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Israelitische Wochenschrift · 1894-09-07 · 36 (7.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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!?' sreichmdem Maße —, sondern daß es vor Alle» gilt, das deutsche Volk von einer Bewegung zurückzurrißen, in der es Gefahr läuft, die einfachsten Bvrfchristen des Rechts und der Sittlichkeit aus dem Auge zu verlieren. Gerat» der nationale Geist, den die Gegner fälschlich so oft für sich ins Tressen führen, ist durch diese Bewegung in erliste Gefahr gerathen, seinen edelsten Kern einju־ büßen, und wir handeln wahrhaft national und wahrhaft menschlich-zugleich, wenn wir diese Gefahr abzuwenden ernstlich und energisch bestrebt sind. Nnr ivenn es zur allgemeine« Ucberzeugung aetggrbcii ist, daß jeder, der den Antisemitismus bekämpft, echt national und vaterlandsliebend handelt, _ wird es gelingen, die Geister de« Hasses und der Zwietracht, die unser Volk niehr und medr zu zerreißen drohen, wieder in das Nichts pwückzu werfen, an? dem sie hervorgegangen find. An dieser gerechten Aukgabe nützuwirkcn, ist Jedermann berufen, der mit der klare» politische» Einsicht in den verderblichen Charakter dieser Bewegung echte und wahre Baterlandsliebc verbindet. I» diesem Sinne wendet sich-der Verein zur Abwehr des Antisemitis.nus an alle Mitbürger unserer Provinz, christliche >vic jüdische, mil der Bitte, ihn iu diesem schweren, aber auch hochbcdeulsamcn und wichtigen Kampfe zu unterstützen. Alle Nachrichten und Miltheilungen wolle uian an die Adresse des Bureaus, alle eingeschriebene» n»d Geld Sendungen an die persönliche Adresse de» Unterzeichnete» (Gustav Advls-Ltraße Sit ll) richten. Bchusp Entgegennahme persönlicher Meldungen wird der Unterzeichnete täglich von 3- 4 Uhr im Bureau anwesend sei». Der Leiter des Bureaus: Archivar Lr. Winter. Magdeburg. 2 September. Von den vielen Zunz- Anekdote» sei hier eine erwähnt, die an ein Gespräch Zunz'S mit Zacharias Frankst sich anlehnt. Frankel kam Ansangs der siebziger Jahre zur Konsultation eines Arztes nach Berlin und Zunz besuchte ihn. Frankel, der Zunz hochvcrelirte, war über diesen Besuch sehr erfreut. Tie alten Herren, die sich lange Zeit, nicht gesehen hatten, unterhielten sich von vergangenen Zeiten, von Beer, von Sachs,- von Beit, vo» lauter guten Freunden o«d um das Judenthum wohlverdirntcu Männern,, die längst dahingegange» waren Zunz und Frankel, die beide d.mals hochbetagt waren und unter körperlichen Schmerzen zu leiden hatten, wurden dadurch uaturgeinäß wehmüthig gestimmt und Frankel sprach seufzend: ,So stirbt ein Bekannter nachdem andern". Zunz jedoch verscheuchte diese Stimmung mit der witzigen Gegenrede: ,Haben Sv schon einmal gehört, dnß Bekannte geboren werden?" Zunz hat Frankel zu dessen 70. Geburtstag in einem geistreichen Schreiben gratulirt, das voll Anerkennung ist für Frankels schriftstellerische Leistungen (,Studien zur Septunginta", der ,gerichtliche Beweis" u. a.); der Brief ist im Jahrgang A dieser Wochenschrift aus S. 341 abgedruckt). Berli«. 1. September. Nicht Bauern-, sondern Turnerfang treiben die Antisemiten seit dem Breslauer Turnfest, bei welchem Anlaß sie eine Versammlung veranstalteten,, die trotz - schneidigster Reklame mit einem vollständigen Fiasko endete. Seitdem bemühen sich die echten ,Teutschrn" in gewaltigen Artikeln der Welt glauben zu inachen, als ob die ganze ' Turnerschast schon zu den ihrigen zähle. Fast in jeder Nummer der ,StaatSbürgerzcitung" erscheint ein Bericht von einer imposanten Versammlung irgend eines ,judenreinen" Turnvereins. Vater Jahn.wird in fast jeder Nummer dieses Blattes verherrlicht — als Antisemit natürlich! Daß Jahn ein Antisemit war, ist für dieses Blatt, die Priesterin der Wahrheitsliebe, sonnenklar. Beweise sind nicht von Nöthen, Freund Ahlwardt wird Alles später schon .aktenmäßig" beweisen. Der ״Staatsbürgerzcitung" aber könnte man in's Album schreiben: ,Jahn war Antisemit und Caserio, der Mörder TarnotS, ist und bleibt Jude!" — Hauptsache bei dem Angelwerfe» nach den Turnern ist selbstredend, ,deutsche". Turnvereine zu gründen, um die teutsch-äntisemitische Tasse für Böckcl-Förster'sche Zeitungs- und andere Gründungen zu stärke». Die deutschen Turner «erden, dank ihrem geraden Sinne, allerdings