Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 38 (21.9.1894)
- Date
- 1894-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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wegen Alters und Geschäftsltberbürdung ablehnte, ^urde an seiner Stelle von der Stadtgenieindc Dr. Israel oh» gewählt. Daß nicht immer Rabbiner als Bezirks- Mräthe oder Bciräthe gcivählt werden, liegt ivohl theilS darin, daß zur Zeit der Wahl'rin Rabbiner nicht da war und man den einmal Gewählten auch später beibehielt, theils in dem Ehrgeize von Gemeindemitgliedern. Aber auch in den höchsten Landesjchulbehörden, im £ Landcsschulrathe, sind überall, wo eine bedeutende Anzahl ׳ Juden ׳im Lande sind, Israeliten ordentliche Mitglieder des LandeSschnlrathrS; so in Wien: Dr. G. Kohn; in Linz: .Rabbiner M. Fried mann; in Vorarlberg: Dr. Steinach; in Böhmen:-Dr. Ludwig Bendiner; in Mähren: Ritter von Gomperz; in Schlesien: Quittner Ferdinand, Fabrikant. Die jüdischen Land^sschulräthe werden zumeist — wie bei ■ »den Katholiken auf Vorschlag des Bischofs — auf Vorschlag der Gemeinde ernannt und wenn diese nicht den Rabbiner Vorschlägen, kann der Landesschulrat!, nichts dafür. Budapest, 17. September. Die Deputation der Israeliten ist die« mal zum ersten Male in eine׳; Reihe mit den christ- >-, lichrn Lonfessione» empfanden worden. DnS - wird als eine Folge deS votirten RecepnonSgesetzeS betrachtet. Bejondrrs huldvoll war die Autwort deS Königs an die Juden. Ter; Herrscher sögt« wörtlich: ,Meinen Bölk.ern gegenüber ^bildet einrEonfessionSiinterschied' keine Hcheidewaud in meinem-Herzen." Diese Antwort des Königs erregt hier« um so größere Befriedigung, als die seitherige stereotype Antwort a» die Juden lautete: ,Sie könne!», so laiitje Sie Ihren patriotische» Sksühle» tre»! bkciben, .meines Schubes gewiß sein." — In politischen Kreisen envartet man do» der .Königlichen Antwort einen günstigen Einfluß auf die Erledigurig der Judenreceptionsvorlatze im MagnatenhauS. Neueste und vermischlt Nachrichten. MaßdebUr!. Die .jüdische Presse" des Herrn Hildesheimer bringt ernen'Artikel zur> Vertheidrgung. des Zionismus, in dein di« ganze Bewegung als sehr harmlos ja sogar als verdienstlich dqgg «stellt wird, in welchem aach da» -orthodoxe Blatt mit Sach und -Pack sich zum, Zionismus brldnut. Wir wolle» kurz vor den Feiertagen den vorhandenen Zündstoff nicht entfachen, d'arum nur kurz: nicht uni Ahlwardt und Stöcker sind wir Gegner des Zionismus, sondern aus unserer innersten religiösen lleberzeugung. Zu alledem ist der Zionismus eilte Gefahr. Aber die Debatte über diese Frage kommt auch später noch zurecht. Berti». Mit dem am 1t. d. M. hier verstorbeneii Reuturr S. N. Speier, ist eine stadtdekamite Persönlichkeit Berlin« au» .dem Lebe» geschieden. Herr Speier. der «in Alter vort 84 Jahren erreichte, war seinem Beruf nach Kaufmann »>1d erthcille auch /Unterricht iin Rechnen und kaufmännischer.Buchführung. Seine» , Stammbaum konnte er bis i» da- 17. Jahrhundert zurückführr», . und seine Vorfahren gehrten zu den ersten aus Wien nach Berlin ---«ngewanderlen Israeliten. Einer feiner Vorfahren erwarb sich ' dadurch e>>; besondere» Verdienst, daß er den »och vorhandenen / allen Misthen Begräbnißplatz in der großen ämburgsr Straße % begründete, der mit seinen zahlreichen Grabmäler« und alte» Grabstätten berühmter Personen eme Sehenswürdigkeit Berlin» -bildet. - - Lrefelb, 18. September. Alle Vorbereitungen zur morgigen Feier de« Sbjährigen Amtsjubiläum« u iserrs Oberrabdiiier« waren getroffen, da hat der plötzlich« Tod der verehrten Frau Oderroddiner diesen und dir ganze Gemeinde in tiefe Trauer versetzt; statt der JudiläumSseier eine —. Trauerseier! Die Gemeinde «agt mit Hivb'-1:: והי“ לאכלי »Da ward zur Trauer mein Judelton und mein Lied zum Laut der Klage!" itnchbm«. 