Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 2Ö4 — י ■*)י י ־־ Gesetze Gottes."*) Trotz dieser Aenderung der Formel ist nach meiner Ansicht die Einsegnung der Elie eine jüdische, Nach dem alten jüdischen Gesetz ist überhaupt der Gebrauch der Formel nicht unbedingt vorgeschricben; die Elle war vielmehr eine Art Besitzergreisen unter shmbvlischcr Anwendung des Ringes. Ein in Paris im Ansang dieses Jahrhunderts v rsammeltcs Rabbiiiatskonsistoriui» hat auch erklärt, das, die Form der Einsegnung der Ehe Sache des die Trauung vollziehenden Rabbiners ist; es wurde von dem Konsistorium ausgesprochen, daß es von dem Belieben des Rabbiners abhängt, ob er im einzelnen Falle die Trauung vornehmen will oder nicht." Dagegen blieb Tr. Maybaum dabei, daß eine Ehe zivischen Juden nicht als sorinell giltig erachtet werden konnte, wenn bei der Einsegnung die abgeändertc Formel e,7bra::cht wird, daß aber eine Ehe zwischen Juden und Christen auch unter Beobachtung der vom jüdischen Ritus vorgeschriebencn Form nicht eingescgnet werden könne. Das Gericht hat in! streitigen Falle die vom früheren Rabbiner der Rcformgeineinde Tr. Ritter oorgcnommene Trauung als .»ach jüdischem (d. h. nach rcsormjüdischen) Ritus vollzogen" erachtet. (Unzweifelhaft ist der Standpunkt des Rabbiners Tr. Maybaum nach dem maßgebenden ehegesetzlichen Religionscodcx, der keinen .resormjüdischen Ritus" kennt, einzig und allein der correete.) Hannover. 6. September. lOr.-Cor.) Tic vielfachen Bestrafungen antisemitischer Verbrecher werden selbst der antisemitischen Presse nachgerade unbehaglich. Tie hiesige a»tisemitische .Hannoversche Post" bringt in ihrer Nummer vom 4. September folgenden Verzweiflungsruf: .Judendicneriscb? Zeitungen veröffentlichte» folgendes Telegramm .Altona, 3l. A»g Tie Zirafkainmmer vrrnriheille heute den wegei» Weihselsällchuiig mit sechs Jahren Zuchthaus vorbeslrastcn antisemitischen Agitator Kaufmann Benisch, wegen zehnfacher Wechselfälschuug zu vier Jahren Zuchthaus." Mit welchem Rech» der Benisch als ,a»li semitischer Agitator" bezeichne« wird, wissen wir nicht; der Man» ist uns wenigstens, die wir doch sämmiliche .antisemitische Agitatoren" in Deutschland dem Namen nach zu kennen glauben, bisher unbekannt: geblieben- Es ist übrigens nicht m.mcglich, las, der p Benisch — wahrscheinlich in verbrecherischer Absicht — sich in der antisemitischin Bewegung vorgedrängt hat. was natürlich nicht verhindert werden konnte. Daraus aber gegen den Antisemitismus Kapital zu schlagen, das zeugt von einer ganz unglaublich nietertiächtige» Gesinnung. Fast scheint es aber, daf gewisie Gegner unserer Bewegung eine solche Gesinnung hegen, wenigstens dürfen wir a»S einifen anonymen Zuschnsten, die uns übrigens tufendweise zugehen, daraus schließen. Bisher war es nicht Mode, öffentlich den politischen Ziandpnnkl vcrurtheilter Berbrccher anzugrben, genau niilzutheilen, ob sie sich fortschrittlich, nationallibcral jocialdemokratisch, oder sonst was nannten. Das ist eine neue Erfindung, die wir den edlen Juden,chützern verdanken." Es ist in der Thal höchst amüsant, wie dieselben Blätter, die nicht nur bei jedem Schwindler, der zufällig wirklich Jude ist, dies triumphierend verkünden, sondern die Angabe i» unzähligrn Fällen geradezu erlügen, wie dieselben Blätter sich stbcrdin, wenn ihnen ein verbrecherischer Gesinnungsgenösse vorgebaltcn n׳ird, wozu sie ja stets reichliche Gelegenheit geben. Tann ist das mit einem Male eine jüdische Erfindung, dasselbe, was von! ersten Augenblick der Bewegung an .rcht-antisenlitische Methode" war. Kr. Thorn, 10. September. (Or.