Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1894-09-21 · 38 (21.9.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492344-5935089-5962351--2186-5376421
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

wies. Alle Anwesenden erhoben sich ziir Begrüßung desselben. Hierauf wurde die Egmont-Ouverturc von Betthovev von de» Damen Fräulein Rosa K und Frau F. vvr.zettagm. Es folgte da»» ein vom Herrn Redacteur Alfonse Lev») gedichteter und vorgetra euer Prolog, der nach Gedonkcniulialt und poetischer Fonn als sehr ansprechend bezeichnet werden kann * *) Ten eigentlichen Festvortrag hielt Herr Tr. Moritz Brasch. Ter Redner hatte sich als Thema gewäl lt: .Lazarus »ach seiner Stellung zur Pksilosophie und Psychologie der Gegenwart.!Ter gedmikcnreichr Vortrag. der» das Publikum trotz des vielfach abstracten Inhalts mit gespanntest,-,: Aiisiiirr'sam. feit folgte, wird, wie mir hören, demnächst im Truck erscheinen.) — Den zweiten Theil ׳üllten declamatorifchc und musikalische Torbietungen, von D'lettaiiten durchweg vorttefflich gnsezrführt. Das zwanglose gesellige Brisammensrin zog sich bis zum Morgengrauen hin. AUS Leipzig geht ׳ins nachfolgender Brief eines Freundes der Herren Hildesheimer und Karpelcs zu als Entgegnung aus die Zuschrift nnscres Korrespondenten aus Berlin in Nr. 34 betreffs der Litcratnrvcreine. Wir habe« nur die gefährlichsten Revolverrcdensarten und allzuwiderwärtigen Beweihräucherungen weggelassen Ter Brief lautet: Ter Verein für jüdische Geschichte und Literatur vertritt allerdings keine neue Sache. Nicht nur in Magdeburg, sondern auch in sehr vielen anderen Gemeinden hatte man schon vorher Vereine zur Pflege der jüdischen Literatur mit Vorträgen aus den verschiedenen Grbieteu derselben. Jedenfalls ist aber die intensive und erfolgreiche Art, in welcher der Verein ivickt, anerkenncnswerth und braucht deri Vergleich mit den früheren Versuchen (?) nicht zu scheuen. Wollte Gott, wir litten noch viele solcher .faiseur*", wie die zwei an der Spitze stehenden Herren, denn .f-iirs" heißt .thun"') nicht blos .reden". Daß der übrige Theil des Vorstandes nur .dekorativ" ist, scheint uns eine sehr willkürliche Annahme, die sich nur aus Mangel an Kenntniß der Verhältnisse erklärt?) Tie Schuld der Berliner Vorstandsmitglieder ist es sicher nicht,') wen» dort die Zahl der Bereinsmitglieder keine größere ist. Wie die bctr. Berliner Zuschrift in Nr. 34 dieses Blattes selbst beweist, herrscht in der deutschen Reichshauptstadt eine Kritikücht"), ivelche sich selbst an die edelsten Brsttebungen wagt und dieselbe mit oder ohne Absicht schädigt. Wenn ttotz alledem die deutsche Reichshauptstadt der Vorort des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur wurde und voraussichtlich bleiben wird, so ist dies darin be-- gründtt, daß die erste Anregung von dott kam?), wo auch jetzt noch diejenigen Männer wohnen und wirken, denen die selben zu danken ist. Bei solchen idealen Brsttebungen darf man auch auch die Stimmen nicht zählen, sondern muß die- »elbrn wägen! Erfreulich ist es gewiß, wenn sich dabei Männer der verschiedensten Richtungen schaffensftcudig die Hände reich«. Wenn die Orthodoxie und der Zionismus") in der Verciusleitu'ng vertteten sind, ist das gewiß kein Unglück. . Wir sind mit dem Verfasser des envähntcn Schreibens darin einig, daß die Mittvirkung der Ottsrabbiller und die Heranziehung geeigneter Kräfte durch dieselben nützlich und *) Wir bringen denselben nn beiliegenden ,Aamilienblali". •) Faiseur heiß, nach Thibaut: Pfuscher, der viel von sich reden' macht. . ') Wdnn ist der Sesainmtvofftand befragt worden? wi^ viel Sitzungen Hot er gehalten? welche Beschlüsse ha« er gefaßt? ״) Ganz entschieden, denn Herr H. geh»« bekanntlich selbst nicht zur Berliner Gemeind«. . ל krüiksucht' ist hie Redeweise derer, die kein« Kritik vertragen innen. ' 'י) Ta« ist, wie au« tem jüngst erschienenen.l. Heft der »Mit- «Heilungenhervorgeh«, einfach unwahr: in Köln und Magdeburg war man längst mit der Bereintbildiuig