6. September. Die kürzlich gemeldet« Ernennung de« Bibliothekars Dr, Landauer zum Honorarprofessor in der “"stosophischen Faculiät der Universität Straßburg ist, wie die -> Ztg " schreibt, darum besonders bemerkenswerth, weil es dabei um «in« eigene Professur für ra b b in i sch «Literatur, in Linie für Talmud, handelt. Theologen, Philologen und '"'st geboten, zu» Berftändniß de-Talmudzu gelangen; auch sind allgemein verständliche Borlksmigen über ihn in Aussicht genommen. Letpzta. Der berüchtigle Autiscinit uud stühere Juden.Missionär Paulus Meyer befindet sich seit nichrerc» Wochen i>» yiesige» Uiitcrsuchliiigsgesäiigniß, wohn« er vv» Wie» ׳aus transportirt wurde. Der wegen seiner Doppelzüngigkeit von de» eigenen Parteigenosse» längst fallen Gelassene wird sich in Leipzig neben ' dem Verleger R»st und Dr. Wesendonck wegen Beleidigung de» Herrn Pastor Bodelschwiugh und inchrerer Diakvnissiiinen zu verleidige,1 haben. [Das also ist ein. antis. Lehrer.) lübemnilz. 18. September. Ein bekannter antisemitischer Agitalor, der Lehrer Karl Julius Klietzsch aus Hegersdorf bei Burgstädt, ist nach einer Miltheilung des amtlichen ,Boigsl. Anzeigers" wegen fortgesetzter schwerer Sittlichkcitsvcrdrrcheii vv», hirs. Land- S.. - ־ ' ' '־ ' ״ ' ~ ־ ־' . Zltia« Die ,Zitlaucr Morgenzeilg." vom 15. d. M. enthält in ihre»» .Fragekasten" folgende drastische Abfertigung eines .Antisemiten i» Reichenau": ,Ihn Bemerkung, daß uuser vera'iiliöortlichex Redacteur wohl vv» Juden adstamniie, zeugt von echt antisemitischen Tcharffin». Ru» werde» Sie ja ivohl auch bald hrraiisfiiideii, daß es außer den Antisemiten (;. B. Lima») überhaupt »ur »och Jude» und Judensprößlinge giebt. Was uuscreu verantwortlichen Redacteur anlangt, so wollen wir cs Ihnen'ganz genau, vrrralhen. Bon Juden stammt er allerdings nicht ab. aber von dem dekainite» Bileam, den Balak, der König der Midianilen. vergeblich «1 bereden suchte, de» Jude» zu fluche». Die Eselin, auf welcher Bileam ritt, dürste Ihre Urahne gewes«! sein." , tamburg, 13 September. Am letzte» Sonnabend heging die Tempeltzenieindc die Feier des 50jährigen Bestehens ihrLi Gottes- Hauses. Herr Dr. Leimdörlcrpredigte uilter Ziigrunvlegung des TextetzJesaicks 52, V. 7. über die Bedeutung de- Hamburger Tempels für dir Entwickelung des Mische» Gottesdienstes in diesem Jahrhundert. Redner ging aus vgn d«r vor 50 Jahren zur Ei»- Weihung gehaltciie» Rede seines Vorgängers Dr. Gotthold Salomon, und erinnerte an die umsichtigen Verwalter, z» denen «inst auch der,Obergerichtspräsident Gabriel Rießcr zählte. Geschichtlich bedeutungsvoll war der Hinweis darauf, daß der alle Tempel (iu der Brunnenstraße). der 1848 eröffnet wurde, der erste gdwese» ist, in den, in Deulschlaud ein geregeller israelitischer- Gottesdienst mit Gesang uni« hochdeutscher Predigt stattfand. — Dinslaken a. Rh. Die Einweihung det neu erbaute» Syizagoge soll ar» 27. Oktober statlfinde». - ck.'Wtetl. 14. September. Der Kaiser hat den bisher dem Bezirksgerichte ״Junere $tabt“ als Rathsjecretair zugewiese»« Herrn Dr. Jacob Koh» zum Landes-Gerichtsrathr« ernannt. Es ist dies in Oesterreich der erste Fall, daß ei» Jude zu einer solchen Stelle dernstn wurde. Inserate. Thiergarten־Str. 3/4'Hannover Thiergarten-Str. 3/4 [ Wenftonat und Höhere Föchterschule | Ivön• Frau Dr. Levirson um! Frl. Constance Levy Jetzige inhulteriur ,Frl. ConstanC0 Levy< (362 l Israelitisches Tochter-Pensionat i kM FertblMengs-AMtalt. [430 £ \ Berlin w. Hedwig Sachs, Therese Salz, LOtzow-tJf«28 ־. jj. Referenz: Sr. Ehrwürden Hr. ftabb. Dr. Ungerleider, Berlin b I8r8.611tisv116 8611- und kü6K6-^usta1t kür ^6rvsnimä OsmüttisLrairLs zu bsi Lohlsnz a. Rh. 363] __ Bestand seit 1869. Gesonderte Abteilangen für 150 Kranke beider Geschlechter. Prospekte durch die Unterzeichneten. JL Jacob) . Dr. Bohrend. Dr. KoaeatkaL