ebensowig aus de» Leim gehen, wie s. Z. die wirklich ״echt teutschcn" Bauern bei der beabsichtigten Verwandlung des hinscheidendea ,Reichsherold" in eine Aktiengesellschaft. Die Bauern hielten die Titschen fest zu, trotz der beruhigenden Erklären- Böckels in dem genannten Blatte, daß die Zinszahlung vollständig gesichert sei. Berlin.' Dir ,Kreuzzeitung", die eine rechte Judenzeitung ist und sich mit den Deutschen jüdischer Konfession mehr als mit den übrigen Deutschen beschäftigt, brachte jüngst drei Leitartikel, Auszüge auS dem literarischen Nachlaß des vor einigen Jahren verstorbenencn Sulturbistorikers BictorHrhn, volkspsychologische Bettachtungen über die Juden. Zuvörderst wissen wir nicht, ob sich die Leitartikel der .Sreuzzeitung" völlig mit den Bemerkungen Hehn's decken. Die Artikel enthalte» nur die bekannten Korurtheile der Antisemiten, hübsch zusammcngeheftet. Hehn stammt ans den Ostserprovinzen, aus Dorpat und das ist rin sruchtbcncr Bode» für allerhand überlebte Ansichten, so daß die ״Kreuzzeitung" von dort stets ihre eifrigsten Mitarbeiter bezogen hat. (Hehn war lange Zeit Bibliothekar an der Kaiser!. Bibliothek in — Petersburg, daher sein Judenhaß!) Frankfurt a. M.. 30. Aug. Gegen die in der ,Franks. Ztg." erhobene scharfe Anklage der Nichtachtung der Reichs- und Landesgesetzc seitens der hessischen Jiistizverwaltnng, die noch keine» jüdischen Richter im Großherzogthum Hessen angestellt hat, erstehen unserem Staatsministcrium in den Anti» semiten die einzigen Vertheidigcr. Das verurtheilt die Sache »och »,ehr. denn wenn die hessische Regierung auch in Worten die Bestrebungen und Ziele des Antisemitismus auf's Schärfste verurtheilt hat, so zeigt sie doch durch ihr Vcrhalten, daß der praktische Anti,emitiSmus ihr nicht fremd ist. Will man es den Antisemiten verargen, ivenn sie sich auf die hessische Regierung berufen, wenn sie aus der Thatsachc, daß das Ministerium Finger, obgleich es alle Beamttn vor der Theilnahme an der antisemitischen Agitation eindringlich geivarnt hat, eine der Hauptforderungen dieser Agitation, den Ausschluß der Juden vom Richteramt, der Verfassung und dem Reichsgesetz zum Trotz erfüllt, die Folgerung ziehen, damit iverde die Berechtigung ihrer Bestrebungen eklatant dargethan? Aber sie beschränken sich nicht daraus, sie möchten auch beweisen, daß die Herren Finger ׳und Hallwachs zu Unrecht beschuldigt werden, durch ihren praktischen Antisemitismus gegen die bestehende Staats- und Rechtsordnung gehandelt zu haben und das geschieht in einer Weise, daß man den Clienten ein. gewisses Mitleid nicht versagen kann, denn auch an L)sfizialncrtheit,sger, wie es in diesem Falle die Antisemiten für die hessische Regierung sind, darf man doch die Ansorderung stellen, daß sie mif dem Thatbestand und de« gesetzlichen Bestimmungen verttaut sind. Sie können nicht bestreite«, daß nach hem Reichsgesetz vom 3. Juli 1869 .dir Bssähigung zur Theilnahme an der Gemeinde und Landrsvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Armter vom religiösen Bekenntniß unabhängig sein soll", aber sie verrathen vollständige Unkenntnitz der Verhältnisse, wenn nicht gar m»I» ticie«, wenn sie jenem Rrichsgesetz durch die Frage: Muß denn ein Staat jeden Juden zum Richter machen? ein Paroli zu bieten suchen. Nicht darunc handelt es, sondern die Frage lautet im konkreten hessischen Fall: Darf ein deutscher Staat Juristen, denen er die Befähigung zum Richteramt zucrkannt hat, ihres religiösen Bekenntnisses wegen von diesem Amte ausschließen? Dahiu ging die in der ,Franks. Ztg." erhobene Anklage, für die der Beweis erbracht ist durch die Erklärung, die zur Zeit der Staatsminister Finger in der hessischen Kammer abgegeben hat. .Diese Erklärung." sagt dir ,FZ." richtig, ״war gleichbedeutend mit einen, Geständuiß und darauf legen wir den Nachdruck, da sich daraus ergiebt, daß die hessische Regierung in bewußter Weise der Nichtbeachtung eines Reichsgesetzes sich schuldig gemacht hat. Durch die antisemitische Bertheidigung, der sie dabei verfallen ist, wird das noch klarer und evidenter, aber eine bessere hatte» die Herren Finger n»d HallwachS nicht mrdient." Köln. Gegen dir Vorstandsmitglieder des Antisemitischen Reform-Vereins ist die Anklage wegen groben Unfugs

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