vor. egangen, »he man in Berlin sich regte, ie erste Anregung hapen. die Bnei VriS-Logen gegeben. ' ד Zionismus ist ein« Verrücktheit und noch dazu eine gemeinjährliche! wir begreisen, daß Berlin sich nicht unter da« Regiment : Bambu» beugt. - dringend wüuschenSwetth ist. lieber die Origmalität Themata wollest wir nicht streiten. Nicht die Neuheit des Gegenstandes, sondern die Behandlung desselben dürstt die* jenigcn Zuhörer nnziehen, welche dir Synagogen nur bei be* sonderen Anlässen besuchen. Auch die Person des Bortragenden pflegt eine mehr oder minder große Zugkraft an«, zuüben; ottsfrenide Redner erwecken in den meist« Fäll« ein lebhafteres Interesse als heimische. *) Frau Rahida Remy hat in dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur ej« so dankbares Auditorium gefunden, daß die Rttxrctton der .Wochenschrift" sich verpflichtet fühlt, die geistvolle Dame gegen die Angriffe des Berliner Talmudfreundes in Schutz zu nehmen. Wmn der Titel eines VottrageS .Zwei Freunde" als .sonderbar" bezeichnet wird, so ist dabei nur daS sonderbar, daß der Bettiner Kritiker nicht darauf gekommen ist, w« Herrn Dr. Brasch damit gemeint hat. Wir «voll« ihm auf die Sprünge helfen, die beid« Freunde find .Lesfing und Mendelssohn".") Sicher hat Herr Dr. Hirsch Hildesheimer auch nicht tut Traunie daran gedacht,') das ganze Judenthum von Bettin aus regieren, oder auch nur mit orthodoxen Rabbinern versorgen zu wollen. Aber selbst, wenn ihm ernstlich solche Ge» danken zuzutranen wären, würde seine sich in keiner Weise hervordrängmde Thätigkeit im Verein für jüdische Geschichte und Literatur kaum ge.ignet sein, solche Pläne zu fördern. Ebensowenig berechtigt ist das Utthril, welcheder Verfasser j«eS AttikelS über die Herren fällt, welche sich zu Verttägen erbottn habm. Ob sie einen Gelderwerb suchen oder nur für ihren Zeitvettust odn für ihren Reiscaufwand entschädigt werden wollen, darüber solle man so schnell nicht abuttheile». Wmn im Gegmsntz zu diesm Henen dem Herrn Professor Cohen aus Marburg größere Uneigennützigkeit nachgerühmt wird, so sind wir in der Lage, auch noch andere Vortragende zu nennen, welche auf das Honorar verzichtet«. Wmn dir Herrm, die vom Judmthum leben, dies nicht sämmtlich gethan habm. so liegt dies vielleicht daran, daß sie denn eben nicht sämmtlich sehr reichlich zu leben haben. Ob der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur durch sein bisheriges Verhalten seine Zukunft geschädigt hat, — das wird die Zukunft lehren! 10) Ans Böhmen geht uns theils zur Ergänzung, iheilS zur Berichtigung des in dir. 36 S. 287 unter .Böhmen" über die Ernennung von Bezirksschul- und Beirckthm Mitgetheiltm folgmde sachgemäße Darlegung zu: - Das Gesetz lauttt: .Sind 500 Israel,tcn in einer Schulgemeinde, so wählen sie ein Mitglied in den Or'tsschulrath; sind 2000 im polittschm Bezirke^ wählen sie ein Mitglied in dm Bezirksschulrath; sin.» im polittschm Bezirk nicht ^000, aber über 200.'— und ist nicht ohnehin schon ein Israelit׳ im Bezittsschulrath, so wählt dieser einen Jsrarlitm als Bei* rath." . - ' Dieses Gesetz besteht seit 24. Febmar 1873 und wird genau eingehaltm. ES ist daher z. B? in'Aussig der Vertteter der jüdisch«. Confession im Schulrathe I. Mendl, iu Böhm. ׳Leipa (da nicht 2(®0 Seelen vorhandm sind): Tr. Josef Altschul, Beirathin Leitmeritz desgleichen: S. Teweles. <3n Eger, woselbst '2000 Seelen sind, Ist Mitglied des ' BezittSschulraths Gottlirb Leopold. In B u d w e i 5 ist. seit 18657 — 1892 der Herr KreiSrablniker Ad. Wunder Mi:glikd des Otts- und BezittSschulraths,. da . *) Cft auch ein« ,kostbare" Lnlrinschungl *) Also nicht Karpele« und Htldetheimerl! » *) Wie weiß der Herr, wy« Dr. Hildesheimer im Traume denk», wenn nicht H. ihn etwa inspirirt? '*) Die Herren werden» hoffentlich die ,wohlgemeinte" Wamutzg unsere» Mitarbeiter« sich zu nutze machen, und dann wird Alle« gut werden. Wer Kritik nicht vertragen kann, sollte nicht an die Oeffentlichkeü trete«.' * , *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.