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Israelitische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · p. Seite 308

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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reicht der Name des Menschen für seinen Wohnort hin, nicht aber für die Fremde, da muß das Kleid, das Aeußere, für den Menschen sprechen. Um wieviel mehr gilt dieser Weisheitsspruch dem vorhandenen Streben gegenüber, das Aussehen und die Handlungsweise des Einzelnen zum charakteristischen Zug der Gesammcheit zu stempeln; und wer hatte von jeher unter frivolen Bestrebung mehr zu dulden, als Israel, und welcher Tag wäre besser geeignet zum Einblick in seine eigene Brust, von dessen Regungen und Aeußerungen das Wohl und Wehe des gesammten Israel abhängt, als der Roscli Haschonoh? Es ist heutzutage nicht die Ausgabe des Ermahnenden, wie in früheren Jahrhunderten, auf das nur hinzuweisen, was unterlassen wurde, sondern vielmehr aus das, was auf allgemeine Kosten geschehen ist, oder durch mangelnde Vorsicht das Aussehen dafür hat. Freilich giebt es auch Ceremonien im Judenthume, deren Beobachtung wesentliche Momente der Erziehung in sich schließt, z. B. die Psostenschrift (vgl. Kayser, Geschichte der Pädagogik); unser höheres Augenmerk jedoch muß auf jene Seelen-Eigenschaften gerichtet st in, welche unfern Verkehr mit der Außenwelt regeln, und ' -e wir uns nicht oft genug ins Gedächtniß rufen können, zumal in dem ernsten Augenblick einer Jahreswende, welcher auch ohnedies unser seelisches Auge unserm inneren Menschen mehr als sonst zukehrt. Tas göttliche Gesetz, das den Menschen glücklich macht und das wahre Leben lehrt, ist allen Menschen gemeinsam, sagt Spinoza. Darum betonen wir weniger die inneren Familien-Angelegenheiten unserer Religion als vielmehr die echischen. Gemeinsamkeiten aller Religionen, von welcher Pflicht wir durch Vernachlässigung derselben seitens unserer Angreifer und Verfolger nicht entbunden werden können. Im Gegentheil! Tie Ungerechtigkeit derselben hat uns ja im Laufe der Jahre belehtt, daß wir immer auf dem rechten Wege sind, wenn wir anders handeln als jene, und die Erfahrungen der letzten Zeit bestätigen lediglich die Richtigkeit jenes Grundsatzes und zeigm uns, daß ihre Verhöhnung unseres religiösen Seins und Lebens gleichzeittg eiue Verhöhnung des religiösen Wesens überhaupt in sich birgt. Schon vor drei Jahttausenden wurde Israel die Warnung mitgegeben, mit Umsturzpatteien sich nicht cinzulassm und ein ,kaiserliches Wott jüngsten Datums hat Bezug darauf genommen, wenn auch ohne directen Hinweis. Umsturzideen gegen eine große Gesammtheit führen unaufhaltsam schrittweise zu solchen gegen die Allgemeinheit, denn das Unrecht hat kein abgegrenztes Gebiet, es weiß nicht, . wann es Halt machen soll, darum sind Umsturz und Königstteue zwei divergirende Begriffe ohne gemeinsame Ausgangspunkte. Es nahm uns auch nicht .Wunder, daß jene Umsturzpatteien, welche bislang die Königstteue als ihre Erbpacht ausgaben, Gottesfurcht, Religion und Sittlichkeit zu schützen fälschlich Vorgaben, plötzlich den Schlachruf ändern konnten, ohne darum andere Menschen mit andrem Gesinnungen geworden zu sein. Die heiligen Errungenschaften auf dluttgen Schlachtfeldern wollen sie preisgeben und durch ein Wahlkaisetthum ersetzen —, die durch die Religion erzielten culturellen Erfolge wollen sie dem Wodan, d. h. der schamlosen Sittenlosigkeit und Unsittlichkeit opfern, und dieser Front- Wechsel geschicht mit einer solchen Selbstverständlichkeit, daß er kaum wesentliches Aufsehen erregt, und-er wird mit solch fr—riet Stirn bekannt gegeben, daß eS zum Auslachen wäre, wenn es nicht so ttaurig wäre. Recht so! Jemehr die wahre anarchistische Gesinnung dieser Leute sich kundgiebt, desto schneller werden sie abgewirthschaftet haben, desto rascher werden die guten Elemente im Volke von diesem widerlichen Treiben errröthend sich abwenden. Die Ueberzeugung wird sich wieder Bahn brechen, daß der Kampf gegen Israel stets gleichzeitig'ein Kampf ist gegen Licht und Freihrit, Recht unh Gerechtigkeit. Diese Grundsäulen des WeltbestaadeS find in