. Delitzsch schließt S. 53 die Widnlegung mit folgenden Wotten: .Rohling schöpft an dn Hand Eisenmengers aus den Schriften solch« Proselyten, welche wie Aussatz für die Kirche sind." (Sollte d« Hnr Major auch kttn deutsch verstehen?) Erefeld, 24. September. Die Nachttcht, daß da» 25jähttge AmtSjubiläum des vndienstvollen ObnrabbinerS Herrn Dr. Horowitz wenigstens nicht ganz stillschwttgend vorübngehen soll, wird in den Kreisen seiner Verehr« gewiß mit Freuden aufgmommen werden. Zur Erinnerung an diesen Ehrentag ist nämlich aus dem Atelin unsneS MitbürgnS Hnm Ewald Feldmann ttn echt künstlerisch auSgestattttrs Ennnemngsblatt hervorgegangen, das, außn dem Portrait des Jubilars, die Figur eines HnoldeS in altdeutsch« Tracht zttgt, die ttn: Standarte mit dem Crtteldn Wappen trägt. Außndem enthält das Blatt noch drei Städte-Wappen, sowie die Aufschrift: ,Jubelfein zu Ehren der 25jähr. AmtSthätigkrit des Ober-Rabbiners Herrn Dr. Horowitz. Unter dem Portrait befinden sich die Wotte: ,Zur Erinnerung. Erefeld, 21. Juli 1869—1894." DaS ErinneruugSblatt ist von ttnem schwarzen Rand umgeben, d« aus daschmerzvolle Erttgniß hinweist, durch welches die geplante Jubelfein lttdn zu ttn« Trauerftt« wurde. AuS Bayer«. In Burgkundstadt (Oberstanken) kam im vottgen Jahre ttn siebenjähttger Knabe, HanS Pü tnich, eine» Abends spät nach Hause. Er brachte zur Entschuldigung vor, dn Kaufmann Bernhardt Mackus in Burgkundstadt habe ihn in sttnen Laden gelockt und ihn ttngespcrrt; «st d« Gehilfe des Mackus habe ihn auf sein Schreien befreit und hnauSgckassen. Die Erzählung des Knaben wurde vnbrttt«, und in.der ganzen Gegend von Burgkundstadt geht jetzt daS Gerücht, d« Jude Markus in Burgkundstadt habe ttneu Christenknaben umbttngm wollen. Erst hieß eS nur, MackuS habe dm Jungm mit dmt Mess« bedroht; jetzt wird schon «zählt. -- . - .gp ,