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Israelitische Wochenschrift · 1894-09-21 · 38 (21.9.1894) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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tttauboi, dies von pädagogisch!« Standpunkt zu bekräftig en. ES ist auch heute trotz der Ueberbürdung der Schulkinder noch möglich, Knaben in die ta':-udischr Literatur einzuführen — aber auf ehrliche Weise nur bei einem jahrelangen intensiven Privatunterricht. Wer das einmal probiert hat, wird es erfahren haben Dazu gehört erst einmal — ivcun man methodisch Vorgehen will — gründliches Studium der Bibel und der hebräischen Sprache. Darnach allmähliche Einführung in das Neuhebräischc, in die halachischc» Midraschim, die talmudischen Realien, das Aramäische. Mit äußerstem Mißraue» sind daher Berichte von Tolinud-Thvraschnlcn aufzunehmen, welche vorgebrn, mit Knabe» den Talmud zu traktiren. Freilich es giebt auch eine andere Methode — direkt mit dem Knaben in das Meer des Talmud untrrzutauchcn. Ties hatte früher einen Sinn, als man schon vor dem Talmudstudium i» talmudischer Atmosphäre lebte, jetzt hat es nicht mehr Sinn, als wenn man einem Knaben ohne jede Borbereitung die einzelnen Paragraphen eines chinesischen Gesetzbuches durch Bor- und Nachsprechen eindrillt. Nicht anders ist eS mit dem Unterricht in Büchern wie dem ״Kizzur Schulch.'in «rtich". Viel besser ist es, die Vorschriften, auf welche man Werth legt, einfach iu deutscher Sprache lernen zu lassen, meinetwegen aus Hirsch's .Pstichten Jisroeils im Golus" oder aus Kroner's, wenn auch von UebersetzungS- Fehlem wimmelnden ,Gebetbuch", in dem doch die 39 Arbeitm und alle, selbst kabbalistisch abergläubischen Muihagim mit rührender .Gesetzestreue" aufgezählt sind. Es ist also nicht anders: solche Angaben wie die der genannten Handelsschule(!) sind im Grunde nichts weiter als eine orthodoxe Reklame für den ״frommen Geist" und die .eifrige Taurohpflegc" in derartigen Schulm. B. J. C. Ratibor, 14. September. (Or.-Corr) Es ist schon oft in diesem Blatte gerügt worden, daß von jüdischer Seite manchmal zu viel in .Reclamr" gemacht werde. Im geschäftlichen Leben läßt sie sich beim reellsten Wettbewerb nicht vermeiden, aber geradezu verwerflich ist sie auf geistigem oder gar geistlichem Gebiete.. Manche Rabbiner — die Herren mögen eS einem Laien eutschuldigen, wmn er es wagt, diesen hochwürdigen Herrm, die uns ja so reichlich mit Moralpredigten regaliren, auch einmal etwas AehnlicheS zu bieten — begnügen sich nicht, Belobigungsberichte über eine gelungme, natürlich .nach Inhalt und Form" vollmdcte Predigt oder Ansprache u. dgl. in allen jüdischen Blättem zu lesen, ihr Eigenlob soll weiter hinaus Ningen, darum sorgen sie für geschickte Eittrcfilets und Einschaltungen in den Tageszeitungen, lieber solche verzeihliche menschliche Eitelkeit würde ich kein Wort verlieren, aber wenn man zur Erhöhung der Reclame gar des Telegraphen sich bedimt und vielleicht noch glaubt, damit zur Ehre des Judcnthums bcizutragen, so möchte ich denn doch nach meinem eignen Gefühle das gerade Gegentheil davon behaupten. Der Rabbiner soll meines Erachtens im Stillen wirken und in der Zufriedenstellung seiner Gemeinde seine eigene Befriedigung finden; ob bei irgend einer seiner GelegcnheitS-Predigten ein Bürgermeister u. dgl. zufällig anwesend war und aus Höflichkeit einige anerkennende Worte beim Entfernen unter Händedruch fallen Zieh, ist für die gesamte Außenwelt von höchster Gleichgültigkeit. Was mich zu dieser Bemerkung veranlaßt, das ist ein Artikclchen im heutigen .Oberschlcsischen. Anzeiger" . unter .Ratibor". mit der fetten Ueberjchrift: .Fürsterzbischof und Rabbiner", der wie folgt lautet:- ״Fürsterzbischof Dr.' Kohn empfing gestern Abend im Pforrhause zuHultschin den Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor als Vertreter der von den Behörden zn. den Empsangsfeierlichkritten' geladenen Hultfchiner Synagogengemeinde. -Dr. Blumenthal entbot dem Kirchenfürfien dem , Friedensgruß des jüdische» Bekenntnisses. Friede und Ein-, tracht herrsche im Kreise Ratibor, ein Bano umschlinge hier alle Bewohner, das, Band der Batrrlandskieb« und der ' ' * — •V. '. - .