unsere Brust gesenkt; wir müssen sie herausholeu und in strahlendem Glanze der Welt'als unser unveräußerliches Ligenchum zeigen. Sie. werden die über die Menschheit jetzt lagernden trübest; Nebel siegreich durchbrechen, der allgemeinen Freiheit eine breite Gasse bahnen, daß das Recht allein die Richtschnur de» einzelnen Menschen, sowie gesammter Völker werde. Gebe׳ Gott, daß diese messianische Hoffnung baldigst sich erfüll« l Um dieses beten wir zu ihm am kosek Haschunoh; das Herannahen dieser Zeit wollen wir fördern helfen durch eine Einkehr in uns selbst, die uns zur Besserung der etwaige« vorhandenen Mängel führen, zum tteuen Festhalten.des als wahr Erkannten ermuntern soll, daß wir alle einen Bund bilden, dem göttlichen Gesetze auf Erden nachzuleben, die Aufordernngen der Religion und Sittlichkeit zw erfüllen mit ganzem Herzen. $rrid)ti|11| riirr Srri1|ti|11| 11) rii — ÜkrWrn. Herr Tr. Neustadt in Breslau hat zu meinem Referat über den Jahresbericht seiner hebt. Unterrichtsanstalt in Nr. 31 des .Literaturbl." eine Berichtigung in Nr. 38 gegeben*), diemich zu folgender Gegenberichtigung veranlaßt: Zu Punkt 1 bemerke ich, daß ich ausdrücklich meine Bermuthnng, der Bericht könne gar an alle deutsche Juden versandt sein, daraus herleitete, daß ich ihn bei vielen Privatleuten gesehen habe. Ich füge hinzu, daß dies Privatleute waren» welche sich durchaus nicht zu erklären wußten, wie sie zu dieser Ehre kanien, die Zusendung als eine Bitte um eine milde Gabe auffaßten und niich fragten, ob ich ihnen hierzu rathen könne. Ties war für mich die ursprüngliche Veranlassung, mich mit da« Bericht zu defaffen und nach sorgsälttger Prüfung abzurathen,. da diese Schute ja sehr auskömmlich dotttt sei. während für den Religionsunterricht von vielen Tausende» jüdischer Kinder in Deutschland kein Pfennig hcrgegeben werde; 2. ist Herr Dr. N. selbst schuld, wenn ich den Durchschnitt des monatlichen Schulgeldes mit 4 Mk. annahm, denu er de» merkt nichts weiter, als daß sich dasield« von 2—7 Mk. adstuse, theilt aber weder die einzelnen Beittäge noch di« Gesammtsum«e^ ״; mit. Aber die Summe von 1755 Mk. für 68 Kinder ist noch viel zu hoch. Denn man erwäge, daß die Kinder dafür nicht i etwa vollen Religionsunterricht, sondern nur hebräischen. > Unterricht erhalten; - i 3. muß ich zugeben, daß ich mich in der Addition der Bei» 1 träge geirrt Hab«, aber — wie eine nochmalige Addition ergab —•3•־ zn seinen Gunsten: die Summe beträgt nicht, wie ich angab, z 5705 Mk.. sondern 6021 Mk. 20 Pfg.! Mit der obigen vo» 3 Herrn Dr. N. angegebenen Summe der Schulgeldbeittäge macht..; dies immerhin noch 7776 Mk. 20 Pfg. (Ich kan» steilich auch W für diese Summe nicht einstehen, denn als die Summe der» Breslauer Beittäge giebt Herr Dr. N. aus S. 4: 2315 Mk. a 82 Psg. an; die Additton der Einzelbeittäge aus S. 8—10 er-H giebt aber nur'2106 Mk.!!) - M Von stistungSgeinäßen Zwecken habe ich nichts übersehe« M können, weil solcher mit keinem Wott gedacht wird, wenig-4 stens ist alles, was dafür ausgelegt werden kann, so unklar? H wie der ganze Jahresbericht dieser hebr. Unterrichtsanstalt ßuM Breslau, i» dem mit krinem Watte über Einrichtung. Unterrichts Pensum, Lehrer und Verwendung der Gelder berichtet wird. M Anstatt nun dieser Anstalt, die nahezu 6009 Mk.' für» den hebr. Unterricht von 110 Kindern zur Verfügung hat;» neue Mitglieder zuzusühren, halte ich es vielmehr für meine» Pflicht, auf den alljährlich wiederholten Nothschrei des» deutsch-israel. Gemeindebundes hinzaweisen. M 50,000 jüdische Kinder in Deutschland, d. i.M mehr als der dritte Theil aller, wachsen ohne» jeden Religionsunterricht auf und zwar (nicht wie stM Breslau) aus Mangel an Lehrern. Nach einer briefliches Mittheilung des Herrn Geh. Sanit.-Raths Dr. Kristeller ha»> der Bund hierfür 8000 Mk. zur Verfügung (ganz wie HettW Dr. R.), wofür er achthundert Kindern die Wohlthak d«DM Religionsunterrichles verschafft hat. W Hier ist die Stelle, wo geholfen werden muß. — SBadfl *) Wir hatten au« der längere» Berichtigung des Herr» Dr.D^D »ur da» Thatsächtiche heran »gehoben. (Red-)^W

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