Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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faffmb Begünstigten beschuldigte, die Brunnen vergiftet zu buben —, gegen welche die europäischen Nationen mit Prozessionen, Reliquien und mystische Ponaccen ankämpstcn, strenge und detaillirte Tcsinfektions- und Nahrungsgesctze bcsaß. In selbst in der in den kleinsten Gemeinden bestehenden Organisation zur Unterstützung der Kranken und Be׳ erdigung der Toten (Chewra Kadischa) erblickt er de» Sieg der socnillnigicnischen Erziehung, welche die Führer des jüdischen Volkes demselben seit Jahrtausenden angedcihen liehen, wenn auch deren Vorschriften nicht soweit gehen, daß gläubige Juden, wie Verfasser meint, eher Hungers sterben, als Speisen anrühren, die nicht nach den Borschristc» ihrer Religion zubereitct wurden. Auch ist nicht alle christliche 'Nahrung ihnen ein Greuel, sondern die nicht-rituelle Nahrung an sich, selbst ivenn sie von Juden bereitet worden. Wir können die Besprechung dieses herrlichen Werkes, dessen Verbreitung die Abwehr-Vereine jeden Namens sich angelegen sein lassen sollten, nicht besser schließen, als mit den letzten Worten des Verfassers selbst: ״Während in Europa auf die einst so blühenden Griechen und Römer bereits die zweite Völkergeneration gefolgt ist, sehen wir den orientalische.! Stämmen noch dieselben nationalen Individuen, welche beim Beginn der Weltgeschichte ausgetreten sind. Tic Chinesen, die Inder und Juden, sie blicken gleich uralten und doch lebenskräftigen Greisen mit Vcrivundcrung auf die europäischen Nationen herab, auf diese Babi's von Völkern, welche sich schon so greisenhaft gcberden," und rufen dem Verfasser zu: Macte rirtute diligentiaque esto! WW Lkhlll׳M»11snjitl1k1 ii M4I11). Pon Seminarlehrcr A. Treu in Münster. (Schluß.) Außer den Lehrfächern auf dem Stundenplan der staatlichen Seminarien enthält der Uutcrrichtsplan der Marks- Haindvrs'jchen Stiftung noch die hebräischen und Religionsfächer, franz. Sprache — und früher zeitweilig Latein und Englisch. Tie Begeisterung für das Lehramt und die ideale Aufsassunz desselben machten die Schüler Haiudorf's zu den Trägern der Kultur in den Gemeinden, wo sie als Jugendlehrer und Kultusbeaniten wirkten Zwar fanden sie Anfangs in vielen Gcuicindcn, namentlich des Rhcinlandes, ein schivieriges Arbeitsfeld, dessen Boden durch alte Gewohnheiten, Vorurtheile und Zeloten eine schwierige Aufgabe der Ucberwindung und praktischer Klugheit stellte, man war vielfach gegen die ״Neumodischen" eingenommen. — Tiefe ״Neumodischen" bczeichneten den Gegensatz zu den ״Bachurim" des Jargons, die zur Noth ״Oren" und das zum täglichen Gebrauche gangbare Ceremonial lehrten. Ter ״neue Lehrer" erschloß die Jsr. Elementarschule und ertheilte den Gesammtunterricht für das praktische Leben, den Religionsunterricht und das Hebräische nach pädagogischen Grundsätzen. — In vielen Gemeinden Süd- und Mitteldeutschlands unterrichtet noch der ״Religionslehrer und Schochet" die Kinder in den Schulserien an 'Nach- Mittagen, während in 'Norddeutschland und in der Rhein- Provinz die Elementarschule mit ihrem einheitlichen Unterrichte Regel ist. In der jetzigen Strömung des sich schroff zuspitzenden Konsessionalismus, auch in den Schulen, sollten die Israeliten besonderen Werth aus die Beibehaltung ihrer Elementarschulen und Einrichtung neuer Schulen legen, ohne in den Fehler der Gegner, nämlich des Rückschrittes, zu verfallen, und das um so mehr, als die Jsr. Elementarschulen in ihren Leistungen von den Aussi,.tsbehörden (Lokal- und Kreisschulinspektoren) lobend anerkannt werden; die Gemeinden sollten ihre Kinder vor der Beschämung durch antisemitisch angehauchte Lehrer schützen, die Liebe zu der Religion ihrer Väter erwecken und erhalten. Aus der Ferne, besonders von Holland, aus, chiKdteir sich Gemeinden an die Verwaltung der Marks-Haiudorfschen Stiftung, um gus dieser Lehrer zu erhalten. Eine, stattliche Anzahl Münsterischer Lehrer hat sich׳ neben der Amtsführung autodidaktisch für das akadeinische Studiu n vorbereitet, und haben sich als Aerzte. Philologen rc.