ך; ■ Menschenliebe. Fest stehe jede» Bekenntniß zu seiner Fahne, Alle aber schlöfirn sich zu einem Ganzen freudig zusammen, wo es gelte, durch edle Tbat und fromnie« Werk gemeinsamen Ziele aller Religionen znzustreben Der Redner detonte, daß ein Glaubensgenosse, Freiherr von Rothschild als Patron der Hultfchiner Kirche benisen sei. ihr Liebesdienst zu leisten und daß dieser stcudig in reicher Fülle seine Pflichten löse. Der Redner schloß seine Ansprache mst einem biblischen Segensspruch und begrüßte den-Fürsterzbischof als den Hort des Friedens, als das Sinnbild der Menschenliebe und als einen Bürgen jener ahnungsreiche« Ferne, in der es nur einen Hirten geben werde und nur eine Herde. — Der Kirchensürst sprach unter Händedruck sein« lebhafte Freude über die ihm erwiesene Aufmerksamkeit wie besonders über die gehörten Worte ans und bat wiederholt Herrn Dr. Blumentahl, olle» Denen, die ihn entsendet, seinen verbindlichste» Dunk auSznsprechcn." Jst's ein Wunder, wenn die .Staatsbürgerzeit." sich über solche .jüdische Reclame," die das Judenthum mit der katholischen Kirche treibt, ihren ätzenden Spott ausgießt, und von der .Judenfrcundlichkeit getaufter, zu hohen Kirchenämtern gelangten Juden" redet? — Was wohl der Fürsterzbischof Dr. Kohn sich dabei denken wird. Er merkt die Absicht u. s. w. — Es ist ja unschwer zu errathen, von wem die ganze .Mache" herrührt. LT. Leipzig. 16. September. Schon gestern Vormittag hatten sich in der Billa des Profcssor Tr. Lazarus zu Schöneseld Deputationen eingcfunden, welche gekommen waren, um den Jubilar zum 70. Geburtstage zu beglückwünschen. Herr Alexander Wcrthauer überbrachte die Grüße und Wünsche deS D. I. G. B. u״d des Vereins für Volkskunde in Berlin. Herr Rabbiner Tr. Maybaum verlas eine Adresse der Professoren und Lehrer der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, zw dessen Venvaltungsräten Lazarus gehört. Herr Tr. Magnus gab den herzlichen Wünschen des Vorstandcs des Leipziger Vereins für die Geschichte und Literatur des Judenthums Ausdruck. Herr Redacteur Karpeles überbrachte die Grüße und Wünsche des Vorstandes des .Verbandcs der Vereine für Geschichte und Literatur des Judenthums", indem er dem Jubilar einen silbernen Pocal überreichte und die Mittheilung machte, daß es im Plane liege, eine Lazarusstistung ins Leben zu rusen, welche den Zwecken der genannten Vereine dienen solle. Auch der hiesige Rabbiner Dr. Porges. hatte sich eingefundcn, um dem Jubilar seine Verehrung auszudrücken. Von größerer Bedeutung waren die Glückwünsche, welche Dr. Moritz Brasch, im Namen und Aufträge des Gesammtvorstandes des Deutschen Schriftsteller. Verbandes, welchem Herr Professor Lazarus ein Jahrzehnt hindurch (1878—1888) angehört hatte, die herzlichsten Wünsche zu übermitteln. .Die deutsche literarische Welt", sagte derselbe, ״verehrt in Ihnen nicht nur den hervorragenden Gelehnen, Forscher und Denker, sondern auch den classischen Essayisten und ausgezeichneten Prosaisten." Herr Schuldstertor Dr. Lindner pries in einer Ansprache im Namen der hiesigen Lehrerschaft den hervonagendcn Vertreter der Herbartschen Psychologie und Pädagogik. Unzählig waren auch die eingelaufenen Gratulationsschrciben, -Gedichte und -Tele» gramme. - Zu einer glänzenden Ovation für den Jubilar jedoch gestaltete sich der Festabend, der gestern in den Räumen deS Hotel de Pologne abgehalten wurde. Der in der ersten Etage gelegene große Festsaul, sowie die anstoßenden Räume hatten sich lange vor 8 Uhr Abends mit einem den besten Gesell» schaftskreisen angehörenden zahlreichen Publicum bis auf de« letzten Platz gefüllt. . Besonders war die Damenwelt stark vertreten. Um 8'/, eröffnete Herr. Dr. Porges de« Festabend mit einer kurzen Ansprache, indem er apf die Bedeutung'deS Abends und dir Anwesenheit des Jubilars hin-

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