-Cor.) Das Königliche Landgericht Hierselbst hat am Dienstag, den 4. d. in einem gegen den nun verstorbenen Photographen A. Jacobi und Herrn Kaufmann M. Kaliski anhängig gemachten Proceß ein freisprechendes Erkenntniß gefällt. Zu dem am 24. September 1893 angesetzten Vortrag des Reichstagsabgeordneten Leuß hatten sich nämlich die oben genannten Herren durch einen Arbeiter Böhrke 20 Eintrittskarten besorgen lassen und erhielten dieselben, da der Bote vorgab, die Karten seien für Arbeiter einer hiesigen Fabrik bestimmt, zu dem ermäßigtcn Preise von 30 Psg., während der Arbeiter für seine Besorgung 2 Mk. erhielt. Ta nun die Karten für, 40 Psg. pro Stück weiter verkauft wurden, so erblickte der *) Warum nicht richtiger: nach dem Gesetze der Natur'? ' hiesige deutsch-sociale Resormverein darin einen Betrug und machte dir Sache bei der Königl. Staatsanwaltschaft anhängig. Das Königl Schöffengericht vernrtheilte den Arbeiter Böhrke wegen Betruges und die Herrn Jacobi lind Kaliski wegen Anstiftunc, hierzu zu einer Geldstrafe von je 20 Mk. Gegen dieses Erkenntniß legten sowohl der Amtsanwalt wie die beiden Letztgenannten Berufung ein und erfolgte die Freisprechung des Herrn Kaliski, da sich derselbe ebensowie der verstorbene Herr Jacobi, nachgewiesenermaßen durch den Verkauf der Karten keinen Vcrmögensvortheil veischafft hatte., Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt. — Wie mir soeben mitgetheilt wird, hat ein Berliner Anttsemitenblatt den Proceß schon am 28. August m bekannter Manier besprochen und den Angeklagten Jacobi insbesondere verunglimpft. Es soll daher daher einzig und allein aus dem Grunde, daß es sich um die Ehre und den Ruf eines geachteten Bürgers und Israeliten handelt, gerichtlich gegen das Blatt vorgegangen werden. Crefeld, 9. Sept. (Or.-Corr.) Am 19. d. M. feiert der hiesige Oberrabbiner Herr Tr. H o r o w i tz sein 25jährigcs Amtsjnbiläum. Herr Tr. H. hat es verstanden, in diesem Zeittaume durch treue Pflichterfüllung, durch die rechte Ersassung seiner Aufgabe sich nicht allein die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde, sondern auch dir der nichtjüdischcn hiesigen Bevölkerung zu erwerben. Nach dem uns vorlicgenden Programm verspricht die Feier eine recht erhebende und würdige zu werden. München. 9. September. (Or.-Corr.) Die würdige Art der Ausschreibung des durch den Tod des sel. Tr. PerleS vacant gewordenen Rabbinats hat zu einem schönen Resultat geführt. In geheimer Abstimmung wurde der zu einer Predigt am gestrizen Sabbath eingeladenc Tanziger Rabbiner Tr. Werner mit Einhelligkeit zum hiesigen Rabbiner gewählt. (Tie Münchener haben gut getvählt, Tr. Werner einer der ällern Schüler des Breslauer Seminars, erfreute sich in Danzig, wo er einige Zeit mit Tr. Gronenian gleichzeitig, aber an verschiedenen Synagogen wirkte, von Anfang an des Ruses eines guten Redners. Es gelang ihm die 5 Genicinden daselbst zu vereinen, die ihn bereitwillig als ihren Rabbiner anerkannten. Tr. W. lieferte durch sein 16jähr. Wirken den Beweis, daß man trotz Orgel und besonderem Gebetbuch ein gesctzcstreuer Hüter der Gemeinde-Institutionen sein kann.) 8. Hall (Württ.), 6. September. (Or.-Corr.) Tie hiesige israelitische Gemeinde widmete ihrem allseitig verehtten und beliebten Lehrer Nathan Hühnlein, der seit 25 Jahren in der Gemeinde wirkt, eine schöne und würdige Jubiläumsfeier, an der sich auch die städtischen bürgerlichen Kollegien, die christlichen Lehrer, sowie alle Kreise der Stadt zahlreich betheiiigten. Tie isr. Gemeinde hatte schon vorher dem Jubilar durch eine Abordnung ihre Glückwünsche darbringen lassen und ihrer Dankbarkeit für seine tteuen und ersprießlichen Dienste durch ein schönes Geschenk und Andenken Ausdruck gegeben, ebenso die Filialgemeinde Steinbach. Abends war Bankett im festlich geschmückten Saale zum Ritter, wobei Herr Heinrich erz die Leitung übernommen hatte. Oberamtspfleger rnmren beglückwünschte den Jubilar Namens der Stadt und tvastirte aus Se. Mas. den Künig. Tie Festrede hielt Tr. Heim ann, er würdigte die verdienstvolle Wirksamkeit des Gefeierten nach allen Seiten, sowie sein mannhaftes, charakterfestes Eintteten für das, was er als richtig erkannt hatte. Ferner sprachen B. Wolf Namens der Schüler, Lehrer Säusele Namens des württ. Volksschullehrer-Vereins, Oberlehrer Klingenstein, Fahr und Gchring als Kollegen. Redacteur Groh gratulirte Namens des stenographischen Vereins (Herr Hühnlein ist geprüfter Lehrer der Stenographie und Mitglied der staatlichen Prüfungskommission). Der Gefeierte dankie tiefgerührt für dieihm gewordene Anerkennung. Begrüßung!-Glückvunschschreibeu waren in Menge eingelausen. Möge, der Jubilar noch lange segen-reich, wirken'