- einen ehrenvollen Ruf erworben. Zwei derselben glauben wir hier hervorheben zu dürfen: Tr. med. Kronenberg, Solingen, Und Prof. Dr. Lestmann, Heidelberg. Sie haben in Verbindung mit dem Schreiber dieses 1856 den ״Verein israelitischer Lehrer für Westfalcn und die Rheinprovinz" zur Hebung der geistigen und matcriellrn Interessen des Lehrerstandes gegründet, zugleich ein Unterstützunqsverein für dienstunfähig geivordene Lehrer, Wittwen und Waisen. — Andere Schüler des.Seminars haben in Amerika einen geachteten Wirkungskreis sich -errungen-, cs bedarf nur der Erinnerung an den verstorkciien Rev.. Gutheim—Cincinnati, der, ein Schüler Haindorfs, von der kleinen Stele Scndenhorst nach Amerika'ausgewandert ist. In Hannover regte 1846 der Landrabbiner Dr. Adler, später Chief-Rabbi-London, die Gründung eines Lehrerscminars an; sein Nachfolger Dr. Meyer und der bekannte Tr. Frensdorf brachten 1848 den Plan zur Nussühriing. Zu den ersten sieben Schülern gehörte der jetzige׳ Seminar-/ lehrer Herr Sommer. Nach Abgang Dr. Kroner's ist Dr. Knoller aus Breslau mit dem Direktorat betraut worden. Das Seminar hat verhältnißmäßig - viele und .recht wackere Lehrer ausgebildet. Das von dem verewusten Dr. Zunz-in Berlin crrich». tcte Seminar hielt sich nicht lange; erst zu Anfang der Fünfziger tauchte die Idee zur 'Neugründung eines- Seminarwieder auf und ivurde mit besserem Erfolge durchgeführt. Das Seminar blühte unter der Leitung des trefflichen Pädazogen Dr. Horwitz aus, und ist seit dem Tode dieses Leiters Herr Dr. Holzmann Dirigent des zeitweise gut besuchten Seniinars. Ter Zuzug der meisten Schüler ist vom Osten her und finden auch die meisten dort und in Schlesien als Lehrer Vcnvendung. Jndcß haben ״Berliner Lehrer" auch hier >m Westen Stellung gefunden und sich als wackere Kollegen bewährt. Tie Schülerzahl in den Seminarien ist beständigem Weihsel unterworfen. In Münster gingen 1847 nur 2, 1848 12 zum Examen; in den fünf Jahren 1862—1867 wurden 36 ausgenommen und 29 mit dem Reifezeugniß entlassen (als Handiverker bis dahin [1868] überhaupt 329 unterstützt), 1885 entlassen 8, 1894 mit dem Zeugniß der Reife 4 Schüler entlassen. Hannover hat im Ganzen bis. 1894 nK Lehrer 291 ausgebildet und Kassel seit Dr. Stein's Direktorium jährlich im Durchschnitt 4. Das streng orthodoxe Seminar zu Köln, unter der Leitung des Herrn Dr. Plato, eines gewiegten Gelehrten im Hebräischen, ist zur Zeit stark besucht. Die Existenzmittel der christlichen Seminare giebt der Staat her, und tragen somit die Israeliten dazu bei, Obgleich keine Juden in denselben Aufnahme finden können. So sind die israelitischen Lrhrer-Bildungsanstalten auf die freiwilligen. Beiträge von Gemeinden und Privaten angeivicsen. Nur Münster hat, Tank dem ehemaligen Kultusminister Dr. Falk, - des so klar schauenden, human denkenden, gegen Alle gleich gerechten Mannes, seit 1876 sich einer staatlichen, auf den Etat übernommene Subvention zu erfreuen, mit welcher Beihülfe es dennoch schwierig ist, allen Anforderungen an dir materiellen - Leistungen ausgiebig zu entsprechen, denn die freiwilligen Beiträge sind in den letzten Jahren, veranlaßt durch sociale und politische Strömung, zurückgegangen, wozu dir Beisteuer für die Russen — die Abwehr des Antisemitismus — und verschiedcne Vereinsbildungen vonder Unterstützung bewährter — der nothweudigsten Institute, wie Lehrerbildungsanstalten und Waisenhäuser, — ablenken. Gerade diesen Jnstitütm sollte — nach dem Ausspruch« SaladinS im Nathan — nichts abgedarbt werden.